Predigt: Offene Türen (Johannes 20, 19-23) Pfingstmontag, 1. Juni 2020

Joh 20

Jesus kommt durch verschlossene Türen zu seinen Jüngern. So blickt diese Predigt auf verschiedene Türen, die das Pfingstereignis öffnen sollte.

Predigttext:

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Liebe Gemeinde, diese Pfingst-Geschichte, die Johannes uns überliefert, hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Denn da heißt es ja, dass Jesus zu den Jüngern kam, obwohl sie die Türen fest verschlossen hatten. Das hat mich total beschäftigt: Wie hat es Jesus nur geschafft, da zu den Jüngern hineinzukommen? Und im Kindergarten haben wir dann miteinander überlegt, ob Jesus vielleicht durch Schlüsselloch gekommen ist.

Die verschlossene Türe nach draußen

Schon lange weiß ich: Das ist wirklich nicht der zentrale Punkt der Geschichte, denn wenn Jesus Kranke heilt und von den Toten aufersteht, dann dürfte eine verschlossene Türe wirklich nicht das Problem sein. – Zumindet für Jesus!

Für die Jünger sieht das vielleicht ganz anders aus. Denn die waren es ja, die die Türe verrammelt hatten. Aus Angst vor den Menschen. Wer weiß, ob es vielleicht Leute gab, die auch ihnen nach dem Leben trachteten, wie ihrem Herrn?

Hinter der Türe, da draußen wartete die Welt für die Jünger. Menschen, die noch nichts von Jesu Auferstehung wussten, oder sie einfach als Gerücht abgetan hatten. Sollten die Jünger Jesu wirklich da raus gehen? Sollten sie sich wirklich auf die Straßen stellen und vom auferstandenen Jesus erzählen?

Mit dem vollen Risiko ausgelacht und verspottet zu werden.

Nicht für voll genommen zu werden, weil man an so etwas völlig Verrücktes glaubt.

Oder was ist, wenn da einer mal ganz genau nachfragt, vielleicht weil er wirklich Interesse hat, und dann komme ich an den Punkt, wo ich selber nicht mehr weiß, was ich sagen soll – schließlich bin ich doch auch in so vielen Bereichen noch unsicher und am zweifeln.

Was ist, wenn ich von meiner Jünger-Mission auf den Straßen dann wieder heimkomme und sagen muss: “ as habe ich mir ganz anders vorgestellt, ich bin völlig fertig mit den Nerven. Ich habe keine Ahnung, ob ich das richtig gemacht habe. Manches hat ganz gut geklappt – aber das eine oder andere Mal frage ich mich, ob ich da wirklich richtig reagiert habe; das Richtige gesagt habe. Ich habe keine Ahnung, was Jesus von dem hält, was ich da heute abgeliefert habe. Ehrlich: Soll ich da morgen wieder losziehen? Bei mir ist grade irgendwie die Luft raus!“

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

Pfingsten bedeutet: Jesus schickt seine Jünger los.  Die Luft ist vielleicht manchmal raus – aber es geht um den anderen Windhauch Gottes – der heilige Geist als Antrieb – als Auftrag – als Kraftquelle!
Wir Christen sind nicht allein, wir haben unseren Herrn unsichtbar an unserer Seite.

Die verschlossene Tür der Anderen

Liebe Gemeinde,

nicht nur meine eigene Haustür ist mir im Weg, manchmal ist es ja die Türe zu meinen Mitmenschen. Wenn wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu anderen von unserem Glauben erzählen, von dem reden, was uns trägt, da spüren wir ja auch so manche verschlossene Türe.

Denn nüchtern betrachtet, ist unser Glaube ja nicht unbedingt in jeder Hinsicht logisch.

Jesus als beeindruckender Prediger – klar, kein Problem.
Jesu Tod – das kann sich jeder vorstellen.
Jesu Auferstehung – das wird dann schwierig, denn da haben wir ja keine Erfahrung. Und zu erklären, was das für uns Christen bedeutet, ist ja wirklich nicht so einfach.

