Predigt: Auf Spurensuche (Johannes 13, 34 f) Kirche im Grünen 16. Juni 2024

Wir hinterlassen Spuren
In diesen Gottesdienst im Freien ging es um Spuren: Spuren, die Menschen in unserem Leben hinterlassen und die Spuren Gottes in unserer Biographie. Im letzten Schritt frage ich: Welche Spuren will ich mit meinem Leben hinterlassen?

In diesem Gottesdienst haben wir eine Aktion für die Kinder vorbereitet:
Jedes Kind hat eine Karte mit einem abgebildeten Tier erhalten (Hase, Marder, Maus, Reh, Fuchs, Eichhörnchen). Auf dem Platz standen auch dann Bilder mit den Spuren, die Tiere am Boden hinterlassen. Kinder sollten dann versuchen, mit ihrem Tier zu dem richtigen Spuren-Bild zu gehen.

Evangelienlesung: Lukas 9 – Speisung der 5000.

PREDIGT:

So viele Spuren … Hase, Eichhörnchen, Fuchs. Aber auch wir Menschen hinterlassen Spuren. Nicht nur dann, wenn wir durch einen Sandkasten trampeln. Ich weiß noch, wie ich als Kind daheim Ärger bekommen habe, wenn ich über den frisch gewischten und noch feuchten Fußboden gelaufen bin. Denn das gibt ja Flecken!

Menschliche Spuren

Es gibt ja auch Spuren, die entstehen, weil viele Menschen da laufen. Im Wilhelmsdorf gibt’s vorne an der Bushaltestelle bei der Erlanger Straße einen richtigen Trampelfad durch das Gras. Weil doch ganz schön viele Menchen den weiten Umweg, den der Bürgersteig da macht, sich sparen wollen.

Oder in Brunn beim Kindergarten, wo der Boden außen noch eine Baustelle ist: Wenn es ein bisschen geregnet hat, kann man Spurenleser werden: Große Füße, kleine Füßchen. Dann eine Fahrradspur, oder zwei Spuren nebeneinander … das war dann wohl ein Kinderwagen. Oder vier Spuren? Achja es gib ja auch welche mit doppelten Rädern! Ja, immer hinterlassen wir unsere Spuren.

Aber auch im übertragenen Sinn hinterlassen Menschen Spuren. Das ist vor allem spannend, wenn sie Spuren im Leben der anderen Menschen hinterlassen. Wie ist das, wenn wir an unsere Eltern denken, wie sehr sie unser eigenes Leben geprägt haben. In jeder Hinsicht.

Oder wie es mit den Lehrern in der eigenen Schulzeit? An die meisten kann ich mich kaum mehr erinnern. Aber einige, die haben Spuren hinterlassen. Der Physiklehrer, der mit Leidenschaft seine Experimente vorbereitet hat, aber sonst schon immer recht spröde war. Aber am Tag nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war er so nachdenklich war wie noch nie. Weil er wusste, das es für die Menschen dort bedeutete. Den Herrn Hofmann habe ich nicht vergessen. Vielleicht auch, weil er immer sehr sehr fair gegenüber uns Schülern war.
Es ist schön, wenn Menschen Spuren hinterlassen; wenn sie für Andere etwas bedeutet haben.

Spuren, die Gott hinterlässt

Vorhin haben wir die Geschichte von Jesus gehört, wie er viele tausend Menschen satt gemacht hat. Eine unglaubliche Geschichte; ein Wunder! Und das hat Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Sie haben noch lange davon erzählt: „Weiß du noch? Damals, als wir da mit 5000 anderen bei Bethsaida waren? Ich verstehe bis heute  nicht, wie Jesus das gemacht hat, aber am Ende waren wir alle satt….. hmmm … und das mit 5 Broten und zwei Fischen … Ob da ein Trick dabei war?“
Auch das sind Spuren. Fast wie bei den Tierspuren im Wald, wo man manchmal am Rätseln ist, von wem diese Spur wohl ist. Ist das eine Spur Gottes in meinem Leben? Hatte er da die Hand im Spiel? Oder war das alles nur Zufall? Das kann man nicht immer so einfach unterscheiden.
Wenn ich aus einen schweren Unfall letztlich doch ganz glimpflich herausgekommen bin, obwohl am Anfang es ganz anders aussah. Ist das eine Spur Gottes, der mich da vor Schlimmeren bewahrt hat? Oder hatte ich einfach nur unfassbares Glück?

Beweisen lassen sich die Spuren Gottes nie. Man muss sie mit dem Herzen entdecken. Manchmal hilft folgender Gedanke: Was wird passieren, wenn ich das als Wunder Gottes in meinem Leben verstehe? Tut es mir gut? Verändert sich da etwas in meinem Leben, wenn ich davon ausgehe: Da hatte Gott seine Finger im Spiel. Vielleicht, weil er wollte, dass ich weiterhin auf dieser Welt lebe, für meine Familie oder Freunde da bin. Und wenn ich diese eine Spur Gottes entdeckt habe, könnte es sein, dass mir daraus auch viel Mut für die Zukunft entsteht. Denn wenn Gott mir in diesem Moment schon geholfen hat … dann brauche ich auch für die kommende Zeit nicht immer vom Schlimmsten ausgehen. So entsteht Vertrauen in die Zukunft.

