Predigt: Vergiss es nie: Es geht um die Liebe. (5. Mose 6, 4-9) 31.10.2019, Reformationsfest

Mesusa an einer Hoteltüre in Tel Aviv

Dtn 6, 4-9

Mit dem „Schma Israel“ haben wir einen zentralen jüdischen Text zum Reformationstag am Start. Wie schön, wenn man entdeckt, wie reformatorische Erkenntnis sich hier anschmiegt.

Predigttext: 5. Mose 6, 4-9 / Deuteronomium 6, 4-9

4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Dtn 6 – das Urbekenntnis des Volkes Israel

Liebe Gemeinde,
unser heutiger Predigttext ist einer der zentralen Stellen unseres Alten Testaments. “Der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.” – das ist ein Grundbekentnis des Volkes Israel. Und vielleicht erinnern Sie sich an die Geschichte um den barmherzigen Samariter: Da hat auch Jesus genau diesen Satz als entscheidendes Gebot zitiert.
Diese Zeilen sagen auch, wie wichtig man dieses Bekenntnis nehmen soll: Das steht …
… du sollst sie deinen Kindern einschärfen
… du sollst sie als Merkzeichen auf deine Hand und zwischen deine Augen binden
… und an deinem Türpfosten sollst du sie befestigen.

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Predigt zur Kirchweih: Schafft es der barmherzige Samariter durch die Rettungsgasse? (Mit Anspiel zu Lukas 10, 25-37)

Barmherziger Samariter mal anders

Wie ist es, wenn nicht mal mehr der barmherzige Samariter zum Veletzten durchkommt, weil lauter Gaffer den Rettungsweg blockieren?
Die Predigt fragt. „Seid ihr noch zu retten“

  • Lesung Lukas 10
  • Überleitung
  • Spielzene
  • Ansprache

Lesung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37)

Überleitung
Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter, die Jesus erzählt hat, ist eigentlich uralt. So alt, dass sie eigenrtlich jeder kennt. Und doch hat man das Gefühl, sie könnte genau so jederzeit wieder passieren.
Moment: Würde sie wirklich genau so wieder passieren? Vielleicht hat sich da inzwischen doch mehr als eine Kleinigkeit verändert. Hören uns sehen wir einmal genau hin:

Spielszene

  • Erzähler (vom Lesepult aus)
  • Unfallfahrer (Auf Bobbycar, kein Text)
  • Unfallverursacher (Auf Bobbycar, kein Text)
  • 11  Gaffer mit Handys (Gaffer 7 ist der einzig halbwegs normale, hat dafür 2 Sätze)
  • 1 Feuerwehrmann (Mit entspr. Kleidung)

Erzähler: Und siehe, da stand einer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, damit das mit dem ewigen Leben garantiert schiefgeht? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Naja, wahrscheinlich meinst du:  Du sollst den Herrn, deinen Gott, überhaupt nicht lieben und dein Nächster kann dir von Herzen egal sein”.
Der Herr aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; Tu das, so wird alles zuverlässig den Bach runtergehen. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zum Herrn: “Wer ist denn schon mein Nächster? Ich kenne die Typen doch alle nicht!”
Da antwortete der Herr und sprach: Es war ein Mensch, der fuhr von Brunn hinüber nach Wilhelmsdorf. Da nahm ihm auf der Höhe des Industriegebiets einer die Vorfahrt. Da kam er von der Straße ab, überschlug sich. Der Unfallverursacher aber gab Gas, machte sich davon und ließ ihn halb tot liegen.

Unfallfahrer und Verursacher spielen die Szene nach. Am Ende liegt der Unfallfahrer auf den Stufen des Altars, der Andere macht sich nach hinten davon.

Erzähler: Es traf sich aber, dass jede Menge Schaulustiger dieselbe Straße hinabzog. Die kamen und sahen den Verletzten.

