Radioandachten im Juli 2020 auf Charivari 98,6

WIR taufen dich

Kürzlich habe ich zum ersten Mal seit dem Corona-Shutdown wieder ein Kind getauft – oder besser gesagt: Wir haben getauft! Denn momentan gilt bei uns noch die Regel, dass ich dem Kleinen nicht persönlich das Wasser über den Kopf gießen darf. Also übernehmen die Eltern das Taufen: Die Patin hält das Kind auf dem Arm, der Vater gießt das Wasser in die Hand der Mama, und sie lässt es dann auf den Kopf des Kindes tröpfeln –  ich stehe mit ein Bisschen Abstand daneben und spreche die Worte „Wir taufen dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Eine neue Erfahrung – für die Eltern und für den Pfarrer.

„Wir taufen dich!“ Da wird endlich mal für alle sichtbar: Nicht der Geistliche tut da etwas, was nur er kann. Sondern wir als Christen taufen das Kind, um es bewusst Gott anzuvertrauen und in die Gemeinschaft der Menschen aufzunehmen, die an Jesus Christus glauben.

Mir gefällt diese Form der Taufe. Fast könnte ich mich dran gewöhnen: Denn schließlich sind es ja auch die Eltern und Paten, die dann das fortführen, was in der Taufe begonnen hat: Dass der kleine Mensch an ihrer Hand Schritt für Schritt erlebt, was es bedeutet, sein Leben im Vertrauen auf einen himmlischen Vater zu führen.

Di: Rechen-Genie

Was ist 63 hoch 12? 6,8 Trillionen und ein paar zerquetschte! Ganz einfach. Naja, ich geb zu, im Kopf mit Papier und Zettel hätte ich da wohl ne Stunde gebraucht. Aber die Taschenrechner-App auf dem Handy kriegt das in Sekundenbruchteilen hin!Das fühle ich mich mit meinem bisschen Gehirn ganz schön klein – im Vergleich zu den heutigen Computern.

Aber auf der anderen Seite: Mit all ihrer gigantischen Rechenleistung schaffen sie es nicht, ein Auto zuverlässig zu steuern, und sich gleichzeitig über ein blühendes Sonnenblumenfeld zu freuen.

Oder die beste Computer-Spracherkennung scheitert daran, herauszuhören, ob ein Satz ernst, oder nur ironisch gemeint ist. Das kann aber mein Kopf, ohne dass ich mich groß anstrengen müsste. Einfach so!

Danke, lieber Gott, dass du uns nicht einfach einen Computerchip hinter der Stirn eingebaut hast, sondern uns einen Kopf gegeben hast, mit dem wir so vieles wichtiges und schönes ohne große Mühe tun können. Da verzichte ich gerne auf allzugroße Rechenkünste.

Tag der Hängematte

Heute ist der Tag der Hängematte – kein Witz! Den gibts wirklich.
Der kommt mir gerade recht: Jetzt, wo es mit dem Wegfahren im Urlaub eh so schwierig ist. Da sucht man ja nach Alternativen…. und da ist die Hängematte die kleine Lösung, die auch noch finanziell Spielraum für ein kühles Bier lässt. Ein gutes Buch lesen, Musik hören, buchstäblich die Seele baumeln lassen.

Ich weiß schon – wenn wir Franken im Garten sind, dann fallen uns tausend Sachen ein, die gemacht werden müssten. Bloß die Hängematte haben wir nicht auf der To-Do Liste. Wir machen es uns schon nicht leicht.

Und dabei steht ja schon in der Bibel: ”Ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes” – also ich sehe da förmlich die Hängematte … und sie ruft mir zu: Komm her, du hast schon genug gearbeitet – leg dich her – entspann deinen Rücken – schau rauf in den Himmel. Da oben, da guckt dein Herrgott zu und dem gefällt es, wenn du mal ein bisschen langamer machst.

Denn er hat dich gern – ganz egal, ob du heute alles geschafft hast, was du dir vorgenommen hattest.

