Predigt zum Gründonnerstag: Gethsemane – Das Heil liegt nicht in der Flucht (Matthäus 26, 17-46) 18. April 2019

Gethsemane

Diese dreiteilige Predigt betrachtet Jesus im Garten Gethsemane. Dabei verwende ich Bilder aus dem Film „der Mann der 1000 Wunder“ und Fotos aus dem Garten Gethsemane in Jerusalem

Die Versuchung, zu fliehen

Jesus im Garten Gethsemane. Eben haben wir gehört, wie der Evangelist Matthäus diese Etappe auf Jesu Leidensweg schildert.

(Bild, Jesus kniend im Garten Gethsemane)
Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich auf einen Screenshot (Mehr zum Film am Seitenende)

Hier sehen wir ein Bild aus einem Jesus-Film. „Der Mann der 1000 Wunder” heißt er und ist eine Mischung aus Zeichentrick und Puppen-Animationsfilm. Einer der gehaltvolleren Werke. Weil er manchmal tiefer bohrt und mitunter erstaunlich kreativ mit den biblischen Stoffen umgeht.

Wir sehen Jesus im Garten Gethsemane- Die Angst zwingt ihn in die Knie.

Hier vom Garten am Ölberg sieht er in der Abenddämmerung die Silhuette der Statt Jerusalem. Der Tempel thront auf seinem Berg – das Kidrontal liegt dazwischen.

Er ist allein.

Allein mit dem, was der kommende Tag bringen wird.

Mit all den dunklen Vorahnungen

Im Kopf entstehen Bilder, Phantasien, wie das Morgen sein wird – so grauenvoll, dass man sie sich nicht wirklich ausmalen mag.

Was liegt da näher, als die Bitte: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen”?

Im diesem Film hört man Jesus bitten: „Vater, lass es doch einen anderen Ausweg geben. Höre mir zu! Es muss doch einen anderen Weg geben!”.

Ja, das liegt doch nahe. Wenn Gott allmächtig ist, dann dürfte es ihm doch ein Leichtes sein, eine anderen Weg zu bestimmen. Das muss doch nicht sein, dass der Gottessohn diesen bitteren Weg geht. Gott hätte da doch bestimmt eine Lösung.

(Jesu mit dem Versucher) –
Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich auf einen Screensho
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Im Film erscheint in diesem Moment eine Person, die in der biblische Erzählung nicht vorkommt. Elegant gekleidet ist dieser Herr, der da durch den Garten huscht und sich hinter Jesus stellt.

Seine Botschaft verheißt Rettung: „Noch ist es nicht zu spät. Schnell, lauf davon. Noch ist es Zeit. Lauf, lauf davon” und seine Hand weist den Weg: Ein Pfad, der sich in diesem Momenten vor Jesu Augen auftut: Die alten Olivenbäume neigen sich zu Seite. Sie machen den Weg frei: Ein breiter Weg, der bis zum Horizont führt.

(Der breite Weg)
Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich auf einen Screenshot

Weg vom Ölberg

Weg von Jerusalem

Weg von Leid, Dornenkrone, Kreuz und Tod.

Den, der da neben Jesus steht, kennt man. Der hatte schon mal einen Auftritt: „Wenn du der Sohn Gottes bist, dann verwandle diese Steine in Brot….”

Der Versucher!

Er probiert es wieder: Jesus von seinem Weg abzubringen. Ihn auf den einfachen, den scheinbar verfolgversprechenderen Weg zu locken. Der Versucher nutzt sie schwache Stunde für seine letzte Chance, Jesu Auftrag zu sabotieren.

Jesus widersteht der Versuchung des einfachen Wegs.

„Dein Wille geschehe” – mit diesem kurzen Satz vertraut sich Jesus seinem himmlischen Vater an.

Der Weg hin zu diesem Satz war steinig, hat ihn innerlich alles abverlangt.

Aber jetzt kehrt Ruhe ein. Stille. Souveränität.

„Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.”

Jesus ist bereit für seinen Weg.

Lied: 98 (1‑3) Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt

Die Olivenbäume im Garten

Bis heute gibt es den Garten Gethsemane in Jerusalem. Es ist ein kleiner Garten am Hang des Ölbergs. Zu Jesu Zeiten war wohl der gesamte Berg mit Olivenbäumen bepflanzt. Von daher hat er ja seinen Namen.