Nach und nach kommen immer mehr Schaulustige, sie verteilen sich zwischen Gemeinde und dem Verletzten. Es wird geschaut, mit dem Handy fotografiert, aber nicht geholfen. Wichtig ist, dass auch der Mittelgang verstopft wird. Gaffer 10 und 11 sind die letzten im Gang und lassen niemanden durch.

Gaffer1: Boa, hast du den Knall gehört! Da hab ich gleich gedacht, dass des g´scheit gekracht hat.
Gaffer2: So wie des ausschaut, is des Auto total hie.
Gaffer3: Da muss doch gleich mal a Foto machen … hey, renn mir net ins Bild.
Gaffer4: Meinst, dass der noch lebt? Ich glaub net. So wie des Auto ausschaut.
Gaffer5: Schau mal, keine zwei Minuten hab ich das Foto vom Unfall auf Instagram, und schon hab ich 30 Likes!
Gaffer6: Des is doch gar nichts: Bei mir sind es 40 Likes und 8 neue Follower. Ich hab da noch so einen Grusel-Filter dazugeschaltet: In schwarz-weiß wirkt das alles noch viel krasser.
Gaffer7: Ob mer da amal an Doktor braucht, oder einen Sani?
Gaffer8: Keine Ahnung, da wird sich schon jemand gekümmert haben, es sind ja genügend Leute da.
Gaffer7: Hallo – tät mal einer den Rettungsdienst alamiern?
ALLE Gaffer: (gleichzeitig) Mit ham ka Zeit – Mir müssen fotografiern!
Gaffer 9: Nö! Ich mach etzt sogar einen Film – live auf facebook!

Erzähler: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn. Und er ging zu ihm, zog ihn aus dem Gefahrenbereich, verband seine Wunden und hob ihn in einen Rettungswagen und kümmerte sich um ihn.

Feuerwehr: (kommt von der hinteren Türe, kommt aber nicht durch) Hey, was ist da los? Kann es sein, dass da einer meine Hilfe braucht?
Gaffer10: Du bleibst hinten. Ich war eher da. Da will ja schließlich jeder was sehen.
Feuerwehr: Hallo? Ich bin von der Feuerwehr! Ich bin zum Retten da! Lass mich jetzt durch! Das kann doch nicht wahr sein!
Gaffer11: Gibst du da hinten endlich a Ruh? Willst eine aufs Maul? Hinten wird sich angestellt.
Feuerwehr: Habt ihr noch nie was von einer Rettungsgasse gehört? Die muss man bilden, damit dem Menschen da vorne geholfen werden kann.
Gaffer10: Wieso Rettungsgasse? Ich lieg ja nicht da vorne. Ich brauch ja keine Hilfe….

Erzähler: Ich muss mich korrigieren: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam nicht zum Verletzten; jedenfalls kam er nicht rechtzeitig. So konnte er den Verletzten nicht aus dem Gefahrenbereich ziehen, seine Wunden verbinden und ihn in einen Rettungswagen heben.

Feuerwehr(schreit): Ihr habt doch alle so einen Batscher, ihr gaffenden herzlosen Handy-Zombies!!!

(Nach dem Schrei drehen sich alle in Richtung Gemeinde um – sie Szene friert ein, keiner bewegt sich mehr)

Erzähler: Da sprach der Herr zu seinen Zuhörern: “Und? Wer von diesen Leuten meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räder gekommen war?”
Sie sprachen: “Die Gaffer waren es schonmal nicht. Und der Feuerwehrmann, der konnte ja auch nichts ausrichten. Also, strenggenommen keiner.”
Da antwortete der Herr: “Genau! Du wolltest doch von mir wissen, wie das nichts wird mit dem Himmel, und was man tun muss, damit alles den Bach runtergeht: Also, wenn du meinst: Geh hin und tus genauso!”

