Predigt: Das Vaterunser und seine Himmelsrichtungen (Matthäus 6, 5-15 und Lied 344 ) 20. Mai 2001

Unser heutiger Predigttext steht im Matthäusevangelium, in der Bergpredigt, im sechsten Kapitel:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. ich will weiterlesen

Predigt: Beten … mit dem Handy im Funkloch? (Symbolpredigt) 13. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

Ich bin noch nicht lange in Gollhofen Pfarrer. Und ich hatte natürlich einen Vorgänger, und einen Vorvorgänger und davor gabs noch mal einen und und und.

Ich stelle mir vor, der Pfarrer von 1730 kommt bei mir vorbei: Im schwarzen Lutherrock steht er vor meiner Tür. Er klopft mit wuchtigen Fausthieben an die Pforte. Von einer elektrischen Klingel weiß er ja nichts, die gabs vor fast 300 Jahren noch nicht.

Er stellt sich vor, Johann Christoph Hartung, Pfarrherr von 1705 bis 1749. Er schaut mich ein bisschen verwundert an … ein blaues Beinkleid .. Herr Pfarrer … wie albern sehen Sie denn aus .. und er streicht über sein makellos schwarzes Gewand.

Er schaut sich unser Haus an: Das kennt er, das wurde während seiner Amtszeit gebaut.  Den Garten erkennt er auch  auf Anhieb wieder, der Hühnerstall sah damals anders aus…, aber das Unkraut ist das gleiche wie damals. ich will weiterlesen

Predigt: Die Spötter haben etwas übersehen (Matthäus 27, 33-57) 13. April 2001, Karfreitag

Liebe Gemeinde,

wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Und: wir sind Augen-Tiere. Wir wollen was sehen, was anschauen, was erleben. Und manchmal ist es uns ziemlich egal, was wir anschauen, Hauptsache, wie haben was anzugucken.
Das wissen wir nicht erst seit der Erfindung der Fernbedienung am Fernseher ; denn da können wir beliebige Tasten drücken es gibt immer etwas anzuschauen… und darum auch eigentlich keinen Grund auszuschalten.
Heute schauen wir uns Big Brother an, vor einigen Jahren ist man als Gaffer zu Verkehrsunfällen gepilgert, und unsere Vorfahren sind scharenweise zusammengelaufen, wenn eine Hinrichtung anstand. Da musste man hin, da gab’s was zu erleben, das dürfte man einfach nicht verpassen.
Wir finden so etwas heute (wo es keiner öffentlichen Hinrichtungen, aber fünf TV-Leichen pro Abend, gibt) ganz abscheulich, wenn man damals seine Nachbarn und seine Kinder mit auf die Hinrichtungsstelle geschleppt hat.
Der Mensch der da zu Tode gebracht werden soll, wird zum Anschauungsobjekt. Der eigene Tod, er gehört ja zu dem, was mich ganz persönlich -und meine engsten Angehörigen – betrifft, der wird mir entrissen, enteignet, wenn er öffentlich passiert. ich will weiterlesen

Predigt: Weitersagen! (Johannes 17, 5-8 ) 8. April 2001

Liebe Gemeinde,

wir haben Palmsonntag. Die Evangelienlesung hat davon berichtet: Jesus geht nach Jerusalem hinein die Leute bejubelten ihn, aber er selbst hat sich nicht von der Begeisterung mitreißen lassen. Denn er wusste: eine Woche noch – dann kommt das Kreuz. Und die, die gerade noch mit Palmwedeln winkten, werden am Freitag “ kreuzigt ihn“ brüllen.
Jesus auf dem Weg zum Kreuz. Der Predigttext für den heutigen Sonntag gehört hier hinein. Es ist ein Gebet Jesu, das er kurz vor seiner Gefangennahme gesprochen hat. Die Jünger waren offensichtlich dabei, Jesus hat sie mithören lassen – das Gebet war für ihn etwas sehr persönliches, aber nichts geheimes. ich will weiterlesen

Predigt: Brot des Lebens und Sahneschnittchen (Johannes 6, 47-51) 25. März 2001

Liebe Gemeinde,

es war eine wunderschöne Hochzeit: eine schöne Braut, ein eleganter Bräutigam glückliche Eltern und Schwiegereltern. Der Gottesdienst war feierlich das Kaffeetrinken fröhlich, – keiner hatte über die Stränge geschlagen – jetzt kam der Höhepunkt des Abends: das Festbuffet! Die schmuckvoll hergerichteten Tische bogen sich förmlich unter den Köstlichkeiten:
Südtiroler Schinkenspeck, hauchdünn aufgeschnitten,
Räucherlachs (einer von der besseren Sorte),
Tomaten von den kanarischen Inseln mit kalt gepresstem Olivenöl beträufelt,
pikanter Käse in allen möglichen Variationen,
Hasenleber mit Zwiebelringen,
kalter Braten vom freilaufenden Charolais-Rind, und und und. – lecker!

