Themenpredigt: „Wollust“ – kann denn Genuss Sünde sein? – 17. März 2019

Kann denn Genuss Sünde sein? Diese Predigt ist Teil einer Predigtreihe, in der wir im KollegInnenkreis vier der sieben Todsünden in den Blick genommen haben.
Mehr über die Aktion finden Sie am Ende der Seite.

Predigt zur Todsünden-Reihe 2019: Wollust

Liebe Gemeinde,

der Name ist furchtbar und finster: “Todsünden”. Ein Begriff, der Angst machen kann – und sicher auch über Jahrhunderte verwendet wurde, um Menschen Angst einzujagen – Angst vor Gott, der bestimmte Sünden anscheinend mit dem Tod bestraft.

Todsünden – Blick in die frühe Christenheit

Wenn man aber schaut, wo denn dieser Begriff eigentlich herkommt, sieht das ganz anders aus. Denn die ersten Christen haben sich mit einem Problem herumgeschlagen:
Da wird ein Mensch Christ. Er lässt sich taufen und beginnt eines neues Leben. Er will das Liebesgebot Jesu befolgen, alles besser machen, als zuvor. Aber irgenwann passiert es, dass er dann doch falsch handelt, sündigt. Er beleidigt einem Menschen, belügt seinen Partner, hängt am Geld und will nichts teilen. Irgend etwas ist immer.

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Radionandachten im März 2019 auf Charivari 98,6

Die unbewegliche Leiter

In Jerusalem steht am einem Kirchenfenster  der Grabeskirche eine Leiter. So, als hätte sie ein Handwerker eben mal stehen lassen, weil er etwas repariert hat.

Aber in Wirklichkeit lehnt sie da schon seit über 250 Jahren. Und keiner räumt sie auf. Denn diese Kirche teilen sich sechs verschiedene christliche Konfessionen: Katholische Kirche, griechisch-orthodoxe, Syrisch-orthodoxe und einige andere. Die sind dich untereinander eher selten einig. Immer wieder gibt es Streit – seit Jahrhunderten ist das so. Sie ahnen es: In der Frage, wem die Leiter gehört, und was man damit macht, wurde man sich nie einig – also steht sie immer noch da. Seit 250 Jahren!

Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Vor allem, wenn ich daran denke, dass es das ja auch mitten unter uns gibt. Wo in Familien nichts mehr vorwärts und rückwärts geht – weil die Situation so verfahren ist, und keiner sein Gesicht verlieren will.

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Radioandachten im Februar 2019 auf Charivari 98,6

Die Bitch hat Schlampe gesagt.

In der Pause gibt’s grade Zoff im Keller meiner Schule. Zwei 14-jährige Mädchen haben sich in die Wolle gekriegt. Sie gehen sich buchstäblich an die Gurgel. Als die beiden Streithennen endlich getrennt sind, platzt es aus einer heraus. „Ey, die Bitch hat Schlampe zu mir gesagt.“

Oh man – es gibt Tage, da fragt man sich wirklich, was die Kinder in der Schule lernen. Irgendwie hat die kleine Furie doch glatt übersehen, dass sie ihre Kontrahentin mit dem genau gleichen Schimpfwort bedacht hat … halt auf Englisch.

„Ey, die Bitch hat Schlampe zu mir gesagt.“ Falls Sie sich grade auch über diesen Satz aufregen: Vorsicht! Wir Erwachsene machen das gelegentlich genauso – nur sind unsere Methoden etwas eleganter. Wir wissen,wie man mit Stil den anderen wissen lässt, dass man ihn für einen unfähigen Idioten hält. Ganz ohne unfeine Worte kriegen wir das hin. Aber das macht es nicht besser. Mein abschätziger Blick legt die Saat für eine langanhaltende Feindschaft. Vor allem brauche ich nicht erwarten, dass er mir Respekt entgegen bringt.

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Predigt: To-Do-Liste, Glückskeks oder Schneekugellandschaft (Römer 12, 9-16) 20. Januar 2019

Röm 12, 9-16

Einundzwanzig Ermahnungen hat Paulus hier aufgereiht. Soll das seine To-Do-Liste für die christliche Gemeinde sein? Oder eine Sammlung der Weisheiten für christliche Glückskekse? Und wie wäre es, wenn das alles nur ein kleiner Ausschnitt aus tausenden verschieden geformter Schneeflocken der Nächstenliebe ist?

Predigttext: Römer 12, 9-16
9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.
10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.
11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist.
Dient dem Herrn.
12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.
13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft.
14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht.
15 Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.
16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.

Die To-Do-Liste

Liebe Gemeinde
das ist vielleicht eine Liste …. 21 Forderungen reiht Paulus da aneinander. 21 Stück. Kurz, knackig im Imperativ. – Oder soll ich sagen „Befehlston?”
So kommt es mir jedenfalls vor.
Eine fromme To-Do Liste für die christliche Gemeinde.
„Das alles sind deine Aufgaben, die sollst du jetzt bitte schön einmal abarbeiten. Eines nach dem Andern …. ok, wenn du willst auch von unten nach oben…. Hauptsache, am Schluss ist alles erledigt.”

