Predigt: Sabotage im Acker (Matthäus 13, 24-30) Januar 2026

Mt 13, 24-30
In einer Nacht- und Nebelaktion sät jemand Unkraut in den Acker eines Bauern. Hier wird Leben sabotiert. Aber lasst uns auf das Opfer schauen, statt auf den Täter!

Diese Predigt gehört zur Predigtreihe „True Crime – Strafakte Bibel“. In ihr haben sich 5 PfarrerInnen unserer Predigtregion zusammengetan, um verschiedene biblische Kriminalfälle zu beleuchten.

„Hohes Gericht, die Staatsanwaltschaft klagt den Beschuldigten wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung mit erheblichen finanziellen Folgen an, strafbar gemäß § 303 Absatz 1 des Strafgesetzbuches (StGB). Ihm wird vorgeworfen, durch das Ausbringen von hoch invasivem Samenmaterial auf einer Ackerfläche, einen wirtschaftlichen Schaden in beträchtlicher Höhe von verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft sieht hierbei die Voraussetzungen für eine besonders schwere Tat gegeben, die unter § 304 StGB fallen könnte, da die Zerstörung der Ernte als Zerstörung von ‚Produkten‘ der Landwirtschaft gewertet wird. Die Tat war ein direkter, hinterhältiger Angriff auf die wirtschaftliche Existenz des Geschädigten.“

Liebe Gemeinde

Das ist schon ein starkes Stück! Da schleicht sich jemand heimlich auf den Acker eines anderen und sät da auf dem frisch bestellten Acker alles Mögliche an Unkraut!  So eine hinterlistige, gemeine und feige Nacht- und Nebel-Aktion.  Aber bevor ich mich weiter aufrege, lese ich Ihnen erst einmal vor, wo sich dieser Kriminalfall in der Bibel findet. Ich lese aus Matthäus 13, 24-30:

Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 26 Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. 27 Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan.

Die hinterlistige Tat im Dunklen

OK, was wir da hören, das ist kein Schwerverbrechen, da fließt kein Blut, da liegt keiner tot am Boden, aber: Das ist so fies! Da macht jemand alles richtig, richtet seinen Acker ordentlich her, ist bereit etwas mehr Geld auszugeben, um wirklich gutes Saatgut zu bekommen. Nicht irgendein Gelump. Und alles sieht erstmal gut aus. Er bekommt es ja nicht mit, dass irgendjemand da nachts unterwegs war, und seine Arbeit sabotiert. Erst mit der Zeit wird schleichend das Ausmaß der Sabotage sichtbar. Da, wo eigentlich alles wunderbar aufgehen und wachsen sollte, sieht es zunehmend aus, wie Kraut und Rüben.

Und er kann nichts dagegen tun!
Vielleicht hat unser Bauer erst gedacht, er hat selbst etwas falsch gemacht. Bis der Punkt kommt, wo deutlich wird: Da hat mir einer ganz ganz böse mitgespielt. ´“Einer“ – Keine Ahnung, wer das gewesen sein kann. Einfach nachts sich anschleichen … das ist so feige, so ehrlos!

Und warum überhaupt? Derjenige hat ja nichts davon. Außer dass er sich vielleicht am Ärger des Bauern, seinem Schaden, seiner Verzweiflung weiden kann.

Der ungeschützte Acker meines Lebens

Und unser Bauer spürt, wie verletzlich er an dieser Stelle ist. Man kann keinen Acker rund um die Uhr bewachen. Da ist immer eine offene Flanke für jemanden, der ihm Böses will.
Immer kann es passieren, dass sich jemand da zu schaffen macht. Unkraut sät, Müll ablädt, seinen Hund zum Häufchen machen in die Wiese schickt. Der Bauer in diesem Gleichnis muss damit leben, dass er verletzlich ist, dass er nie die volle Kontrolle über seine wirtschaftliche Lebensgrundlage haben kann. Er ist dazu verdonnert, einfach zu hoffen und zu vertrauen, dass es gut geht. Dass eben keiner kommt und einfach so seinen Acker, seine Arbeit, sein Leben, seine Pläne sabotiert.

Liebe Gemeinde, ich rede da grade vom Bauernstand. Aber ich vermute, dass eigentlich jedes Leben so ein offener Acker ist. Wir sind alle verletzlich. Und wir wissen es eigentlich auch.

Von einem Tag zum andern können ein Unfall, eine schwere Krankheit, Fehler anderer Menschen das eigene bisherige Leben völlig in Frage stellen. Auf ganz unterschiedlichen Feldern: Da ahnt man in der eigenen Partnerschaft, dass sich das Miteinander seit kurzem irgendwie anders anfühlt; und wenig später steht man vor einem familiären Trümmerhaufen. Da geht man seiner Arbeit nach, und dann heißt es: Am Freitag gibt’s ne Versammlung … und man ahnt, dem Betrieb steht das Wasser bis zum Hals … oder vielleicht ist es noch schlimmer. 

