Predigt zur Kirchweih: Schafft es der barmherzige Samariter durch die Rettungsgasse? (Mit Anspiel zu Lukas 10, 25-37)

Barmherziger Samariter mal anders

Wie ist es, wenn nicht mal mehr der barmherzige Samariter zum Veletzten durchkommt, weil lauter Gaffer den Rettungsweg blockieren?
Die Predigt fragt. „Seid ihr noch zu retten“

  • Lesung Lukas 10
  • Überleitung
  • Spielzene
  • Ansprache

Lesung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37)

Überleitung
Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter, die Jesus erzählt hat, ist eigentlich uralt. So alt, dass sie eigenrtlich jeder kennt. Und doch hat man das Gefühl, sie könnte genau so jederzeit wieder passieren.
Moment: Würde sie wirklich genau so wieder passieren? Vielleicht hat sich da inzwischen doch mehr als eine Kleinigkeit verändert. Hören uns sehen wir einmal genau hin:

Spielszene

  • Erzähler (vom Lesepult aus)
  • Unfallfahrer (Auf Bobbycar, kein Text)
  • Unfallverursacher (Auf Bobbycar, kein Text)
  • 11  Gaffer mit Handys (Gaffer 7 ist der einzig halbwegs normale, hat dafür 2 Sätze)
  • 1 Feuerwehrmann (Mit entspr. Kleidung)

Erzähler: Und siehe, da stand einer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, damit das mit dem ewigen Leben garantiert schiefgeht? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Naja, wahrscheinlich meinst du:  Du sollst den Herrn, deinen Gott, überhaupt nicht lieben und dein Nächster kann dir von Herzen egal sein”.
Der Herr aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; Tu das, so wird alles zuverlässig den Bach runtergehen. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zum Herrn: “Wer ist denn schon mein Nächster? Ich kenne die Typen doch alle nicht!”
Da antwortete der Herr und sprach: Es war ein Mensch, der fuhr von Brunn hinüber nach Wilhelmsdorf. Da nahm ihm auf der Höhe des Industriegebiets einer die Vorfahrt. Da kam er von der Straße ab, überschlug sich. Der Unfallverursacher aber gab Gas, machte sich davon und ließ ihn halb tot liegen.

Unfallfahrer und Verursacher spielen die Szene nach. Am Ende liegt der Unfallfahrer auf den Stufen des Altars, der Andere macht sich nach hinten davon.

Erzähler: Es traf sich aber, dass jede Menge Schaulustiger dieselbe Straße hinabzog. Die kamen und sahen den Verletzten.

Nach und nach kommen immer mehr Schaulustige, sie verteilen sich zwischen Gemeinde und dem Verletzten. Es wird geschaut, mit dem Handy fotografiert, aber nicht geholfen. Wichtig ist, dass auch der Mittelgang verstopft wird. Gaffer 10 und 11 sind die letzten im Gang und lassen niemanden durch.

Gaffer1: Boa, hast du den Knall gehört! Da hab ich gleich gedacht, dass des g´scheit gekracht hat.
Gaffer2: So wie des ausschaut, is des Auto total hie.
Gaffer3: Da muss doch gleich mal a Foto machen … hey, renn mir net ins Bild.
Gaffer4: Meinst, dass der noch lebt? Ich glaub net. So wie des Auto ausschaut.
Gaffer5: Schau mal, keine zwei Minuten hab ich das Foto vom Unfall auf Instagram, und schon hab ich 30 Likes!
Gaffer6: Des is doch gar nichts: Bei mir sind es 40 Likes und 8 neue Follower. Ich hab da noch so einen Grusel-Filter dazugeschaltet: In schwarz-weiß wirkt das alles noch viel krasser.
Gaffer7: Ob mer da amal an Doktor braucht, oder einen Sani?
Gaffer8: Keine Ahnung, da wird sich schon jemand gekümmert haben, es sind ja genügend Leute da.
Gaffer7: Hallo – tät mal einer den Rettungsdienst alamiern?
ALLE Gaffer: (gleichzeitig) Mit ham ka Zeit – Mir müssen fotografiern!
Gaffer 9: Nö! Ich mach etzt sogar einen Film – live auf facebook!