Ansprache:

Liebe Gemeinde,zweimal die gleiche Geschichte. Obwohl da 2000 Jahre dazwischen liegen.
Zweimal einer, der Hilfe braucht – und zwar dringend.
Zweimal ein Haufen Versager – Menschen, denen alles Mögliche wichtig zu sein scheint, nur nicht der, dessen Leben in Gefahr ist.
Und zweimal einer, ja eben nur einer, der sich ein Herz fasst und bereit ist, für den Unglücklichen da zu sein.

Wo führt das nur hin?

Nur mit dem Unterschied, dass es vor 2000 Jahren geklappt hat, und nun schief geht, weil Menschen völlig rücksichts- und gedankenlos überhaupt nicht realisieren, dass das Leben kein Handyspiel ist. Da geht es um Leben und Tod, und Menschen machen Handyvideos und stehen im Weg rum.
Bayern3 hat momentan eine große Kampagne am Laufen: “Gaffen geht gar nicht” ist das Motto. Und immer wieder hört man dort von Rettungskräften und auch Unfallopfern unglaubliches.
Da brennt ein Auto auf der Autobahn, und Leute drehen um und versuchen durch die Rettungsgasse rückwärts zur nächsten Ausfahrt zu kommen. Schließlich haben sie ja so einen wichtigen Termin.
Da säubert die Feuerwehr die Straße von dem Trümmern und kriegt den Stinkefinger gezeigt, weil man wegen ihnen nicht wie gewohnt mit 120 durchbrettern kann.
Da entdecken die Eltern auf Facebook ein Bild vom einem tödlichen Unfall, der sich eben ereignet hat … uns sehen: Das ist das Auto von unserem Sohn.
Wenn ich so etwas höre, dann macht mich das wütend und auch nachdenklich: Was ist passiert, dass wir da zunehmend an Herzlosigkeit, Sensationsgier  und Verblödung leiden? Sind wir noch zu retten?
Aber Moment? Wie war das auf der Neustädter Kerwa? Haben wir da kürzlich nicht auch zwei Samariter gefeiert? Weil sie einen Betrunkenen das Leben gerettet haben, der in die Aisch gefallen war? Ein Riesending haben wir draus gemacht: Zeitung – Auszeichnungen – Einladungen … nur für die beiden war das ganz normal … es war das normalste auf der Welt, zu schauen, was da los ist und diesem hilflosen Menschen zu helfen.
Es ist doch ganz selbstverständlich für unsere Feuerwehrleute, mitten in der Nacht loszurennen um für Andere da zu sein, Freizeit zu Opfern für Schulungen und Übungen.
Wir haben sie immer. Die Samariter und die, über die man nur den Kopf schütteln kann. In Jesu Gleichnis und im Jahr 2019.

Verliebt in den Blick auf das Negative

Aber doch ist es nicht das Gleiche:
In der Geschichte, die Jesus erzählt, gehören den herzlosem Priester und dem Leviten grade mal zwei kurze Sätze. Aber ganz ausführlich wird beschrieben, was der barmherzige Samariter alles gemacht hat, um den Verletzten zu retten und gesund zu pflegen.
In unserer aktuellen Story gehört alle Aufmerksamkeit (und auch unsere Wut) denen, die nicht helfen. Alle gucken auf die unfähigen Idioten. Der verhinderte Retter wird zur Randfigur.
Warum?
Bei Jesus hat einer gefragt: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
2019 wurde gefragt: Was muss ich tun, damit es nichts wird mit dem Himmel und alles den Bach runtergeht?
Es fängt schon bei der Frage an, die unseren Blick lenkt! Wir sind verliebt ist das was schief geht, in Katastrophen. Wir teilen Bilder von Unfällen. Je blöder ein Spruch auf Facebook ist, umso öfter wird er aufgerufen. Der Attentäter von Halle wird zum Medienereignis, und die Leute suchen im Internet nach seinem Video.

