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Erster Ferientag
Es ist nicht nur Rosenmontag - es sind auch Faschingsferien - endlich. Da können unsere Kinder früh eine Woche lang so richtig ausschlafen.
Und wir brauchen sie nicht aufwecken - das ist ja oft ein Elend - und da wird gebettelt: „Oh, ich habe keine Lust” oder „noch fünf Minuten bitte...” Dass man mit 10 Jahren schon so viel träge Masse entwickeln
kann... erstaunlich.
Ich darf da gar nicht motzen: Mir gehts ja oft genauso: Ich bin schlapp, komme nicht in die Gänge - schlorche lustlos in den Tag rein. „Mein Gott, warum muss das alles so tröge sein?” - Das ist dann
mein Morgengebet.
Aber dann passiert es auch, dass ich von früh weg einen guten Start hab. Mir gehts blendend, ich habe prima Ideen, sprühe vor Energie. Warum - weiß ich nicht. Naja, vielleicht hat Gott ja mein
motzendes Gebet vom Vortag erhört:
In einem alten Psalm heißt es: „Die auf Gott hoffen, kriegen neue Krafft, dass sie auffliegen wie die Adler” - Ich glaube, da ist wirklich was dran: Dass Gott unseren Jammer hört, und uns dann auch
mal wieder auf die Sprünge hilft.
Knobelspiele
„Metall-Knobelspiele, ein Spaß für die ganze Familie” steht da auf der Verpackung - von wegen Spaß, ich werd noch mal wahnsinnig mit dem Zeug. Eigentlich sieht das
ganz harmlos aus: Zwei kleine Metallbögen, die ineinander verschlungen sind - und da gibts irgend einen Trick, wie man die auseinanderbekommt.
Aber ich kriegs nicht hin. Das Verrückte: Vorhin kam meine Tochter, sagt: „Papa, das ist doch ganz einfach”, klick klick ist es auseinander, klack klack, macht sie es
wieder zusammen - und gibts mir zurück. Ich hab zugesehen, und trotzdem sitz ich schon wieder eine Viertelstunde da.
Es ist verrückt!! Es gibt Leute, die kriegen sowas einfach hin, die wissen selber nicht genau wie, aber was sie anlangen, klappt. - Und zwar immer im Leben.
Da, wo sich unsereins abkämpft um auf einen grünen Zweig zu kommen, da kommen die daher und klick klick, bei denen flutscht́s und die haben das schönste Leben. - Und wir gucken dumm.Da kö
nnt ich mich aufregen!
Ach, weg mit dem Zeug (Dose klappert). Das tut mit gar nicht gut, ich reg mich bloß drüber auf. Ich mach das zu - und schau es mir gar nicht mehr an. Ich kenne ja das Problem, mit dem Spiel und mit dem Leben.
Aber ich kann es nicht ändern. (Klappe zu)
Tja, es fällt mir nicht immer leicht, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.
Wetter
Das Wetter heute war ja wieder das letzte – oder? Wenn das nicht besser wird, krieg ich die Krise. Ehrlich gesagt: Übers Wetter kann man eigentlich immer
schimpfen. Zu kalt zu warm, zu nass oder zu trocken. Grund, um sich aufzuregen hat man eigentlich immer. Wahrscheinlich ist das Wetter nur so eine Art Stimmungsindikator. Wenn ich
schlecht drauf bin, dann bin ich eben motzig und rege mich auch noch über den schönsten Sonnenschein auf.
Das gibt ja wirklich: Leute, die über die Frühlingssonne motzen ... zum Beispiel weil sie arbeiten müssen, und ihre Nase nicht die Sonne halten können. Warum machen wir es denn nicht umgekehrt?
Statt durch miese Laune das Wetter schlechtzureden – könnte ich doch ein halbwegs vernünftiges Wetter nutzen, um meine Laune schönzureden. Ein Traum, wenn die Frühlingssonne meine Nase kitzelt.
Der Hammer, dieser Nieselregen wenn er mir um die Ohren pfeift. Klasse, dieser Sonnenuntergang vorhin, hab ich gleich mit dem Handy fotografiert und gespeichert – wenn ich
heute doch mal die Krise krieg, hol ich mirs Fotohandy und schau ihn mir an -
Es gibt kein schlechtes Wetter – nur solches, das man sich noch nicht schöngeredet hat.
Vertrauen - Misstrauen
Seit einem Jahr genieße ich es, dass ich in die Kneipe gehen kann, und meine teure Lederjacke danach nicht tagelang nach Qualm stinkt. Aber jetzt habe ich ein neues Problem: „Fü
r Garderobe wird nicht gehaftet.” Steht auf dem Schild neben dem Kleiderständer. Jetzt frage ich mich nicht mehr, ob die Jacke nachher stinkt, sondern ob sie überhaupt noch da ist.
So sitze ich am Tisch, drehe mich immer wieder um ... ist sie schon geklaut worden? Dieser Typ, warum läuft er so oft an den Jacken vorbei ... hat der was vor? ‘
Dieses dauernde Misstrauen macht mir den Spaß am Kneipenbesuch kaputt. Überhaupt macht Misstrauen zwischen uns Menschen viel kaputt.
Wie soll da ein entspanntes Miteinander wachsen, wenn man dem Anderen von vornherein allerlei Böses zutraut. Da ist Vertrauen gefragt!
Vielleicht sollte ich unserem Wirt ein neues Schild malen: Hänge deine Jacke hier auf! Hab keine Angst, denn
alle Anderen, die hier sitzen, wollen auch lieber mit ihrer eigenen, und nicht mit deiner Jacke heimgehen.
Höhlensonne ... Höhensonne
Wissen Sie, was eine Höhlen-Sonne ist?
Meine Eltern hatten sowas daheim, in den 70-Jahren war das. So eine Art Vorläufer eines Mini-Solariums. Das Gerät war so groß, wie ein Laptop und strahlte gleiß
end helles Licht mit viel UV-Strahlen aus. Machte die Haut schön braun, half bei Akne. Naja, über Stahlenschäden und Hautkrebs machte man sich da noch keine Gedanken.
Eigentlich heiß es Höhen-Sonne, in Anlehnung an die hohe UV-Strahlung im Hochgebirge. Aber durch irgendeinen Hör-Fehler war das für mich die Höhlen-Sonne geworden. Diese Geräte gibts heute nicht mehr,
der Name verschwindet auch langsam ... aber der Gedanke der „Höhlen-Sonne” ist in meinem Kopf immer noch lebendig. Denn die Menschen, die in den Hö
hlen wohnen, da wo es dunkel ist, die brauchen ja ein Licht; und dazu ist die Höhlen-Sonne da. Vielleicht bin ich deshalb Pfarrer geworden? Weils mir wichtig ist, dass gerade die auch mal
einen Sonnenstrahl abbekommen, bei denen es sonst zappenduster ist?
Ich habe es oft erlebt: Der Glaube kann für mache Menschen tatsächlich so einen Höhlen-Sonne sein. Ein Gedanke, ein Gebet, eine Hoffnung, die es mitten in der düsteren Krise wieder hell werden lässt.
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