Gottes ToDo-Liste … wir Menschen sind ja sehr unterschiedlich, aber ich finde grundsätzlich so eine Aufgabenliste schon reizvoll. Ich mag es, wenn Dinge mir klar strukturiert präsentiert werden. Wenn man nicht im Nebel stochert, was Gott denn eigentlich von mir will, sondern man eine klare Ansage hat.

Aber wenn ich sehe, was da alles zu schaffen ist … dann habe ich die Nase schon voll, bevor ich damit angefangen habe. Denn da ist ja eine Herausforderung größer als die andere.

Freut auch mit den Fröhlichen … ja, das ist ja wirklich kein Problem.
Weint mit den Weinenden … das macht zwar nicht direkt Spaß, aber das bekomme ich auch ganz gut hin, mitzutrauern und Verständnis für den Kummer des Anderen aufzubringen.
Aber Segnet, die euch verfolgen … das schreibt sich da so leicht hin – aber das ist eine Aufgabe, an der ich vielleicht mein Leben lang knabbere: Die Liebe Gottes immer wieder zu denen hinzutragen, die mir blöd kommen, die schlecht hinter meinen Rücken reden, die mir das Leben schwer machen. Da komme ich schon an sehr menschliche Grenzen.
Diese 21 Punkte der To-Do-Liste haben das Potential, mich wirklich am mir selber verzweifeln zu lassen. Weil ich es einfach nicht schaffe, das irgendwann als „erledigt” abzuhaken.

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Radioandachten im Januar 2019 auf Charivari 98,4

Wenn keiner widerspricht

Der erste Satz des seltsamen Kunden an der Kasse ließ schon Böses ahnen: Ach, verkauft ihr Laden jetzt auch schon so einem Mist? Dabei zeigte er auf ein Produkt, das sein Vordermann auf das Kassenband gelegt hatte.

Die Verkäuferin blickt ihn fragend an. Für ihn das Signal, erst richtig loszulegen: Wissen sie nicht, wie ungesund das ist? Und das ist eine Sauerei, dass man das überhaupt verkaufen darf und überhaupt: Ich kenne mich da nämlich aus….

Immer mehr steigert er sich hinein und belehrt alle Umstehenden mit seiner Weisheit, und weil er schon so schön in Schwung ist, wechselt er zur Bildungspolitik und stellt fest, dass Schüler und Lehrer auch immer dümmer werden.

Ich überlege mir, was er wohl selber nachher über seinen Auftritt gedacht haben mag? War er vielleicht sogar stolz auf sich – dass er schlauer ist als alle anderen? Schließlich hat ja auch keiner gewagt zu widersprechen. – Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß: Ich will in Zukunft noch vorsichtiger sein, wenn ich anderen meine Meinung sage, und keiner widerspricht: Es könnte sein, dass ich alle überzeugt habe. Aber vielleicht ist es ja auch so, dass sie unmerklich den Kopf schütteln, peinlich berührt schweigen, und denken:   Lass ihn einfach reden – dann ist es am schnellsten vorbei.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Predigt zur Jahreslosung 2019: Suche den Frieden und Jage ihm nach! (Psalm 34,15) Silvester, 31. Dezember 2018

Friedensjäger

Es ist nicht leicht, mit so einem wirren Jahr wie 2018 seinen inneren Frieden zu machen. Diese Predigt erzählt vom Frieden, der stets ein Prozess ist: Beim Ringen mit den eigenen Erinnerungen und beim Ringen mit seinen Mitmenschen.


Der Blick in die Rumpelkammer von 2018

2018 – ein Jahr wie eine Rumpelkammer! So kommt es mir vor, wenn ich versuche, mir die vergangenen 12 Monate ein bisschen zu vergegenwärtigen.
Da ist so viel … so vollgestopft … da weiß ich gar nicht, wo ich zuerst hinlangen soll … da liegt Schönes und Hässliches kreuz und quer.

Zuerst schaue ich mir in dieser Rumpelkammer die schönen Dinge an. Fröhliche Hochzeiten, Taufen, Festgottesdienste. Ein sehr berührendes Konzert mit Andi Weiß in Wilhelmsdorf, das anspruchsvolle mit Sonat Vox in Brunn. Kirche im Grünen mit allen Bläsern, den Kindergärten und sagenhaftem Wetter. Die Jubiläen von Singverein und Landeskirchlicher Gemeinschaft.

Aber gleich daneben liegen schwere Abschiede. In diesem Jahr auch von etlichen Menschen, die jung verstorben sind. Mancher davon ganz unerwartet. Solche Erinnerungen liegen obenauf, in der Kammer der Erinnerungen, den Betroffenen stechen sie zuallererst ins Auge, wenn sie auf das Jahr 2018 schauen.