Das Negative, das zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Selbst da, wo man es gar nicht vermutet. Wir schauen Fernsehsendungen, wo man an angeblich ein Topmodel oder eine Bachelorette sucht, aber in Wirklichkeit sehen wir zu wie tausenden anderen erstmal reingewürgt wird, dass sie nicht hübsch genug sind, die Beine zu kurz, der Hüfte zu rund, der Busen zu klein.

An jedem findet man was … die schönste Suppe gefällt uns nicht, weil wir garantiert ein Häärchen drin finden. Und jede Wette, jeder zweite von den Orstburschen ist seit Freitag schon mal angepflaumt worden, weil irgendwas auf der Kerwa nicht gepasst hat: Das Bier kam zu spät, die Musik war zu laut, das Zelt ist zu warm. Und wie oft wurdet ihr gelobt dafür, dass ihr da die ganze Zeit euch reinhängt, damit unser Dorf so ein Fest hat?
Das Negative bestimmt unsere Wahrnehmung – dann ist doch klar, dass wir immer nur schwarz sehen. Scheinbar verliebt in den Untergang. Sind wir da wirklich noch zu retten? Und ich mache auch grade mit, umd motze über das, was mich ärgert.

Fast 300 Jahre Kirche in Brunn

Vielleicht hilft uns ja der Blick auf unsere Kirch-weih … also die Zeit vor 295 Jahren. Die hatten damals kein WLAN, nicht mal fließendes Wasser, außer es hat geregnet. Ich denke, wir machen uns keine Vorstellung, unter Welchen Umständen die Menschen damals in Brunn gelebt haben. Armut, Entbehrung, echt kein leichtes Leben. Und doch haben sie in dieser Zeit diese Kirche hier aufgebaut. Sie sind nicht nur um ihren eigenen Kram gekreist, sondern haben nach vorne geschaut … und etwas bewegen wollen.

Eine Kirche bauen – ein Gotteshaus als Ort, wo sie mit ihren Hoffnungen, mit ihren Ängsten und Sorgen – und auch mit ihrer Trauer hin konnten. Sie spürten, wie wichtig gerade in schwierigen Zeiten der eigene Glaube sein kann.
Sie haben sich von den schwierigen Lebensbedingungen nicht abhalten lassen, nach vorne zu schauen, und Großes anzupacken.

Die richtigen Fragen stellen

Liebe Gemeinde,
ich will die Vergangenheit nicht schöner reden als sie war – denn im Vergleich mit damals erkennen wir, wie gut es uns heute geht – und auf welch hohem Niveau wir momentan herumjammern! Aber ist  das nicht Grund genug, sich nicht auf das Negative zu fixieren? “Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.”
Das ist das Motto, das schon Paulus einst der Gemeinde in Rom vorgehalten hat.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Sei Samariter! Lass dich nicht von 11 dummen Gaffern, die das Falsche machen, aufhalten genau das Richtige zu tun!
Schau mal im Hinterkopf, was für Sätze da herumliegen:

“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” – weg damit! Dieser Satz kommt direkt aus der Hölle …
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” mit diesem Satz geht keiner zu Feuerwehr, wird niemand aus der Aisch gezogen, geht keiner dazwischen, wenn ein hilfloser gemobbt wird.
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” Mit solchen Sätzen im Inventar wären wir wirklich nicht mehr zu retten.

Wir brauchen andere Sätze. Solche, die uns motivieren, auch in schwierigen Situationen. Naja, da gibts ja den eigenen Konfirmationsspruch. Ja, unsere Konfirmationssprüche, die haben oft ganz viel Potential, Mut zu machen. Viele sprechen von der Liebe Gottes, die ich auch an Andere weitergeben kann.
Oder davon, dass Gott mich begleitet und beschützt. Fei echt!

Ein paar Beispiele aus diesem Jahr:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.  Psalm 139,5.
Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2.Thessalonicher 3,3
Deine Sonne wird nicht untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein. Jesaja 60, 20

Das sind doch Lichtblicke!
Also: Lasst uns Samariter sein!
Gottes Liebe weitergeben.
Die Hoffnung nicht aufgeben.
Vertrauen haben, denn wenn Gott unsere Welt nicht aufgibt, dann dürfen auch wir zuversichtlich nach vorne schauen.

