Predigt: Geschenkt! (Jesaja 55, 1-3) 26. Juni 2022

person s holds brown gift box

Geschenkt!

Die einen tun sich schwer, sich etwas schenken zu lassen. Manchen wurde schon alles in die Wiege gelegt. Andere beklagen: „Mir ist nichts im Leben nichts geschenkt worden“. Eine Predigt als Plädoyer fürs Schenken und dafür, die Geschenke Gottes zu sehen.

Kommt, kauft euch zu essen! Kommt und kauft ohne Geld!“ So haben wir es eben in der Lesung gehört. Und wahrscheinlich haben einige von Ihnen da auch ein bisschen gestutzt: „Kaufen ohne Geld?“ Also .. das ist ja, wie geschenkt!

Na gut … eigentlich ist das natürlich toll, wenn etwas nichts kostet. Aber wir wissen auch: Keiner hat etwas zu verschenken. Jeder will ja irgendwie was verdienen.

Und so wissen wir, dass oft da, wo „kostenlos“ drauf steht, im Kleingedruckten die Falle lauert. Und wo ich im Internet viele kostenlose Service nutze, bezahle ich oft mit meinen Daten und wundere mich, weshalb mein Handy mir interesanterweise die Themen und Produkte unter die Nase hält, die mich tatsächlich reizen.

Schenken, einfach so, das ist manchmal gar nicht so einfach. „Nein, das kann ich jetzt nicht annehmen“ – manchmal stellen wir uns da auch schon komisch an. Es gibt Menschen, die wollen sich partout nichts schenken lassen. Da kommen die Nachbarn mit einem Eimer Kirschen zur Emma. Die freut sich zwar, aber rennt sofort zu ihrem Schränkchen, um den Nachbarn entweder eine Tafel Scholade für die Kinder mitzugeben oder sie zückt einen Fünfer … warum fällt uns das manchmal so schwer, uns einfach mal beschenken zu lassen? Ohne gleich zu denken: Jetzt muss ich schon demnächst was zurückschenken, zurückgeben.


Kommt und kauft ohne Geld! Wein und Milch – sie kosten nichts.“ Der Prophet Jesaja steht auf dem Marktplatz erinnert die Leute daran: Beschenkt werden, das gehört zu den Grunderfahrungen unseres Lebens. Die ersten Lebensjahre können wir gar nichts anders, als von vorne bis hinten beschenkt zu werden. Mit Essen und Trinken, mit Liebe und Geborgenheit. Wir erleben unser Leben vom Beginn an eigentlich als ein einziges Geschenk.

Und warum ist für Kinder Weihnachten und Geburtstag oft so ein Mega-Fest? Wegen der Geschenke – weil man da das „Beschenktwerden“ so ganz ohne Hintergedanken genießen kann! Sich fallen lassen in das Gefühl: Alle sorgen sich um mich und tun alles, dass ich glücklich bin.

„Ach herreje, was hast du denn da Wertvolles mir geschenkt? Ich hab für dich ja nur eine Kleinigkeit“ – diese Nummer kennen Kinder nicht – Gottseidank.

Beschenkt werden.
Die Liebe und Fürsorge des Anderen im Schenken spüren.
Das ist einfach schön!
Und wir Erwachsenen?
Da verlagert sich das. Da haben Geschenke nicht immer eine Schleife außenrum.
Das eigene Leben als Geschenk zu sehen.
Diesen Planeten.
Die Liebe von anderen Menschen.
Zu erleben, wie die eigenen Kinder und Enkel groß werden.
Momente zu haben, wo keine Sorgen den Himmel verdunkeln.
Mit 80 noch daheim leben zu können, obwohl der Rücken schon recht bucklig ist.
Das sind die großen Geschenke.

Habe ich eben ein bisschen arg vollmundig übers Beschenktwerden gesprochen? Hie und da hört man ja auch den Satz: „Mir hat keiner was geschenkt“

Das klingt bitter. Und die Erfahrung, die dahinter steckt, ist oft kein Spaß. Wir erleben, dass manche Menschen mit einen großen Geschenkpaket ins Leben starten: Fürsorgliche Eltern ohne Geldsorgen, in der Schule fliegt ihnen alles zu, umgeben von einem tollen Freundeskreis kommen sie auch gut durch die Jahre des Erwachsenwerdens. Zum Führerschein gibt’s auch gleich ein Auto, und von der Oma erbt man einen Bauplatz … Sie merken: Ich beginne zu übertreiben ….

