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Predigt zur Konfirmation am 16. März 2008 „Unser Glaube ist ein wertvoller Schatz” (zu Mt. 13, 44ff)
Liebe Konfirmanden
das Himmelreich gleicht einem Schatz im Acker. So haben wir es gerade im Evangelium gehört. „Stimmt” - so könnte mancher von euch meinen - „das, was wir in der
Konfirmandenzeit gelernt haben, hat manchmal schon ein bisschen eine Ähnlichkeit zu so einer alten Truhe. Psalmen von anno dazumal, 10 Gebote, ein Glaubensbekenntnis
von vor 1700 Jahren. Sie ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, diese Schatzruhe mit Namen „Glauben”. Naja, einige neuere Sachen waren auch schon dabei, und hie und da hat́s auch ein bisschen Spaß
gemacht. Aber insgesamt ist diese Schatzkiste schon ein altes Ding. Ich weiß nicht so genau, ob ich damit wirklich was anfangen kann in den nächsten Jahren in meinem Leben.”
Moment! Es will mir doch keiner von Euch erzählen, wenn er irgendwo draußen vielleicht bei der Herrenmühle so eine alte Kiste finden würde, dass er diese einfach liegen lassen würde ohne sie zu ö
ffnen, weil sie ja so alt und vergammelt aussieht. Natürlich würdet Ihr sie öffnen und nachschauen, ob sie vielleicht einen wertvollen Schatz verbirgt.
Ich behaupte: Unser christlicher Glaube ist auch so eine Schatzkiste, die manchmal nicht besonders attraktiv aussieht, aber in ihrem inneren ganz wertvolle Schätze enthält. Schauen wir einfach mal rein.
DAS HERZ: DIE LIEBE
Zuerst einmal finde ich darin ein kleines Herz. Symbol für die Liebe. Zu unserem christlichen Glauben gehö
rt die Liebe ganz grundlegend dazu: Jesus hat gesagt, dass das Liebesgebot das Wichtigste von allen sei: Gott und die Menschen sollen wir lieben. Zugleich hat Jesus uns gezeigt, dass Gott uns liebt.
Ihr lebt hier in Gollhofen, in einer Gemeinde, die ihr spätestens durch eure Sammelaktionen ein bisschen näher kennen gelernt habt. Ihr wisst, wie unterschiedlich die Leute sind - und doch gehö
ren sie zu einer Gemeinde, nehmen am Leben der anderen Anteil. Man ist bereit, sich zu helfen zu unterstützen. Auch das gehört zu Nä
chstenliebe: Dass mir der Andere nicht egal ist, dass ich um Hilfe bitten kann und mir Leute auch unter die Arme greifen, wenn es nötig ist.  Ich habe das jetzt erst selber gespürt, wie gut es tut, wenn jemand fragt: „Wie gehts
Ihrer Frau nach dem Armbruch? Wenn ich mal helfen kann, rühren sie sich!” Schön zu wissen, dass man einander nicht egal ist.
Die Liebe Gottes zu einem jeden von Euch ist der andere wichtige Punkt. Bei eurer Taufe hat Gott zu Euch „Ja” gesagt. „Ja, du sollst zu mir gehören, ich nehme dich an,
so wie du bist. Ich bin bereit, dir zu vergeben, wenn der einen Fehler gemacht hast und es bereust. Ich hab Dich sogar als krätzigen Teenager lieb, selbst wenn Deine
Eltern verzweifeln und der Pfarrer nur noch den Kopf schüttelt.” Gott sagt: Ich habe Dich lieb, den Du bist mein Kind. Dieses Ja von Gottes Seite gibt’s schon euer ganzes Leben lang, euer eigenes ausdrü
ckliches Ja zum Leben mit Gott, das könnt ihr heute bei der Konfirmation sprechen.
DIE FEDER - FLÜGEL BEKOMMEN
Mal sehen, was noch in der Schatzruhe versteckt ist. Eine Feder. Woran erinnert sie mich?
Vielleicht an die Flügel eines Schutzengels? Dann könnte sie dafür stehen, dass ich mich von Gott beschützt und behütet fühlen kann. Viele
Menschen gewinnen Vertrauen ins Leben dadurch, dass sie sich von Gott und seinen unsichtbaren Helfern beschützt fühlen.
Oder erinnert mich die Feder vielleicht an einen anderen Vogel? Zum Beispiel den Adler, von dem der Prophet Jesaja spricht: „Alle, die
ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.” (Jesaja 40,31)
Das bedeutet, dass mir durch den Glauben im übertragenen Sinne Flügel wachsen können, damit ich große Dinge in Angriff nehmen kann -
dass wir nicht die Puste ausgeht, weil Gott bei mir ist um mich unterstützt.
Naja, vielleicht gefällt dir auch die Leichtigkeit der Feder. Dann könnte sie für die Leichtigkeit des Glaubens stehen: Dass ich mich nicht wegen Kleinigkeiten verrückt mache, sondern nebensä
chliche Dinge auch ganz locker angehen kann. Möglicherweise, wenn man mal ganz niedergedrückt ist, kann einen so eine kleine Feder, wenn sie einem die Nase kitzelt, wieder etwas aufmuntern. Und damit wä
re ich wieder bei dem ersten Gedanken zu den Federn: Denn warum können die Engel fliegen? - Weil sie sich so leicht nehmen!
TELEFON!
