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AnDACHt: Gibts Gott wirklich?
Ablauf: Musik Chrisopa suenos Begrüßung Einleitung: Vom Zweifel, der mich allenthalben beschleicht Das Limit der Rationalität: Der Nebel Lied: Marlon - Lieber Gott Gott und die Erfahrung
Lied: Gelka Rising - Symbolhandlung: Dübel und Kerzen Zenetti: Die Menschen am Großglockner Gebet Buck: Ich waas net mehr wie du
Gestaltete Mitte: Drei aus Papier ausgeschnittene Fragezeichen Eine Chiffontuchhaufen, unter dem eine helle Taschenlampe leuchtet Ein Haufen von Kunststoffdübeln (für jeden Teilnehmer einer)
Begrüßung
Herzlich willkommen hier zum Andacht auf dem Kirchendach. Zwischen Himmel und Erde in einer halben Stunde zur Ruhe kommen, den eigenen Gedanken nachgehen.
Eine kleine kurze Frage aus dem „Pfarrer-sag-mal-Kiste” habe ich heute mit heraufgenommen. „Gibts Gott wirklich?” steht da. Eine Riesenfrage in drei kurzen Wörtern.
Man könnte Wochen damit füllen - aber heute solls bei einigen Gedanken und Eindrücken bleiben.
Die Fragezeichen
Manchmal, da gibts Momente, da kriechen die Fragezeichen wie kleine, interessant anzuschauende Käfer durch meine Gedanken. Klein sind sie, und nicht hässlich, wie vielleicht eine Kakerlake. Und wenn sich mir diese
herumkrabbelnden Fragezeichen betrachte, merke ich, sie sind mir zwar fremd, aber durchaus keine außerirdischen Viecher. Das was sie mir sagen, das sind Worte, die ich nur zu gut kenne:
„Überleg doch mal zurück”, sagt das eine Fragezeichen, „damals vor 2000 Jahren. Da war irgendwo ein Zimmermann mit Namen Jesus, der sich als großer Redner und Wunderheiler erwiesen hat, davon gabs damals viele. Und
dessen Hinrichtung, und die Botschaft, dass er doch nicht tot ist, soll den Lauf dieser Welt verändern? Ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen? Ihn Sohn Gottes zu nennen?”.
Das andere Fragezeichen krabbelt an mein Ohr: „Du weißt doch selber, was heutzutage alles an Falschmeldungen in unserer Welt kursiert!” Letztlich ist doch gar nicht sicher, ob Jesus wirklich gelebt hat. Wenn sich
damals 11 Männer zusammentun und eine passende Story zusammenschreiben ... und die sich dann schnell genug verbreitet ? Wer sagt die denn, dass unser Christentum nicht eine einzige riesige Illusion ist. Auf der
Grundlage der Phantasie einiger jüdischer Fischer. Die dann als Legende unseren ganzen Globus überspannt.”
Und weils nicht genug ist hakt sich ein drittes Fragezeichen ein: „Naja, dann kannst du dir auch mal überlegen, wie das überhaupt mit Gott ist. Keiner hat ihn gesehen, keiner kann ihn beweisen. Und überhaupt ... was
soll das denn für ein Gott sein, der sich so miserabel um diese Welt kümmert... schau dich doch mal um! Gott - gibts ihn - und wenn es sowas geben sollte, hat der wirklich etwas mit und zu tun?”
So schleichen dann und wann diese Fragezeichen wie kleine anhängliche Käfer in meinen Gedanken herum. Sie gehen mir nicht vom Pelz, jedenfalls hören sie nicht auf gute Worte, belächeln spöttisch meine Argumente mit
denen ich die zu verscheuchen suche. „Weg mit euch, haut ab!” Ich muss mich einmal innerlich kräftig schütteln, damit sie weg sind. Weg, aber nicht besieht. Sie flattern davon, diese Fragezeichen-Käfer, suchen sich
das nächste Opfer, und irgendwann, da bin ich mir sicher, werden sie mal wieder bei mir vorbeischauen.
Das Limit der Rationalität: Der Nebel, der Gott umgibt
Ich stelle fest: Manche Wege, diese Fragezeichen zu verscheuchen sind zum scheitern zu verurteilt. Der beliebteste Weg, der der Vernunft gehört dazu. Im Mittelalter hat man immer wieder versucht, Gottes Existenz zu
beweisen. In der Neuzeit gab es auch Ansätze ... aber letztlich führten sie ins Leere.
Mir scheint, von uns aus befindet sich Gott in einer Wirklichkeit, die jenseits dessen liegt, was wir wahrnehmen und erfahren können. Wir kommen da an eine Grenze.
Gott befindet sich „jenseits” jenseits unserer Erfahrbarkeit jenseits unseres Denkens, auch jenseits unserer Logik. Wir können ihn genausowenig beweisen, wie wir beweisen können, dass es ihn nicht gibt.
Zwischen ihm und uns befindet sich ein Vorhang, ein Nebel. Von uns aus haben wir da keinen Zugriff. Wir ahnen, das da etwas ist, mehr kriegen wir da einfach nicht heraus.. Das ist unser Dilemma.
