Predigt zum Monatsspruch im Juni 2019: Honig – mehr als Zucker und Wasser (Sprüche 16, 24) 23. Juni 2019

Spr 16,24

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Spr 16,24)
Sprechen darüber, wie wir miteinander reden! Der Monatsspruch bietet mit der Metapher des Honigs sehr interessante Anknüpfungspunkte.

Das Honigbrot

Liebe Gemeinde
Ein Honigbrot zu essen, ist am frühen Morgen ein besonderes Vergnügen. Wenn das Brot mit Butter bestrichen ist, kommt der Löffel mit dem Honig. Zähflüssig rinnt er vom Löffel auf das Brot. Dabei male ich mit dem Honig kleine Kreise auf die Brotscheibe. Das ganze verstreiche ich dann mit dem Messer, bis die Oberfläche golden vom Honig glänzt.

Beim Essen ist dann Vorsicht angesagt. Ja das Brot nicht zu schräg halten, sonst tropft der flüssige Honig irgendwo zu Seite herunter. Das mit dem Geradehalten schaffe ich noch. Aber wenn das Brot verspeist ist, merke ich, dass doch einer meiner Finger mit Honig versüßt worden ist – also wird er abgeschleckt. Genauso wie das Messer, mit dem ich den Honig auf dem Brot verteilt habe.

Honig ist irgendwie schon eine ganz besondere Köstlichkeit. Schon seit Menschengedenken steht der Honig für einen unvergleichlich süßen Genuss. Schon Jahrtausende bevor das erste Glas Nutella auf dem Frühstückstischen auftauchte stand der Honig für eine süße Wohltat, die nicht nur der Zunge und dem Bauch gefallen hat.

Spr 16: Gute Worte sind Honig

Wen wundert er da, dass der Honig auch in der Bibel immer wieder auftaucht. Zum Beispiel auch im Monatsspruch für diesen Juni. Da heißt es im Buch der Sprüche:

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Spr 16,24)

Freudliche Reden sind Honig für unser Leben. Gute Worte tun gut. Nicht nur der Seele, sondern dem ganzen Menschen.

So wie der Honig am Morgen mich ganz anders in den Tag starten lässt. Denn der Honig sättigt ja nicht nur meinem Bauch mit kurzkettigen Kohlehydraten, sondern löst eine gewisse Grundzufriedenheit aus. Mit so einem Honigbrot sieht mancher Tag auch ein bisschen besser aus, als er es ohne Honigbrot wäre.

Gute Worte.
Eine freundliche Begrüßung.
Ein ehrliches Lob.
Kritik, die respektvoll geäßert wird.

Das ist Honig für unser Leben! Das tut gut. Da steckt viel Energie drin – wie im Honig.Schon im Altertum wusste man um die besonderen Eigenschaften des Honigs. Milch und Honig … bis heute kennen wir das Hausmittel bei Husten und Erkältungen. Auch ohne Laborergebnisse wusste man schon damals, dass Honig Entzündungen hemmte. Man ahnte zwar nichts von Bakterien, aber weil der Honig deren Wachstum bremste, wurde er auch erfolgreich als Heilmittel eingesetzt.
Heute wissen wir von Antioxidantien, von Polyphenolen und vielem mehr. Und so gibt es viele Menschen, die Honig als natürliches Wundermittel betrachten.
Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.

Klimawandel

Liebe Gemeinde, man kann es natürlich auch anders sehen. Honig ist nämlich zuallererst ein zähes Zuckerwasser! 98% vom Honig besteht aus verschiedenen Zuckerarten und Wasser. Da könnte man schon fragen, ob man sich wirklich diesen kalorienhaltigen Zuckerpapp aus sein Brot schmieren soll. Wozu soll das süße Zeug helfen, wenns da fast nichts “gesundes” drin ist?

So ähnlich ist es auch mit dem freundlichen Reden. Wozu freundlich sein?
Warum so nett herumschleimen? Das geht ja auch anders!
Wenn man etwas will, muss man ja nicht unbedingt freundlich sein.

