Predigt zur Jubelkonfirmation: Wir haben es uns gemütlich eingerichtet (Mt 6, 19-34 ) 30. Okt 2021

Konfirmations-Jubiläum

So unterschiedlich, wie Menschen ihre Wohnung einrichten, so unterschiedlich richten sie es sich auch in ihrem Leben ein und füllen es mit dem, was ihnen wichtig und wertvoll ist. Aber letztlich ist fraglich, ob das alles auf Dauer Bestand haben wird. Umso wichtiger ist es, die eigenen Prioritäten regelmäßig zu überdenken und das Glück des Moments zu genießen.

Wir statten unser Leben aus

Wir haben es uns gut im Leben eingerichtet, jede und jeder von uns – jede Generation – ein bisschen anders. Schon allein wenn man sich die Wohnzimmer vorstellt: Für die Jubelkonfirmanden von Diamant aufwärts war lange Zeit die dunkle Wohnwand das Ideal des gediegenen Wohnzimmers. Irgendwann waren die riesigen orangenen Blumenmotive der 70er-Jahre Tapete verschwunden. Aber die robuste Wohnwand wird sich bei vielen gehalten haben. Bei den Goldenen Konfirmanden gibts es wahrscheinlich die Blumentapete nur noch in der Erinnerung, und möglicherweise ist in den letzten Jahren auch manches Möbel durch etwas moderneres ersetzt worden.

Die silbernen kennen sowas kaum mehr, denn da ist heller Style, kleinteiligere Möbel und ein richtig großer Flachbildfernseher Stand der Einrichtungs-Mode.

Aber es geht ja nicht nur um Wohnzimmer. Wir richten uns ja überhaupt in unserem Leben, auf unserem Planeten ein. Wir statten unser Dasein mit dem aus, was uns wichtig und lohnenswert erscheint.

Der eine legt Wert darauf, viele Reisen zu unternehmen, die Vielfalt von verschiedenen Landstrichen und Kulturen zu erleben.
Jemand anderes sieht vor allem seine Aufgabe darin, seinen Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Und alles andere ist zweitrangig.
Einigen ist wichtig, etwas in dieser Gesellschaft zum Besseren zu verändern; oder das eigene Unternehmen voranzubringen.
Naja, auch die Jagd nach einmaligen Erlebnissen, nach dem ultimativen Kick, kann so ein Teil unserer Lebensausstattung sein.


Und da arbeiten wir dran. Da gibts ja immer etwas zu verbessern und auszubauen. So wie manche ein Leben lang an ihrem Haus herumbasteln und immer versuchen Hütte und Garten zu optimieren, so kann man an seiner Lebensausstattung, seinem Lebensglück bauen und feilen.

Ja, so sind wir ganz oft am Sammeln, füllen unser Leben mit unseren Schätzen an. Manche sind materieller, andere sind ideeller Natur.

Wenn die Lebens-Ausstattung abhanden kommt

Ja, und dann kommt Jesus und wird in seiner Bergpredigt scheinbar zum Spielverderber: “Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen.” 

Eigentlich wisses wir es ja: Motten, Rost und Diebe … natürlich ist das ganze Glück vergänglich. Das ist ja unsere Lebenserfahrung:

Da kaufst du dir was Neues, hast lange drauf gespart, freust dich dran – aber schon bald verliert das Neue seinen  Glanz und seine Faszination – es wird Alltag.

Hie und da schlittert jemand in die Midlife-Crisis, und spürt, wie in seinem Kopf umgeräumt wird: Was lange wichtig war, verliert seinen Wert. Das bisherige Leben wird in Frage gestellt. Und was dabei abhanden kommt, ist oft mehr und wertvoller, als das, was ein Dieb je wegtragen könnte.

Und manche werden von persönlichen Katastrophen heimgesucht, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen, und man kämpft verzweifelt, und hofft, dass der freie Fall irgendwann ein Ende hat.

