Predigt: Auf dem Weg zu Gottes fettem Fest (Jesaja 25, 6-9) Ostermontag

Jesaja 25, 6-9

Das „fette Fest“, von dem Jesaja 25 schreibt, versetzt diese Predigt in unsere fränkische Heimat mit ihrer Dorffestkultur. Und wir entdecken, dass der Weg von Jesajas Worten zu unseren Hoffnungen über Jesu Auferstehung führt.


Predigttext: Jesaja 25, 6-9

 6 Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Liebe Gemeinde,

Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.

Der Prophet Jesaja schwärmt davon, dass da ein fettes Fest auf uns zukommt. Für einige von uns ist das vielleicht etwas irritierend formuliert. Denn Fett ist ja ungesund. Cholesterin! Kalorien! Übergewicht!

Aber wenn wir die Jüngeren unter uns fragen: Die wissen, was gemeint ist, wenn man eine “fette Party” plant. “Fett” ist da inzwischen ein Kompliment und hat erst mal nichts mit Ernährung zu tun, sondern damit, dass etwas richtig richtig gut wird.

Das fette Fest auf fränkisch

Da steht Jesaja also in Jerusalem und sagt: Hier – hier wird Gott mit euch Fest feiern, wie es besser gar nicht sein kann. Ich stelle mir das jetzt einfach mal ganz fränkisch vor:

Ein großes Festzelt, geschmückte Biertischgarnituren, mit Blumen und Kerzen. Ein Traum von Krustenbraten wird serviert, dazu Kloß und Soß. Ein gutes dunkles Bier. Wie das duftet! Und auch für die Vegetarier schmatzen: Eine Gemüsepfanne, der Broccoli noch schön knackig und leuchtend grün. Perfekt abgeschmeckt.

Wir sitzen zusammen. Dicht wird zusammengerutscht, damit jeder Platz hat. Man ist miteinander vertraut. Jeder könnte neben jedem sitzen, weil wir wissen: Wir gehören zusammen.
Und es wird geredet, jeder hat etwas anderes zu erzählen. Dabei hört man nur Gutes! Jeder ist glücklich mit seinem Leben – mit dem, was er tut; mit dem, was er hat. Jeder ist des Lobes voll. Keiner hat einen Kummer, den er den anderen klagen müsste. Kein Groll, den einer im Herzen hegt. Die Welt ist im Gleichgewicht. Keine Probleme, die zu bewältigen sind – Sorgen sind unbekannt auf diesem Fest.

Ein Traum!
Das fette Fest ist Jesajas Traum. Seine Vision von dem, was auf uns zukommt, wenn Gott das Festzelt aufbaut. Wenn der Allmächtige diese Welt spüren lässt, dass er der Herr über alles ist.

Unverhüllt

Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.

Auch das gehört für Jesaja zu diesem Fest. Dass da etwas aufgedeckt wird. Die Decke, die auf den Heiden lag, wird weggezogen. Die Heiden, das sind ja wir, die Nichtjuden. Der Jude Jesaja sagt: Gott wird auch die anderen Völker mit einladen zu seinem fetten Fest. Seine Liebe zu den Menschen kennt keine Grenzen. Er zieht keine Mauern hoch. Er kennt keine Obergrenzen. Wir sind willkommen.

Aber vielleicht ist da noch eine andere Decke gemeint? Die Decke, unter der ich so manches Mal gefangen bin.

Die Decke, die mir den Blick nach oben versperrt.
Ich suchte den Himmel ab, aber finde da keinen Gott. Keine Antwort.
Ich frage nach einem, der mir erklärt, was mit dieser Welt los ist – aber da ist nur diese verdammte Decke, an der meine Fragen hängen bleiben.
Und so manches Mal habe ich das Gefühl, dass meine Gebete auch an dieser Decke scheitern – dass da nichts ankommt – und nichts zurückkommt.

Schwer liegt so eine Decke auf uns Menschen. Macht das Leben und den Glauben mühsam.

Dass die endlich mal weg ist.
Dass ich Gott verstehe, Zusammenhänge erkenne.
Dass meine Gebete ein Gespräch sind, wo direkt was zurückkommt.

Jesajas Vision, das ist auch mein Traum.

Der Tod ist tot

Aber da ist noch mehr:
Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen

Da spüre ich den Hauch des Ostermorgens: Der Tod wird verschlungen!

