Radioandachten im Januar 2020 auf Charivari 98,6

Freiheit für die Füße

Manchmal könnte ich wahnsinnig werden … wenn ich irgendwo rumsitzen muss, und meine Beine fangen langsam zu kribbeln an. Erst ein bisschen, und dann immer schlimmer. Die wollen laufen – aber ich muss hier herumsitzen.
Wenn ich die wegschrauben könnte … ihnen sagen: Geht schon mal raus, ich komme später hinterher …

Aber das geht ja dummerweise nicht. Meine Füße wissen anscheinend besser als ich, was ich manchmal brauche:
Einfach mal weg!
Raus aus dem, was mich festhält.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ heißt in einem Psalm der Bibel.
Ja, das wünsche ich mir öfter: Spielraum für meine Füße – und für meine Gedanken. Auslauf … eigene Wege gehen können, statt vorgezeichneter Pfade.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ –  das wünsche ich mir. Hmmm  aber vielleicht stehen sie da ja schon … auf dem weiten Raum … aber ich traue mich bloß nicht, auch mal weite Schritte zu gehen.
Tja, ich müsste es eigentlich nur mal versuchen.

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Predigt zur Jahreslosung 2020: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9,24) Glaube kennt keine Prozentzahlen!

Jahreslosung 2020

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben“! Wieviel Prozent Glauben stecken in so einem Satz? 40%, 20% oder nur 0,1%?
Glaube kennt keine Prozentzahlen, und kann doch Berge versetzen.
Diese Predigt setzt beim „Bilanz ziehen“ zum Jahreswechsel an und entdeckt, wie Glaube und Zweifel im gleichen Herzen Platz haben können.
( Bild: Eva Jung, https://godnews.de/goodie/ich_glaube/)


Bilanz ziehen

Sind Sie ein Bilanz-Typ? Es gibt ja Menschen die gerne zum Jahreswechsel Bilanz ziehen.
– Man schaut auf das vergangene Jahr zurück.
– Man überlegt, was da so alles passiert ist im Jahr 2019.
– Was habe ich geschafft? Was ist unerledigt geblieben – was habe ich auf die lange Bank geschoben oder sogar gänzlich aufgegeben?

Bilanz ziehen weckt auch Emotionen: Ich habe mich über Menschen und Dinge gefreut und geärgert. Es gab Enttäuschungen und Überraschungen. Dabei bin ich nicht nur Zuschauer gewesen; ich selbst habe dieses Jahr gestaltet, war aktiv, oder manchmal auch zu passiv.

An manchen Stellen nagt die Frage: Was wäre gewesen, wenn ich in diesem oder jenem Moment anders entschieden, anders gehandelt hätte?
Wenn ich am Bilanz ziehen bin, dann stehe ich selbst auf dem Prüfstand. Dann stehe ich zwischen Soll und Haben.
Wie weit bin ich zufrieden mit dem, was da alles war?
War es ein gelungenes Jahr – zu 100% in Ordnung?
Oder doch eher so zwei Drittel OK – und ein Drittel war nicht so toll?
Vielleicht nur 50:50?
Möglicherweise sieht die Bilanz noch schlechter aus.

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Symbolpredigt: Der Strohstern – Aus dem Stroh alter Erzählungen den Stern des eigenen Glaubens flechten – 25. Dezember 2019

Strohsterne

Sie sind aus Stroh, das manche für wertlos halten, und verweisen doch auf die Größe Gottes, der den Kosmos schuf und Jesus gesandt hat.
Die Symbolpredigt zu den Strohsternen greift dazu alt- und neutestamentliche Aspekte auf.

Liebe Gemeinde,

was wäre ein Weihnachtsbaum, was wäre Weihnachten, ohne Strohsterne? Überall hängen sie. Nicht nur am Baum, auch in den Fenstern. Sie lassen sich überall dazulegen. Strohsterne sind irgendwie die Allzweckwaffe der Weihnachtsdekoration

Der Stern als Wegweiser

Aber sie sind natürlich mehr als nur Deko-Schnickschnack. Denn sie erinnern an den Stern von Bethlehem, der die Weisen aus dem Morgenland auf Jesu Spur gelockt hat:

Matthäus 2, 1-3
Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

Der Stern von Bethlehem – ein Wegweiser! Naja, vielleicht auch ein Wegweiser für uns? Ein Hinweis auf das Jesuskind in der Krippe – damit man es nicht übersieht, bei all dem Weihnachtszauber, den wir so veranstalten: Geschenke, Festessen, Besuche machen, Besucher empfangen, sich freuen, sich streiten, Plätzchen naschen, wieder Essen und und und.

Der Stern, der sagt: Achtung! Da geht es zum Kind – hier ist derjenige, um den es bei diesem Fest geht. ich will weiterlesen

Radioandachten in der Weihnachtswoche 2019 auf Charivari 98,6

23. Dezember 2019  Die fränkische Weihnachtskrippe

Guten Morgen,

auf unserem Christkindlesmarkt gibt’s ja total schöne Weihnachtskrippen. Mir gefallen besonders diese fränkischen Krippen. Der Stall ist eine Fachwerk-Scheune mit Holzlege, Hühnerstall, Ziehbrunnen und allem, was zu so einem Bauernhof dazugehört. Und da kommen dann Josef, Maria, das Jesuskind, Ochs, Esel, Hirten und Könige rein.
Eigentlich ist das ja historisch gesehen Unsinn: Der Stall von Bethlehem war ganz anders als unsere fränkischen Scheunen – und Maria hatte bestimmt kein Dirndl an.
Aber irgendwie passt es doch! Weihnachten heißt ja, dass Gott mit diesem Jesuskind in unsere Welt kommt. Auch in ihre und in meine Welt! Und die ist nun mal hier in Franken.
Also steht Jesu Krippe nicht nur in Bethlehem,
sondern auch in Nürnberg,
hier im Charivari-Studio
bei ihnen neben dem Frühstückstisch oder im Kofferraum ihres Autos.
Der Dichter Angelus Silesius hat es einmal so formuliert: Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, dann wirst du nichts davon haben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Predigt: Herbergssuche. Mit Jesus auf der Eckbank in der Küche (Heilig Abend 2019) Predigt zum Motiv der Herbergssuche