Ja, und manchmal sind diese Spuren Gott einfach schön. Wenn ich mich hier umsehe, den weiten Himmel, die Landschaft, das ist so großartig. Für mich ist unsere Schöpfung auch eine Spur Gottes. Es tut mir gut, draußen zu sein und diese Schöpfung zu bewundern und zu genießen.
Oder wenn ich unsere Kinder ansehe. Die sind ja auch irgendwie ein Gottesgeschenk an uns. Martin Luther soll gesagt haben. „Wenn du ein Kind siehst, dann hast du Gott auf frischer Tat ertappt“

Spuren, die ich hinterlasse

Nochmal zurück zu unseren menschlichen Spuren: Wir hinterlassen ja nicht nur schöne Fußabdrücke. Als ich von meinem Physiklehrer erzählt habe, wird so mancher von Ihnen in seinen Kopf ganz andere Bilder gehabt haben: Lehrer, von denen man Angst hatte. Oder Erinnerungen daran, dass man ungerecht und herablassend behandelt worden ist. So etwas bleibt einem ja manchmal ein Leben lang im Kopf.
Ja, es ist erschreckend, wie lange das haften bleibt, wenn andere sich mir gegenüber falsch verhalten und Mist bauen. Oder umgekehrt: Wenn ich Mist baue! Ich bin ja auch nicht besser als die Anderen. Wer weiß, welche Spuren ich als Mensch hinterlasse? Mit meinem Reden und Handeln. Das ist ganz schön schwierig.

Was möchte ich mit meinem Leben für Spuren hinterlassen? Vorsicht: Es geht nicht darum, was andere über mich denken. Wenn ich darauf schauen würde, wird es immer schwierig: Denn erstens kann ich eh nicht steuern, was andere über mich denken; also was die sich im Kopf über mein Leben zusammenreimen. Und zweitens würde ich dann nicht mein Leben führen, sondern mich immer nur am Applaus der Anderen orientieren. Und das kanns ja auch nicht sein.

Welche Spuren will ich hinterlassen? Mir fällt auf: Wenn wir an Menschen denken, die uns beeindrucken, sind es oft nicht die großen Taten, die hängen bleiben, sondern das „wie“ ihres Lebens.
Wie tickt derjenige?
Was ist ihm wichtig?
Wie geht da jemand mit den Mitmenschen um?
Welche Werte lebt sie oder er?

Spuren hinterlassen wir immer. Wie können gar nicht spurlos leben. Gerade in herausfordernden Zeiten – und die haben wir ja gerade – ist es gut, seinen eigenen Spuren ein bisschen nachzuspüren. Wovon ist mein Umgang mit den anderen Menschen geprägt? Vielleicht auch mein Umgang mit mir selbst?

Jesus hat seinen Jüngern bei seinem Abschied gesagt: „Ich gebe euch eine neue Regel, ein neues Gebot, mit auf den Weg: Dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13, 34f)

Die Nächstenliebe als Erkennungszeichen der Nachfolger Jesu. Das klingt so einfach. Alle lieb haben … und gut ist! Wir wissen: So einfach ist das nicht. Wir Menschen sind so unterschiedlich. So oft muss man seine Position behaupten. Immer nachgeben ist ja auch nicht hilfreich.

Als Eltern müssen wir auch mal Grenzen setzen. Wenn mein Puberttier daheim den Aufstand probt, braucht dieser Haus-Terrorist ja auch Widerstand, es ist ja eine Entwicklungsaufgabe, sich mal an den Eltern abzuarbeiten.

Aber: An der Liebe sollen wir erkannt werden. Das heißt: Ich sehe den anderen als Kind Gottes, als jemand, der seine Würde hat. Auch wenn er gerade in meinen Augen der größte Arsch auf Gottes Erdboden ist. Er steht auf Gottes Erdboden! Genauso wie ich. Wir sind beide Geschöpfe Gottes – und das zählt.

Das verbindet uns, so groß unsere Gegensätze auch sein mögen.Wir müssen streiten können, aber dabei keine Spuren der Verwüstung hinterlassen. Sondern Spuren des christlichen Miteinanders.
Den anderen akzeptieren können, als ein Kind Gottes, der darauf angewiesen ist, dass Gott sich um ihn genauso kümmert, wie um mich.

Und wenn mir das gelingt, dann ist das wahrscheinlich wiederum ein Punkt, wo Gott seine Spuren in meinem Leben hinterlassen hat.

Amen

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Ein Kommentar

  1. Toll auch das Zitat von Martin Luther: Wenn du ein Kind siehst…
    Aber klar, Jesus verlangt ja explizit, dass WIR al Kinder Gottes angenommen sind und „sonst nichts“! Auch dieses „Statement“ verlangt nach einem „WOW“ !!! Gott „tickt“ also völlig anders, al unser himmlischer Vater bzw. Papa und freut sich ständig, wenn WIR UNS von IHM überraschen lassen…, nicht nur als „NOTHELFER“, nein, ER will uns umhegen und umgarnen und necken, bis uns ganz schwindelig ist.., JEMAND DER DAS UNIVERSUM BEWEG UND DEN PLANETEN ERDE: „KANN EINFACH ALLES“!!

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