Predigt zur Kirchweih: Schafft es der barmherzige Samariter durch die Rettungsgasse? (Mit Anspiel zu Lukas 10, 25-37)

Barmherziger Samariter mal anders

Wie ist es, wenn nicht mal mehr der barmherzige Samariter zum Veletzten durchkommt, weil lauter Gaffer den Rettungsweg blockieren?
Die Predigt fragt. „Seid ihr noch zu retten“

  • Lesung Lukas 10
  • Überleitung
  • Spielzene
  • Ansprache

Lesung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37)

Überleitung
Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter, die Jesus erzählt hat, ist eigentlich uralt. So alt, dass sie eigenrtlich jeder kennt. Und doch hat man das Gefühl, sie könnte genau so jederzeit wieder passieren.
Moment: Würde sie wirklich genau so wieder passieren? Vielleicht hat sich da inzwischen doch mehr als eine Kleinigkeit verändert. Hören uns sehen wir einmal genau hin:

Spielszene

  • Erzähler (vom Lesepult aus)
  • Unfallfahrer (Auf Bobbycar, kein Text)
  • Unfallverursacher (Auf Bobbycar, kein Text)
  • 11  Gaffer mit Handys (Gaffer 7 ist der einzig halbwegs normale, hat dafür 2 Sätze)
  • 1 Feuerwehrmann (Mit entspr. Kleidung)

Erzähler: Und siehe, da stand einer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, damit das mit dem ewigen Leben garantiert schiefgeht? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Naja, wahrscheinlich meinst du:  Du sollst den Herrn, deinen Gott, überhaupt nicht lieben und dein Nächster kann dir von Herzen egal sein”.
Der Herr aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; Tu das, so wird alles zuverlässig den Bach runtergehen. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zum Herrn: “Wer ist denn schon mein Nächster? Ich kenne die Typen doch alle nicht!”
Da antwortete der Herr und sprach: Es war ein Mensch, der fuhr von Brunn hinüber nach Wilhelmsdorf. Da nahm ihm auf der Höhe des Industriegebiets einer die Vorfahrt. Da kam er von der Straße ab, überschlug sich. Der Unfallverursacher aber gab Gas, machte sich davon und ließ ihn halb tot liegen.

Unfallfahrer und Verursacher spielen die Szene nach. Am Ende liegt der Unfallfahrer auf den Stufen des Altars, der Andere macht sich nach hinten davon.

Erzähler: Es traf sich aber, dass jede Menge Schaulustiger dieselbe Straße hinabzog. Die kamen und sahen den Verletzten.

Nach und nach kommen immer mehr Schaulustige, sie verteilen sich zwischen Gemeinde und dem Verletzten. Es wird geschaut, mit dem Handy fotografiert, aber nicht geholfen. Wichtig ist, dass auch der Mittelgang verstopft wird. Gaffer 10 und 11 sind die letzten im Gang und lassen niemanden durch.

Gaffer1: Boa, hast du den Knall gehört! Da hab ich gleich gedacht, dass des g´scheit gekracht hat.
Gaffer2: So wie des ausschaut, is des Auto total hie.
Gaffer3: Da muss doch gleich mal a Foto machen … hey, renn mir net ins Bild.
Gaffer4: Meinst, dass der noch lebt? Ich glaub net. So wie des Auto ausschaut.
Gaffer5: Schau mal, keine zwei Minuten hab ich das Foto vom Unfall auf Instagram, und schon hab ich 30 Likes!
Gaffer6: Des is doch gar nichts: Bei mir sind es 40 Likes und 8 neue Follower. Ich hab da noch so einen Grusel-Filter dazugeschaltet: In schwarz-weiß wirkt das alles noch viel krasser.
Gaffer7: Ob mer da amal an Doktor braucht, oder einen Sani?
Gaffer8: Keine Ahnung, da wird sich schon jemand gekümmert haben, es sind ja genügend Leute da.
Gaffer7: Hallo – tät mal einer den Rettungsdienst alamiern?
ALLE Gaffer: (gleichzeitig) Mit ham ka Zeit – Mir müssen fotografiern!
Gaffer 9: Nö! Ich mach etzt sogar einen Film – live auf facebook!

Erzähler: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn. Und er ging zu ihm, zog ihn aus dem Gefahrenbereich, verband seine Wunden und hob ihn in einen Rettungswagen und kümmerte sich um ihn.

Feuerwehr: (kommt von der hinteren Türe, kommt aber nicht durch) Hey, was ist da los? Kann es sein, dass da einer meine Hilfe braucht?
Gaffer10: Du bleibst hinten. Ich war eher da. Da will ja schließlich jeder was sehen.
Feuerwehr: Hallo? Ich bin von der Feuerwehr! Ich bin zum Retten da! Lass mich jetzt durch! Das kann doch nicht wahr sein!
Gaffer11: Gibst du da hinten endlich a Ruh? Willst eine aufs Maul? Hinten wird sich angestellt.
Feuerwehr: Habt ihr noch nie was von einer Rettungsgasse gehört? Die muss man bilden, damit dem Menschen da vorne geholfen werden kann.
Gaffer10: Wieso Rettungsgasse? Ich lieg ja nicht da vorne. Ich brauch ja keine Hilfe….

