Predigt zur Jubelkonfirmation: Gottes Wort auf meinem Weg (Psalm 119,105) 25. Mai 2019 – Der Konfirmationsspruch als Predigtthema

Konfirmations-Jubiläum

Diese Predigt zur Jubelkonfirmation erinnert die Jubilare an ihren alten Konfirmationsspruch. Wir gehen der Frage nach, wie uns unsere Konfi-Sprüche von einst durch Leben begleitet haben.

Liebe Jubilare,

Bei Ihrer Konfirmation hier in unserer Kirche haben Sie damals vor 25, 50, 60 oder mehr Jahren einen Konfirmationsspruch mit auf den Weg bekommen. Einen Bibelvers, den Ihr Pfarrer für Sie persönlich ausgewählt hat.
Jeder hat einen anderen erhalten. Er stand damals auf Ihrer Konfirmationsurkunde, und heute haben Sie ihn drüben im Gemeindesaal noch einmal bekommen. Ihren Konfirmationsspruch von damals. Sozusagen ein Treffen mit einem alten Bekannten.

Sprüche und Lebenswege

Ich weiß ja nicht, wie das damals war mit Ihnen und Ihrem Spruch. Ob Sie auf Anhieb Freunde wurden.
Manche Konfirmationssprüche machen es einem ja nicht leicht. Sind einem irgendwie fremd. Eine Sprache, aus einer anderen Welt. Manchmal Formulierungen, die man im normalen Leben niemals so verwenden würde.
Und es gibt Sprüche, die strahlen einen schon bei der ersten Begegnung an. Verheißen Gutes, erklären sich irgendwie selber, machen Lust auf ein Leben an Gottes Seite. Ein Spruch wie ein Freund.

Nach Ihrer Konfirmation sind Sie dann also losgezogen. Unter dem Segen Gottes und mit Ihrem Konfirmationsspruch im Gepäck.

Was ist daraus geworden? Aus dem Konfirmanden, aus der Konfirmandin von damals und dem eigenen Spruch?
Sie haben ganz unterschiedliche Lebenswege hinter sich gebracht. Bei jedem entwickelt sich das Leben anders. Nicht immer läuft alles wie geplant. Steinige Wege, Sackgassen, dunkle Täler. Aber auch Gipfelerlebnisse, Wege in hellen Licht. Wohl auch manchmal eher öde Landstraßen des Alltags.

Mit dabei: Ihr Konfirmationsspruch. Wurde er dabei ihr Freund? Hatten Sie sich etwas zu sagen? Sie und Ihr Spruch? Oder lebten sie so nebeneinander her?

Als Pfarrer sitze ich ja öfter mit Menschen zusammen, die von einem verstorbenen Abschied nehmen. Da kommt öfter dessen Konfirmationsspruch ins Spiel. Manchmal müssen die Angehörigen da erst länger in den Schubladen kramen, bis die Konfirmationsurkunde zum Vorschein kommt. Erst kürzlich entdeckte die Familile: Unglaublich – dieser Spruch trifft den Nagel auf den Kopf. Man könnte ihn glatt als Überschrift über das Leben dieses Menschen nehmen. Und zugleich gibt uns dieser Spruch auch ein Stück weit Antwort auf manche offenen Fragen, mit denen wir als Familie zurückbleiben. Faszinierend, wie sich so etwas manchmal zusammenfügt.

Und Sie ahnen es: Es gibt Konfirmandensprüche bei denen es sich genau andersherumn verhält. Wo man spürt: Das war ihr Konfirmationsspruch – aber nicht ein Vers für ihr Leben. Beide sprechen eine unterschiedliche Sprache, die Welt dieses Bibelverses und die Welt dieses Menschen hatten nicht viel miteinander gemeinsam.

Mein Treffen mit meinem Spruch

Liebe Jubilare,

heute feiern wir Ihre Konfirmation. Und Sie treffen heute nicht nur Ihre damaligen Altersgenossen, sondern auch Ihren alten Konfirmationsspruch. Haben Sie eine gemeinsame Geschichte? Vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein?

Wenn Sie diese zwei bis drei Zeilen Ihres Spruches lesen, entdecken Sie vielleicht manches Versprechen, manche Verheißung für Ihr Leben. Oft ist da ja von der Liebe und Güte Gottes die Rede, von Zuversicht und dem, was er uns Gutes tun will.

Da kann man darüber reden, wo das eigene Leben das Versprechen der Liebe Gottes eingelöst hat. Nach den Spuren suchen, in denen sich zeigt, dass mein Leben einen guten Weg genommen hat.
Vielleicht war da auch mancher Moment, wo Sie von Herzen “Gott sei Dank” ruften konnten. Weil da einer da war, der Sie aus mancher Not befreit hat.


