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Predigt zu: Joh 8, 26-30
Wo hast denn des g´lernt?
Gehalten von: Alexander
Seidel
Datum: 11. März 2001
Liebe Gemeinde
„Wo hast denn des g´lernt?" - Sie kennen den Satz?
„Wo hast denn des g´lernt?" Das fragt die Mutter ihren Sohnemann,
wenn er mal wieder irgendein neues Schimpfwort daherbringt.
„Wo hast denn des g´lernt?" Das fragt der Meister seinen neuen
Gesellen, der in der Backstube den Teig ganz anders zusammenrührt,
als er das bisher gekannt hat.
„Wo hast denn des g´lernt?", fragt der Englischlehrer den bisher
miserablen Schüler, als er ihm die erste Probe nach den Ferien mit
einer „eins" zurückgibt.
„Wo hast denn des g´lernt?" - Das frage ich mich immer wieder
dann, wenn jemand etwas anderes sagt, oder anderes tut, als ich es eigentlich
erwartet hätte. Das kann mich interessieren, oder auch mal ins
Schleudern bringen. Auf jeden Fall frage ich mich: Wie kommt er oder sie
da drauf? Wo hat sie das her?
Diese Frage haben sich offensichtlich auch die Zeitgenossen um Jesus
gestellt:
Jesus aus Nazareth war ja in vielen Dingen anders. Kam mit neuen Gedanken
daher. Stellte so manches, was man schon ewig so gemacht hatte, in Frage.
Wie kommt er da drauf? Woher nimmt er sich das Recht so ungewohntes
zu behaupten? Bei welchem Rabbi ist er in die Schule gegangen? Oder hat
er sich das alles selber zusammenphantasiert?
So gehen manche in Jerusalem auf ihn zu: „Jesus, wo hast denn des g´lernt?"
(Der Predigttext)
Unser Predigtext gehört zur Antwort Jesu auf diese Frage.
Ich lese aus dem 8. Kapitel im Johannesevangelium:
Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig,
und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt.
Sie verstanden aber nicht, daß er zu ihnen vom Vater sprach.
Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet,
dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und nichts von mir selber
tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.
Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er läßt mich nicht
allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.
Als er das sagte, glaubten viele an ihn.
(Jesus als Botschafter Gottes)
„Wo hast denn des g´lernt? Wo kommt das her, was du da sagst?"
Das hat man ihn gefragt. - Jesus antwortet: Von dem, der mich gesandt hat
- Von Gott selbst. -- Und seine Gesprächspartner, die können
damit erst mal nichts anfangen: Das ist für sie auch völlig abwegig:
Dass einer kommt und behauptet: „Was ich euch sage, das kommt genau so
direkt von Gott".
Nein, das können sie sich nicht vorstellen. Dass da einer ihnen
als direkter Botschafter Gottes Willen sagt. Sie wissen, dass wir Menschen
immer nur annäherungsweise ahnen können, was Gott wirklich will.
Sie haben die alten Schriften, die Propheten, aber trotzdem, im Alltagsgeschäft
tun sie sich immer wieder schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Natürlich gab es immer wieder Lehrer, die aufgetreten sind und
behauptet haben, ganz genau zu wissen, was Gott will. Aber oft waren es
nur Besserwisser, die in Wirklichkeit genauso wie alle anderen auch nur
im Trüben fischten.
So ein direkter, heißer Draht zu Gott, das wäre wunderbar.
Jesus behauptet das von sich: Ich verkünde euch genau und authentisch
wie Gott ist, und was er will. Mit Brief und Siegel bis aufs letzte I-Tüpfelchen.
Und das macht Jesus auch. Und wo er das tut, erscheint der Wille Gottes
in einem für die Menschen ganz ungewohnten Licht:
~ Die Meute, die eine Ehebrecherin mit Hinweis auf Gottes Gesetz steinigen
will, weist er zurück: Erinnert sie daran, dass sie alle Schuld
vor Gott haben. Und er vergibt ihr.
~ Von Gott erzählt er in Gleichnissen. Spricht davon, dass
Gottes Herrlichkeit im Kommen ist ... verborgen, wie Samenkörner in
der Erde..
~ Und jenen, die den Sabbat eisern halten bis zur Selbstaufgabe, sagt
er: Gott hat den Sabbat für euch gemacht, um euch etwas Gutes zu tun,
nicht um euch zu knechten.
Das, was Jesus hier von Gott erzählt ist für viele ganz ganz
ungewohnt. Und darum muss er sich kritische Fragen gefallen lassen:
„Wo hast denn des g´lernt?" - Jesus, wo ist der Beweis, dass es Gottes
Worte sind, die du hier redest?