Mal schaun, was uns denn noch so erwartet: Ein Telefon! Auch das gehört zum Glauben, nämlich dass einer anruft ... oder dass du anrufst, bei Gott. Das, wofür die beiden ersten Symbole, das Herz und die Feder, stehen, das schmeißt uns Gott
nicht einfach so vor die Füße, weil er halt von Berufs wegen dafür zuständig wäre. Er macht es, weil du ihm wichtig ist. Darum wünscht er sich Kontakt mit ihr.
Das Gebet ist da ein ganz wichtiger Draht zu Gott. Du kannst ihm sagen, was dich bewegt, was dich freut, was dir wichtig ist. Das kann wirklich ein richtiges Gespräch werden.
Ich habe beim Gebet noch nie eine Stimme von Gott gehört, aber ich habe es erlebt, dass während des Betens mir ganz neue Gedanken und Ideen kamen, und da überlege ich schon,
ob das vielleicht Gottes Teil des Gespräches war. - Gebet kann Sprechen und Hören sein.
Manchmal ist es aber nur reden, vor allem dann wenn ich Gott mal wieder das Herz ausschütte: Ihm sage, was mir durch den Kopf geht, wovor ich Angst habe und was ich mir von ihm erhoffe.
Beten ist die Hotline zu Gott: Händefalten und wählen ... vielleicht ist gerade das Händefalten das Wählen. Es wäre ganz praktisch, eine Visitenkarte zu haben, mit Gottes Telefonnummer: Das ist die 50
-15. Ihr habt richtig gehört: Denn im Psalm 50, Vers 15 heißt es: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen”.
Also, ruf mal öfter an - Es ist unbezahlbar, wertvoll, einen Gott zu haben, der einem zuhört. Und das auch noch kostenlos.
DIE PERLE
Liebe Konfirmanden, in meiner Schatzkiste des Glaubens befindet sich auch eine Perle. „Endlich mal etwas wirklich wertvolles in der Schachtel”, könnte mancher
von euch jetzt vielleicht denken. Aber Moment mal - so eine Perle hat ihre Lebensgeschichte:
Eine Perle entsteht, wenn ein Sandkorn oder ein Parasit in das Innere einer Muschel gerät. Das ist für die Muschel keine schöne Erfahrung: Da entstehen Verletzungen, wenn sich ein Wurm versucht im Inneren der Muschel einzunisten oder
wenn sich ein Sandkorn zwischen Perlmuttschicht und Bindegewebe schiebt. Für manche Muschel geht es dabei um Leben und Tod. Und doch geschieht es immer wieder, dass die Muschel das alles ü
bersteht ... und das, was da so furchtbar erschien, hat dazu geführt dass die Muschel im Besitz einer wunderschönen schimmernden Perle ist.
Ich wünsche es euch nicht, dass in eurem Leben solche Perlen entstehen - denn sonst würde ich euch schwere Schicksalschläge und düstere Zeiten wünschen. Aber realistisch betrachtet,
kann man sich ausschließen, dass mancher von euch im Laufe seines Leben schwere Zeiten durch macht. Auch solche, wo nichts von der Liebe spürbar ist, auch nicht von der
Leichtigkeit der Feder, und dass auch die Gebete nichts verändern.
Die Bibel selbst berichtet davon, dass es sowas gibt. Aber sie berichtet auch davon, dass Menschen in solchen Situationen an Gott festgehalten haben, und dass sie schwere Zeiten mit Hilfe
ihres Glaubens überstanden haben. Am Ende waren sie reicher als vorher: Mit Erfahrungen, die ihnen keiner wegnehmen konnte, mit einem
gewachsenen Vertrauen auf Gott. Auch wenn das schwere nicht vergessen war, letztendlich war eine Perle des Lebens, eine Perle des Glaubens, daraus geworden.
DER FUNKELNDE DIAMANT
Der christliche Glaube als ein wertvoller Schatz. - Liebe kann ich daraus empfangen. - Ich habe die Zusage, dass Gott mich beflügelt damit ich wie ein Adler abheben kann. - Gott verrä
t mir seine Telefonnummer - Das Gebet. - Und mit dem Glauben kann ich größte Herausforderungen überstehen, so dass aus manchem Schweren noch eine gute Perle wird.
Mal sehen, ob das letzte, was ich in meiner Schatzkiste finde, das Ganze nicht noch toppen könnte:  Ein Diamant. Schön sieht er aus, glitzert schön im Licht. Endlich mal was Gescheites in der Kiste, was wirklich exklusives!
Bedaure, der ist nur das Plastik. 15 cent kostet das Stück im Bastelladen.
Im Spätmittelalter haben die spanischen Entdecker, wie Columbus, die Ureinwohner Südamerikas ganz frech über den Tisch gezogen: Sie haben deren Gold, Kakao und
Kautschuk gegen billige glitzernde Glasperlen eingetauscht. Mit anderen Worten: Beschiss auf ganzer Linie.
So ähnlich kommt es mir vor, wenn heute Leute dem Glauben als altmodisch abtun, und ihre eigenen Super-duper-Ideen anschleppen. Einzige dass die oft können, ist schön glitzern.
Liebe Konfis, lasst euch nicht veräppeln: Es gibt Dinge im Leben, die haben wirklich Wert, nur sieht man es ihnen oft nicht so an.
Und es gibt schlimmen Ramsch, der manchmal sogar viel Geld kostet, aber im Leben nicht wirklich weiterhilft.
Haltet die Augen offen: Ihr habt mit dem Glauben eine Schatzkiste mit enormen Potential. Aber nur, wenn man sich draus bedient. Wer diese Kiste nach der Konfirmation zumacht und auf dem Dachboden räumt, fü
r den wird sie letztlich eine alte unattraktive Kiste bleiben.
Die Entscheidung müßt ihr selber treffen.
Amen
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