Predigt: Herzenssache (Jeremia 31, 31-34) 24. Mai 2020

Jer 31, 31-34

Wenn ich wie von selbst Gottes Willen erkennen und tun würde … das wäre wunderbar! Aber die Verheißung aus Jer 31 ist wie das Reich Gottes: Zugleich ganz nach und doch auch fern.

Was treibt mich an?

Mittwoch vormittag in der Schule: Reli-Unterricht mit der elften Klasse. Alle sitzen im vorgechriebenen Mindestabstand voneinander entfernt. Und ich überlege, wie das mit dem Mindestabstand zu meinem Unterricht aussieht. Sind die eigentlich noch bei der Sache? Wegen Corona dürfen keine neuen Noten mehr gemacht werden. Dahingehend ist das Schuljahr eigentlich durch.

Wer jetzt mitdenkt, mitdiskutiert, Texte liest, und Aufgaben erledigt, macht das nicht wegen der guten Noten, sondern, weil er es will. Von innen heraus! Weil ihn das Thema interessiert oder es ihm mit diesem Lehrer einfach Spaß macht.

Liebe Gemeinde,
Warum tue ich das, was ich tue?
Warum engagiere ich mich?
Weshalb tue ich das “Richtige”, obwohl ich davon eher einen Nachteil habe, im Vergleich zu denen, die immer nur an sich denken?

Diese Frage kann man sich ja gelegentlich stellen. Und einem Christen geht da vielleicht auch so der Gedanke durch den Kopf, dass Gott einem das auch irgendwann einmal vergelten wird. Oder tue ichs einfach so – aus Überzeugung?
Und kann man das eigentlich so genau trennen?

Schauen wir auf eine Rede beim Propheten Jeremia. Dort, im 31. Kapitel, spricht Gott davon, dass sich da einmal etwas ändern soll – in der Beziehung von Gott und Menschen:

Predigttext: Jeremia 31, 31-35

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Bisher: Immer das das gleiche Spiel

Diese Worte sprechen von einem vollständigen Strategiewechsel Gottes beim Umgang mit seinem Volk:

Bisher gab es diesen alten Bund: Gott ist für sein Volk da, rettet es aus Ägypten, schenkt ihnen die Freiheit und seine helfende Nähe. Und im Gegenzug erwartet er Treue und Vertrauen ihm gegenüber. Da denke ich auch an die 10 Gebote, die sie kurz nach dem Auszug aus Ägypten erhalten haben.

Aber das alles hat nicht so geklappt. Regelmäßig war den Menschen dann Anderes wichtiger als ihr Gott. Sie gingen eigene Wege, die oft genug in kleinen und großen Katastrophen endeten. Letztlich war es dann Gott, der sich trotz allem wieder erbarmt hat, und ihnen geholfen hat.

Ein endloses Spiel von Treueversprechen – Untreue – Rettung – Neuanfang.

Immer wieder passierte das. In der großen Politik der Israeliten – das kann man in der Bibel nachlesen – und sicher genauso oft in Lebenlauf der einzelnen Menschen, die dieses Hin-und-her auch an sich selber immer wieder entdeckt haben.

Strategiewechsel

Damit soll nun Schluss sein! Gott will einen neuen Weg mit den Menschen gehen. Und diese Strategie finden wir hier: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß.

Das ist Gottes Modell der Zukunft: Dass Gottes Wille in unser Herz und unser Denken eingepflanzt ist. Wenn ich etwas tue, dann tue ich es nicht, weil Gott es von mir erwartet oder mit Strafe droht, sondern ich will es tun, weil ich es selber will, weil ich es selber für richtig halte.

Damit ist auch das ganze hin-und-her erledigt. Weil ja Gott und ich uns einig sind.

Diesen neuen Bund, von dem Jeremia schreibt, sehen wir mit Jesus Christus verwirklicht. Denn er hat seine Jünger mit auf die Reise des Strategiewechsels genommen. Immer wieder hat er ihnen erklärt und vorgelebt, was Gottes Weg mit den Menschen ist. Und mit Pfingsten – dem Geschenk des Heiligen Geistes – entsteht tatsächlich etwas Neues: Gottes Geist, Gottes Kraft in den Menschen.

Gott ist nicht mehr der, der von außen fordert – sondern er ist im Herzen des Menschen daheim und bewegt dort sein Denken und seine Wege. Der Wille, das zu tun, was Gott will und dem Menschen gut tut, wohnt im Menschen selber. Ich spüre in mir selbst, was die richtigen Wege sind. Von ganz von alleine.
Das gute Handeln wird mir selbst zur Herzenssache.

Neue Zustände: Schon jetzt und noch nicht

Liebe Gemeinde,

soweit diese wunderbare Verheißung eines neuen Bundes.
Aber vielleicht geht es Ihnen aber auch wie mir: Obwohl das Pfingstgeschehen schon bald 2000 Jahre her ist, kenne ich beide Seiten!

Ja, ich kenne es, dass in mir etwas rumort, dass ich es spüre, wie es mich innerlich antreibt, Gottes Willen zu tun. Einfach so. Aus Überzeugung. Mit innerem Drang. Und da braucht auch keiner mit himmlichen Belohnungen locken. “Reich Gottes” hier zu leben –  für die Werte unseres Glaubens hier einzustehen. Ja, das muss es wohl sein, wovon Jeremia spricht.

Aber ich kenne auch die andere Seite. Dass ich meinen eigenen Sturkopf habe. Freude an dem habe, wo ich weiß, dass Gott das nicht gut findet. Da habe ich dann das alte Spiel: Dann empfinde ich Gott nicht so sehr in mir, sondern als den, der mir kopfschütelnd gegenübersteht und schimpft: Alexander, habe ich dir nicht schon hundertmal gesagt…..

Ja, so ist es mit dem Reich Gottes. Es ist im Kommen – schon da, und doch noch nicht völlig. Und darum sind wir immer Bewohner zweier Welten. Mal empfinden  wir uns im Reich Gottes – und dann wieder scheint es zeitweise wie weggeblasen.

Wem es so ergeht, der ist mit dem Apostel Paulus in bester Gesellschaft, denn er beklagt auch, dass er sich machmal selber nicht versteht. Weil er genau weiß, was das Gute ist, und gleichzeitig spürt, wie es ihn reizt, genau das Gegenteil davon zu tun.

Die Richtung stimmt

Aber immerhin: Wenn ich schon merke, wohin die Reise gehen soll, wenn ich mit Blick auf meine Bibel und mit dem Geist Gottes in mir merke, was nicht passt,  dann bin ich ja schon mal auf dem richtigen Weg. Denn ich weiß ja schon mal, was gut und richtig ist.  Und da finde ich mich dann auch –  trotz meiner inneren Unzufriedenheit mit mir selber – in den Worten des Jeremia wieder:

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Genau: Gott vergibt mir! Das mach dann doch auch Mut – denn es nimmt mir die Angst, laufend etwas Falsches zu tun.

Denn diese Angst ist ein Problem! Das weiß ich auch aus der Schule: Wer immer Angst hat, etwas Falsches zu sagen, zu tun oder aufzuschreiben, und dafür eine schlechte Note zu kassieren, der macht am Ende halt gar nichts mehr.
Ja … und dann würde ja gar nichts mehr vorwärts gehen. Das kann der Lehrer in der Schule nicht leiden.

Ja und Gott? Sagen wir so: Für den gepflegten Stillstand hat Jesus bestimmt seine Jünger nicht in die Welt hinausgesandt.

Amen

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