Radioandachten im September/Oktober 2019 auf Charivari 98,6

Montag: Sorgenwerfer

Guten Morgen,
für jede Woche gibt es bei Kirchens ja einen Spruch der Woche. Für diese Woche heißt er: Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch. (1. Petr 5, 7)
Sorgen auf Gott werfen – das klingt schon irgendwie komisch. So als könnte man Sorgen einfach weitergeben, oder wegwerfen, wie einen Gegenstand, den man nicht mehr haben will. Aber das geht ja nicht … Sorgen nisten sich ja im Bauch oder im Kopf ein und machen einem das Leben schwer. Das ist ja das Dumme.
Aber ich erlebe es ja auch, wie gut es mir tut, wenn ich meinen Kummer mit Anderen teile, mein Herz ausschütten kann und spüre: Da versteht mich jemand! Dann habe ich mich schon ein bisschen von diesen anhänglichen Sorgen entlastet.
Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch – vielleicht ist genau das gemeint: Im Stillen mit meinem Gott reden, erzählen, was mich bewegt, mir mal den ganzen Kummer von Herzen reden. Und dann zu erleben, dass das einem wirklich gut tun kann. Sorgen abzugeben – damit das Herz mal wieder leichter wird.

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Radioandachten im Juli 2019 auf Charivari 98,6

Sankt Kilian

Guten MorgenWir haben den 8. Juli – das ist der Namenstag vom Heiligen Kilian. In Würzburg ist das ja ein Riesentamtam. Mit Kiliani-Volksfest, Wallfahrten und Konzerten. Denn in Würzburg liegen die Gebeine des sogenannten Frankenapostels.
Er, der Kilian war es ja, der mit zwei Begleitern ums Jahr 685 aus Irland gekommen war, um in Franken den christlichen Glauben bekannt zu machen. Von daher ist der Kilian für ganz Franken durchaus eine wichtige Figur. Einer der ersten iroschottischen Missionare in unserer fränkischen Heimat.
Das ging im Übrigen nicht lange gut: Nach etwa drei Jahren gab es Konflikte mit dem örtlichen Herzog, und Kilian samt seiner beiden Begleiter wurden umgebracht.
Aber ihre Worte und ihre Arbeit war nicht umsonst. Der christliche Glaube breitete sich weiter aus. Die Bewegung, die sie begonnen hatten, zog immer weiter ihre Kreise.
Das macht mir Mut, gerade, wenn ich denke: Alexander, was willst du denn schon groß bewegen in dieser Welt? Aber auch kleine Impulse ziehen in ihrem Umfeld ihre Kreise – auch wenn ich sie selbst vielleicht gar nicht sehe. Ich muss ja nicht gleich ganz Franken umkrempeln, wie einst Sankt Kilian.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Andachten Ende Mai 2019 auf Charivari 98,6

Wo geht der Tag hin?

Guten Morgen
Eben hat der neue Tag angefangen. Bis heute Abend werde ich alles Mögliche mit diesem Tag angestellt haben.
Manches Sinnvolle wird getan.
Einige Zeit wird verplempert.
Ich werde öfter lachen und ein paar mal gernervt die Augen verdrehen.
Essen, trinken, mit Menschen reden. Ja… und abends ist der Tag dann zu Ende. Was passiert eigentlich mit diesem Tag, wenn er vorbei ist?
Ist der dann einfach weg?
In einem alten Abendgebet habe ich eine schöne Vorstellung entdeckt: „Gott, du hast mir diesen Tag gegeben. Ich lege ihn zurück in deine Hand.“
Dieser Gedanke gefällt mir: Dass meine Tage bei Gott aufbewahrt sind. Mit all ihren schönen und belastenden Stunden.
Da denke ich: Wenn ich Tag versaut habe, dann ist er vielleicht der Einzige, der daraus noch was Gutes machen kann.
Und wenn der Tag mal so richtig toll war, dann will ich meinem Gott sagen: Danke, für diesen wunderbaren Tag – hier hast du ihn zurück– und wenn du mal wieder so einen übrig hast: Es wäre mir ein Vergnügen.

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Radioandachten im Mai 2019 auf Charivari 98,6

 

 

Groobstaawimmerer

Guten Morgen,

Groobstaawimmerer – nur in Franken gibt es so wunderbare Worte: Groobstaawimmerer – so nennt man in manchen ländlichen Gegenden den Frauenchor, der auf dem Friedhof bei Beerdigungen singt.