AMEN

Predigt: Miteinander in Gottes Garten (Jesaja 58, 7-12) 6. Oktober 2019, Erntedank 2019

Erntedank

Jes 58, 7-12

„Brich mit dem Hunrigen dein Brot“ – Jesaja erinnert uns: Wir Menschen teilen uns den Garten Gottes. Erst wo wir zusammenstehen und einander helfen, wird es in diesem Garten hell werden.

Unser Danke-Ritual

Robert hat einen blauen Fleck. Links, auf der Höhe der unteren Rippenbögen. Passiert ist das beim Besuch von Tante Luise. Sie hatte ihm und seiner Schwester große Milka-Schokoladentafeln mitgebracht und oben auch noch einen 10 Euro-Schein mit einem Schleifchen hingebunden. Robert war total happy: Milka Noisette – die liebt er so … und hat sich im Gedanken schon ein Stückchen abgebrochen … das stößt ihm seine Mutter den Ellenbogen in die Rippen und faucht leise zu ihm rüber “Jetzt sag endlich Danke!”

Das hat ihm weh getan. Nicht nur in den Rippen. Die Tante hat doch gesehen, dass er sich freut und dankbar ist! Muss man das denn immer auch noch brav und vernehmbar sagen? “Dankeschön liebe Tante Luise. Diese Schokolade habe ich mir schon immer gewünscht.” Das ist doch komisch – wie aufgesagt!

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Predigt: Familien-Bande (Markus 3, 31-35) 15. September 2019

Mk 3, 31-35

Es gibt Ärger in der Familie um Jesus. Wer sind seine wirklichen Geschwister? Die Szene in Mk 3 lässt uns fragen, was es bedeutet, wenn wir uns als Schwestern und Brüder Jesu verstehen.

Predigttext:

31 Und es kamen JESU Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.
32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!
35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Die liebe Familie

Die heilige Familie – ach war das an Weihnachten schön: Maria, Josef und das Kind in der Krippe. Zumindest auf den ersten Blick eine Idylle.

Aber hier, bei dem was Markus in seinem Evangelium schreibt,  sieht das ganze nicht mehr so harmonisch aus. Da scheint es ordentliche Spannungen zu geben – zwischen Jesus und seiner Mutter samt seinen Geschwistern.

Schon der Ton macht die Musik. Und der klingt von beiden Seiten nicht wirklich herzlich. Wie Jesus da seine Familie abfertigt, das tut irgendwie schon beim Lesen weh: “Meine echten Geschwister, meine echte Familie – das sind die, die hier sitzen!”

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Predigt: Der Weg hinauf zum Berg der Verheißung (Jesaja 2, 1-5) 11. August 2019

Jesaja 2
Schwerter zu Pflugscharen

Der Weg zum Frieden führt einen steilen Berg hinauf. Mit schwierigen Schritten und Rückschlägen. Und dabei haben wir ein Ziel vor Augen, das wir aus eigener Kraft nicht erreichen können

Predigttext Jesaja 2,1-5:

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.
2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,
3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Am Tempelberg

Liebe Gemeinde,
im März dieses Jahres führte uns die Gemeindereise durch Israel natürlich auch zum Tempelberg. Der Berg, von dem der Prophet Jesaja hier spricht.
Tatsächlich ziehen die Völker dorthin. Juden und Christen. Auch die Muslime, denn dort steht ja eine Moschee und der Felsendom.
Aus allen Nationen kommen sie – wollen diesen besonderen Ort erleben, wo einst der Tempel von Jerusalem stand.

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Predigt zum Monatsspruch im Juni 2019: Honig – mehr als Zucker und Wasser (Sprüche 16, 24) 23. Juni 2019

Spr 16,24

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Spr 16,24)
Sprechen darüber, wie wir miteinander reden! Der Monatsspruch bietet mit der Metapher des Honigs sehr interessante Anknüpfungspunkte.