Erzähler: Ich muss mich korrigieren: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam nicht zum Verletzten; jedenfalls kam er nicht rechtzeitig. So konnte er den Verletzten nicht aus dem Gefahrenbereich ziehen, seine Wunden verbinden und ihn in einen Rettungswagen heben.

Feuerwehr(schreit): Ihr habt doch alle so einen Batscher, ihr gaffenden herzlosen Handy-Zombies!!!

(Nach dem Schrei drehen sich alle in Richtung Gemeinde um – sie Szene friert ein, keiner bewegt sich mehr)

Erzähler: Da sprach der Herr zu seinen Zuhörern: “Und? Wer von diesen Leuten meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räder gekommen war?”
Sie sprachen: “Die Gaffer waren es schonmal nicht. Und der Feuerwehrmann, der konnte ja auch nichts ausrichten. Also, strenggenommen keiner.”
Da antwortete der Herr: “Genau! Du wolltest doch von mir wissen, wie das nichts wird mit dem Himmel, und was man tun muss, damit alles den Bach runtergeht: Also, wenn du meinst: Geh hin und tus genauso!”

Ansprache:

Liebe Gemeinde,zweimal die gleiche Geschichte. Obwohl da 2000 Jahre dazwischen liegen.
Zweimal einer, der Hilfe braucht – und zwar dringend.
Zweimal ein Haufen Versager – Menschen, denen alles Mögliche wichtig zu sein scheint, nur nicht der, dessen Leben in Gefahr ist.
Und zweimal einer, ja eben nur einer, der sich ein Herz fasst und bereit ist, für den Unglücklichen da zu sein.

Wo führt das nur hin?

Nur mit dem Unterschied, dass es vor 2000 Jahren geklappt hat, und nun schief geht, weil Menschen völlig rücksichts- und gedankenlos überhaupt nicht realisieren, dass das Leben kein Handyspiel ist. Da geht es um Leben und Tod, und Menschen machen Handyvideos und stehen im Weg rum.
Bayern3 hat momentan eine große Kampagne am Laufen: “Gaffen geht gar nicht” ist das Motto. Und immer wieder hört man dort von Rettungskräften und auch Unfallopfern unglaubliches.
Da brennt ein Auto auf der Autobahn, und Leute drehen um und versuchen durch die Rettungsgasse rückwärts zur nächsten Ausfahrt zu kommen. Schließlich haben sie ja so einen wichtigen Termin.
Da säubert die Feuerwehr die Straße von dem Trümmern und kriegt den Stinkefinger gezeigt, weil man wegen ihnen nicht wie gewohnt mit 120 durchbrettern kann.
Da entdecken die Eltern auf Facebook ein Bild vom einem tödlichen Unfall, der sich eben ereignet hat … uns sehen: Das ist das Auto von unserem Sohn.
Wenn ich so etwas höre, dann macht mich das wütend und auch nachdenklich: Was ist passiert, dass wir da zunehmend an Herzlosigkeit, Sensationsgier  und Verblödung leiden? Sind wir noch zu retten?
Aber Moment? Wie war das auf der Neustädter Kerwa? Haben wir da kürzlich nicht auch zwei Samariter gefeiert? Weil sie einen Betrunkenen das Leben gerettet haben, der in die Aisch gefallen war? Ein Riesending haben wir draus gemacht: Zeitung – Auszeichnungen – Einladungen … nur für die beiden war das ganz normal … es war das normalste auf der Welt, zu schauen, was da los ist und diesem hilflosen Menschen zu helfen.
Es ist doch ganz selbstverständlich für unsere Feuerwehrleute, mitten in der Nacht loszurennen um für Andere da zu sein, Freizeit zu Opfern für Schulungen und Übungen.
Wir haben sie immer. Die Samariter und die, über die man nur den Kopf schütteln kann. In Jesu Gleichnis und im Jahr 2019.

Verliebt in den Blick auf das Negative

Aber doch ist es nicht das Gleiche:
In der Geschichte, die Jesus erzählt, gehören den herzlosem Priester und dem Leviten grade mal zwei kurze Sätze. Aber ganz ausführlich wird beschrieben, was der barmherzige Samariter alles gemacht hat, um den Verletzten zu retten und gesund zu pflegen.
In unserer aktuellen Story gehört alle Aufmerksamkeit (und auch unsere Wut) denen, die nicht helfen. Alle gucken auf die unfähigen Idioten. Der verhinderte Retter wird zur Randfigur.
Warum?
Bei Jesus hat einer gefragt: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
2019 wurde gefragt: Was muss ich tun, damit es nichts wird mit dem Himmel und alles den Bach runtergeht?
Es fängt schon bei der Frage an, die unseren Blick lenkt! Wir sind verliebt ist das was schief geht, in Katastrophen. Wir teilen Bilder von Unfällen. Je blöder ein Spruch auf Facebook ist, umso öfter wird er aufgerufen. Der Attentäter von Halle wird zum Medienereignis, und die Leute suchen im Internet nach seinem Video.

