Predigt zur Konfirmation: Prüft aber alles und das Gute behaltet (1. Thess 5,21) 2024

Unsere Konfis werden ermutigt, genauer hinzusehen und „einfache Antworten“ kritisch zu hinterfragen. So kann man auch entdecken, dass Segen Gottes nicht automatisch bedeuten muss, dass im Leben alles nach Plan läuft. Dazu erhalten sie als Symbol eine Lupe, mit der sie im Gottesdienst auch aktiv werden müssen.

Liebe Konfis,
schön, dass wir heute eure Konfirmation feiern können. Auch das Wetter ist bestens. Und selbst wenn es regnen würde: Auf den Konfirmationsfotos kann man das ja später problemlos korrigieren. Ein bisschen photoshoppen geht immer! Spätestens mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz kann man euch je nach Wunsch in den Sonnenschein stellen oder auch an einen Sandstrand versetzen. Nicht lachen! Das macht doch heute jeder. Ihr wisst doch selber am besten, dass die meisten Influencer auf Insta oder TikTok mit allem möglichen Filtern arbeiten, und vieles von vorne bis hinten gefaked ist.

Heute ist es also wichtig, dass man genau hinschaut und prüft, was einem so alles gezeigt, gesagt und vorgesetzt wird. Darum habe ich hier ein kleines Werkzeug mitgebracht: Eine Lupe! Zum genau hinschauen! Und am Rand seht ihr einen Satz aus der Bibel: „Prüft aber alles, und das Gute behaltet“. Das ist ein Ratschlag, den der Apostel Paulus einmal den Leuten in der Stadt Thessaloniki gegeben hat.

Wenn der Kinderglaube sich ändert

„Prüft aber alles, und das Gute behaltet“, da geht’s ja nicht bloß um gefälsche Fotos, sondern auch um Glaubensfragen. Ihr habt schon fast 14 Jahre Glaubenserfahrung hinter euch. Im Laufe dieser Zeit, hat sich euer Glaube sicherlich auch verändert. Weil man sich ja auch als Person weiterentwickelt.

Im Kindergarten habe ich gedacht, dass Gott da oben im Himmel sitzt. Und als einmal im Winter ganz fette Schneeflocken gefallen sind, habe ich meiner Mama erklärt: „Ui, da hat Gott da oben aber ganz große Schneeflocken gemacht“. So dachte ich halt mit 4 Jahren. Mit der Zeit wurden so naive und einfache Vorstellungen von anderen abgelöst. Ich habe verstanden, dass es da noch ganz andere Zusammenhänge beim Wetter gibt, und dass Gott kein Opa ist, der zwischen den Wolken sitzt und Schneflocken bastelt.

Wie Gott uns behütet

Mit der Lupe (im übertragenen Sinn) genauer hinschauen. Das sollte man immer wieder. Mir ist etwas bei euren Konfi-Sprüchen aufgefallen. Die meisten von euch haben sich Sprüche ausgesucht, die die Hoffnung ausdrücken, dass Gott uns beschützt, auf uns aufpasst und uns begleitet. Das ist ja ein ganz wichtiger Gedanke im christlichen Glauben: Dass wir einen Gott haben, der es gut mit uns meint. Gerade in einer Welt, die voller Gefahren und Risiken steckt, wo einem der Blick in die Zukunft manchmal schon Angst machen kann.
Da tut es gut – wenn man da grade die Krise hat, – wenn man sich mit seinen Gedanken in das eigene Gottvertrauen hineinkuscheln kann. Wenn man sich sagen kann: „Mach dich nicht verrückt, Gott ist doch auch noch da. Er passt auf dich auf.“

So, jetzt nehm ich die Lupe. „Prüft aber alles, und das Gute behaltet“. Ist dieser Gedanke, dass Gott es gut mit mir meint, hoffnungslos naiv oder richtig gut?

Schauen wir doch mal genau hin: Wenn wir uns bedroht fühlen, Angst haben, dann wird das Bedohliche ganz groß – übergroß. Und dann nimmt die Angst noch mehr überhand und fängt an, die Kontrolle über uns zu übernehmen. Ist das gut? Nein! Die Angst hilft uns nicht weiter.
Was uns hilft, ist Vertrauen. Da sind wir wieder bei euren Konfisprüchen – beim Gedanken an Gottes Liebe zu uns. Da kann Vertrauen wachsen.

Auch wenn die Welt schwierig ist, und die Probleme sich nicht in Luft auflösen. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“ Ja, manchmal bleibt einem etwas Schlimmes nicht erspart. Da muss man durch, aber es ist oft da drin auch Gutes versteckt. Da muss man manchmal ein bisschen suchen – naja, eine Lupe habt ihr jetzt ja.