Das Honigbrot

Liebe Gemeinde
Ein Honigbrot zu essen, ist am frühen Morgen ein besonderes Vergnügen. Wenn das Brot mit Butter bestrichen ist, kommt der Löffel mit dem Honig. Zähflüssig rinnt er vom Löffel auf das Brot. Dabei male ich mit dem Honig kleine Kreise auf die Brotscheibe. Das ganze verstreiche ich dann mit dem Messer, bis die Oberfläche golden vom Honig glänzt.

Beim Essen ist dann Vorsicht angesagt. Ja das Brot nicht zu schräg halten, sonst tropft der flüssige Honig irgendwo zu Seite herunter. Das mit dem Geradehalten schaffe ich noch. Aber wenn das Brot verspeist ist, merke ich, dass doch einer meiner Finger mit Honig versüßt worden ist – also wird er abgeschleckt. Genauso wie das Messer, mit dem ich den Honig auf dem Brot verteilt habe.

Honig ist irgendwie schon eine ganz besondere Köstlichkeit. Schon seit Menschengedenken steht der Honig für einen unvergleichlich süßen Genuss. Schon Jahrtausende bevor das erste Glas Nutella auf dem Frühstückstischen auftauchte stand der Honig für eine süße Wohltat, die nicht nur der Zunge und dem Bauch gefallen hat.

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Predigt: Fest verwurzelt und auf dem Weg (Epheser 3, 14-21) 2. Juni 2019

Eph 3, 14-21

Fest in der Liebe Jesu verwurzelt sein, und sich zugleich auf dem Weg befinden. Darum geht es in dem Gebet in Eph 3.
Diese Predigt nutzt zum Verstehen drei unterschiedliche Bibelübersetzungen, die auch die Gottesdienstbesucher als Audrucke erhalten haben.

Liebe Gemeinde,
Unseren heutige Predigttext finden wir im Brief des Paulus an die Epheser. Diesen Brief hat Paulus aus der Gefangenschaft in Rom geschrieben. Dort wartete er auf seinen Prozess vor dem Kaiser. Es geht in dem Brief viel um christliche Lebensführung. Aber an einer Stelle -nämlich an der, die wir hier haben – findet sich etwas, was man als aufgeschriebenes Gebet verstehen kann.

Neun Verse ist es lang. Und diese Sätze verlangen uns einiges an Konzentration ab, um sie zu verstehen. Darum habe ich Ihnen den Text einmal ausgedruckt mitgebracht. Links sehen sie die Lutherübersetzung. Daneben sehen sie noch zwei weitere deutsche Übersetzungen. Aber dazu kommen wir später.

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Predigt zur Jubelkonfirmation: Gottes Wort auf meinem Weg (Psalm 119,105) 25. Mai 2019 – Der Konfirmationsspruch als Predigtthema

Konfirmations-Jubiläum

Diese Predigt zur Jubelkonfirmation erinnert die Jubilare an ihren alten Konfirmationsspruch. Wir gehen der Frage nach, wie uns unsere Konfi-Sprüche von einst durch Leben begleitet haben.

Liebe Jubilare,

Bei Ihrer Konfirmation hier in unserer Kirche haben Sie damals vor 25, 50, 60 oder mehr Jahren einen Konfirmationsspruch mit auf den Weg bekommen. Einen Bibelvers, den Ihr Pfarrer für Sie persönlich ausgewählt hat.
Jeder hat einen anderen erhalten. Er stand damals auf Ihrer Konfirmationsurkunde, und heute haben Sie ihn drüben im Gemeindesaal noch einmal bekommen. Ihren Konfirmationsspruch von damals. Sozusagen ein Treffen mit einem alten Bekannten.