(Verstehen ... erst ab Ostern)
Liebe Gemeinde,
Jesus muss vorerst den handfesten Beweis schuldig bleiben, dass er
der Gesandte Gottes ist. Aber er kündigt bereits an:
Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen,
daß ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der
Vater gelehrt hat, so rede ich.
Jesus nennt schon einen Zeitpunkt, an dem es erkennbar werden wird,
dass er hier zu recht von Gott redet. - Wenn er erhöht wird; sagt
Jesus.
Mit „Erhöhung" meint Jesus aber keine Jubelfeier, keine Thronbesteigung,
keine spektakuläre Himmelfahrt: Er meint seine Kreuzigung; wo er an
das Holz hochgehängt wird - darum erhöht wird. - Und die
Auferstehung Jesu gehört auch dazu - von ihr können wir die Kreuzigung
nicht ablösen.
An Kreuz und Auferstehung, so kündigt Jesus es an, sollen die Menschen
erkennen, dass Gott zu Jesu Worten steht. Denn der Schöpfer der Welt
hat diesen Mann aus Nazareth nicht im Grab gelassen, wie so manche besserwisserische
Wanderprediger vor ihm. Er hat ihn von den Toten auferweckt; und damit
den, der von den Menschen verworfen wurde, wieder ins Recht gesetzt.
Die Auferstehung als bestätigende Unterschrift Gottes unter Leben
und Sterben Jesu.
Auch für die Jünger, die Jesus dann als Auferstandenen gesehen
haben, war wohl erst nach Ostern klar, wer Jesus wirklich ist. Eben mehr
als ein begabter Prediger.
(Jesus = „Gott unter den Menschen" )
Und auch mehr, als ein Sprachrohr oder Botschafter Gottes!
Jesus sagt im Predigttext: Der mich gesandt hat, ist mit mir. Er läßt
mich nicht allein;
Ich gebe zu: Dieser Satz kommt recht harmlos daher: Er klingt so ähnlich
wie „Gott mit dir du Land der Bayern". Aber da steckt buchstäblich
mehr dahinter.
Gott ist mit Jesus - mit Jesus ist Gott unterwegs. Durch Galiläa
und Judäa ist Gott selbst dabei. Das nennen wir „Gottes Sohn":
In diesem Jesus wird Gott als Kind geboren.
In diesem Jesus erzählt Gott selber von sich.
In diesem Jesus streitet Gott darum, dass Menschen seinen Willen verstehen.
Und: In diesem Jesus zuckt Gott auch nicht zurück, als am Karfreitag
die Römer mit Holzkreuz, Hammer und Nägeln kommen.
In Jesus war Gott dabei, auch am Kreuz.
Das ist auch eine Botschaft Gottes:
- Ich war und bin mitten unter euch. Nicht nur in den heiligen Hallen
von Jerusalem, Rom oder Gollhofen. Sondern auch bei euch daheim. Im Haus,
im Hof, in der Schule, auf der Arbeit.
- In Jesus habe ich das ganze menschliche Leben durchlebt: Von der Geburt
bis zum unmenschlichen Tod am Kreuz. Ich weiß es, wie es ist, wenn
an fröhlich auf einer Hochzeit feiert. Und ich weiß, wie es
ist, wenn man Angst hat, wenn die besten Freunde versagen, wenn man sie
am nötigsten hat.
(Abschluss „Vertrauen fassen")
Der Predigttext schließt mit einer trockenen Feststellung:
Als er das sagte, glaubten viele an ihn.
„Sie glaubten an ihn" - Das bedeutet mehr als nur „ja ja, wirst schon
recht haben" sagen. „Glauben" heißt in der Bibel, dass man sein Vertrauen
auf jemanden setzt; dass man sich auf jemanden verlässt.
Auf diesen Gott, der mit Jesus Christus zu uns Menschen kam, auf den
kann man sich verlassen. Weil er uns liebt, weil wir ihm wichtig sind.
- So wichtig, dass er in Jesus Christus uns von sich selbst erzählt
hat.
- So wichtig, dass er es auf sich genommen hat, in seinem Sohn unser
menschliches Leben zu teilen - mit allem Frohen und Leidvollen.
Er kennt unser Leben, freut sich, wenn wir ihm vertrauen. Und wenn wir
ihm sagen, was uns bewegt, hört er uns zu wie ein Vater, der das Leben
eben kennt.
AMEN
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