Home
Radio 8
Dezember 2001
März 2002
August 2002
November 2002
März 2003
August 2003
November 2003
März 2004
September 2004
Dezember 2004
Februar 2005
Oktober 2005
Mai 2006
August 2006
November 2006
Januar 2007
Mai 2007
September 2007
März 2008
Sommer 2008
Februiar 2009
Dezember 2001
Predigten Andachten Bibel on the Rocks Kirchencomedy Taufsprüche Trausprüche Zur Person

Radioandachten im Dezember 2001 auf Radio 8

Der Pürierstab

Der moderne Küchenhaushalt rüstet technisch auf. Zum Beispiel mit einem elektrischen Pürierstab Mit einem Motor angetrieben kriegt der alles klein: Äpfel, Tomaten, Eiswürfel: alles was dem Pürierstab mit dem unscheibaren rotierenden Messerchen zu nahe kommt, wird zu Muß.

Es gibt auch Menschen, die sind wie so ein Pürierstab: Die rotieren nur um sich selber. Und wer sich ihnen in den Weg stellt, wird kleingehackt. Mit abfälligen Bemerkungen, mit Mobbing, oder sogar offener Bissigkeit. Solche Pürierstäbe leben einsam:

Vor lauter um-sich-selber-kreisen sehen sie niemand anderen als sich selber. Und niemand hat sie wirklich lieb: Zu gefährlich sind sie, da will keiner näher hin, als man unbedingt muss. Nächstenliebe - das ist für den Pürierstab ein Fremdwort Ich hoffe, dass ich nicht selber zum Pürierstab werde. Dass ich, oder meine Frau rechtzeitig den Stecker zieht, wenn ich anfange, nur noch um mich selber zu rotieren, und alles plattzumachen, was mir nicht passt.

Ich will Mensch sein - und kein Pürierstab.

 

 Die Rouladennadel

Die philosophische Frage, was die Welt zusammenhält, kann ich nicht beantworten. Dafür weiß ich, was die Rindsroulade zusammenhält: Die Rouladennadel.

Hmm ... Rouladen: Rindfleisch, Senf, Gurken - so ganz verschiedene Zutaten werden da zusammengerollt und ... durch die Rouladennadel beisammen gehalten. Und wenn man nach dem Kochen die Klammer wegnimmt, fällt nichts auseinander, sondern alles bleibt zusammen und schmeckt lecker.

So ein Rouladennadel-Talent hätte ich auch gerne. In der Familie oder in der Arbeit: Ganz verschiedene Leute zusammenzubringen und zusammenzuhalten. Nicht mit Druck und Zwang, sondern ganz locker, so dass keiner unter die Räder kommt. Damit sie zusammenwachsen und am Ende auch wirklich zusammen gehören - von alleine zusammenhalten.

Rindfleisch und Gurke sind noch recht einfach zusammenzubringen. Bei völlig unterschiedlichen Geschwisterpaaren in der Familie ist das schon viel schwieriger. Aber auch da will ichs versuchen - Rouladennadel zu sein.

 

Die Kaffeefiltertüte

Kaffeefiltertüten sind ja wahre technische Wunderwerke, wenn ich der Werbung glaube. Aromaporen haben die! Und die lassen nur den guten Kaffeegeschmack durch. Alles war irgendwie bitter ist und nicht in die geliebte Kaffebrühe rein soll, das wird von den fleißigen Aromaporen zurückgehalten So eine Aromapore weiß genau, was sie durchlassen darf, weils gut ist, und was sie lieber nicht weitergeben sollte.

Ich weiß nicht, wie das funktioniert, ich finds einfach toll.So was würde ich mir nicht bloß für den Kaffee wünschen, sondern auch für das, was ich sage. Denn manchmal rutscht mir was raus, was ich lieber nicht gesagt hätte. Diese Aromapore würde dann überlegen:  Verletzt du den Anderen, durch das, was du sagst - schmeckts bitter. Stimmt das, was du sagst, oder ist das bloß ein weitergetratschtes Gerücht - nur aufgewärmter Kaffee.

Leider gibts die Aromaporen fürs Reden nicht. - Drum werde ich weiter selber meine eigene Filtertüte sein müssen.

 

Der Nussknacker

Ein ganz neuer Nussknacker liegt bei uns in der Schublade. Auf den bin ich ganz stolz: Endlich mal einer, mit dem man wirklich nur die Nussschale knackt ... und nicht gleicht die ganze Nuss zermalmt. Das weiß ja jedes Kind: Unter der harten Schale liegt der weiche Kern. Aber die meisten Nussknacker arbeiten nach dem Motto: Bei der harten Nuss, da muss man hart durchgreifen! - Mit der vollen Härte der Hebelwirkung! Das Ergebnis ist oft genug eben auch ein kaputter Kern. Schade drum... Mit mehr Gefühl hätte es auch anders gehen können.

Durch meinem neuen Nussknacker ist mir auch wieder was klar geworden: ... für den Umgang mit Menschen, die auch so ne harte Schale haben. Bei denen will ich in Zukunft auch besonders vorsichtig sein - ganz schnell langt man da zu fest hin, und tut deren weichen Kern ganz schön weh.

 

Der Suppenschöpfer

Wie nennt man den offiziell das Werkzeug, mit dem man Suppe aus der Terrine in den Teller bringt: Kelle, Suppenschöpfer, Schöpfkelle? Bei uns daheim hieß er einfach „Schöpfer." Mit dem Schöpfer hat meine Mutter dann die lecker dampfende Hühnersuppe am Tisch verteilt. Mit dünnen Nudeln drin. Hmm - ein Gedicht.

Komisch war das dann im Advent, als wir das Lied „macht hoch die Tür, " gesungen haben. Das hört nämlich auf: „Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat". Ist Gott ein Suppenschöpfer? - das war für mich schon eine komische Vorstellung. Klar, da ist was anderes gemeint.

Trotzdem lässt das Bild mich nicht los: Der Suppenschöpfer, mit heißer Brühe, randvoll. Ein paar Nudeln hängen über den Rand. Das tut gut - etwas Warmes bracht der Mensch - grade jetzt im Herbst. Gott zu vertrauen - das hat auch was von einem Schöpfer voll Nudelsuppe. Es wärmt mich innerlich auf: Das Gefühl, dass da einer ist, der es gut mit mir meint, der mich beschützt, der zu mir hält - auch wenn draußen ein ganz anderer kalter Wind bläst.

[Home] [Predigten] [Andachten] [Bibel on the Rocks] [Kirchencomedy] [Taufsprüche] [Trausprüche] [Zur Person]