Sprüche und Lebenswege

Ich weiß ja nicht, wie das damals war mit Ihnen und Ihrem Spruch. Ob Sie auf Anhieb Freunde wurden.
Manche Konfirmationssprüche machen es einem ja nicht leicht. Sind einem irgendwie fremd. Eine Sprache, aus einer anderen Welt. Manchmal Formulierungen, die man im normalen Leben niemals so verwenden würde.
Und es gibt Sprüche, die strahlen einen schon bei der ersten Begegnung an. Verheißen Gutes, erklären sich irgendwie selber, machen Lust auf ein Leben an Gottes Seite. Ein Spruch wie ein Freund.

Nach Ihrer Konfirmation sind Sie dann also losgezogen. Unter dem Segen Gottes und mit Ihrem Konfirmationsspruch im Gepäck.

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Predigt: Der EINE gute Hirte (Johannes 10, 11-29) 5. Mai 2019

Johannes 10


Es gibt viele gute Hirten und auch viele schlechte. Aber nur einer kann von sich sagen: ich bin DER Gute Hirte
Eine gedankliche Wanderung von der Schäferidylle zum kosmischen Kampf des Gottessohnes

Jakob will Hirte werden

Als Jabob sein Einser-Abitur in der Tasche hatte, schockte er seine Eltern und Lehrer mit einem einzigen Satz: Ich werde Schäfer. Trotz überragender Leistungen steht für ihn fest: Ich werde nicht studieren. Und ich habe schon einen Ausbildungsplatz: Bei einer Schäferei im Nachbarlandkreis macht er die Ausbildung zum Schäfer.

Was haben seine Familie und Freunde nicht alles versucht, um ihn von dieser dämlichen Idee abzubringen. An Argumenten gegen den Beruf mangelt es ja nicht:

Schäfer – ein Beruf ohne besonderes Ansehen, ohne Aufstiegsmöglichkeiten.
Kein warmes Büro, kein Kantine, keine Kollegen, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Wie soll man als Schäfer Urlaub nehmen? Wie eine Frau finden, die damit umgeht, dass der Mann die ganze Zeit draußen unterwegs ist? Überhaupt, gibts draußen bei der Herde überhaupt WLAN?

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Predigt: Auf dem Weg zu Gottes fettem Fest (Jesaja 25, 6-9) Ostermontag

Jesaja 25, 6-9

Das „fette Fest“, von dem Jesaja 25 schreibt, versetzt diese Predigt in unsere fränkische Heimat mit ihrer Dorffestkultur. Und wir entdecken, dass der Weg von Jesajas Worten zu unseren Hoffnungen über Jesu Auferstehung führt.


Predigttext: Jesaja 25, 6-9

 6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Liebe Gemeinde,

Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.

Der Prophet Jesaja schwärmt davon, dass da ein fettes Fest auf uns zukommt. Für einige von uns ist das vielleicht etwas irritierend formuliert. Denn Fett ist ja ungesund. Cholesterin! Kalorien! Übergewicht!

Aber wenn wir die Jüngeren unter uns fragen: Die wissen, was gemeint ist, wenn man eine “fette Party” plant. “Fett” ist da inzwischen ein Kompliment und hat erst mal nichts mit Ernährung zu tun, sondern damit, dass etwas richtig richtig gut wird.

Das fette Fest auf fränkisch

Da steht Jesaja also in Jerusalem und sagt: Hier – hier wird Gott mit euch Fest feiern, wie es besser gar nicht sein kann. Ich stelle mir das jetzt einfach mal ganz fränkisch vor:

Ein großes Festzelt, geschmückte Biertischgarnituren, mit Blumen und Kerzen. Ein Traum von Krustenbraten wird serviert, dazu Kloß und Soß. Ein gutes dunkles Bier. Wie das duftet! Und auch für die Vegetarier schmatzen: Eine Gemüsepfanne, der Broccoli noch schön knackig und leuchtend grün. Perfekt abgeschmeckt.

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