Oft ist es eine Handvoll älterer Damen, die sich die Zeit nehmen, da zu sein, und zwei, drei Lieder anzustimmen, wenn wir von einem Mitmenschen Abschied nehmen.
Wenn denn einige von denen auch noch etwas erkältet sind, dann kann es schon  auch mal etwas dünn und ein bisschen schräg klingen. Vielleicht kommt von daher der Name „Groobstaawimmerer“

Aber ehrlich gesagt: Ich finde es toll, dass die da sind. Dass echte Menschen sich aufmachen, um mit ihren menschlichen Stimmen eine trauernde Familie zu begleiten.
Ganz ohne Lausprecher-gedudel.

Egal ob alt oder jung, ob arm oder reich ob angesehen oder verrufen. Bei ihnen sind alle Menschen gleich. Gell, sie merken es: Ich liebe sie- unsere Groobstaawimmerer.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Radioandachten im April 2019 auf Charivari 98,6

Der erste April

Guten Morgen,

wir haben den ersten April! Der Tag, an dem so mancher sich sich so richtig Mühe macht, seine Freunde oder Kollegen formvollendet in den April zu schicken.Mit einer raffiniert erfundenen Falschmeldung, oder einem Auftrag, bei dem sich am Ende zeigt, dass man grade eben nach Strich und Faden veräppelt worden ist.

Eigentlich kann mich ja nur der in den April schicken, dem ich auch vertraue. Denn dann prüfe ich nicht alles, was er sagt, sondern verlasse mich darauf, dass alles schon seine Richtigkeit hat.

Ist das blauägig? Naiv? Wäre es nicht besser, niemenden über den Weg zu trauen?

Das wäre schade, Ich will in einer Welt leben, wo ich Menschen um mich habe, denen ich vertrauen kann. Wo ich nicht immer Angst haben muss, dass mich einer für seine Zwecke ausnützt.

Eine Garantie kann mir da keiner geben. Aber ich will meinen Teil zu so einer Welt beitragen. Einfach indem ich selbst darauf achte, das man sich auf mich und meine Worte verlassen kann.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Radionandachten im März 2019 auf Charivari 98,6

Die unbewegliche Leiter

In Jerusalem steht am einem Kirchenfenster  der Grabeskirche eine Leiter. So, als hätte sie ein Handwerker eben mal stehen lassen, weil er etwas repariert hat.

Aber in Wirklichkeit lehnt sie da schon seit über 250 Jahren. Und keiner räumt sie auf. Denn diese Kirche teilen sich sechs verschiedene christliche Konfessionen: Katholische Kirche, griechisch-orthodoxe, Syrisch-orthodoxe und einige andere. Die sind dich untereinander eher selten einig. Immer wieder gibt es Streit – seit Jahrhunderten ist das so. Sie ahnen es: In der Frage, wem die Leiter gehört, und was man damit macht, wurde man sich nie einig – also steht sie immer noch da. Seit 250 Jahren!

Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Vor allem, wenn ich daran denke, dass es das ja auch mitten unter uns gibt. Wo in Familien nichts mehr vorwärts und rückwärts geht – weil die Situation so verfahren ist, und keiner sein Gesicht verlieren will.

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Radioandachten im Februar 2019 auf Charivari 98,6

Die Bitch hat Schlampe gesagt.

In der Pause gibt’s grade Zoff im Keller meiner Schule. Zwei 14-jährige Mädchen haben sich in die Wolle gekriegt. Sie gehen sich buchstäblich an die Gurgel. Als die beiden Streithennen endlich getrennt sind, platzt es aus einer heraus. „Ey, die Bitch hat Schlampe zu mir gesagt.“

Oh man – es gibt Tage, da fragt man sich wirklich, was die Kinder in der Schule lernen. Irgendwie hat die kleine Furie doch glatt übersehen, dass sie ihre Kontrahentin mit dem genau gleichen Schimpfwort bedacht hat … halt auf Englisch.

