Symbolpredigt: Wenn Sommergetränke predigen – Juli 2021

Sommergetränke

Sommergetränke

Können Erdeerbowle, Spezi, Wein, Heulimo oder Kellerbier predigen? Schauen wir einmal, welche Aspekte des Glaubens in diesen Getränken zu finden sind.

Liebe Gemeinde

Im Sommer, wenn es bis in den Abend warm ist, dann ist Hochkonjunktur für ein gut gekühltes, leckeres Glas  … ja, womit denn? Da ist die Auswahl an sommerlichen Getränken ja unüberschaubar. Und wer gerne genießt, tut gut daran, immer einen gewissen Vorrat im Kühlschrank zu haben. Je nachdem wonach einem gerade ist, findet sich dann das passende: Wein, Bier, Limo, Spezi …

Aber was sollen die jetzt hier in der Kirche? Warum schleppt der Pfarrer das Zeug in Kirche? Ganz einfach: Die können auch predigen! Ja, irgendwie hat jedes dieser Getränke seine eigene Botschaft. Und genau darauf will ich mit Ihnen heute mal hören.

Erbeerbowle: Die süße Versöhnung mit dem Tag

Beginne ich einmal hier: Eine Erdbeer-Bowle, ist eigentlich ein Ding aus einer anderen Zeit. Ich kenne das aus meiner Kindheit in den 70ern. Da gehörte die Bowle irgendwie zu jeder Feier. Aber irgwendwann kam das aus der Mode.

Jetzt ist sie wieder im Kommen. Und das kann ich gut verstehen. Allein der Anblick: Das große gläserne Gefäß. Die Erdbeeren schwimmen an der Oberfläche, ein paar Zitronenscheiben und grüne Melisse. Kleine Kohlesäureperlen haben sich gebildet. Sie ist einfach schön!

Und die schiere Menge an Früchten und die Möglichkeit,  da immer wieder etwas rauszuschöpfen macht das zu einem Relikt aus dem Paradies.

Die Bowle sagt zu mir: Das Leben ist doch eigentlich gut. Auch wenn es viel Anstregendes, Ärger und Ungerechtigkeit gibt. So sehr du dich über tausend Dinge aufregen kannst und über manches am verzweifeln bist:

Irgendwann ist nach einen anstrengenden und frustrierenden Tag auch mal wieder der Moment der Erbeerbowle gekommen.

Irgendwie ist das Gegengewicht zum „im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“

Ich weiß manchmal nicht, warum Gott einem das Leben manchmal so schwer macht. Aber ich sehe auch: Die Erdbeeren hat Gott ja auch geschaffen.

Darum darf ein richtig frustiger Tag auch einmal einen fruchtigen Abschluss mit einer Erdbeerbowle finden. So als Versöhnung mit all den Schwierigen, was Gott mir zumutet, will ich auch die guten Seiten wahrnehmen, die Gott mir schenkt.

Spezi: Dem anderen Vergeben (Splitter und Balken)

Ich bleibe mal bei den süßen Getränken: Das Spezi.
Das kommt eigentlich fast nie bei uns auf den Tisch. Denn irgendwie hat es ja nicht das allerbeste Image. Es ist unglaublich süß. Wegen des vielen Zuckers  nicht unbedingt gesund und geschmacklich auch nicht besonders raffiniert.

Aber wenn wir mal im Biergarten sind, dann ist ein eiskaltes Spezi manchmal das Getränk der Wahl. Und ich genieße es! Ich kann mir das auch nicht so genau erklären. Vielleicht ist es ein bisschen Regress in die eigene Kindheit, wo man sich um Kalorien keine Gedanken gemacht hat und ein Cola-Mix einfach das Allerhöchste war.

Das ist wohl der Reiz, sich mal zu so etwas Unvernünftigen hinreißen zu lassen. Das gehört zum Menschsein wahrscheinlich auch dazu: Nicht immer nur vernunftgesteuert zu handeln. Sondern sich selbst gegenüber auch mal gnädig zu sein, ist sich ein Spezi gönnen, oder was sonst bei vernüftigen vorbildlichen Menschen nicht so gern gesehen ist:
Bildzeitung lesen, beim McDonalds essen oder eine dämliche Serie auf RTL schauen.

Ich glaube, Luther würde das gut finden!
Ein Motto von ihm war: „Sündige tapfer“. Damit wollte er nicht aufrufen, Böses zu tun. Sondern er wollte deutlich machen: Es ist ganz normal, dass du Fehler macht, unvernünftig handelst. Das gehört zum Mensch- und Sündersein einfach dazu.

Jesus warnt ja auch davor, dass wir uns selber bloß nicht einbilden sollen, fehlerlos zu sein. Vor allem, weil wir dann ganz schnell dazu übergehen, die Fehler immer bei den Anderen zu sehen:

Er hat gesagt: Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?  Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen. (Lukas 6, 41f)

(Lied)

Wein: ganz wenig ist notwendig

Natürlich darf ich den Wein nicht vergessen. Klassisch sind da ja trockene, leichte Weißweine. Aber es geht auch in Rot: Wie wäre es zum Beispiel mit einem fränkischen Dornfelder oder einem Bardolino vom Gardasee?. Dazu ein rösches Ciabatta-Brot. Neben uns sitzen die Kaninchen im Freigehege und knabbern am Klee.

Wenn ich die Szene so betrachte, kommt es mir vor, als wäre ich mitten hineinversetzt in einen alten Psalm der Bibel: Im Psalm 104,14 heißt es: “Gott, du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat für den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,  damit der Wein erfreue des Menschen Herz”.