Erzähler: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn. Und er ging zu ihm, zog ihn aus dem Gefahrenbereich, verband seine Wunden und hob ihn in einen Rettungswagen und kümmerte sich um ihn.

Feuerwehr: (kommt von der hinteren Türe, kommt aber nicht durch) Hey, was ist da los? Kann es sein, dass da einer meine Hilfe braucht?
Gaffer10: Du bleibst hinten. Ich war eher da. Da will ja schließlich jeder was sehen.
Feuerwehr: Hallo? Ich bin von der Feuerwehr! Ich bin zum Retten da! Lass mich jetzt durch! Das kann doch nicht wahr sein!
Gaffer11: Gibst du da hinten endlich a Ruh? Willst eine aufs Maul? Hinten wird sich angestellt.
Feuerwehr: Habt ihr noch nie was von einer Rettungsgasse gehört? Die muss man bilden, damit dem Menschen da vorne geholfen werden kann.
Gaffer10: Wieso Rettungsgasse? Ich lieg ja nicht da vorne. Ich brauch ja keine Hilfe….

Erzähler: Ich muss mich korrigieren: Ein Feuerwehrmann aber, der gerade auf dem Heimweg von einem Fehlalarm war kam nicht zum Verletzten; jedenfalls kam er nicht rechtzeitig. So konnte er den Verletzten nicht aus dem Gefahrenbereich ziehen, seine Wunden verbinden und ihn in einen Rettungswagen heben.

Feuerwehr(schreit): Ihr habt doch alle so einen Batscher, ihr gaffenden herzlosen Handy-Zombies!!!

(Nach dem Schrei drehen sich alle in Richtung Gemeinde um – sie Szene friert ein, keiner bewegt sich mehr)

Erzähler: Da sprach der Herr zu seinen Zuhörern: “Und? Wer von diesen Leuten meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räder gekommen war?”
Sie sprachen: “Die Gaffer waren es schonmal nicht. Und der Feuerwehrmann, der konnte ja auch nichts ausrichten. Also, strenggenommen keiner.”
Da antwortete der Herr: “Genau! Du wolltest doch von mir wissen, wie das nichts wird mit dem Himmel, und was man tun muss, damit alles den Bach runtergeht: Also, wenn du meinst: Geh hin und tus genauso!”

Ansprache:

Liebe Gemeinde,zweimal die gleiche Geschichte. Obwohl da 2000 Jahre dazwischen liegen.
Zweimal einer, der Hilfe braucht – und zwar dringend.
Zweimal ein Haufen Versager – Menschen, denen alles Mögliche wichtig zu sein scheint, nur nicht der, dessen Leben in Gefahr ist.
Und zweimal einer, ja eben nur einer, der sich ein Herz fasst und bereit ist, für den Unglücklichen da zu sein.

Wo führt das nur hin?

Nur mit dem Unterschied, dass es vor 2000 Jahren geklappt hat, und nun schief geht, weil Menschen völlig rücksichts- und gedankenlos überhaupt nicht realisieren, dass das Leben kein Handyspiel ist. Da geht es um Leben und Tod, und Menschen machen Handyvideos und stehen im Weg rum.
Bayern3 hat momentan eine große Kampagne am Laufen: “Gaffen geht gar nicht” ist das Motto. Und immer wieder hört man dort von Rettungskräften und auch Unfallopfern unglaubliches.
Da brennt ein Auto auf der Autobahn, und Leute drehen um und versuchen durch die Rettungsgasse rückwärts zur nächsten Ausfahrt zu kommen. Schließlich haben sie ja so einen wichtigen Termin.
Da säubert die Feuerwehr die Straße von dem Trümmern und kriegt den Stinkefinger gezeigt, weil man wegen ihnen nicht wie gewohnt mit 120 durchbrettern kann.
Da entdecken die Eltern auf Facebook ein Bild vom einem tödlichen Unfall, der sich eben ereignet hat … uns sehen: Das ist das Auto von unserem Sohn.
Wenn ich so etwas höre, dann macht mich das wütend und auch nachdenklich: Was ist passiert, dass wir da zunehmend an Herzlosigkeit, Sensationsgier  und Verblödung leiden? Sind wir noch zu retten?
Aber Moment? Wie war das auf der Neustädter Kerwa? Haben wir da kürzlich nicht auch zwei Samariter gefeiert? Weil sie einen Betrunkenen das Leben gerettet haben, der in die Aisch gefallen war? Ein Riesending haben wir draus gemacht: Zeitung – Auszeichnungen – Einladungen … nur für die beiden war das ganz normal … es war das normalste auf der Welt, zu schauen, was da los ist und diesem hilflosen Menschen zu helfen.
Es ist doch ganz selbstverständlich für unsere Feuerwehrleute, mitten in der Nacht loszurennen um für Andere da zu sein, Freizeit zu Opfern für Schulungen und Übungen.
Wir haben sie immer. Die Samariter und die, über die man nur den Kopf schütteln kann. In Jesu Gleichnis und im Jahr 2019.