Unser Leben hat so viele Felder, auf denen wir verletzlich sind, wo einfach etwas passieren kann. Da muss man ja nicht mal was dafürkönnen. Es passiert einfach, weil es keine absolute Sicherheit gibt.

Die Frage nach dem Täter

In Jesu Gleichnis fragen die Knechte den Bauern ja auch spontan: „Chef, hattest du nicht eigentlich guten Samen ausgesät?“. Solche Fragen kennen viele, die eine Sabotage ihres Lebens erfahren haben: Was habe ich falsch gemacht? Wie hätte ich das verhindern können? Ist das die gerechte Strafe für irgendwas? – Solche Fragen können einem schwer zu schaffen machen, wenn man sie sich selber stellt, oder auch noch andere Schlauberger damit kommen. Und im Handumdrehen wird aus dem Opfer noch zusätzlich der Angeklagte. Nein! Es war ein Feind! – so ist die Antwort in Jesu Erzählung.

Es war EIN Feind. Unser Bauer forscht nicht nach.

Der Krimifan in mir würde erst mal die Spurensicherung auffahren. Zeugen suchen, DNA-Proben nehmen, das volle Programm der Kriminalistik. Wir müssen den Täter finden … gerade, weil das alles so fies und hinterhältig ist, muss man da doch was tun!
Und das Opfer würde an den Rand der Aufmerksamkeit rutschen. Eine Nebenrolle – am Rand stehend, erlebt, mit wieviel Energie wir der Verfolgung der Täter widmen, und wie wenig man für das Opfer übrighat.

Gott auf der Verdächtigenliste

Liebe Gemeinde, ich hätte immer so gerne eine gerechte Welt. Mit Tätern, die man erwischt und bestrafen kann. Mit Antworten auf die Fragen nach dem „warum?“ Aber die gibt es manchmal einfach nicht. Weil da etwas im Dunkeln bleibt.

Und da gerät Gott auch ganz schnell auf die Liste der Verdächtigen für mein Schicksal. Schließlich ist er doch derjenige, der dafür zuständig ist, dass unser Leben glatt läuft. Oder?
 Ja … aber wir haben keinen Schöpfer mit Vollkaskoversicherung … Wir haben eine Welt mit Licht und Schatten – mit Tag und Nacht. Und was in der Nacht geschieht, bleibt im Dunkel unsichtbar … es bleibt ein Rätsel.

„Es war EIN Feind“ sagt der Bauer. Was soll er da noch lange herumspekulieren? Er wusste wohl schon immer: Es kann etwas passieren – ohne, dass ich etwas dafür oder dagegen kann. Und ich muss jetzt damit umgehen und entscheiden, wie es weitergehen kann.

Das Leben geht weiter – nur anders

Ja, unsere Geschichte, die Jesus seinen Jüngern erzählt, geht tatsächlich weiter:

Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? 29 Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

Liebe Gemeinde am Tatort. Fällt ihnen was auf? Auf unserem Acker steht weder Polizei noch Spurensicherung. Keiner forscht nach dem Täter. Das Opfer steht im Mittelpunkt – und unser Opfer ist es, das die Rolle des Aktiven übernimmt und schaut, wie es mit den Folgen der Tat weitergehen kann. Der Bauer aus dem Gleichnis überlegt, wie das sabotierte Leben unter veränderten Perspektiven aussehen kann.

Besonnen überlegt er, wann er Weizen und Unkraut trennen kann. Und er merkt: Die Folgen der Sabotage kann man nicht einfach so rausrupfen und eliminieren. Dieser Einschlag in mein Leben wird erstmal bleiben. So schlimm es auch ist: Was da geschehen ist, das ist ein Teil meines Lebens geworden. Damit muss ich umgehen. Vielleicht mein Leben lang.

Am Ende klärt sich vieles

Erst ganz am Ende, wenn meine Lebensernte sein wird, dann ist der Moment gekommen, wo man Unkraut vom Weizen getrennt werden kann.

In der Bibel ist die „Ernte“ oft ein Bild für das Ende des Lebens, oder auch das Ende der Welt. Das heißt für unseren Kriminalfall: Erst am Ende wird wirklich geschaut, was da los war.

Was ist denn nun wirklich Weizen, und was ist das Unkraut? Es kann ja sein, dass sich bis dahin so manches scheinbare Unkraut auch als sinnvolles Gewürz offenbart hat? Das wäre ja nicht das erste Mal, dass Menschen aus schweren Schicksalsschlägen gestärkt herausgekommen sind und ihr Leben einen guten Weg genommen hat?

Wer wars? Vielleicht gehört das auch zur „Ernte“ am Ende? Dass man irgendwann die Frage nach dem „Warum?“ beantwortet bekommt. Könnte sein! Könnte aber auch sein, dass am Ende diese Frage gar keine Rolle mehr spielt.

Liebe Gemeinde, unser heutiger True-Crime Fall endet ohne Festnahme eines Täters. Ohne Urteil. Aber ich denke unser Fall endet nicht ohne einen versöhnlichen Blick auf das Opfer, von dem wir heute am meisten lernen konnten.

 Amen

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