Ich selber habe auch ein bisschen gebraucht, um zu entdecken, dass meine Erkrankung mir sehr viel Gutes geschenkt hat. Erfahrungen, Begegnungen, Einsichten, die ich sonst wohl nie bekommen hätte. Unter der Lupe betrachtet, viel Gutes.

Lasst euch nicht von einfachen Lösungen verführen

Puh, das war jetzt kein ganz leichtes Thema. Aber das Leben ist nicht nur einfach. Und wenn euch jemand mit einfachen Lösungen kommt, dann seid auf der Hut.

Die Menschen lieben einfache Lösungen. Schwarz-weiß. Gut-böse. Und die Algorithmen von Tiktok lieben das auch. Darum sieht man so einen Schmarrn am allerhäufigsten.

Der eine sagt.: Mit dem Pulver nimmst du ohne Anstrengung ab.
der andere sagt: Mit diesem Buch hast du den Schlüssel zum Reichtum durch Bitcoins.
Der X sagt: Die Migranten sind unser Untergang.
Der Y sagt: Ohne Zuwanderung wirst du in 10 Jahren keinen Pflegeplatz für deine Angehörigen finden.

Prüft alles! Glaub keinem, der sagt, er allein wüsste die Lösung, nur irgend eine Weltverschwörung würde das alles vertuschen.

Und auch in Glaubensfragen muss man aufpassen, wenn zu einfache Lösungen kommen:

– „Wenn du nur fest genug glaubst und betest, dann wirst du auch gesund!“ Und was hat dann Paulus falsch gemacht?

– „Wenn du Gott vertraust, wird dir alles gelingen, und Gott wird dich mit einen guten und reichen Leben belohnen“ – Ja, was ist dann mit Hiob schiefgelaufen?

Diese Typen müssen eine andere Bibel haben. Gott funktioniert nicht, wie wir es gerne hätten. Wir haben einen unsichtbaren Gott, der ist manchmal geheimnisvoll. Du weißt oft nicht genau, was er grade vor hat. Gott vertrauen heißt dann auch manchmal, sich von ihm überraschen zu lassen.

Mein Name in Gottes Hand

Nochmal zurück zu Lupe. Ich möchte euch bitten einmal mit der Lupe die Kirche auf der Vorderseite des Liedblatts anzuschauen. Entdeckt ihr da etwas?

Ja, oben an der Kirchenmauer, unterhalb des Daches, da findet ihr eure Namen gedruckt. Ganz winzig, die Buchstaben sind nur einen dreiviertel Milimeter groß. Sowas entdeckt man nur mit der Lupe.
Ich finde das irgendwie cool, wenn der eigene Name irgendwo verewigt ist. Früher haben Leute ihre Initialen in Baumrinde geritzt. Aber wie wäre es, wenn Gott sich deinen Namen tättowieren lassen würde?
Klingt verrückt? Naja, in der Bibel finde ich beim Propheten Jesaja so einen Satz: „Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben“ (Jesaja 49,16) Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung, auch wenn man sie nicht wörtlich verstehen muss. Gott vergisst mich nicht. Meinen Namen hat er immer vor sich, ich bleibe bei ihm immer auf dem Radar.

Mit erwachsenen Augen

Und umgekehrt möchte ich euch ermutigen, diesen Gott auch nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Auch wenn sich euer Leben und euer Glaube weiterentwickelt und ihr alles kritisch unter die Lupe nehmt.

Wisst ihr noch, wie das mit der Schneeflocke ist? Damals habe ich gedacht, dass Gott die da einzeln macht und herunterwirft.
Heute sehe ich Flocke, ich genieße das Glitzern, strecke die Zunge raus, um einige Flocken aufzufangen und genieße einfach diesen Moment. Und wenn es keiner sieht, lege ich mich in den Schnee und mach einen Schne-Engel – fast so, als wäre ich wieder im Kindergarten.

Ich mache mir bewusst, dass die Formen der Schneeflocken so unterschiedlich sind, wie die Fingerabdrücke der Menschen. Und dann denke ich, wenn Gott diesen Kosmos so eingerichtet hat, dass jede Schneeflocke individuell ist, dann wird er für mich als einen von 8 Milliarden Menschen auch nen Plan haben. Dass will ich ihm vertrauen, will daran glauben, dass er er gut mit mir meint.

Amen

Praktische Hinweise

Ich habe den Konfirmanden Lupen gegeben und diese mit Dymoband (Weiß auf Schwarz) beklebt.

Produktlinks:
Lupe bei Amazon, Lupe bei Büromarkt-AG
Dymo-Band bei Amazon

Für das Finden der eigenen Namen (Größe etwa 3pt Arial) habe ich Bereiche gesucht, in denen man die Namen so verstecken kann, dass man sich ohne Lupe höchstens erahnen, aber nicht lesen kann.

Hinweis: Die oben angezeigten Produktlinks zu Amazon ermöglichen die Finanzierung des Angebots von Pastors-home. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

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