Verliebt in den Blick auf das Negative

Aber doch ist es nicht das Gleiche:
In der Geschichte, die Jesus erzählt, gehören den herzlosem Priester und dem Leviten grade mal zwei kurze Sätze. Aber ganz ausführlich wird beschrieben, was der barmherzige Samariter alles gemacht hat, um den Verletzten zu retten und gesund zu pflegen.
In unserer aktuellen Story gehört alle Aufmerksamkeit (und auch unsere Wut) denen, die nicht helfen. Alle gucken auf die unfähigen Idioten. Der verhinderte Retter wird zur Randfigur.
Warum?
Bei Jesus hat einer gefragt: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
2019 wurde gefragt: Was muss ich tun, damit es nichts wird mit dem Himmel und alles den Bach runtergeht?
Es fängt schon bei der Frage an, die unseren Blick lenkt! Wir sind verliebt ist das was schief geht, in Katastrophen. Wir teilen Bilder von Unfällen. Je blöder ein Spruch auf Facebook ist, umso öfter wird er aufgerufen. Der Attentäter von Halle wird zum Medienereignis, und die Leute suchen im Internet nach seinem Video.

Das Negative, das zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Selbst da, wo man es gar nicht vermutet. Wir schauen Fernsehsendungen, wo man an angeblich ein Topmodel oder eine Bachelorette sucht, aber in Wirklichkeit sehen wir zu wie tausenden anderen erstmal reingewürgt wird, dass sie nicht hübsch genug sind, die Beine zu kurz, der Hüfte zu rund, der Busen zu klein.

An jedem findet man was … die schönste Suppe gefällt uns nicht, weil wir garantiert ein Häärchen drin finden. Und jede Wette, jeder zweite von den Orstburschen ist seit Freitag schon mal angepflaumt worden, weil irgendwas auf der Kerwa nicht gepasst hat: Das Bier kam zu spät, die Musik war zu laut, das Zelt ist zu warm. Und wie oft wurdet ihr gelobt dafür, dass ihr da die ganze Zeit euch reinhängt, damit unser Dorf so ein Fest hat?
Das Negative bestimmt unsere Wahrnehmung – dann ist doch klar, dass wir immer nur schwarz sehen. Scheinbar verliebt in den Untergang. Sind wir da wirklich noch zu retten? Und ich mache auch grade mit, umd motze über das, was mich ärgert.

Fast 300 Jahre Kirche in Brunn

Vielleicht hilft uns ja der Blick auf unsere Kirch-weih … also die Zeit vor 295 Jahren. Die hatten damals kein WLAN, nicht mal fließendes Wasser, außer es hat geregnet. Ich denke, wir machen uns keine Vorstellung, unter Welchen Umständen die Menschen damals in Brunn gelebt haben. Armut, Entbehrung, echt kein leichtes Leben. Und doch haben sie in dieser Zeit diese Kirche hier aufgebaut. Sie sind nicht nur um ihren eigenen Kram gekreist, sondern haben nach vorne geschaut … und etwas bewegen wollen.

Eine Kirche bauen – ein Gotteshaus als Ort, wo sie mit ihren Hoffnungen, mit ihren Ängsten und Sorgen – und auch mit ihrer Trauer hin konnten. Sie spürten, wie wichtig gerade in schwierigen Zeiten der eigene Glaube sein kann.
Sie haben sich von den schwierigen Lebensbedingungen nicht abhalten lassen, nach vorne zu schauen, und Großes anzupacken.

