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Ich bin ein Symbol-Pfarrer!
Ich war vor einem halben Jahr auf einer Fortbildung für Pfarrer: Symbole in Gottesdienst und Gemeindearbeit.
Das war toll: Mensch, Symbole, die sind ja echt praktisch! Mit denen kann ja man unheimlich viel anfangen. Weil die nämlich Sachen ausdrücken können, die wir mit Worten gar nicht sagen können; oder uns nicht trauen,
sie zu sagen.
Die Rose zum Beispiel als Symbol der Liebe - das fällt dem deutschen Mann ja viel leichter, seiner Frau eine Rose zu schenken, als ihr zu sagen "du, ich glaube, ich habe dich lieb ..." Oder so.
In der Kirche verwenden wir ja schon seit ewigen Zeiten Symbole. Den Ehering, der kein Ende hat, der bedeutet, dass in der Ehe eben auch alles kein Ende hat. Immer die gleichen Gesichter, das gleiche Mittagessen am
Sonntag, das gleiche Streiten um die Sportschau, das gleiche Programm im Schlafzimmer, die gleiche Zeitungsrückseite, mit der die Frau am Morgen beim Frühstück versucht ins Gespräch zu kommen.
Zurück zu der Fortbildung. Da haben wir zum Beispiel gelernt, dass wir den Konfirmanden zur Konfirmation einen Kompass schenken, als Symbol dafür, dass sie immer den rechten Weg im Leben finden sollen.
Oder mit einer Wasserwage kann man prima über das ökologische Gleichgewicht predigen. Auch eine tolle Idee: Man spannt ein großes Fischernetz über das gesamte Kirchenschiff, und macht einen
Gottesdienst zum Bibelwort: Ich will euch zu Menschenfischern machen.
Zu Altengeburtstagen bring ich ganz gerne eine Eieruhr, so nen Kurzzeitmesser mit, als Symbol, dass einem im hohen Alter so langsam die Zeit abläuft.
Symbole sind einfach toll. Die erklären sich ja quasi von alleine. Da braucht man nicht immer viele Worte. Vor 2 Wochen hat doch glatt ein Kirchenvorsteher einen ganz geheimen Beschluss einfach einem Nachbarn
weitergetratscht. dem Verräter hab ichs aber gegeben. Von der IKEA hatte ich da noch so 20 Silbermünzen. die 20 Silberlinge hab ich diesem Judas einfach nachts in den Briefkastenschlitz geworfen. Ein
eindeutiges Symbol mit einer klaren Botschaft.
Nicht verraten: ich habe mir noch mal 20 Stück Stück besorgt ... falls der Dekanatsausschuss mit seiner Stellenkürzerei Mist baut
Ich bin der festen Überzeugung: Eigentlich kann man jedes Ding als Symbol für die Arbeit als Pfarrer gebrauchen.
Darum sammle ich jetzt auch alles, was irgendwie mal in Frage kommen könnte.
Mindestens einmal pro Woche gehts in den Baumarkt. da decke ich mich immer mit den nötigten Symbolen ein.
Im Pfarrhaus war schon nach ein paar Tagen nicht mehr genug Platz.
Zuerst hab ich die Garage leergeräumt, aber so richtig professionell kam mir das auch nicht vor. Mit der Hilfe vom Dekan haben wir dann das Landeskirchenamt davon überzeugt, dass wir die Pfarrscheune in ein
modernes Hochregallager umbauen müssen. war echt ne gute Idee.
Sogar den Gabelstapler, der ja da dazugehört habe ich schon mal gebrauchen können. An Himelfahrt haben wir ein paar Freiwillige vorne auf die Zinken gesetzt und auf 6 Meter hochgefahren. Dann hat der Mesner ruckartig
um einen Meter zurückgesetzt ... das war so nicht abgesprochen ... Und da hats dann alle runtergezwiebelt. Das hab ich gleich in die Predigt eingearbeitet: Als Symbol dafür, dass halt bloß der Herr Jesus zum
Himmel auffahren kann.
Dass sich unser Posaunenchorleiter dabei 4 Rippen gebrochen und alle Schneidezähne ausgebrochen hat, war nicht so direkt geplant. Aber nach dem ersetn Schreck konnte ich das im Schlussteil vom Gottesdienst ganz gut
wieder als Symbol für die leidenden Christen in aller Welt deuten.
Des blöde: Am letzten Sonntag war jetzt Konfirmation ... Naja eigentlich wars ja ein schöner Gottedienst.
Da hab ich am Anfang erst dreimal mit dem Flitzebogen durch die Kirche geschossen - als Symbol dafür, dass ja alle schon so gespannt sind. - Hinten sind da schon die ersten leblos zusammegesackt ... tja, halt eine
treffende Einleitung.
Beim Gebet hat dann jemand von Kirchenvorstand Räucherstäbchen angezündet, die sybolisieren, wie unsere Gebote zum Himmel aufsteigen. Zur Einsegung haben sie diesen Kompass gekriegt.
Und beim Abendmahl haben sie alle nur eine Postkarte mit Brot und Wein erhalten; als Symbol dafür, dass Brot und Wein ja an sich nur Symbole sind.
Zum Segen hat dann eine große Seifenblasenmschine die Kirchen ein glitzerndes Schaummeer verwandelt, da hat jeder bestimmt gemerkt, wie man von allen Seiten von der Liebe Gottes umgeben ist. Das war wirklich
beeindruckend. Bloß: Da war dann soviel Schaum, da hb ich den Ausschalter nicht mehr gefunden. Nasja, irgenwann war ja auch der Seifenvorrat alle. Und rechtzeitig zur Spruchauslegung am nachmittag hatten wir dann
auch die letzten Omas unter den durchgeweichten Gesangbüchern herausgezogen.
Aber insgesamt war alles sehr feierlich und würdig!
Das einzige Dumme: Wir haben kein einziges Lied singen können. Der Kantor und der Posaunenchor haben nämlich beschlossen, ab sofort nur noch symbolisch zu spielen.
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