Wenn Menschen sich nur auf das verlassen wollen, was beweisbar und logisch nachvollziehbar ist, bleibt die Türe zu! Da bringt der Glaube keinen Fuß in die Türe. Da kannst du dir als Freund, Arbeitskollegin, als Mutter oder Bruder den Mund fusselig reden.

Wo die Türe zu ist, da geht nichts …… außer man hat einen, der Erfahrung damit hat durch verschlossene Türen zu schlüpfen!

Der Geist Gottes weht, wo er will! Er zündet das Feuer der Glaubens an, wo keiner es für möglich gehalten hätte.

Da können wir an den verschlossenen Herzenstüren der Menschen lange klopfen  und rütteln – und wir sollen es tun – aber letztlich ist es ein Frage des Geistes Gottes, den wir nicht in der Hand haben.

Die Türe der Vergebung

Eine Türe habe ich noch, von der ist im letzten Satz unseres Predigttextes die Rede:

Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Diese Worte erinnern mich an das, was Jesus euch einmal Petrus gesagt hat: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll  auch  im  Himmel  gebunden  sein,  und  alles,  was  du  auf  Erden  lösen  wirst,  soll  auch im Himmel los sein.(Mt 16,19)

Es gibt da eine Türe der Vergebung, sogar mit Schlüssel! Kirche – als Nachfolger der Jünger – sieht sich in der Rolle dessen, der diesen Schlüssel innehalt. Und wenn wir hier in der Kirche miteinander Beichte feiern, dann bezieht sich das, was wir da tun, auf genau diese beiden Sätze von Jesus: Der Pfarrer spricht den Menschen Vergebung ihrer Sünden zu. Nicht, weil er als besonderer Mensch das kann, sondern weil es diesen besonderen Auftrag Jesu an die Kirche gibt, den Menschen Vergebung ihrer Sünden zuzusprechen.

Aber eigentlich ist Vergeben unser aller Auftrag: Schon allein, untereinander zu vergeben! Ich kann meinem Mitmenschen, der mir Unrecht getan hat, vergeben, oder ich kann ihm das ewig unversöhnlich nachtragen. Und entsprechend wird ihm das Befreiung und Neuanfang ermöglichen – oder auch nicht!

Da hat jeder von uns tatsächlich die Schlüssel zu dieser Türe selber in der Hand. Ich kann entscheiden, ob ich auf- oder zuschließe. Aber Vorsicht: Das ist ein Schließsystem – da hängt vieles voneinander ab! Denn Jesus hat uns im Vaterunser zu beten gelehrt: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Ich kann nicht Vergebung von Gott erwarten, und gleichzeitig meinem Mitmenschen Vergebung vorenthalten. Das passt nicht zusammen. Wir haben diesen Schlüssel der Vergebung, damit wir Türen aufschließen. Dass wir einander verzeihen und auch nach schlimmen Fehlern wieder Wege aufeinander zugehen. Wir brauchen das immer wieder: Offene Türen!

Liebe Gemeinde, wir feiern Pfingsten, in einer Zeit mit Kontaktbeschränkungen, wo wir leider oft genug verzichten müssen, durch fremde Türen und in die Häuser zu Anderen zu gehen. Aber umso wichtiger ist es, in unseren Köpfen die Türen offen zu halten.

Die Türe nach draußen, damit wir als Christen auf unsere Mitmenschen zugehen, ohne aus unserem Glauben ein Geheimnis zu machen. Wohl wissend, dass die scheinbar verschlossene Herzenstür der Anderen für den Geist Gottes kein Hindernis ist.

Und die Türe der Vergebungsbereitschaft, weil wir wissen, dass diese Türe und selber nur Freiheit und einen Neuanfang schenken kann, wenn wir sie großzügig öffnen. AMEN

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