Die richtigen Fragen stellen

Liebe Gemeinde,
ich will die Vergangenheit nicht schöner reden als sie war – denn im Vergleich mit damals erkennen wir, wie gut es uns heute geht – und auf welch hohem Niveau wir momentan herumjammern! Aber ist  das nicht Grund genug, sich nicht auf das Negative zu fixieren? “Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.”
Das ist das Motto, das schon Paulus einst der Gemeinde in Rom vorgehalten hat.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Sei Samariter! Lass dich nicht von 11 dummen Gaffern, die das Falsche machen, aufhalten genau das Richtige zu tun!
Schau mal im Hinterkopf, was für Sätze da herumliegen:

“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” – weg damit! Dieser Satz kommt direkt aus der Hölle …
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” mit diesem Satz geht keiner zu Feuerwehr, wird niemand aus der Aisch gezogen, geht keiner dazwischen, wenn ein hilfloser gemobbt wird.
“Da sollen doch erst mal die Anderen ….” Mit solchen Sätzen im Inventar wären wir wirklich nicht mehr zu retten.

Wir brauchen andere Sätze. Solche, die uns motivieren, auch in schwierigen Situationen. Naja, da gibts ja den eigenen Konfirmationsspruch. Ja, unsere Konfirmationssprüche, die haben oft ganz viel Potential, Mut zu machen. Viele sprechen von der Liebe Gottes, die ich auch an Andere weitergeben kann.
Oder davon, dass Gott mich begleitet und beschützt. Fei echt!

Ein paar Beispiele aus diesem Jahr:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.  Psalm 139,5.
Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2.Thessalonicher 3,3
Deine Sonne wird nicht untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein. Jesaja 60, 20

Das sind doch Lichtblicke!
Also: Lasst uns Samariter sein!
Gottes Liebe weitergeben.
Die Hoffnung nicht aufgeben.
Vertrauen haben, denn wenn Gott unsere Welt nicht aufgibt, dann dürfen auch wir zuversichtlich nach vorne schauen.

AMEN

Symbolpredigt zur Konfirmation: Glaube in der Dose, 14. April 2019

Glaube in der Dose

Aus eineinhalb Jahren Konfizeit hat jeder Konfirmand einen Vorrat an Eindrücken, Erlebnisen und Wissen über den Glauben angesammelt. Wie aus einer Vorratsdose kann es sich in Laufe seines Lebens in unterschiedlichen Situationen immer wieder seines Glaubens bedienen.
Ich vergleiche es mit einer Bergwanderung, die durch düstere Täler und über glänzende Gipfel führt. Und immer ist diese Vesperdose dabei, aus der man Kraft, Bestätigung und manchmal auch Korrektur für sein Leben beziehen kann.
Jeder Konfirmand erhält auch eine Konservendose, die mit dem Motiv der Dorfkirche, dem eigenen Namen und Konfirmationsspruch versehen ist.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
heute ist das Fest des vollgeschlichteten Altars. So viel wie heute steht ja nicht mal an Erntedank hier drauf: Fürs Abendmahl Kanne, Kelch, Hostienbüchse. Eure Konfirmationsurkunden, die Kreuze, die ihr bekommt, und diese Dosen hier: „Glaube in der Dose“ steht da drauf. Die gibt’s nur heute. Da ist nämlich eure Konfi-Zeit eingedost. 

Könnt ihr euch vorstellen, was ich damit meine?

Die Konfirmations-Dose
Eineinhalb Jahre haben wir ja miteinander verbracht:  Präparandenkurs, Gemeindepraktikum, Präpinacht, Konfikurs, Fishlife-Zeltlager, Konfifreizeit, Vorstellungsgottesdienst … und manches mehr. Das geht ja nicht spurlos an einem vorbei. Ihr habt euch untereinander besser kennen gelernt, auch die Wilhelmsdorfer Konfis und die Mitarbeiter. Ihr habt gemerkt, wie euer Pfarrer tickt.

Und natürlich war unser Glaube immer wieder Thema: Über Vertrauen haben wir gesprochen, den Sinn der 10 Gebote, wie Kirchengemeinde funktioniert, weshalb wir Kinder taufen. Bei Andachten haben wir Kerzen für unsere Hoffnungen angezündet. So viel an Erlebnissen, Erfahrungen, Erinnerungen.

ich will weiterlesen

Themenpredigt: „Wollust“ – kann denn Genuss Sünde sein? – 17. März 2019

Kann denn Genuss Sünde sein? Diese Predigt ist Teil einer Predigtreihe, in der wir im KollegInnenkreis vier der sieben Todsünden in den Blick genommen haben.
Mehr über die Aktion finden Sie am Ende der Seite.