Und bei anderen beginnt der Kampf schon im Laufstall, wo sie um jedes bisschen Aufmerksamkeit und Anerkennung der Eltern kämpfen müssen – und so geht’s manchmal genauso mühsam weiter im Leben. Man strampelt sich ab, und spürt: Von alleine kommt da selten was, alles musste ihr mir erkämpfen.

Unsere Welt erleben wir oft als ungerecht.
Sie ist nie perfekt – daran können wir nichts ändern.

Aber wenn einer sagt: „Mir hat keiner was geschenkt“ – dann steht da ein Mensch, der durchaus beschenkt ist: Oft mit einer ungeheuren Kraft, mit diesem Durchhaltevermögen, gegen alls diese Widrigkeiten und trotz eines Schicksalsschlags doch weiterzumachen. Sich von der Ungleichheit der Welt nicht völlig niederdrücken zu lassen.

Wir sind ja oft so defizitorientiert. „Mensch, jetzt hast du wieder eine vier in Englisch. Was hat denn da nicht gepasst?“

Ja, so kann man es sehen.

Manchmal muss man aber auch andesrum schauen: „Hey, erzähl mir, wie du es geschafft hast, dass es keine fünf geworden ist! Mit der bleibst du doch schon mal nicht sitzen.“

Lass uns von deiner Kraft reden, deinen Potentialen, von dem, was Gott an Gutem in dich gelegt hat. Trotz aller Benachteiligung.

Ein letzter Gedanke:

Zum beschenkt werden, gehört es auch, dass man schenkt. Zumindest zwischenmenschlich ist das ziemlich logisch.

Wenn wir Zeiten haben, wo alles schwieriger wird, wird auch unsere Bereitschaft zum Schenken auf die Probe gestellt. Wenn steigende Kosten im Laden und an der Tanstelle die eigenen Spielräume auffressen … da wird einem schon komisch ums Herz.

Wieviel Luft und wieviel Lust habe ich da noch, um zu schenken?
Soviele Vereine und Gruppen leben davon, dass Menschen ihre Zeit und ihr Engagement verschenken. Wir wären nicht hier, wenn nicht die Bläser jede Woche sich Zeit nehmen würden, miteinander zu proben. Wenn unser Wirt sagen würde: Das ist doch mir wurst, wo ihr eure Bänke herbekommt. Wenn der Sportverein sagt: Das ist aber unser Platz. Wenn unser Kindergartentam sagen würde: Weshalb soll ich jetzt auch noch am Sonntag für meinen Arbeitgeber abstrampeln?

Wen Sie sagen würden: Ach, bei dem Wetter ist es auch daheim im Garten auch ganz schön.

Je schwieriger unsere gesellschaftliche Situation ist, umso wichtiger ist es, dass wir bereit sind, einander Zeit, Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Liebe schenken. Und sie ist schwieriger geworden.

Manchmal kommen Leute aus dem Urlaub und erzählen davon, dass sie abseits der Touristenströme in irgendeinem Dorf gelandet sind. Bleiben da für ein paar Stunden oder auch ein paar Tage und erleben, dass diese Menschen für unsere Verhälnisse bitterarm sind. Und dann erzählen sie: Man hat uns freundlich aufgenommen, begrüßt, bewirtet – so großzügig. Und das fühle sich so komisch an – die leben doch schon von der Hand in den Mund, und dann werden wir da mordsmäßig bekocht.

Ja: Die Bereitschaft, zu schenken – und die Bereitschaft beschenkt zu werden ist keine Frage des Wohlstands – sondern des Herzens.

Und wer mit dem Herzen erkennt, wie reich er eigentlich von seinem Gott beschenkt ist. Der lernt: Beschenkt werden und zu schenken – beides gehört zu unserem Menschsein dazu.

Amen

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