„Ey, die Bitch hat Schlampe zu mir gesagt.“ Falls Sie sich grade auch über diesen Satz aufregen: Vorsicht! Wir Erwachsene machen das gelegentlich genauso – nur sind unsere Methoden etwas eleganter. Wir wissen,wie man mit Stil den anderen wissen lässt, dass man ihn für einen unfähigen Idioten hält. Ganz ohne unfeine Worte kriegen wir das hin. Aber das macht es nicht besser. Mein abschätziger Blick legt die Saat für eine langanhaltende Feindschaft. Vor allem brauche ich nicht erwarten, dass er mir Respekt entgegen bringt.

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Radioandachten im Januar 2019 auf Charivari 98,4

Wenn keiner widerspricht

Der erste Satz des seltsamen Kunden an der Kasse ließ schon Böses ahnen: Ach, verkauft ihr Laden jetzt auch schon so einem Mist? Dabei zeigte er auf ein Produkt, das sein Vordermann auf das Kassenband gelegt hatte.

Die Verkäuferin blickt ihn fragend an. Für ihn das Signal, erst richtig loszulegen: Wissen sie nicht, wie ungesund das ist? Und das ist eine Sauerei, dass man das überhaupt verkaufen darf und überhaupt: Ich kenne mich da nämlich aus….

Immer mehr steigert er sich hinein und belehrt alle Umstehenden mit seiner Weisheit, und weil er schon so schön in Schwung ist, wechselt er zur Bildungspolitik und stellt fest, dass Schüler und Lehrer auch immer dümmer werden.

Ich überlege mir, was er wohl selber nachher über seinen Auftritt gedacht haben mag? War er vielleicht sogar stolz auf sich – dass er schlauer ist als alle anderen? Schließlich hat ja auch keiner gewagt zu widersprechen. – Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß: Ich will in Zukunft noch vorsichtiger sein, wenn ich anderen meine Meinung sage, und keiner widerspricht: Es könnte sein, dass ich alle überzeugt habe. Aber vielleicht ist es ja auch so, dass sie unmerklich den Kopf schütteln, peinlich berührt schweigen, und denken:   Lass ihn einfach reden – dann ist es am schnellsten vorbei.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Radioandachten im Dezember 2018 auf Charivari 98,6

Haus auf dem Sand

Guten Morgen

Das war ja ein Ding, als vor einer Woche die Brücke am Nürnberger Hafen nach dem starken Regen gesperrt war. Haben Sie die Bilder gesehen? Unglaublich, wie schnell das Wasser da Teile der Böschung weggespült hat.

„Wenn du dein Haus auf Sand baust, und das Wasser kommt, dann geht es manchmal ganz schnell, und alles ist weg.“ Das hat Jesus einmal gesagt. Dabei ging es ihm gar nicht um Architektur, sondern darum, wie man sein Leben aufbaut.

Da hat Jesus gemeint: „Wer hört, was ich sage, aber das in seinem Leben nicht umsetzt, der ist so einer, der auf Sand baut. Wenns kritisch wird, kommt da schnell alles ins rutschen.“

Etwas machen, aus dem was Jesus vorgelebt hat. Ein Glaube, der Hand und Füße hat, nicht nur Kopf. Dann steht man sicherer. Perfekt wird es nie sein – aber der Sand  der großen Sprüche, ohne Taten, der ist halt besonders tückisch.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Radioandachten im November 2018 auf Charivari 98,6

Einfach mal klagen

GutenMorgen

Kürzlich mussten wir von einem guten Freund Abschied nehmen. Das war so ein Tod, den es echt nicht gebraucht hätte. Mitten aus dem Leben – ohne Vorwarnung – ohne vorherige Krankheit – einfach so was von überflüssig.

Ich versuche ja gerne, allem Schlimmen auch etwas Positives abzugewinnen. Und oft klappt das auch, denn vieles hat zwei Seiten. Aber in dem Fall ist mir das nicht gelungen. Da hat es auch nicht geholfen, zu glauben, dass Gott sich schon etwas dabei gedacht hat. Das alles war einfach nur schlimm um traurig.

Aber damit bin ich nicht alleine. Sogar in der Bibel finde ich Worte, wo Menschen genau das ausdrücken: Gott, ich verstehe nicht, was das alles soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du Gott, das wirklich gewollt hast. Das will ich dir klagen, und vor deinen göttlichen Ohren jammern. 

Ja, es gibt Momente, da tut mir das Klagen gut – weil ich dann nicht verkrampft die gute Seite finden muss, die vielleicht wirklich nicht gibt

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