Sonst es es ja der Tod, der unser Leben auffrisst. Oft schon lange bevor mein eigenes Leben zu Ende geht, frisst er sich durch meine Existenz:
Die Angst um die Menschen, die ich liebe.
Die Trauer beim Abschied von Angehörigen und Freunden.
Das Erschrecken, wenn man von fremden schlimmen Schicksalen hört.
Der Tod, der immer alles verschlingt und unentrinnbar scheint: Den erwischt es jetzt selbst – er wird verschlungen vom Sieg Jesu am Ostermorgen.

Er ist abserviert. Hat nichts mehr zu melden. Kann niemanden mehr Angst machen. Da trocknen die Tränen wie von alleine, weil das Leben nicht mehr begrenzt und eingeengt ist.

Jesajas Vision – an Ostern blitzt sie auf! Heute feiern wir das zentrale Etappenziel auf dem Weg zu Gottes fettem Fest.

Das Ende der Zweifel

Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Da sitzt du auf deiner Bierbank auf diesem fetten Fest … das Essen ist vorbei … die Teller abgetragen … die Gespräche sind leiser geworden. Du lehnst dich zurück, lässt die Gedanken zurückwandern:

Ja, an Gott geglaubt hast du eigentlich schon immer. Aber immer war auch noch das Andere:
Der Zweifel, die offenen Fragen.
Ob das mit diesem unsichtbaren Gott wirklich so ist.
Sollen diese kleinen Geschichtchen von vor zwei-, dreitausend Jahren wirklich so eine große Bedeutung für die Menschheit haben?
Was, wenn du nur einer großen Illusion nachläufst?
Gut, so manches hast du mit deinem Gott schon erlebt. Hast gespürt, dass er dir nahe ist, Kraft gibt. Manches erschien dir wirklich wie ein Wunder.
Aber wer kann dir da schon eine Garantie geben, dass du dir das nicht einfach einbildest?

Jetzt, wo du hier auf diesem Fest sitzt, erscheinen dir diese Fragen, die dich ein Leben lang begleitet haben, eigenartig fern. Weil sie sich erledigt haben. Denn hier hast du Gewissheit – du siehst die Herrlichkeit Gottes mit eigenen Augen.
Ja – es war gut, dass du damals gegen alle Zweifel an ihm festgehalten hast.

Auf dem Weg zum fetten Fest

Liebe Gemeinde,

Jesajas Vision – ein Traum. Über Jahrhundete war es ein ferner Traum.
Mit Jesus von Nazareth rückte er näher: “Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen” Das war seine Botschaft.

Immer wieder lüftete er die Decke, die über den Menschen lag: Ließ sie erkennen, wie Gott ist. Machte Mut, heilte Kranke – sagte ihnen: “Dein Glaube hat dir geholfen.”

Schon als Jesus den gestorbenen Zachäus und das tote Mädchen auferweckte, ließ er ahnen: Die Macht des Todes hat doch Grenzen – da ist einer stärker.
Und nach Kreuzigung und Grab hat die Auferstehung von Jesus gezeigt: Gott hat den Tod besiegt – hat ihm die Macht über unser Leben entrissen.

Seitdem sind es 2000 Jahre – und wir träumen weiter von diesem fetten Fest. Diesem Moment, wo wir nichts mehr zu klagen haben.
Wo es keine offenen Fragen gibt – keine Decke, die den Blick zum Himmel mühsam macht. Wo alle Zweifel ausgeräumt sind.
Wo der Tod uns wirklich keine Angst mehr machen kann, weil er einfach weg ist, verschlungen von dem, der stärker ist.

Bis dahin sind wir unterwegs zu diesem Festzelt Gottes.
Auf diesem Weg ist es gut, immer wieder von diesem Fest zu träumen. Zu spüren, dass dieses göttliche Finale schon jetzt unsere Wirklichkeit mitbestimmt. Weil mit Jesus die Aufbauarbeiten dieses Festes begonnen haben.
Vielleicht so, wie bei einer Hochzeit schon die ganzen Monate zuvor von der Vorfreude und der Stimmung dessen geprägt sind, was einen da erwartet.

So feiern wir heute Jesu Auferstehung nicht allein als Rückblick auf etwas, was geschehen ist. Sondern wir feiern heute im voraus Gottes großes fettes Fest, an dem seine Macht und Herrlichkeit für alle Menschen sichtbar werden wird.

Amen

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