Predigt: Der EINE gute Hirte (Johannes 10, 11-29) 5. Mai 2019

Johannes 10


Es gibt viele gute Hirten und auch viele schlechte. Aber nur einer kann von sich sagen: ich bin DER Gute Hirte
Eine gedankliche Wanderung von der Schäferidylle zum kosmischen Kampf des Gottessohnes

Jakob will Hirte werden

Als Jabob sein Einser-Abitur in der Tasche hatte, schockte er seine Eltern und Lehrer mit einem einzigen Satz: Ich werde Schäfer. Trotz überragender Leistungen steht für ihn fest: Ich werde nicht studieren. Und ich habe schon einen Ausbildungsplatz: Bei einer Schäferei im Nachbarlandkreis macht er die Ausbildung zum Schäfer.

Was haben seine Familie und Freunde nicht alles versucht, um ihn von dieser dämlichen Idee abzubringen. An Argumenten gegen den Beruf mangelt es ja nicht:

Schäfer – ein Beruf ohne besonderes Ansehen, ohne Aufstiegsmöglichkeiten.
Kein warmes Büro, kein Kantine, keine Kollegen, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Wie soll man als Schäfer Urlaub nehmen? Wie eine Frau finden, die damit umgeht, dass der Mann die ganze Zeit draußen unterwegs ist? Überhaupt, gibts draußen bei der Herde überhaupt WLAN?

Was bringt einen Menschen dazu, so einen altertümlichen Beruf zu ergreifen, der derart aus unserer Zeit gefallen ist, der derart quer zu unserem Lebensgefühl und unseren Ansprüchen ans moderne und schöne Leben liegt?

Wahrscheinlich liegt es genau daran, dass dieser Beruf eben anders ist. Dass er etwas von dem atmet, wonach sich viele Menschen letztlich sehnen:

Leben im Einklang von Mensch und Natur.

Verantwortung tragen – Eine Verantwortung, die einen nicht überfordert und innerlich zerreißt. Sondern Verantwortung als: Sich kümmern und sich für das einsetzen, was gut, notwendig und richtig ist.

Entschleunigung – Zu wissen, dass alles seine Zeit hat und seine Zeit braucht: Der Wechsel der Jahreszeiten als stete Größe. Das Heranwachsen der Lämmer zu erleben, Lämmer, die einfach ihre Zeit brauchen, bis sie groß geworden sind.

Jesus erlebt Hirten

Jesus hat auch von Hirten gesprochen. Immer wieder. Er kannte den Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte. Das Bild von Gott als dem Hirten. Und er sprach von Menschen, die Einfluss und Macht über Andere hatten, und damit auch so etwas wie Hirten für die waren, die von ihnen abhängig waren. Dabei hatte er entdeckt, dass sie oft ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden.

Hirten, die nicht aufpassten und ihre Herde in die Irre laufen ließen.

Hirten, die nicht die Schafe, sondern sich selber weideten.

Hirte – kein Job mit Prestige, sondern einer, der auch immer unter dem Verdacht steht, dass man seinen Aufgabe nicht vernünftig hinbekommt.

Wie den Abiturienten Jakob möchte man Jesus warnen. “Mach bloß nicht den Fehler, und werde Hirte. Da kann so viel schief gehen. Da arbeitest du dich auf! Wenn etwas schief geht, bist du der Dumme – und wenn es gelingt, wird es dir auch niemand danken. Hirte – das ist das dümmste, was du machen könntest. Lass da bloß die Finger davon.”

Aber zu spät! Im Johannesevangelium um 10 Kapitel lesen wir:

11 Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,
13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
15 wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
27  Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;
28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.

Jesus als einer von den guten Hirten

Liebe Gemeinde

Jesus sagt “ich bin der gute Hirte”. Er hat sich der Aufgabe gestellt, Hirte für die Menschen zu sein. Ihnen zu geben, was sie zum Dasein brauchen. Er hält Ausschau nach einer saftigen Weide und nach einem Bach mit frischem Wasser. Seine Schafe können sich darauf verlassen, dass der alles tun wird, damit sie bekommen was sie zum Leben brauchen. Er liest ihnen nicht jeden Wunsch von den Augen ab, sondern er sorgt sich um das, was wirklich notwendig ist.
Wenn eines der Tiere verletzt oder krank ist, wird es behandelt, wird die Verletzung verbunden. Der Hirte wird sich so manches einfallen lassen, damit sein Schaf bald wieder auf die Beine kommt.