„Lieber Gott, wenn es dich gibt”, so hat Peter Maffay in den 70er Jahren ein Lied genannt. Und inzwischen gibt es viele solcher Lieder, die so empfinde ich es, hilflos herumstochern im Nebel, der unseren jenseitigen
Gott umgibt. Sie wissen, was sie sich von Gott erwarten würden - nämlich eine gute, eine besere Welt - aber sie suchen den Himmel ab, und rufen in den undurchdringlichen Nebel hinein.
Irgendwie anrühend ist da ein Lied von Marlon , einem Teenie-Sternchen aus Hannover. „Lieber Gott heißt es” stammt aus dem Jahr 2002.
Lied: Marlon: Lieber Gott
Die Sache mit der Erfahrung: Wir brauchen Dübel!
“Öffne mir die Augen, Bade mich im Licht. Ich würd' so gerne an dich glauben. Sag, hörst du mich nicht.” Der Refrain drückt das Problem, die Hoffnung aus: Wir werden Gott nicht erkennen können, wenn er sich nicht
zeigt. Aber genau das ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens, und auch die Lösung: Die Momente, in denen Gott sich entscheidet, durch den Nebel zu uns zu kommen, sich „offenbart” und wir erkennen:
Ja, es gibt ihn wirklich. Er ist da. Momente in denen der Zweifel keine Chance hat. Augenblicke, in denen Verstand und Logik durchbrochen werden und alles klar erscheint.
Moses Begegnung am Dornbusch Jesu Verklärung vor einigen Jüngern auf dem Berg, als Gottes Stimme zu hören war. Die Erscheinungen des Auferstandenen bei seinen Jüngern. Davon schreibt die Bibel. Und mancher
hat auch schon - oft weniger spektakuläre - Momente erlebt, in denen alle Zweifel und Fragen weggeblasen waren: Wo er oder sie gespürt hat: Ja, Gott ist da, in meiner Nähe. Es gibt ihn.
Er hilft mir, er verändert etwas in mir, er lässt mich nicht allein.
„Gibt es Gott wirklich?” in solchen Momenten ist diese Frage erledigt. Das sind die Sternstunden, die kleinen Gottesoffenbarungen. Die aber auch wieder vorbeigehen. .... Und die Sorgen des Alltags nagen an diesen
Erfahrungen und stellen sie, je länger sie her sind in Frage. War das wirklich so, oder hast du dir das nur eingebildet?
Und schon kommen sie wieder, diese Fragezeichen-Käfer. Darum: Lasst uns einen Dübel einschlagen und uns in solchen Geschichten fest verankern! Seit 3000 Jahren ist der Dornbusch für Juden eine zentrale Erzählung,
wenn es darum geht seinen Glauben an Gott an etwas festzumachen. Da bietet es sich doch an, sich mit seinem Glauben auch an seinen eigenen Erfahrungen zu verankern: „Das ist meine Geschichte - da hab ich
gepürt, dass Gott da war, das will ich nicht vergessen und mir auch nicht ausreden lassen!” Viele von uns haben solche keinen Erlebnisse gehabt, oder es gibt biblische Erzählungen, die für Sie zentral sind. Dann
machen Sie doch einen Dübel draus.
Dazu möchte ich Ihnen ein paar Minuten Zeit geben. Zu überlegen: Was sind meine Geschichten? Wo waren meine Erlebnisse, bei denen die Sache mit Gott für mich klar war. Haben Sie den Mut, das zu ihrer Geschichte zu
machen.
Dazu biete ich Ihnen zwei Symbole an:
- Nehmen sie enen Dübel mit - zur Erinnerung und Mahnung: Nicht zu vergessen, dass es auch für Sie so eine „Schlüsselgeschichte” gibt, in der Gott aus dem Nebel heraus zu Ihnen kam.
oder
- Zünden sie eine Kerze an. Als Zeichen ihrer Hoffnung, dass Gott immer wieder für uns da ist.
Musik: Gelka Rising
Text von Zenetti: Der große Berg
Einen ganzen Tag lang im Sommer warteten fünfzig Urlauber eines Busses aus Flensburg am Großglockner, um diesen zu sehn. Sie sahen indessen nur Nebel und Wolken und graues Geröll und ein wenig Schnee.
So sehr sie auch schauten mit Augen und Gläsern, es war nichts zu sehn. - Und sie trafen zwei Damen aus Tilburg in Holland, die schon drei Wochen schauten und schauten
auf Geröll und Gewölk, aber vom Berg nichts gesehn. Jedoch zu zweifeln an diesem Berg, an seinem realen Vorhandensein, sah keiner sich abends genötigt, als sie den Bus dann bestiegen.
Selbst Herr Koch, der ansonsten nur glaubt, was er sieht (mit eigenen Augen), sonst nichts, hatte fünf Ansichten des großen Glockners in Farben gekauft und schrieb hinten drauf
von unvergesslichen Eindrücken. Und hatte selber gar nichts gesehn als Nebel. Und zweifelte doch nicht an dem großen Berg.
(Aus Lothar Zenetti: Texte der Zuversicht, München 1981
Vaterunser
SEGEN
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