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Radioandachten im August 2006 auf Radio 8

Der Sohn von Jesus

Ob sie es glauben oder nicht: Den Sohn von Jesus hatte ich neulich zu Besuch. Er stand vor meiner Haustür, hagere Gestalt, braungebranntes Gesicht, neben sich ein vollbeladenes Fahrrad. Er fragte nach einer Unterstützung, einen Kaffee, in Paar Euro, wie so viele Durchreisende - die so mancher einfach “Penner” nennt.
Und während er bei uns im Hof Brotzeit machte, erwähnte er so ganz nebenbei, dass er ja der Sohn von Jesus Christus ist. Naja, ich habe da nichts dazu gesagt, denn Besucher wie er haben öfter abenteuerliche Stories jeglicher Art parat.

Später hat er damit auch bei meiner Tochter Eindruck schinden wollen - aber das ging nach hinten los:
Ist doch in Ordnung, erklärt sie! Wir sind doch alle Kinder Gottes. Bei der Taufe in der Kirche sagt mein Papa das immer zu den kleinen Babies. Ich bin ein Kind von Gott, und du auch. Naja, du bist nur ein Kind von Jesus, aber das ist vielleicht auch nicht so schlimm...

So lernt man von den Kleinen. Als Kinder Gottes sind wir alle etwas besonderes.
Ob als Pfarrer im Garten
als Tochter auf dem Roller
oder als Obdachloser mit Wahnvorstellung.

 

Grünes Planschbecken

Wir waren nur drei Tage weg  - und als wir wieder kamen, war das Planschbecken im Garten ein grünschimmerndes, glibberiges Biotop. Uaaa,  ekelhaft, diese Brühe. Gruselig.

Ich weiß ja nicht, was das für Lebewesen sind, die sich da drin vermehrt haben; aber auf jeden Fall haben die sich in unserem Planschbecken sauwohl gefühlt. Sie waren unter ihresgleichen konnten zusammen klüngeln, sich ausbreiten und hatten den Pool für sich alleine.
Niemand kam, der frisches kaltes Wasser nachfüllte oder sie durch wildes Herumplanschen aus dem Konzept brachte. Und so wurde aus dem einst frischen Pool in drei Tagen ein widerlicher schleimiger Tümpel.

Bei uns Menschen geht es nicht ganz so schnell.
Aber wenn ich längere Zeit immer im gleichen Umfeld bin, mich nur mit denen abgebe, die genauso denken und handeln wie ich. Wenn ich keine frischen Gedanken herein lasse und niemand mich in Frage stellen darf. Wenn ich Gott auf Abstand halte und ihm sage “Störe meine Kreise nicht ” - dann brauche auch ich nicht lange, bis ich innerlich so einen Algenbrei ansetze, zäh und schleimig im Reden und Tun.

Hoffentlich merke ich es rechtzeitig, wenn ich mal wieder mein Wasser wechseln muss.

 

Hack-Ordnung

So ein blödes Vieh! Unser Meerschweinchen ist sowas von bescheuert. Ich könnt́s auf den Mond schießen!

Ich erzähle am Besten von Anfang an:

Unser Meerschweinchen Bibi war 2 Jahre lang mit einem Kaninchen in einem Stall. Und das Kaninchen hat sich oft einen Spaß draus gemacht, das Meerschein im Stall herumzuscheuchen und zu ärgern. Was haben wir nicht alles unternommen, um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu machen. Irgendwann haben sich die beiden dann auch ganz gut arrangiert.

Jetzt ist das Kaninchen gestorben, und wir haben ein kleines junges  Meerschweinchen als neuen Käfiggenossen besorgt. Bibi soll ja nicht einsam sein. Und was macht dieses doofe Meerschwein? Jetzt ist Bibi die große und hetzt das kleine Kerlchen wie verrückt herum und beißt ihn in den Rücken. Wir werden die beiden wohl trennen müssen.

Nix gelernt!! Die müsste doch wissen, wie es ist, als “neuer” und “schwacher” von anderen gepiesackt zu werden.
Aber nein , jetzt macht siés genauso! Dumm geboren und nix dazugelernt.

Wie gut, dass wir Menschen da gescheiter sind - oder doch nicht ?

 

Maria Himmelfahrt

Maria Himmelfahrt ist für mich als Evangelischen ein Fest, das ich wohl nie so recht begreifen werde.  Natürlich kapiere ich, was gemeint ist: Die Vorstellung, dass Jesu Mutter Maria als besondere Person nach ihrem Tod sozusagen direkt in den Himmel aufgenommen worden ist. Aber die Bedeutung für mich selber bleibt mir als Außenstehenden eher verborgen.

Dafür sehe etwas anderes - vor allem im Sommerurlaub am 15. August- , wenn ich in Österreich oder in Griechenland bin. Wie Maria Himmelfahrt als großes religiöses Fest zelebriert wird, bei dem Menschen mit ganzem Herzen dabei sind. Wie mancherorts das alltägliche Leben respektvoll den Atem anhält - weil dieses Fest gefeiert wird.
Wenn an solchen Tagen das Bedürfnis und der Mut, den eigenen Glauben zu bekennen und zu feiern ein ganzes Bergdorf erfasst. Das beeindruckt mich.

Hmm .. wenn das, was man glaubt, für eine Gemeinschaft so richtig im Mittelpunkt steht - das wünsche ich mir auch für meine Evangelische Kirche.

 

Pflaumenbaum im Urwald

“Das Zeug muss weg.” Seit 5 Jahren nehme ich es mir immer wieder vor - das elende wuchernde Gestrüpp in unserem Garten zu roden. In einer abseits gelegenen Ecke wächst ungehemmt, was so alles an wilden Gehölz aufgegangen ist. Ahorn, Haselnuss und was weiß ich noch alles -ich kenne mich da ja nicht so aus.5 Meter hoch ist so manches Teil aufgeschossen. Eine Schande für einen fränkischen Pfarrgarten

Ungelogen: Erst gestern habe ich dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Mittendrinn in meinem Urwald steht ein Früchte tragender Pflaumenbaum! Die Pflaumen sind noch nicht reif, aber einen Eimer voll wirds wohl schon ergeben.
Ich bin immer noch ganz platt. Da wächst über Jahre hinweg aus einem Pflaumenkern ein prächtiges Bäumchen heran - und ich bekomme es erst mit, als die ersten Früchte mir entgegenleuchten.

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen - das hat Jesus einmal gesagt, und es auf Bäume und Menschen bezogen.  Gestern habe ich diesen Satz von Jesus ganz neu verstehen gelernt.

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