200 Jahre später ist der Ölberg weitgehend bebaut. Mit Kirchen, Friedhöfen und manch anderem. Aber der Garten Gethsemane ist geblieben. Eben wegen der Begebenheit am Tag vor Jesu Kreuzigung.

Ein kleiner Park ist Gethsemane heute. Olivenbäume stehen auch noch heute dort. Manche sind wohl erst vor wenigen Jahrezehnten gepflanzt worden. Manche haben schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel. Von anderen wird erzählt, dass sie wohl schon über 1000 Jahre alt sein sollen. Ob tatsächlich einer der heutigen Bäume schon dort stand, als Jesus hier war – das darf man getrost bezweifeln. Aber ausgeschlossen ist es nicht.

Aber wahrscheinlich sah der Garten Gethsemane damals nicht viel anders aus, als heute. So, wie Olivenplantagen eben so sind: Mit beeindruckenden alten Olivenbäumen.

Jahrhundertealt. Und das sieht man ihnen eben auch an.

Breit gewachsen
Knorrig
Man hat den Eindruck, der Baum schleppe seine ganze Lebensgeschichte mit sich herum.
Wo Äste abgebrochen sind und ein toter Stumpf bleibt.
Wo ein Feuer das Holz versengt hat.
Wo mitten im scheinbar leblosen Holz ein neuer Sproß herangewachsen ist.
Wo ein Sturm, oder der dauerhafte Wind den Baum um die eigene Achse verdreht hat. Und tatsächlich ist er in diese neue Richtung weitergewachsen.

Das gehört zu den Botschaften des Olivenbaums:

Wenn du den Platz, den Standpunkt hast, vom dem du gewiss bist: Hier gehöre ich hin – das ist mein Weg. Dann ist es gut, Wurzeln zu schlagen und standhaft zu sein.

Dann kann es sein, dass dich manches beutelt.

Dass Verletzungen geschehen, dass du Verluste hinnehmen musst. Aber du wirst weiter wachsen.

Und du wirst Früchte bringen.

Man wird es dir manches ansehen, was dir widerfahren ist. Manches Alte wird hängen bleiben wie ein Stupf eines zu früh abgebrochenen Astes.

Aber das bist dann du!

Dein unverwechselbares Leben.

Weil du Wurzeln hast.

Weil du weißt, worin – und in wem – du dein Leben verankert hast.

Weil deine tiefen Wurzeln dich tragen.

Viellicht hat ja Jesus auch immer wieder diese Botschaft der Olivenbäume gehört.

Lied: 0146 1‑3 In einer fernen Zeit

Move 3: Peace ‑ Friede sei mit euch

Im Garten Gethsemane findet sich am Fuß eines Olivenbaumes dieser kleine Schriftzug. „Peace” – Frieden. Nicht besonders originell – aber in diesem Zusammenhang doch mehr als eine putzige Legearbeit.

Frieden – da denke ich an Jesus, der in diesem Garten einen harten Weg zum inneren Frieden zurückgelegt hat. Von der Zerrissenheit zwischen Todesangst und seinem ihm bestimmten Weg hin zum Frieden. Frieden in sich selbst.

„Friede sei mit euch” – das waren die ersten Worte, mit denen der Auferstandene seine Jünger begrüßte (Joh 21,19): „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.”

Friede, das ist auch ein Auftrag. Weil Jesu Tod und Auferstehung Frieden schafft zwischen Gott und Mensch, sollen wir auch den Frieden unter uns Menschen tragen.

So, wie wir nachher beim Abendmahl nach alter Tradition ein Zeichen des Friedens geben, wenn wir einander sagen „Friede sei mit dir”.
Amen

Hinweise zum Film „Der Mann der 1000 Wunder“

Die Medienzentralen der Kirchen bieten diesen Film teilweise zum Download an. Die Szene im Garten Gethsemane findet sich bei Minute 60.
Man kann ihn auch als DVD kaufen.
Mit dem VLC-Player lassen sich über den Menüpunkt „Video – Videoschnappschuss machen“ Screenshots erstellen. Sie werden i.d.R. im Bilder-Verzeichnis des Rechners abgelegt.

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