|
Der Pürierstab
Der moderne Küchenhaushalt rüstet technisch auf. Zum Beispiel mit einem elektrischen Pürierstab Mit einem Motor angetrieben kriegt der alles klein: Äpfel, Tomaten, Eiswürfel: alles was dem Pürierstab mit dem
unscheibaren rotierenden Messerchen zu nahe kommt, wird zu Muß.
Es gibt auch Menschen, die sind wie so ein Pürierstab: Die rotieren nur um sich selber. Und wer sich ihnen in den Weg stellt, wird kleingehackt. Mit abfälligen Bemerkungen, mit Mobbing, oder sogar offener Bissigkeit.
Solche Pürierstäbe leben einsam:
Vor lauter um-sich-selber-kreisen sehen sie niemand anderen als sich selber. Und niemand hat sie wirklich lieb: Zu gefährlich sind sie, da will keiner näher hin, als man unbedingt muss. Nächstenliebe - das ist für
den Pürierstab ein Fremdwort Ich hoffe, dass ich nicht selber zum Pürierstab werde. Dass ich, oder meine Frau rechtzeitig den Stecker zieht, wenn ich anfange, nur noch um mich selber zu rotieren, und alles
plattzumachen, was mir nicht passt.
Ich will Mensch sein - und kein Pürierstab.
Die Rouladennadel
Die philosophische Frage, was die Welt zusammenhält, kann ich nicht beantworten. Dafür weiß ich, was die Rindsroulade zusammenhält: Die Rouladennadel.
Hmm ... Rouladen: Rindfleisch, Senf, Gurken - so ganz verschiedene Zutaten werden da zusammengerollt und ... durch die Rouladennadel beisammen gehalten. Und wenn man nach dem Kochen die Klammer wegnimmt, fällt nichts
auseinander, sondern alles bleibt zusammen und schmeckt lecker.
So ein Rouladennadel-Talent hätte ich auch gerne. In der Familie oder in der Arbeit: Ganz verschiedene Leute zusammenzubringen und zusammenzuhalten. Nicht mit Druck und Zwang, sondern ganz locker, so dass keiner
unter die Räder kommt. Damit sie zusammenwachsen und am Ende auch wirklich zusammen gehören - von alleine zusammenhalten.
Rindfleisch und Gurke sind noch recht einfach zusammenzubringen. Bei völlig unterschiedlichen Geschwisterpaaren in der Familie ist das schon viel schwieriger. Aber auch da will ichs versuchen - Rouladennadel zu sein.
Die Kaffeefiltertüte
Kaffeefiltertüten sind ja wahre technische Wunderwerke, wenn ich der Werbung glaube. Aromaporen haben die! Und die lassen nur den guten Kaffeegeschmack durch. Alles war irgendwie bitter ist und nicht in die geliebte
Kaffebrühe rein soll, das wird von den fleißigen Aromaporen zurückgehalten So eine Aromapore weiß genau, was sie durchlassen darf, weils gut ist, und was sie lieber nicht weitergeben sollte.
Ich weiß nicht, wie das funktioniert, ich finds einfach toll.So was würde ich mir nicht bloß für den Kaffee wünschen, sondern auch für das, was ich sage. Denn manchmal rutscht mir was raus, was ich lieber nicht
gesagt hätte. Diese Aromapore würde dann überlegen: Verletzt du den Anderen, durch das, was du sagst - schmeckts bitter. Stimmt das, was du sagst, oder ist das bloß ein weitergetratschtes Gerücht - nur
aufgewärmter Kaffee.
Leider gibts die Aromaporen fürs Reden nicht. - Drum werde ich weiter selber meine eigene Filtertüte sein müssen.
Der Nussknacker
Ein ganz neuer Nussknacker liegt bei uns in der Schublade. Auf den bin ich ganz stolz: Endlich mal einer, mit dem man wirklich nur die Nussschale knackt ... und nicht gleicht die ganze Nuss zermalmt. Das weiß ja
jedes Kind: Unter der harten Schale liegt der weiche Kern. Aber die meisten Nussknacker arbeiten nach dem Motto: Bei der harten Nuss, da muss man hart durchgreifen! - Mit der vollen Härte der Hebelwirkung! Das
Ergebnis ist oft genug eben auch ein kaputter Kern. Schade drum... Mit mehr Gefühl hätte es auch anders gehen können.
Durch meinem neuen Nussknacker ist mir auch wieder was klar geworden: ... für den Umgang mit Menschen, die auch so ne harte Schale haben. Bei denen will ich in Zukunft auch besonders vorsichtig sein - ganz schnell
langt man da zu fest hin, und tut deren weichen Kern ganz schön weh.
Der Suppenschöpfer
Wie nennt man den offiziell das Werkzeug, mit dem man Suppe aus der Terrine in den Teller bringt: Kelle, Suppenschöpfer, Schöpfkelle? Bei uns daheim hieß er einfach „Schöpfer." Mit dem Schöpfer hat meine Mutter
dann die lecker dampfende Hühnersuppe am Tisch verteilt. Mit dünnen Nudeln drin. Hmm - ein Gedicht.
Komisch war das dann im Advent, als wir das Lied „macht hoch die Tür, " gesungen haben. Das hört nämlich auf: „Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat". Ist Gott ein Suppenschöpfer? - das war für
mich schon eine komische Vorstellung. Klar, da ist was anderes gemeint.
Trotzdem lässt das Bild mich nicht los: Der Suppenschöpfer, mit heißer Brühe, randvoll. Ein paar Nudeln hängen über den Rand. Das tut gut - etwas Warmes bracht der Mensch - grade jetzt im Herbst. Gott zu vertrauen -
das hat auch was von einem Schöpfer voll Nudelsuppe. Es wärmt mich innerlich auf: Das Gefühl, dass da einer ist, der es gut mit mir meint, der mich beschützt, der zu mir hält - auch wenn draußen ein ganz anderer
kalter Wind bläst.
|