Mal ordentlich auf den Tisch hauen.
Dem Anderen die Meinung geigen.
Klar und unmissverständlich auf seine Ansprüche pochen – am besten noch mit dem Rechtsanwalt drohen.
Sein Gegenüber grundsätzlich als weniger schlau ansehen: Alle sind unfähig und Idioten! Nur ich bin der einzige, der kapiert, wie es richtig ist.

Damit kann man natürlich manches erreichen: Manchmal bekommt man das, was man will – manchmal genau das Gegenteil. Auf jeden Fall schaffen dir dadurch einen kolossalen menschlichen Klimawandel:

Es wird kälter.
Liebloser.
Der Respekt verkümmert.
Egoismus, Neid, Verachtung und Hass blühen auf.

Jeder gegen jeden.

Da sitzt eine Familie im Flugzeug. Die Flugbegleiterin reicht den Passagieren die Getränke. Das Kind sagt “danke” – und die Mutter erklärt ihrem Sproß: “Du musst dich nicht bedanken, wir haben das bezahlt.”  

(Erlebnis einer Hörerin auf Bayern 3)

Mehr als nur Wasser und Zucker

So etwas kommt heraus, wenn man meint, Freudlichkeit ist nur sinnloses Herumgelächle.
Ich erinnere an den Honig: Auf dem ersten Blick besteht er aus Zucker und Wasser. Aber wir wissen ja: Die einmaligen Inhaltsstoffe machen winzige 2 Prozent aus, aber erst durch sie wird der Honig zu dieser wunderbaren gesunden und heilsamen Köstlichkeit.

Und in unserem freundlichen Reden? Das ist ja tatsächlich viel “Zuckerwasser”. Ich bin freundlich, grüße die Menschen auf der Straße, ich lächle routinert. Ich lasse den andern auch mal den Vortritt und vieles mehr. Ich habe das noch so gelernt, das fällt mir nicht schwer.
Das ist der Zucker und das Wasser meines Lebenshonigs. Es ist süß, es ist gut, wenn man das hat. Denn ohne das alles würde auch vieles in unserer Gesellschaft nicht funktionieren. Das sind die 98 Prozent.

Aber die spannenden 2 Prozent sind das, was echtes freundliches Reden vom oberflächlichen Herumschleimen unterscheidet!

Nämlich das, was dahintersteckt!
Lächle ich aus Routine oder weil Jesus mich erinnert: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”?

Lobe ich meinen Mitarbeiter, weil er dann noch fleißiger arbeitet, oder weil mir wichtig ist, dass er spürt: Ich bin ein wertvoller Mensch?

Stimme ich dem Anderen mit seinen etwas komischen Ansichten zu, damit ich meine Ruhe habe? Oder frage ich auch einmal freundlich, ehrlich und kritisch nach? Habe den Mut, auch meine andere Sicht zu erklären. Freundlich, aber klar. Auch mit dem Risiko, dass am Ende herauskommt: Wir haben da unterschiedliche Meinungen, wir kommen da nicht zusammen. Aber ich will ihn ernst nehmen.

Ich will nicht freundlich “ja ja” sagen, und mich anschließend umdrehen und denken “… so ein Idiot”. – Denn das ist alles andere als christlich.

Liebe Gemeinde

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.

Es geht um mehr als eine oberflächliche Freundlichkeit. Sondern darum, dass in unseren Umgang mit den Menschen spürbar wird, was uns als Christen bewegt.
Glaube
Liebe
Hoffnung
Damit werden wir nicht immer jedem nach dem Mund reden können. Aber wir sollen es freundlich tun. Das hat schon Paulus gemeint, viele hundert Jahre nach dem Spruch vom Honig. Er hatte es wohl nicht so sehr mit dem Süßen. Wahrscheinlich hat er eher eine Suppe im Hinterkopf gehabt, als er versucht hat das gleiche auzudrücken: Er schrieb: “Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.” (Kolosser 4,6)

Bei ihm ist es die Prise Salz – Salz für diese Erde – das sollen wir Christen sein.

Freundlich, wohlklingend – aber auf jeden Fall mit einen unverwechelbaren biblischen Geschmacksrichtung.

Amen

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