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Predigt: Ausgeliefert und auf der Flucht (Matthäus 2, 13-23) 30. Dezember 2018

Matthäus 2, 13-23

Mit der Flucht nach Ägypten teilt Jesus das Schicksal von Millionen Menschen, die ihre einzige Überlebenschance in Verlassen der Heimat sehen.
Der Gottessohn liefert sich den Machtspielen der Menschen aus und erinnert uns später daran: Ich werde euch in den Ausgelieferten begegnen.

Unser Predigttext steht im Matthäusevangelium im 2. Kapitel.
Es spricht davon, was in Bethlehem geschehen ist, nachdem die Weisen aus dem Morgenland in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

(Mt 2, 13-23)
Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.
14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten
15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«

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Lied-Predigt: 200 Jahre „Stille Nacht“, 24. Dezember 2018

200 Jahre Stille Nacht

Die Predigt betrachtet die Entstehungsgeschichte des Liedes, seine Rolle beim „Weihnachtsfrieden 1914“, und das lachende Jesuskind, das uns manchmal auch auslacht.
Nach den einzelnen Abschnitten werden die Verse des Liedes gesungen, wobei es jedes mal einen Auftrag gibt „wie“ das Lied jetzt mal gesungen werden sollte.

Liebe Gemeinde,

200 Jahre alt ist das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht”.
200 Jahre – von vielen geliebt wie kein Anderes. „Erst wenn das Licht am Ende des Gottesdienstes ausgeht und wir Stille Nacht singen, dann ist es wirklich Weihnachten” – das höre ich immer wieder
Andere Menschen können diesem Lied so gar nichts abgewinnen – zu schlicht, zu kitschig.

Manchmal ist es nicht verkehrt, einen Blick auf die Geschichte eines Liedes zu werfen. Um ein bisschen zu verstehen, was hinter diesen Zeilen steckt.

Denn eigentlich ist der Text noch 2 Jahre älter: Der junge Priester Joseph Mohr hat diese Zeilen 1816 geschrieben.
Gerade 24 Jahre war er da. Ein außergewöhnlicher junger Mann. Aufgewachsen in Salzburg, Sohn einer ledigen Mutter, der Vater war aus der Armee desertiert und verschwunden. Für damalige zeit eine Riesenschande. Als Pate hatte sich niemand anderes gefunden, als der Henker von Salzburg. Schlechter konnte ein Start ins Leben kaum laufen.
Aber Joseph Mohr war ein Junge mit vielen Talenten. Das entdeckte auch der örtliche Domvikar. Der ermöglichte dem kleinen Josef den Besuch des Gymnasiums und das Philosophiestudium. Später entschied Josef sich dazu, Priester zu werden – und nach vier Jahren im Priesterseminar trat er seine erste Stelle als Hilfspriester in Mariapfarr an.

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Radioandachten im Dezember 2018 auf Charivari 98,6

Haus auf dem Sand

Guten Morgen

Das war ja ein Ding, als vor einer Woche die Brücke am Nürnberger Hafen nach dem starken Regen gesperrt war. Haben Sie die Bilder gesehen? Unglaublich, wie schnell das Wasser da Teile der Böschung weggespült hat.

„Wenn du dein Haus auf Sand baust, und das Wasser kommt, dann geht es manchmal ganz schnell, und alles ist weg.“ Das hat Jesus einmal gesagt. Dabei ging es ihm gar nicht um Architektur, sondern darum, wie man sein Leben aufbaut.

Da hat Jesus gemeint: „Wer hört, was ich sage, aber das in seinem Leben nicht umsetzt, der ist so einer, der auf Sand baut. Wenns kritisch wird, kommt da schnell alles ins rutschen.“

Etwas machen, aus dem was Jesus vorgelebt hat. Ein Glaube, der Hand und Füße hat, nicht nur Kopf. Dann steht man sicherer. Perfekt wird es nie sein – aber der Sand  der großen Sprüche, ohne Taten, der ist halt besonders tückisch.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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Predigt: Jesus vor der Türe (Matthäus 21,1-11) Erster Advent und Einführung der neuen Kirchenvorsteher, 2. Dezember 2018

Matthäus 21,1-11

Jesus steht vor der Türe. Was verändert sich, wenn er eintritt? Versaut er unseren sauberen Teppich, oder feiern wir gemeinsam und singen Hosianna? Reinlassen oder rauskomplimentieren, das ist hier die Frage.

Mt 21, 1-11 Jesu Einzug in Jerusalem
1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!
3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.
4 Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):
5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.
8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
9 Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der?
11 Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Jesus ante portas

Jesus steht vor der Türe – am Tor von Jerusalem.
Dann zieht er hinein. Auf einem Esel. Die Menschen jubeln ihm zu, legen Kleider und Zweige auf seinen Weg.

Jesu steht öfter vor der Türe. Allein zwei mal im Laufe des Kirchenjahres: Am Ersten Advent und am Palmsonntag wird diese Begebenheit aus der Bibel vorgelesen. Heute aus dem Matthäusevangelium, im Frühjahr aus den Evangelium des Johannes.

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