Als das Buffet eröffnet wurde, stürmten die Gäste natürlich sofort zu den Tischen. Aber: dort sah man immer mehr irritierte Gesichter. Die Unruhe wurde immer größer, die Brauteltern, die das Buffet bestellt hatten, rutschten nervös auf ihren Plätzen hin und her. Gab es da ein Problem? Fehlt da was? Ja: sie hatten an alles gedacht, sogar an die Rüben für die Ovo-Lacto-Vegetarier über. Nur eines, daran hatten sie nicht gedacht: da war keine einzige Scheibe Brot!! ich will weiterlesen

Predigt: Wo hast denn des g´lernt? ( Johannes 8, 26-30) 11. März 2001

Liebe Gemeinde

„Wo hast denn des g´lernt?“ – Sie kennen den Satz?
„Wo hast denn des g´lernt?“ Das fragt die Mutter ihren Sohnemann, wenn er mal wieder irgendein neues Schimpfwort daherbringt.

„Wo hast denn des g´lernt?“ Das fragt der Meister seinen neuen Gesellen, der in der Backstube den Teig ganz anders zusammenrührt, als er das bisher gekannt hat.

„Wo hast denn des g´lernt?“, fragt der Englischlehrer den bisher miserablen Schüler, als er ihm die erste Probe nach den Ferien mit einer „eins“ zurückgibt.

„Wo hast denn des g´lernt?“ – Das frage ich mich immer wieder dann, wenn jemand etwas anderes sagt, oder anderes tut, als ich es eigentlich erwartet hätte.  Das kann mich interessieren, oder auch mal ins Schleudern bringen. Auf jeden Fall frage ich mich: Wie kommt er oder sie da drauf? Wo hat sie das her? ich will weiterlesen

Predigt: Für dich solls Gottes Worte regnen… (Jesaja 55, 10-12) 18. Februar 2001

Jesaja 55, 10-12:
Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, daß sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.
Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.

Liebe Gemeinde,

Heute scheinen sie sich mal wieder ganz besonders einig zu sein: die Evangelien-Lesung von vorhin und der Predigttext aus dem Alten Testament – beide sprechen vom Gotteswort und von der Landwirtschaft. Das ist mir recht, an meinem letzten Gottesdienst hier in Herzogenaurach, bevor ich zum Land-Pfarrer werde. ich will weiterlesen

Predigt: …alles nur innerlich? (Jesaja 51, 9-16) 28. Januar 2001

Jesaja 51, 9-16:
Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat? Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der großen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, daß die Erlösten hindurchgingen?
So werden die Erlösten des HERRN heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.

Liebe Gemeinde,

wach auf, wach auf! Komm, mach doch etwas! Ich brauche dich.
Das ruft Jesaja seinem Gott zu – stellvertretend für die ganze israelitische Gemeinde. Ein Notruf.
Denn das Volk steckt in der Bredouille: Kriegsopfer sind sie… von den Eroberern, den Babyloniern, vom Kriegsschauplatz Jerusalem weg verschleppt in die Ferne an den Euphrat, an den Stadtrand von Babylon. Lange hatten sie in Zelten gehaust, nach einiger Zeit haben Sie dann primitive Hütten gebaut. Mittlerweile hat so mancher schon ein Häuschen sich hingestellt. Aber dennoch: sie sind immer noch Gefangene, Verschleppte,… fern der Heimat… mit den furchtbaren Erinnerungen an die blutige Eroberung ihrer geliebten Stadt Jerusalem. Die Babylonier sind ihre Herren, haben Macht und lassen das die Israeliten auch spüren. ich will weiterlesen

Predigt: Weihnachten, das verpackte Geschenk (Symbol: Friedenslicht aus Bethlehem) 24. Dezember 2000, Heiliger Abend

Anmerkung: Auf dem Altar steht ein Weihnachtspäckchen – darin (für die Gemeinde noch nicht zu sehen): Ein Kerze, mit dem Friedenslicht aus Bethlehem.

Liebe Gemeinde,

ich sage ihnen zunächst etwas, was Sie 100% schon wissen: Das was hier auf dem Altar steht, ist ein Weihnachtsgeschenk. Deutlich zu erkennen: Es ist bunt verpackt, eine Schleife ist drum herum. Ein Geschenkanhänger dabei.
Ja, es gibt kaum ein Geschenk, das ohne Verpackung daherkommt. Naja, vielleicht ist das ja auch notwendig: Wenn jemand mit einem Buch in der Hand bei mir aufkreuzt, dann frage ich vielleicht: „Ach, was liest du denn zur Zeit? – Harry Potter?“ – „Nein, ich wollte dir das Buch schenken.“ – Achso, ja danke,… – Solche Peinlichkeiten vermeidet eine Geschenkverpackung. Da weiß man sofort: Das da drin ist ein Geschenk.

– Aber was ist da drin?? Das weiß man ja meistens nicht so genau. Und das macht´s ja auch so spannend; gerade für die Kinder – vorausgesetzt, sie reißen nicht gleich mit einem Ratsch die ganze Verpackung weg: Da wird gefühlt, geschätzt, geschüttelt, gedrückt: Was ist da bloß drin? ich will weiterlesen

Predigt: Wenn die Zukunft die Gegenwart erhellt (Jesaja 35, 3-10) 10. Dezember 2000, 2. Advent

Liebe Gemeinde,
unser Predigttext steht beim Propheten Jesaja, im 35. Kapitel.
Ich möchte ihnen diesenText nicht einfach so vorlesen. Ich möchte ihn in eine Geschichte hineinstellen. Damit er dort zu Wort kommt, wo er ursprünglich gehört worden ist: Vor über zweieinhalb tausend Jahren in Israel. Von Miriam und ihrer Mutter Rahel möchte ich Ihnen erzählen:
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