Predigt zur Todsünden-Reihe 2019: Wollust

Liebe Gemeinde,

der Name ist furchtbar und finster: “Todsünden”. Ein Begriff, der Angst machen kann – und sicher auch über Jahrhunderte verwendet wurde, um Menschen Angst einzujagen – Angst vor Gott, der bestimmte Sünden anscheinend mit dem Tod bestraft.

Todsünden – Blick in die frühe Christenheit

Wenn man aber schaut, wo denn dieser Begriff eigentlich herkommt, sieht das ganz anders aus. Denn die ersten Christen haben sich mit einem Problem herumgeschlagen:
Da wird ein Mensch Christ. Er lässt sich taufen und beginnt eines neues Leben. Er will das Liebesgebot Jesu befolgen, alles besser machen, als zuvor. Aber irgenwann passiert es, dass er dann doch falsch handelt, sündigt. Er beleidigt einem Menschen, belügt seinen Partner, hängt am Geld und will nichts teilen. Irgend etwas ist immer.

ich will weiterlesen

Themen-Predigt „Vergiss die Gastfreundschaft nicht“ (Hebräer 13,2) zum Monatsspruch Juni 2018, 10. Juni 2018

Die Predigt zum Monatsspruch für Juni 2018 lässt den Blick über das biblische Thema Gastfreundschaft schweifen, mit Begegnungen die manchmal mehr sind als nur mit-menschlich.

 

Liebe Gemeinde,
ein Satz ist es, um den es heute in der Predigt geht: „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.” (Hebräer 13,2) – Er ist zugleich der Monatsspruch für diesen Juni.
„Gastfrei” schreibt Luther – und meint damit wohl, offen zu sein gegenüber Gästen und Fremden. Das Wort, das in unserer griechisch verfassten Bibel steht, ist „xenophilia”, also die Freundlichkeit und Liebe gegenüber dem Fremden – also dem gegenüber, der eigentlich nicht bei mir daheim ist. Wir übersetzen das heute meist mit Gastfreundschaft.

So ein bisschen irritiert mich dieser Satz in der Bibel. Warum musste man sich damals gegenseitig ermahnen, gastfreundlich zu sein? Denn in meiner Vorstellung war im damaligen Orient die Gastfreundschaft etwas Selbstverständliches. Überall hört man davon; bis heute wissen Leute von der großen Gastfreundschaft im bestimmten Ländern zu berichten. So ein bisschen vermute ich auch, dass die Gastfreundschaft über Jahrhunderte eine notwendige gesellschaftliche Überlebensstrategie war: Was macht ein Wanderer in einem unwirtlichen Gebiet in den Wüstenregionen Israels, wenn ihn keiner aufnimmt, ihm Wasser und etwas zu Essen gibt? Weit und breit kein Imbiss, kein Gasthaus – irgendwo liegen ein paar von der Sonne ausgebleichte Rinder-Skelette. Der hat ja keine Chance.
Also erscheint mir für die damalige Zeit Gastfreundschaft als eine wichtige Tradition, die man gerne anbietet und über die man heilfroh ist, wenn man sie einmal selbst benötigt und angeboten bekommt. ich will weiterlesen

Schulschlussgottesdienst: Ich brauch ´ne Power-Bank

In diesem Schul-Gottesdienst entwickeln wir, was den Schülern in den Ferien als Quelle der Kraft und Regeneration dienen kann. Dazu gibt es ein Anspiel, an das sich drei „Bekenntnisse“ zu jeder der drei Power-Banks anschließt.
Ein großes Dankeschön an meine Kolleginnen Susanne Heimberger und Katrin Dumann vom Friedrich-Alexander-Gymnasium Neustadt/Aisch, die diesen Gottesdienst mitentworfen haben. Sie Szenen haben mal wieder wunderbar engagierte Schülerinnen der achten Klassen gespielt.