Jesus als Gamechanger

Liebe Jubilare,
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Die Wahrheit, die hinter diesen Worten steckt, wird so mancher von Ihnen schon erlebt haben. So sicher und schön wir uns im Leben einrichten: Sicher ist nichts.

Ein Satz, der Jesus zum Spielverderber machen könnte. Derjenige, der uns unser ganz natürliches Streben nach Glück vermiest.

Nein! Das macht er nicht! Er ist viel eher Gamechanger als Spielverderber. Einer der neue Spielregeln mitbringt und sagt: Passt mal auf! Wenn wir an der und der Stelle das anders versuchen, dann könnte das besser klappen!

Und ein wichtiger Satz in seiner Bergpredigt lautet: Sucht aber zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.

Der Satz ist vielen bekannt. Aber wie sucht man Gottes Reich? Das ist ja nicht schnell mal irgendwo zu finden. Vielleicht kann man das übersetzen: “Mache dir bewusst, dass Gott unsichtbar in dieser Welt zu Gange ist. Vertraue darauf, dass er deine Gebete hört, dass er für dich da ist. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Vertraue auf seine Fürsorge. – Dann wird sich das Übrige auch ergeben. Hab keine Angst.”


Das sagt sich so leicht! Macht es sich Jesus da zu einfach?
Schließlich hat man manchmal einfach Angst. Weil das Leben eben kein idyllischer Ponyhof ist. Weil nicht immer alles glatt läuft.
Und überhaupt: Wenn mir bestimmte Dinge im Leben wichtig sind, dann mache ich mir halt auch mal Sorgen, wie das alles klappen kann. Schließlich habe ich ja auch Verantwortung für andere Menschen. Da kann ich ja nicht tiefenentspannt in den Tag reinschlummern.

Nunja: Beim Lesen der Bibel wird mir schon deutlich, das Jesus nicht der gechillte Hippie ist, dem alles egal ist. Ihm ist gar nichts egal! Vor allem nicht, wenn er erlebt, wie im Leben der Menschen etwas falsch läuft.

Darum hat er Kranke geheilt. Er hat dem geldgierigen Zöllner Zachäus verholfen, eine neue Perspektive im Leben zu bekommen. Und er hat sich mit den selbstgerechten Pharisäern heiße Wortgefechte geliefert.

Und er sieht auch Menschen, die versuchen ihr Glück zu sammeln, indem sie alles Mögliche anhäufen. Vielleicht so, wie jemand, der einen großen Besen vor sich her schiebt. Alles, was er im Leben an Gutem bekommen kann, landet vor seinem Besen. Er plagt sich gescheit ab beim Zusammenkehren des Glücks. Immer größer wird der Haufen. Und er freut sich über das, was er schon alles zusammen geschoben hat. Und er malt sich aus, wie das einmal sein wird, wenn er endlich das große große Glück dann auch genießen kann….

Wir merken den Fehler: Er schiebt das Glück vor sich her. Aber er kommt ihm nicht näher. Sein Sammel-Besen hält ihn auf Distanz zum Glück. Er müsste endlich aufhören mit dem zusammensammeln, und sich einfach vor seinen Besen hinsetzen um jetzt – in diesem Moment – das ihm geschenkte Glück zu genießen.

Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.

Im Heute leben.

Das, was Gott mir an Gutem schenkt, dankbar genießen. – Vielleicht auch mit anderen teilen.

Sich nicht verrückt machen, sondern Vertrauen haben. Denn wenn ich glaube, dass Gottes Reich unter uns ist, will ich hoffen, dass das Schöne und auch das Schwere seine Handschrift trägt.

Amen

Tipp:
Wir hatten in unserem Gottesdienst eine Sängerin, die das Lied „Wir haben es uns gut hier eingerichtet“ von Manfred Siebald präsentiert hat. Das Lied ist 1974 erschienen, hat also selber fast schon 50-jähriges Jubiläum.
Wer es nicht kennt: Hier ein Youtube-Fundstück:

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