Radioandachten im September 2020 auch Charivari 98,6

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Dauerjammerstopp

Ach, jetzt ist das Wochenende schon wieder rum. Und los geht die Arbeitswoche – keine Ahnung, was die nächsten Tage bringen … zur Zeit ist alles irgendwie so mühsam … ich frage mich, wo der Erholungseffekt vom Urlaub hin ist …
Ach ja, im Jammern bin ich zur Zeit echt gut!
Ich habe schon überlegt, ob ich den Beruf wechseln sollte: Diplom-Jammerer. Wer jemanden braucht, der lauthals alles beklagt, kann mich buchen. Aber ich befürchte, davon werde ich nicht reich. Denn rumjammern, das können die meisten Menschen ganz gut selber .
Die meisten wissen aber auch: Eigentlich hilft es nicht weiter. Manchmal muss man sich mal auskotzen – aber dann isses auch gut. Dann muss man wieder nach vorne schauen … und auch nach hinten. Denn es war nicht alles immer schlecht und schlimm.

In der Bibel steht der Satz: “Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!” Das ist genau das Gegenteil vom Dauer-Jammer: Überlegen, was denn gut war, was dir dein Gott an Gutem geschenkt hat – manchmal ist es unter viel Bejammernswertem versteckt. Und wenn du´s gefunden hast: Freue dich am Guten und spüre, wie der Blick darauf dir wieder in bisschen Energie für die nächsten Tage schenkt.

Heißluftballon

Wenn am Abend über Franken ein Heißluftballon am Himmel steht, das hat für mich schon immer eine gewisse Faszination: Wie er da groß und majestätisch über allem schwebt. Lautlos, nur manchmal faucht zwischendurch der Gasbrenner. Ja, der erinnert mich daran: Es ist alles nur heiße Luft, mit ein bisschen drumherum. Mehr nicht…

Manchmal gibts ja auch Menschen, wie so Heißluftballons. Da denkt man auf der ersten Blick: Oh, welch beeindruckende und alles überragende Persönlichkeit – wie klein bin ich im Vergleich dazu. Aber irgendwann kommt der Moment, wo ich auch bei diesem Typen den Gasbrenner höre, wo ich merke, dass da ganz viel heiße Luft hinter seiner tollen Fassade steckt. Aufgeblasen und prall, aber sonst?

Manchmal spiele ich mit dem Gedanken: was wäre, wenn man da mit einer Nadel ein Loch …? Aber ich vermute, mit so einem Absturz des menschlichen Heißluftballons  wäre auch keinem geholfen. Mir reicht es schon, manchmal seinen Gasbrenner zu hören, mit dem er sich künstlich aufbläst, zu lächeln und zu merken, dass ich mich jetzt schon gar nicht mehr so klein fühle.

Corona kills Kerwa

Auf unseren Dörfern ist zur Zeit oft vom Kerwa-Blues zu hören. Die Kerwa, also die Kirchweih, fällt coronabedingt aus. Kein Festzelt mit Blasmusik, keine Kerwa-Burschen, die auf einem Bulldog-Anhänger durchs Dorf ziehen, keine Kerwa-Fichte, der gemeinsam aufgestellt wird. Corona kills Kerwa!
Nicht ganz! Was noch geht: Die eigentliche Feier der Kirch-Weih: Also der Gottesdienst, in dem wir an die feierliche Einweihung der Kirche vor soundsoviel Jahren zurückdenken. Denn Gottedienste darf man ja feiern – mit Abständen und so – aber immerhin.
In diesem Jahr sind wir in unserem Dorf dafür extra auf den Platz vor der Kirche ausgewichen. Denn es wurde richtig voll. Der Posaunenchor durfte spielen und viele haben sich gefreut, dass man ein bisschen als Dorf zum Feiern zusammen kommen konnte. Es war eine tolle Atmosphäre.

Als Pfarrer hat es mich gefreut, dass in der Kerwa mal wieder die Kirche im Mittelpunkt stand – und hoffe, dass wir nächstes Jahr, auch wieder die Ortsburschen mit ihren Kerwa-Liedern unter der Kerwa Fichte erleben dürfen.