Ablauf:

Musik
Begrüßung
Gebet
Lied: Danke für diesen guten Morgen
Anspiel: Im Media-Markt
Drei Bekenntnisse: Meine Powerbank
Familienurlaub
Bibel
Freunde&Nichtstun
Selbstgelötetes Video
Fürbitten
Vaterunser
Segen
Lied: Möge die Straße…

ich will weiterlesen

Spielszene als Predigt: Licht der Welt – Sonne oder Kerze? (Freiluftgottesdienst zu Johannes 8,12 mit Taufe) 25. Juni 2017

In diesem Open-Air-Gottesdienst haben wir den kleinen Noel getauft. Als Besucher waren auch die örtlichen Kindergärten dabei. Zur Verkündigung hatten wir die folgende Spielszene.

Rollen:
A: Junge Frau, mit den üblichen Sonnebad-Utensilien
B: Nachdenklicher Mann mit einer kleinen Holzlaterne
Pfr: Pfarrer

A) Einleitung: Licht kann vieles sein

Pfr: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.” – So sagt Jesus im Johannesevangelium über sich selbst. Jesus als Licht der Welt. Das klingt gut! – Positiv – buchstäblich hell –
Heute Vormittag wollen wir einmal genauer drauf schauen, was es denn heißt, wenn Jesus unser Licht ist. ich will weiterlesen

Früchte-Predigt an Erntedank: Wenn die Gaben am Altar zu erzählen beginnen (Symbolpredigt) 2. Oktober 2016

In20151005_105737 dieser Predigt werden Kartoffel, Zucchini, Weinrebe und Zierkürbis zu den Protagonisten. Sie lassen mich  von ihren unentdeckten Stärken und der mühsamen Integration von Fremden erzählen. Die Weinrebe erinnert an Jesu Wort vom Weinstock und Rebe und hält das Motto“weniger ist mehr“ hoch. Schließlich überrascht der Zierkürbis mit seiner gechillten Ansicht vom Leben: Ich bin „einfach so“ da. Weil Gott es gefallen hat, dass ich bin.

Liebe Gemeinde, liebe Präparanden und Konfirmanden,
das Schöne am Erntedankfest ist, dass ich da als Pfarrer beim Predigen nicht alleine hier vorne bin. Denn ich bin umgeben von vielen Kollegen – die auch von der Güte und Liebe Gottes erzählen! Ja, die Äpfel, Birnen und Sonnenblumen – sie alle sind ja Teil unserer Schöpfung, die von Gottes Fürsorge für uns berichten. Jede einzelne Erntedankgabe hat da etwas anderes zu erzählen.
Da wäre es eigentlich einmal spannend, genau hinzuhören, was die zu sagen haben. Ich gebe zu, dass wir als Pfarrer das viel zu selten tun, weil wir ja selbst so gerne reden … also habe ich mich gestern mal mit den Erntedankgaben zusammengesetzt und wir kamen ins Gespräch – und davon will ich heute morgen erzählen: ich will weiterlesen

Predigt mit Anspiel zur Kirchweih: Taufe – das Tattoo für die Ewigkeit (21. August 2016)

Zurkerwastempel2016 Kirchweih nehmen wir die Kirche als Ort der eigenen Taufe in den Blick. Zur Begrüßung erhalten die Gottesdienstbesucher einen Stempelabdruck auf den Arm. Darauf das uralte (und vielen unbekannte) Siegel des ersten Kirchleins, das hier im Ort stand. Dazu eine Reihe von Verben, die beschreiben, was uns Christen vor Ort ausmacht. Die Ortsburschen und Madli, die die Dorfkirchweih mitgestalten, sind auch die Akteure des Anspiels, das den Vergleich Tattoo und Taufe entwickelt.

Szene der Ortsburschen &-Madli:
A: hat ein neues Tatto, ziemlich stolz
B: Hat ein Tatto “Juliane” am rechten (!) Unterarm
C: Ohne Tatto, hat aber etwas Besonderes vor…