Aber vielleicht bleibt da auch das Gefühl, dass der Bibelvers mehr versprochen hat, als das eigene Leben halten konnte. Dass man so manche Enttäuschung bis heute mit sich herumträgt. Das gibt es. Und das macht es nicht leicht.

Konfirmationssprüche sind ja nicht nur Verheißung. So manche geben einem auch gleich eine Lebensaufgabe mit. Sagen was man tun und wie man leben soll. Die Einen entdecken darin eine Ermutigung zum rechten Leben, andere empfinden es eher als erhobenen Zeigefinger – was einem der Pfarrer damals mitgegeben hat.

Da ist es vielleicht der eigene Konfirmationsspruch, Sie anregt, Fragen an sich selbst zu stellen:  Ist es mir gelungen, den Anforderungen am mein Leben gerecht zu werden? Habe ich Liebe und Vertrauen gelebt?
Wie komme ich damit zurecht, dass ich nicht perfekt sein kann? Habe ich an meinen Fehlern gelitten, oder konnte ich aufatmen, weil Gott mit vergibt?
Oder liege ich viellicht auch mit meinem Spruch im Streit, weil er andere Werte oder Ideale beinhaltet, als ich sie für mich als richtig ansehe?


Mancher Spruch wartet auf seinen großen Auftritt

Jeder hat seinen Weg mit seinem Spruch. Mal intensiver, mal konfliktreicher. Viele Menschen haben mit ihren Spruch auch eine wechselvolle Geschichte. Da ist er über Jahre völlig unwichtig, er scheint wie vergessen – und dann gibt es Phasen, da gewinnt er an Bedeutung.

Vielleicht ist es Manchen auch so ergangen wie mir selbst. Ich konnte mit meinem Konfirmationsspruch über sehr lange Zeit gar nichts anfangen. Er sagte mir nichts – obwohl er eigentlich ganz verständlich war. Aber er und mein Leben … da gab es keine Berührungspunkte.

Aber: Stille Wasser sind tief! Da kann es sein, dass so ein  Spruch über lange Jahre auf seinen großen Auftritt wartet.
Auf den Moment, wo er gebraucht wird und mir Antworten gibt.
Der Tag, an dem sich Spruch und Leben wie ein Puzzle zusammenfügen.
Die Lebensituation, in der mir diese alten biblischen Worte einfach gut tun.
Oder der Moment, wo diese Worte mich nachdenklich machen, mit einer Anstoß geben, Dinge einmal anders zu sehen oder zu tun.

Und da, wo er gebraucht wird, bringt sich dieser bislang unscheinbare blasse Spruch wie von selbst in Spiel. Entfaltet eine Kraft, die man ihm zuvor nie zugetraut hätte. Weil dieser Spruch plötzlich etwas mit meinem Leben zu tun hat – mir etwas sagt. Eine Relevanz gewinnt, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Der fremde Spruch wird ein Vertrauter meines Lebens.  – Kommt mit mir ins Gespräch. Hat mir etwas zu sagen. Hilft mir weiter.

Und bleibt von da an auch einer, zu dem ich den Kontakt halte. Weil diese eine Erfahrung mir gelehrt hat, ihn zu schätzen. Als Berater und Begleiter meines Lebens.

Vielleicht spiegelt sich darin ja auch unsere wechselvolle Beziehung zu unserem Gott. Die kennt ja auch ihr Auf und Ab; Phasen der Einigkeit, der Fremdheit und der Zerrissenheit. So mancher hätte da wohl viel zu erzählen. Und wer weiß… vielleicht ergibt sich ja noch so manches Gespräch untereinander dazu im Laufe des heutigen Tages.

Das hohe Lied des Wortes in Psalm 119

Liebe Jubilare,wir feiern Jubel-Konfirmation – daraum ist es Zeit zum Jubeln! Ich möchte Ihnen zum Abschluss etwas vorjubeln: Ein Loblied auf die Worte Gottes, die wir in unserer Bibel finden. Ein Jubel über die Verheißungen und Gebote Gottes.

Wir finden dieses Loblied im 119. Psalm:

Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln!

2 Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen, 3 die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun.

6 Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden. 7 Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit. 8 Deine Gebote will ich halten; verlass mich nimmermehr!  9 Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an dein Wort.

72 Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber. 73 Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne. 74 Die dich fürchten, sehen mich und freuen sich; denn ich hoffe auf dein Wort.

98 Du machst mich mit deinem Gebot weiser, als meine Feinde sind; denn es ist ewiglich mein Schatz. 99 Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer; denn über deine Zeugnisse sinne ich nach. 100 Ich bin klüger als die Alten; denn ich halte deine Befehle. 103 Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

104 Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege.105 Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. 106 Ich schwöre und will’s halten: Die Ordnungen deiner Gerechtigkeit will ich bewahren.

AMEN

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