Das Negative, das zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Selbst da, wo man es gar nicht vermutet. Wir schauen Fernsehsendungen, wo man an angeblich ein Topmodel oder eine Bachelorette sucht, aber in Wirklichkeit sehen wir zu wie tausenden anderen erstmal reingewürgt wird, dass sie nicht hübsch genug sind, die Beine zu kurz, der Hüfte zu rund, der Busen zu klein.

An jedem findet man was … die schönste Suppe gefällt uns nicht, weil wir garantiert ein Häärchen drin finden. Und jede Wette, jeder zweite von den Orstburschen ist seit Freitag schon mal angepflaumt worden, weil irgendwas auf der Kerwa nicht gepasst hat: Das Bier kam zu spät, die Musik war zu laut, das Zelt ist zu warm. Und wie oft wurdet ihr gelobt dafür, dass ihr da die ganze Zeit euch reinhängt, damit unser Dorf so ein Fest hat?
Das Negative bestimmt unsere Wahrnehmung – dann ist doch klar, dass wir immer nur schwarz sehen. Scheinbar verliebt in den Untergang. Sind wir da wirklich noch zu retten? Und ich mache auch grade mit, umd motze über das, was mich ärgert.

Fast 300 Jahre Kirche in Brunn

Vielleicht hilft uns ja der Blick auf unsere Kirch-weih … also die Zeit vor 295 Jahren. Die hatten damals kein WLAN, nicht mal fließendes Wasser, außer es hat geregnet. Ich denke, wir machen uns keine Vorstellung, unter Welchen Umständen die Menschen damals in Brunn gelebt haben. Armut, Entbehrung, echt kein leichtes Leben. Und doch haben sie in dieser Zeit diese Kirche hier aufgebaut. Sie sind nicht nur um ihren eigenen Kram gekreist, sondern haben nach vorne geschaut … und etwas bewegen wollen.

Eine Kirche bauen – ein Gotteshaus als Ort, wo sie mit ihren Hoffnungen, mit ihren Ängsten und Sorgen – und auch mit ihrer Trauer hin konnten. Sie spürten, wie wichtig gerade in schwierigen Zeiten der eigene Glaube sein kann.
Sie haben sich von den schwierigen Lebensbedingungen nicht abhalten lassen, nach vorne zu schauen, und Großes anzupacken.

Die richtigen Fragen stellen

Liebe Gemeinde,
ich will die Vergangenheit nicht schöner reden als sie war – denn im Vergleich mit damals erkennen wir, wie gut es uns heute geht – und auf welch hohem Niveau wir momentan herumjammern! Aber ist  das nicht Grund genug, sich nicht auf das Negative zu fixieren? “Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.”
Das ist das Motto, das schon Paulus einst der Gemeinde in Rom vorgehalten hat.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Sei Samariter! Lass dich nicht von 11 dummen Gaffern, die das Falsche machen, aufhalten genau das Richtige zu tun!
Schau mal im Hinterkopf, was für Sätze da herumliegen:

“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” – weg damit! Dieser Satz kommt direkt aus der Hölle …
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” mit diesem Satz geht keiner zu Feuerwehr, wird niemand aus der Aisch gezogen, geht keiner dazwischen, wenn ein hilfloser gemobbt wird.
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” Mit solchen Sätzen im Inventar wären wir wirklich nicht mehr zu retten.

Wir brauchen andere Sätze. Solche, die uns motivieren, auch in schwierigen Situationen. Naja, da gibts ja den eigenen Konfirmationsspruch. Ja, unsere Konfirmationssprüche, die haben oft ganz viel Potential, Mut zu machen. Viele sprechen von der Liebe Gottes, die ich auch an Andere weitergeben kann.
Oder davon, dass Gott mich begleitet und beschützt. Fei echt!

Ein paar Beispiele aus diesem Jahr:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.  Psalm 139,5.
Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2.Thessalonicher 3,3
Deine Sonne wird nicht untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein. Jesaja 60, 20

Das sind doch Lichtblicke!
Also: Lasst uns Samariter sein!
Gottes Liebe weitergeben.
Die Hoffnung nicht aufgeben.
Vertrauen haben, denn wenn Gott unsere Welt nicht aufgibt, dann dürfen auch wir zuversichtlich nach vorne schauen.

AMEN

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