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Radioandachten im März 2008 auf Radio 8 und Radio Bamberg
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An die IT-Entscheider ....
Es gibt Briefe, da brauch ich nur drauf schauen, wie meine Adresse formuliert ist - und weiß schon, dass ich ihn ungeöffnet wegschmeißen kann:
“An die Geschäftsleitung im Haus Ringstraße 15" oder: “An die IT-Entscheider im Pfarramt” oder „an die Einkaufsabteilung.”
So ein Schwachsinn! Wir sind ein Pfarrhaus, mit Pfarrer, Pfarrfrau und drei Kindern! Die Absender der Werbebriefe sind entweder ausgesprochen dumm oder einfach unverfroren ... an Tausende
von Haushalten Briefe zu schreiben und so zu tun, als wüsste man Bescheid ... man hat eben nur mal vergessen, wer der Leiter der Abteilung “Einkauf” wäre. In Wirklichkeit haben die Null Ahnung von uns!
Vielleicht rege ich mich deshalb so darüber auf, weil ich mich manchmal selber ertappe: Da gibts Menschen und Familien, die kenne ich eigentlich nur oberflä
chlich - und doch erlaube mir oft ein Urteil: Der da ist der Chef in der Familie Die da ist die Querulantin Und der hier ist der Fußabstreifer der Familie, auf dem alle rumtrampeln.
Ich bilde mir ein, zu wissen, wo der einflussreichste, wo der schlauste, wo der Meinungsführer, und wo er Dorftrottel wohnt
Nö manchmal machs ich auch nicht besser als die Werbefritzen - Und heimlich hoffe ich, dass es keiner merkt, wie ich da ins blaue Hinein meine Urteile fälle.
Nur das Dumme dabei: Wie beim Werbebrief merkt der Betroffene so was ganz schnell.
Playmobil-Kirche
Jetzt gibt es sie endlich! Die Playmobil-Kirche. Mit Brautpaar und Pfarrer. Auf Knopfdruck bimmeln die Glocken und die Plastik-Orgel spielt einen Choral. Alles dran, was zu einer echten Kirche gehö
rt. In unserem Spielzeugladen steht sie im Regal. Schön - das gefällt mir. Endlich ist Kirche auch in der Spielzeugwelt angekommen, steht neben Ritterburg und Märchenschloss ...jetzt sind wir wer!
Moment ... Ritterburg, Feen und Prinzen ... die gibts doch in Wirklichkeit gar nicht mehr ... die interessieren
doch eigentlich keinen. Diese Relikte vergangener Zeiten taugen ja wirklich nur noch als Kulisse für die Phantasiewelt im Kinderzimmer.
Jetzt weiß ich auch nicht, ob ich mich über die Spielzeug-Kirche noch freuen will.
Ich gehe zwei Schritte weiter am Spielzeug-Regal. Achja, das hat Playmobil ja auch im Angebot: Stadtleben, Feuerwehr, Rettungssanitä
ter, Zirkus und Forsthaus. Da pulsiert das echte Leben, hier wird was bewegt - da spielt man mit Menschen wie du und ich. Da gehö
rt Kirche hin: In die Gegenwart, zu den Menschen, die leben und lieben die Hilfe brauchen und helfen können.
Im Spielzeugregal war die Schachtel mit einem Handgriff umgeräumt. Schade, dass in manchen Köpfen die Kirche immer noch in die Märchenecke gestellt wird.
Konfirmation
In den kommenden Wochen feiern wieder viele tausend evangelische Jugendliche ihre Konfirmation. “Ja, ich will
ich christlichen Glauben bleiben und wachsen” - das ist ihr Versprechen. Die Eltern sind gerührt, und so mancher Gottesdienstbesucher runzelt die Stirn: Mal schauen, wie oft wir die Jungs und Mädchen noch bei uns im
Gottesdienst sehen ....
Naja, es ist ja nun ein wirklich anspruchsvolles Versprechen, das wir den jungen Leuten zumuten. Eine Entscheidung fürs Leben. Jeder Erwachsene kann selbst ü
berlegen, inwieweit er dem eigenen Konfirmationsversprechen gerecht geworden ist. Oft genug entdeckt man ja, dass das Leben viel komplizierter und herausfordernder geworden ist, als man sich das als 13- jä
hriger vorgestellt hatte.
Wie gut, dass die Konfirmation nicht nur aus dem Versprechen besteht, sondern auch aus dem feierlichen Segen für die Konfirmanden.
Dieser Segen ist die Zusage Gottes bei ihnen zu bleiben und ihnen die Kraft zu geben, das Richtige zu tun. Wie gut, dass wir Christen mit unserem Konfirmationsversprechen nicht auf uns alleine gestellt sind!
5. März 1616: Worum kreist die Welt?
Heute vor 392 Jahren wurde vom damaligen Papst ein Buch verboten: Der Astronom Kopernikus hat darin
bewiesen, dass die Erde sich um Sonne dreht. Und das wollte damals keiner wahrhaben .....und darum wurde das Buch mit der unangenehmen Wahrheit verboten.
Heute sind wir natürlich viiiiel schlauer. Wir haben kein Problem damit, dass unser Planet nicht der Mittelpunkt des Universums ist. Uns ist klar, unser kleiner Erdball dreht sich um etwas, was größ
eres und wichtigeres - nämlich das Geld. Eine Hypothekenkrise auf dem einen Kontinent lässt Millionen Geldanleger auf der andern Seite des Globus blass werden.
Die einflussreichste Nation dieser Erde wird voraussichtlich von einem Präsidenten regiert, der es schaffte eine knappe Milliarde Dollar für den Wahlkampf zu mobilisieren.
Kopernikus hat geschrieben: Wenn die Erde um die Sonne kreist, dann kreist du auch um die Sonne - da kannst du gar nichts dagegen tun.
Und bei der Sache mit dem Geld? Ich glaube, meine kleine Lebens-Welt soll sich um anderes, wirklich wichtiges drehen. Ein bisschen Mt gehört dazu; so wie damals bei Kopernikus.
Ivan Rebroff
Letzte Woche ist Ivan Rebroff gestorben. Dieser weltbekannte stattliche russische Volksliedsänger war ja gar kein Russe. Er war ein gebürtiger Berliner und hieß
eigentlich Hans Rolf Rippert - aber er hatte schon als junger Sänger seine Liebe zur russischen Volksmusik entdeckt - und seine imposante Erscheinung mit Fellmütze passte dann perfekt zum Image des russischen Bä
ren. Und damit hatte er grandiosen Erfolg.
Das ist aber auch das Material, aus dem ein Leben bestehen könnte, das aus Fassade besteht; mit nichts dahinter. Eine große pseudorussische Lebenslü
ge - immer begleitet vor der Angst, dass der Schwindel auffliegt.
Ivan Rebrov alias Hans Rolf Rippert, hat nie verschwiegen, wer er wirklich war. Offenbar war es ihm wichtig, er selbst zu sein.
So wunderte sich auch mancher, dass der von Selbstbewusstsein strotzende Ivan in Interviews ganz selbstverständlich von seinem christlichen Glauben sprach. Dass er Gott braucht, dass Berühmtheit, Erfolg und
Geld zweitrangig sind.
Wie Gott ihn im Himmel wohl anspricht? Mit Ivan oder Hans? Ich bin irgendwie dankbar, wenn ich einem Verstorbenen hinterherblicken kann, von dem ich den Eindruck habe,
er hat sein Leben echt und im Glauben gelebt. - Dann wars nicht umsonst.
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