Die drei Kumpels (A,B,C) treffen sich, begrüßen sich …
A: Hi, ich muss euch mal was zeigen: Schaut, da, mein neues Tattoo.
C: Mann, da ist ja echt klasse geworden. Wie lange hast du das schon?
A: So zwei Wochen. Der Tätowierer hat echt was auf dem Kasten. Der ist zwar echt nicht billig, aber dafür schaut´s dann auch wirklich gut aus. (Zu B) Und was sagt du?
B: Ja…. klar ist schon wirklich gut gemacht, auch das Motiv ist mal ein bisschen was anderes, als das, was momentan überall gestochen wird. Hmm, schon cool.
A: Klar, des ist immer ein bisschen blöd mit diesen Mode-Motiven, die sich dann jeder Kasper machen lässt, bloß weil es grade in ist. Die sollen ja schließlich ein Leben lang passen. Ich hab bei meinem Tattoo jetzt auch ewig hin und her überlegt, bevor ich mich entschieden habe.
B: Wen sagst du das, achau, hier auf meinem Unterarm:
C: Ja, da steht der Name von deiner Freundin Juliane.
B: EX-Freundin! – Sie ist weg und das blöde Tattoo ist immer noch da. So ein Mist. ich will weiterlesen

Anspiel als Verkündigung zur Europameisterschaft 2016: Solange Gott unser Spiel nicht abpfeift, haben wir Hoffnung (26. Juni 2016)

Zueuro16d unserem Gottesdienst im Grünen (auf einem Fußballplatz) greifen zwei Spielszenen unterschiedliche Themen auf: Zum Ersten die Frage, wie wir unsere Kirchen-Mannschaft aufstelln. Zum Zweiten die Hoffnung, die wir als Christen gerade auch in schwierigen Situationen nicht nicht aufgeben wollen.

Besetzung ( Bei uns war es eine Frauen-Fußball-Mannschaft):
Pfarrer
Trainer
Lena: Torhüterin mit verletztem Finger (in Szene 1)
Angie: Schiedsrichterin mit verlorener Brille (in Szene 1)
Selin: Sensibel-ehrgeizige Spielerin (in Szene 2)

euro16aSzene 1: Jeder wird gebraucht – und auf der Ersatzbank ist auch noch Platz
Alle treffen sich, wollen mit den Spielen anfangen.

Trainer: So … schön, dass ihr jetzt auch endlich da seid. Die anderen haben sich schon warmgemacht. Du, Lena gehst wieder ins Tor, dich Angie  brauche ich heute beim Trainigsspiel als Schiedsrichterin.

Lena:  Das kannste vergessen! ich will weiterlesen

Predigt: Andere Länder, andere Sitten – und immer wieder Gottes Fingerabdrücke (Themenpredigt) 17. April 2016

Malanderelaender etwas ganz Anderes: Ich stelle eigentümliche Gebräuche aus fünf Ländern vor, und gehe auf die Spurensuche nach Gottes Fingerabdrücken: Was steht also theologisch dahinter, wenn die Niederländer alle Gäste eines Geburtstagsfeier beglückwünschen? Eine Entdeckunsreise von den Niederlanden nach Japan, über Tansania nach Spanien und Schweden.

Liebe Gemeinde
in der Lesung haben wir vorhin von Paulus gehört, der den Leuten in Athen von Gott erzählt hat, indem er sie auf ihre eigenen Erfahrungen mit der Schöpfung, und mit den Fragen ihres eigenen Daseins gestuppst hat. Sie sollten entdecken, wo in ihrem Leben Gottes Fingerabdrücke zu finden sind:
Damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.  Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apg 17, 27-28)
Ich habe mir gedacht, wie wäre es, wenn man heute einen Blick auf die Länder unserer Erde wirft, und da einmal ein paar Fingerabdrücke Gottes entdeckt? Und zwar einmal da, wo wir es gar nicht erwarten, nämlich im Alltag, in den manchmal eigentümlichen Sitten und Gebräuchen mancher Völker auf unserem Globus.

Niederlande
Beginnen wir einfach einmal bei den Niederländern. Wenn du da auf einen Geburtstag gehst, dann gratulierst du da nicht nur dem Geburtstagskind zum 40. Geburtstag, sondern auch den Gästen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Ehemann, zu deinem Bruder, zu deinem wunderbaren Schwager, der heute 40 Jahre alt wird.“ Also man macht da die ganze Runde durch die Geburtstagsgäste und gratuliert ihnen dazu, dass sie diesen Menschen als Freund oder Verwandten haben.
Und Sie ahnen schon: Was zunächst lustig bis verrückt klingt, drückt eigentlich eine ganz besondere Wertschätzung dieses einen Menschen aus. ich will weiterlesen