Muscheln statt Geld

Wenn ich mal wieder höre, für wieviel Millionen ein Münchener Verein einen Fußballer angestellt hat, dan träume ich davon, dass über Nacht alles Geld in Muscheln als Zahlungsmittel verwandelt würde.

Und ich stelle mir vor, wie jeder von uns am Monatsende einen Rucksack Muscheln bekäme. Der eine etwas größer, der andere etwas kleiner. Und zum einkaufen würde jeder so ein Tütchen Muscheln zum Bezahlen  dabeihaben.

Und bei diesem Fußballclub müsste der Starkicker eine ganze LKW-Ladung Muscheln mit heimnehmen, wo der garten seiner Villa unter einem gigantischen Berg von zigmillionen Muscheln schon fast komplett begraben ist. Und diese neue Ladung kippt er dann wieder dazu, und die Häfte davon kommt ins Rutschen und landet in seinem Pool.

Und irgendwann würden der sich fragen: Was soll ich mit dieser schier endlosen Menge an Muscheln? Für was soll ich die je verwenden? Das hat doch keinen Sinn. Bitte hört auf, mich unentwegt mit Geld zuzuschütten, das ich mein Leben lang nicht verbrauchen kann – es nimmt mir den Platz weg für mein Leben. Gebt es denen, die es wirklich zum Leben brauchen.

Aber leider ist das mit den Muscheln nur ein Traum …

Schulschluss

Es ist vorbei – heute endet das wohl verrückteste Schuljahr der vergangenen Jahrzehnte. Unterricht im Zweischicht-Betrieb fast ohne Noten. Wenn mir da einer in meiner Jugend gesagt hätte: Nur alle zwei Wochen in die Schule gehen, und den Notendruck lassen wir auch weg! Ich hätte gedacht, ich wäre im Paradies. Auf der anderen Seite tun manche Bildungspolitiker so, als wäre die Zukunft der kommenden Generation auf ewig verspielt.

Was freue ich mich, dass unsere Schüler da deutlich besonnener sind. Sie sehen: Es war nicht ideal, aber sie haben sich an die neue Situation angepasst.
Ist es nicht das, was wir brauchen?
Junge Menschen, die fähig sind, neue Wege zu gehen.
Schüler, die zuversichtlich nach vorne schauen, und nicht alles schwarz malen.
Lehrer, die es auch ohne Notendruck schaffen, die Kinder für wichtige Themen zu interessieren. Es war kein verlorenes Schuljahr. Es war halt ein ganz anderes. Und darum haben Schüler und Lehrer ihre Ferien wirklich verdient.

Gastfreundschaft

Bei einer Familie, die ich nicht weiter kenne, will ich eigentlich nur meine Tochter, abholen. Zusammen mit einer Schulfreundin hat sie dort ein Referat vorbereitet. Da bugsiert mich die Mama sofort in die Küche, mit einer Bewegung wird der ganze Krempel auf dem Esstisch zusammengeschoben, damit Platz wird für zwei Gläser … “ich hab da grad einen Silvaner offen … und von den Mädels ist noch ein Eckchen Pizza übrig.” Da kommt der Mann des Hauses rein, wir trinken, essen, reden von den Kindern, von beruflichen Sorgen, weil sein überstandener Schlaganfall manches mühsam macht.

Eine halbe Stunde mit wildfremden Menschen – eine Begegnung, die allen gut getan hat. Nähe, die keinen langen Anlauf brauchte, weil die offene Haustür noch so viel mehr geöffnet hat..

“Vergiss die Gastfreundschaft nicht” heißt es an einer Stelle in der Bibel. Und ich will gleich sagen: Ja, aber bei mir daheim schauts doch aus wie Sau …

Aber da fällt mir der Tisch bei der Familie ein … und ich weiß nicht mehr, was da auf dem Tisch herumlag. Aber diese Menschen werde ich nicht vergessen.

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