Genauso sieht es in meinem Garten gerade aus. Alles da, was man braucht.

Ein Glas Wein.

Ein Stück Brot.

Ein Tier um das man sich kümmert.

Ein Mensch, den man lieb hat.

Und wenn ich diese Szene so auf mich wirken lasse, spüre ich, wie wenig man eigentlich für so ein kleines Glück braucht. Ja … und dann dauert es nicht lange, bis mir bewusst wird, was ich als Mensche um dieses wenige herum noch so alles ansammle. Oft in der Erwartung, dass das auch ganz ganz wichtig für mein Glück ist. Aber nüchtern betrachtet; Das ist zwar alles ganz schön und nett, aber oft genug ist es auch nur überflüssiger Ballast.

Ja, der Wein mit dem Brot – der predigt mir sehr deutlich, den Blick aus das Wesentliche zu lenken.

Heulimo: Die Vielfalt der Schöpfung

Hier habe ich dagegen fast ein luxurioses Getränk: Eine Heulimo! Ja, Sie haben richtig gehört: Eine Limonade mit echtem Heugeschmack. Das muss man mal probiert haben! Bergwiesen-Heu mit 70 verschiedenen Kräutern wurde da verarbeitet.

Mein Tipp: Man trinkt die erste Hälfte der Flasche frisch aus dem Kühlschrank. Da wirkt es erfrischend, fast wie jede andere Saftschorle. Aber je wärmer die Limo mit der Zeit wird, umso intensiver schmeckt man das Heu heraus. Bei Sommerabend-Temperatur  kommt man sich fast vor, als wäre man ein Pferd.

Die volle Bergwiesenheu-Packung auf der Zunge.

70 verschiedene Kräuter. Ich kenne wohl nicht mal 10 davon. Da merke ich, wie wenig ich von der Fülle und Vielfalt der Schöpfung erahne. Wie großartig das alles um mich herum ist – und wie eng mein Horizont gesteckt ist.

Wenn Naturschützer von Biodiversität sprechen, dann ist das für mich häufig ein sehr spröder und kaum anschaulicher Begriff. Die Heulimo erinnert mich an die Vielfalt, die Gott uns in der Natur geschenkt hat. Dass da jedes Ding in seiner Art geschaffen ist. Alles hat seinen Sinn und Zweck im Kreislauf der Natur.

Wenn ich so eine Bergwiesen-Heulimo trinke, dann werde ich wieder ein bisschen an diese wunderbare Vielfalt der Schöpfung und an meine eigene Verantwortung für den Erhalt dieser Vielfalt erinnert.

Kellerbier: Bibelverse verkosten

Hat ihnen ein Bier gefehlt?  Hier kommt es! Mir gefällt abends im Sommer ein Kellerbier: Bernsteinfarben, naturtrüb, nur wenig Kohlensäure. Am besten noch mit Schnappverschluss. Aus einer Brauerei in der Umgebung.

Ich könnte zwar auch ein Jever trinken: Erinnert anm Nordsee und ist friesich herb … aber das gluckert viel zu schnell die Gurgel runter.

Mit dem dunklen Kellerbier ist das ganz anders. Da kann man beim Trinken langsam genießen, so als wäre es flüssiges Brot. So einen Mund voll … wirken lassen … schlucken … dem Geschmack noch ein bisschen nachspüren.

So ähnlich haben es wahrscheinlich die Mönche früher mit ihrem selbstgebrauten Bieren gemacht.

Aber die haben nicht nur ihr Bier ganz langsam verkostet, sondern auch Bibelverse: Sie haben sich für einen Tag einen Bibelvers genommen, ihn sich selbst vorgesagt, und dann ein bisschen den eigene Gedanken dazu nachgehangen.

Zum Beispiel den heutigen Wochenspruch: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. (Eph 2, 8)

Hmmm … Worte, die sich nicht sofort erschließen. Aber man muss ja nicht gleich aufgeben

Einiger Zeit sagt sich der Mönch den Spruch wieder: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. (Eph 2, 8)
Und er lässt ihn sich auf der Zunge zergehen, versucht ein bisschen war herauszuschmecken, aus dem einen oder anderen Wort.

Immer wieder – sozusagen Schluck für Schluck. Und die Mönche damals haben entdeckt, dass dabei keine Langeweile entstand, sondern immer wieder neue Eindrücke und Gedanken.

Ja, wenn wir heute immer noch mit den gleichen Regeln wie bei den Mönchen das Bier brauen, dann könnte die Idee mit dem Verkosten von Bibelversen auch einen Versuch wert sein.

Manche Lesen ja die Losungen, da gibt’s ja auch immer einen Bibelvers. Und den sie mit sich durch den Tag tragen und verkosten.

Das wäre doch was.

Liebe Gemeinde, jetzt haben meine Getränke fertiggepredigt. Dann kann ich sie ja wieder aufräumen:

Die Erdbeer-Bowle – die mich mit ihren wunderbaren Früchten ein bisschen für manche Last im Leben entschädigt.

Das Spezi, da mich erinnert: Du darfst Schwächen haben, und dein Nächster aber auch.

Der Wein, an dem ich lerne, mit wie wenig man eigentlich gut auskommen kann.

Die Heulimo mit ihrer Botschaft von der wunderbaren Vielfalt von Gottes Schöpfung.

Und das Kellerbier, das man – ähnlich wie einen Bibelvers – Schluck für Schluck genießen kann.

Amen

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