Schiefe Türme

Kennen Sie den schiefsten Kirchturm der Welt?  Wo steht er wohl? Nein! Nicht in Pisa! In Ostfriesland in kleinen Suurhusen steht ein Turm, der viel schräger steht – aber eben nicht ganz so berühmt und ganz so hübsch wie der in Pisa.

Schräge Kirchtürme gibts anscheinend häufiger – naja, das passt ja irgendwie auch zur Kirche als solches. Da geht öfter mal was schief. Nicht bloß beim Turmbau.
Da gibts Pannen im Gottesdienst, weil die falschen Lieder angeschlagen sind.
Mal vergreift sich der Pfarrer im Ton, weil man ihn im ungünstigen Moment mit seinem Anliegen kommt.
Oder die Kirchenvorsteher fällen eine Entcheidung, die niemand nachvollziehen kann.

Wo Menschen zusammenarbeiten, kann auch etwas schiefgehen. Da ist Kirche nicht anders, als der Rest der Welt.  Außer, dass die Christen wissen, wie wichtig es ist, dass man bereit ist, einander zu verzeihen, und einen Neuanfang zu probieren. Das war eine der zentralen Botschaften von Jesus.

Und der schiefe Kirchturm? Vielleicht dient er ja auch als Mahnmal: Das man sieht, wie blöd es ist, wenn etwa schief gegangen ist, und es nicht wieder geraderücken kann oder will.

Weltraumschrott

Weltraumschrott – so nennt man das, was ein paar hundert Kilometer über uns um die Erde kreist. Trümmer von kaputten Satelliten, ausgebrannte Raketenstufen, ein von Astronauten verlorener Schraubenzieher … bei vielen Aktionn im Orbit über uns geht mal etwas schief … und dann hat man für alle Zeiten ein neues Stück Schrott, das mit ein paar tausend Stundenkilometern auf der Erdumlaufbahn herumschießt. Eine halbe Million Teile sind es inzwischen.

Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Gott auch da oben irgendwie schwebt und auf die Erde runterschaut. Mit dem Wissen von heute, würde ich mir da schon Sorgen machen, wenn Gott laufend unser Weltraumschrott um die Ohren fliegt. Da müsste er ja ganz schön aufpassen.

Aber jetzt als Erwachsener habe ich schon eine andere Vorstellung davon, wo Gott ist. Für mich ist er überall. Bloß fliegt ihm da was anderes um die Ohren: All unsere Sorgen, unsere Fehler, Hoffnungen, Klagen und Gebete von Millionen Menschen – die kriegt er täglich ab.

Unseren Herzens- und Seelenschrott, den sammelt er Tag für Tag ein. Er duckt sich nicht weg, sondern kümmert sich drum. Eine schöne Erfahrung, wenn mich erlebe: Meine Sorgen schwirren nicht ewig um meinen Kopf, sondern da ist ein Gott, bei dem ich sie auch mal loswerden kann.

Zachäus

Kennen Sie die biblische Geschichte von Zachäus? Dem betrügerischen Zolleinnehmer, der auf einen Maulbeerbaum geklettert ist, um Jesus zu sehen?

Wer die Stadt Jericho besucht, kann heute diesen Baum noch bewundern! Der steht noch da – sagen manche Reiseführer. Naja … in Wirklichkeit ist er das wohl nicht mehr, aber solche Bäume wachsen ja überall nach.

Genauso, wie solche Zachäus-Typen! Menschen, die andere über Ohr hauen und sich dadurch ein gutes Leben finanzieren. Die gibts immern noch – die steben nie aus,

Was seltener ist: Dass jemand von denen dann tatsächlich einmal sein Leben verändert. Neu anfängt, und vielleicht versucht, etwas von dem wieder gut zu machen, was er verbockt hat.

Die finden wir nicht so oft, die wachsen nicht an jeder Straßenecke. Aber wenn es mal klappt, dann ist das ein guter Grund, diesem Menschen auch einen Neuanfang zu gönnen.

So, wie Jesus dem Zachäus nach seiner Kehrwende gesagt hat: Heute ist deinem Haus Heil widerfahren.

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