Es wird angeklopft

Die bösen Wirte, die Josef und Maria weiterschickten, finden wir nicht in der Bibel. Umso mehr kennen wir die Erfahrung, dass Jesus an unsere Türen klopft. Was wohl passiert wenn er kommt, und auf der Küchen-Eckbank und auf dem Sofa neben dem Weihnachtsbaum Platz nimmt?


Liebe Gemeinde,
wir kennen sie alle: Diese Wirte von Bethlehem. Kaum ein Krippenspiel kommt ohne sie aus. Oft genug lässt man das Heilige Paar durch den Altarraum wandern, Josef, mit seiner Maria. Unter ihrem Herzen trägt sie ein dickes Kissen, schließlich ist sie ja schwanger. Sie gehen von Tür zu Tür und überall werden sie abgewiesen von einem Wirt, der selbstzufrieden die beiden Armen weiterschickt. Bis sich irgendwann einer erbarmt und sie notdürftig im Stall unterbringt, zwischen Ochs und Esel. Das neugeborene Kind liegt am Ende in einer Futterkrippe.

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Radioandachten im November 2019 auf Charivari 98,6

Die dunkle Zeit

Wahnsinn, wie schnell die dunkle Jahreszeit über einen kommt. Jetzt ist es inzwischen schon um 5 Uhr am Nachmittag richtig finster. Ich finde das ziemlich blöd. Denn das verstellt mir meine innere Uhr. Da sitze ich im Arbeitszimmer, plane den nächsten Konfirmandenunterricht … schaue zwischendurch aus dem Fenster … und da ist es schon dunkel … da denke ich: „Mensch, wie die Zeit vergeht, ist jetzt schon wieder Nacht, ich sollte jetzt langsam auch mal Schluss machen“. Dann fällt mein Blick auf die Uhr: Es ist grade mal halb sechs – also eigentlich noch nicht Feierabend ….

Aber ist das vielleicht nicht auch der besondere Charme an der dunklen Jahreszeit: Dass sie mich auch mal bremst und sagt: Mach doch einfach mal eher Schluss. Setz dich zu deinen Kindern aufs Sofa und zündet gemeinsam ein paar Kerzen an. Rackere nicht bis zum buchstäblichen Umfallen – du schaffst das alles  heute eh nicht mehr, und morgen ist ja auch noch ein Tag.

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Predigt: Vergiss es nie: Es geht um die Liebe. (5. Mose 6, 4-9) 31.10.2019, Reformationsfest

Mesusa an einer Hoteltüre in Tel Aviv

Dtn 6, 4-9

Mit dem „Schma Israel“ haben wir einen zentralen jüdischen Text zum Reformationstag am Start. Wie schön, wenn man entdeckt, wie reformatorische Erkenntnis sich hier anschmiegt.

Predigttext: 5. Mose 6, 4-9 / Deuteronomium 6, 4-9

4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Dtn 6 – das Urbekenntnis des Volkes Israel

Liebe Gemeinde,
unser heutiger Predigttext ist einer der zentralen Stellen unseres Alten Testaments. “Der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.” – das ist ein Grundbekentnis des Volkes Israel. Und vielleicht erinnern Sie sich an die Geschichte um den barmherzigen Samariter: Da hat auch Jesus genau diesen Satz als entscheidendes Gebot zitiert.
Diese Zeilen sagen auch, wie wichtig man dieses Bekenntnis nehmen soll: Das steht …
… du sollst sie deinen Kindern einschärfen
… du sollst sie als Merkzeichen auf deine Hand und zwischen deine Augen binden
… und an deinem Türpfosten sollst du sie befestigen.

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Radioandachten (Themenreihe Kastanien“) im Oktober/November 2019 auf Charivari 98,6

Kastanien sammeln

Guten Morgen
Wenn ich zurzeit an einem Kastanienbaum vorbeikomme, schaue ich immer hoch in die weite Baumkrone, ob da noch irgendwo eine Kastanie hängt. Und ich denke zurück, wie wir als Kinder in unserem Dorf unter den zwei mächtigen Kastanienbäumen die glatten braunen Früchte eingesammelt haben, als wären es Goldstücke. Immer wieder haben wir einen dicken Holzstecken hochgeworfen und gehofft: Jetzt treffe ich eine von den großen Kastanien, die da noch da oben hängen. Und dann fällt sie runter, und das ist dann eine ganz besondere. Stundenlang waren wir da draußen … und die Hausaufgaben waren egal…. auch wenns nachher Ärger mit der Mama gab.
Aber gelernt haben wir dabei doch etwas: Geduld zu haben! Immer wieder mit dem Stecken auf die scheinbar unerreichbaren Kastanien zu zielen … bis die Arme zu müde waren.
Nicht alles gleich gleich haben können … nicht aufgeben, nur weil es nicht auf Anhieb klappt … der sehnsüchtige Blick und die Hoffnung „morgen probiere ichs noch mal.“ Daran denke ich gerne … gerade weil ich spüre, dass ich mir diese Geduld und Ausdauer immer wieder neu selber in Erinnerung rufen muss.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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