Hirte ist Jesus auch als der, der seine Herde leitet. Den richtigen Weg weist. Auf dem Weg zur nächsten Weide geht der Hirte voran, er hat einen Plan mit seinen Schafen, weiß, was ihnen gut tut. Er erkennt, dass die Schafe den Weg nicht selber finden würden, ihnen fehlt meist der Weitblick. Denn manchmal müssen sie auf dem Weg zur neuen Weide ein ganzes Stück lang durch eine unwirtliche Gegend, wo es nichts zu fressen gibt und die Füße weh tun. Und als Schaf würde ich so manchmal gerne streiken, und fragen, was das denn soll! Das ist doch nichts gescheites hier. Wozu soll das den gut sein?! Da hinten wars doch viel besser. Nur der Hirte weiß, dass es nicht mehr lange dauert bis man nach der schwierigen Strecke doch wieder auf eine neue gute Wiese trifft.

Eine weitere Eigenschaft des Hirten, die mich fasziniert, besteht darin, dass er einfach da ist. Die meiste Zeit steht der Hirte einfach bei seinen Schafen. Er wirft ein wachsames Auge auf sie, und er ist einfach da. Tag und Nacht. Das brauchen scheinbar die Schafe: Dass einer da ist, der über sie wacht.
Sie müssen keine Angst haben, alleingelassen zu sein in der Weite dieser Welt. Der Hirte ist ja da, manchmal bemerkt man ihn fast nicht, weil es so leise dasteht. Er macht kein großes Aufheben um sich – und doch ist es wichtig, dass er für sie da ist; dann wenn Sie ihn brauchen. Allein schon seine Anwesenheit nimmt den ängstlichen Lämmern die Furcht.

Jesus als guter Hirte. Eine fast idyllische Vorstellung. Eben so, wie auf den manchmal recht kitschigen Gemälden: Jesus als Schafhirte in der Dämmerung mit einem Lamm auf dem Arm.

Schön – Romantisch – Es strahlt Geborgenheit aus – fast zu schön, um wahr zu sein.

Jesus einmalig: DER Gute Hirte

Nunja, soooo romantisch ist das, was Jesus sagt, nämlich auch nicht: Denn Jesus sagt: Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.

Moment … jetzt müssen wir mal überlegen, wovon wir da reden: ich stelle mir vor, da hat wird eine Herde von Schafen von einem Rudel Berglöwen überrascht. Welcher Hirte wäre bereit, sich diesen Raubtieren entgegenzustellen, wohl wissend, dass er selbst den Rettungsversuch seiner Schafe nicht überlebt?

Hoffentlich kein Hirte. Ein guter Hirte würde schauen, dass er rettet, was zu retten ist, ohne selbst dabei umzukommen. Dann wäre er ein guter und auch noch kluger und lebendiger Hirte.

Jesus hat haber nicht gesagt ich bin EIN guter Hirte, sonder DER gute Hirte.

Das ist ein Unterschied!
Gute Hirten gibts viele – aber DEN Guten Hirten gibts nur einmal.

Heute würde man sagen: Jesus macht aus dem Bild des Hirten eine eigene Marke. “Der Gute Hirte”. Darauf hat Jesus das Copyright – weil man das auch nicht nachmachen kann, was er getan hat. Einmaligkeit garantiert.

Es mag viele Hirten gegeben haben, die in Ausübung Ihres Berufs umgekommen sind. Und sicher sind darunter wirklich mutige opferbereite Helden gewesen.

Aber nur einer hat damit auch die Grundfesten unserer Welt erschüttert und am Ostermorgen die Türe zum Totenreich zertrümmert. Das konnte nur der eine – Der Gute Hirte. Derjenige, der von Gott dazu den Auftrag und die Vollmacht erhalten hat.

Und da merke ich, wie das romantische Bild vom fürsorglichen Schafhirten blättert. Weil unter diesem Bild noch die ganz andere Dimension schlummert. Der nette lockige Schafhirtenjesus ist eben auch der, der diese eine entsheidende Schlacht gegen Tod und Hölle geschlagen hat, die er als einziger gewinnen konnte.

 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

In Gewand des Hirten steckt einer, der noch etwas ganz anderes ist. Der kosmische Gottessohn, das Alpha und das Omega.

Ja, und da komme ich wieder zurück zum Psalm 23. Wo Gott selber als der Hirte gelobt wird. Wo in den Versen des Psalms der menschliche Weg auch über grüne Auen führt, vorbei am frischen Wasser, durch manches finstere Tal – aber am Ende bin ich dann bei ihm angekommen, dem Hirten, der so ganz anders ist, und so ganz anders wohnt, als die Hirten, die wir so kennen:

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang. und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Unser nächstes Lied wird uns nun noch einmal diesen Weg des Psalm entlangführen: 274 1-5 Der Herr ist mein getreuer Hirt

AMEN

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