Predigt: Himmelfahrt – Beziehung auf Distanz (Joh 17 und Lied „Liebe auf Distanz“ von Revolverheld) 21. Mai 2020

In dieser Predigt verschmelzen drei Themen miteinander: Die Wehmut der Jünger nach Jesu Himmelfahrt, unsere Sehnsucht nach menschlicher Nähe in der Corona-Situation und die Problematik von Fernbeziehungen aus dem Lied „Liebe auf Distanz“ von Revolverheld.

Abschied für …. wielange?

Himmelfahrt ist kein Fest.
Himmelfahrt ist keine Bier-Wallfahrt.
Himmelfahrt ist eher eine Katastrophe. Jedenfalls für Jesu Jünger.

Da haben Sie den Alptraum von Verhaftung Jesu und seiner Kreuzigung durchgemacht. Sind am Ostermorgen aus allen Wolken gefallen, als die Frauen sagten: “Das Grab ist leer, er ist auferstanden!”
So langsam haben sie wieder Boden unter den Füßen bekommen. Irgendwie entstand das Gefühl: Es wird wieder gut! Auch wenn wohl nicht alles wieder wie zuvor war. Zumindest ist unsere Bibel recht wortkarg, wenn es um die Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt geht.

Aber irgendwie stelle ich mir vor, dass die Jünger so langsam wieder nach vorne geschaut haben …..
Und dann das: Himmelfahrt! Jesus verschwindet! Er verschwindet aus dem Horizont der Jünger.
Und auch wenn wir manchmal Himmelfahrt als triumphalen Aufstieg Jesu in den Himmel sehen, und unser Evangelium die Jünger anbetend und jubelnd zeigt: Ich vermute, dass es da auch die andere Seite gab:

Dass sie die Lücke spüren, die Jesus hinterlässt. Weil er nicht mehr da ist. Nicht nur als Lehrer und Anführer – auch als Vertrauter und Freund. Da war ja auch viel an gegenseitiger Liebe, an Vertrauen und Vertrautheit. Wennn das so einfach abbricht ….
Jesus “da oben” und wir Jünger “da unten”.
Das wird bestimmt nicht einfach.
Eine Liebe auf Distanz ….
Vielleicht so, wie die Fernbeziehungen, die manche Paare aus beruflichen Gründen führen.
Man weiß: Es wird anders, wenn man in in Zukunft in weit entfernten Städten leben muss  – aber man geht davon aus, dass man das schon hinbekommt … die Liebe auf Distanz

Liebe auf Distanz – ein Drama

Ich habe ihnen ein Musikvideo mitgebracht. Eineinhalb Jahre ist es alt – also lange vor Corona geschrieben und gedreht. Und bestimmt haben die Musiker und Regisseur mit keinem Gedanken an Himmelfahrt gedacht.

Aber so ein bisschen höre ich da genau diese beiden Themen heraus … Trennung … Isolation … und was da so passiert: Liebe auf Distanz.

Wir sind uns jedes Mal ein bisschen fremd
Als ob man sich noch gar nicht richtig kennt ….
Ich hasse unsere Liebe auf Distanz
Ich hab dich immer kurz aber nie ganz
Die Trennung macht mich wahnsinnig…

Liebe auf Distanz! Verliebte Pärchen müssen da durch. Und irgendwie ist das mit den Jüngern Jesu und ihrem Herrn auch nicht viel anders.
Da sehe ich zwei … sie gehören zusammen … sie singen das gleiche Lied, teilen die gleichen Überzeugungen  – und doch lebt jeder in seiner eigenen, Stadt, seinem eigenen Kosmos.
So sehr man sich auch nacheinander sehnt.
So sehr man sich auch Treue geschworen hat.
Die Entfernung kann auch schleichend Entfremdung bedeuten!

Diese Ungewissheit, wie es dem Anderen gerade geht, was er denkt …die innere Frage, ob denn noch alles passt, zwischen uns …  da fehlt so viel an unmittelbarer Rückmeldung. Das kann einen krank machen

Unter Coronabedingungen haben wir das ganze Drama sogar ohne große räumliche Entfernungen erlebt. Man hat sich sich nicht mehr gesehen, kriegt höchstens noch telefonisch mal Kontakt. Wie schön wäre es: Schnell mal plaudern. Unbefangen einen in den Arm nehmen. Im Gasthaus oder im Biergarten zusammensitzen, sich besuchen, gemeinsam grillen … wie haben wir das vermisst! Weil das alles uns verbunden sein lässt. Es schafft Nähe – schließt uns untereinander kurz – damit wir wissen, wie es einander geht – damit wir uns eben nicht entfremden.

Liebe auf Distanz – da ist so schwer.
Auch für die Jünger Jesu – bis heute.
Wir können nicht mal schnell nachfragen: Jesus, sag doch mal was zu dieser oder jener Frage, die uns gerade so umtreibt! Ich kann mich nicht schnell mal vergewissern ob noch alles passt, zwischen meinem himmlischen Herrn und mir.

Ja, manchmal ist das schon eine mühsame Fernbeziehung, die wir als Christen mit unserem Heiland leben.

Liebe Gemeinde, Himmelfahrt ist aber mehr als nur eine Abschiedsszene am Bahnsteig zum Himmel.
Im Johannesevangelium redet Jesus noch vor seiner Kreuzigung von seinen bevorstehenden Abschied. Und da findet sich folgender Satz, den Jesus zu seinem Gott sagt: Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien.

Wir sind eins! Jesus und seine Jünger. Jesus und Gott.
Das ist eine Verheißung – gegen all die bedrückende Nach-Himmefahrt-Erfahrung. Gegen das Zweifeln, ob denn noch wirklich alles passt – oder wir und ER sich nicht doch mit der Zeit auseinandergelebt haben könnten.

Ein Mutmacher in Zeiten der gefühlten Entfremdung.
Ein Seelenbalsam – weil man spürt: Wir gehören doch zusammen.
Und wenns gut geht, bestärkt uns jedes Treffen am Sonntag, das gemeinsame Singen, Beten und Wahrnehmen der Nähe Gottes in diesem Gefühl:
Wir sind eins! Jesus und seine Jünger. Jesus und Gott.
Schauen wir noch einmal in das Musikvideo: (ab 1:55)

Und sonntags sitz’ ich neben dir
Und weiß genau das schaffen wir,
wir kriegen das schon hin
Und montags werd’ ich wieder wach
Und denk’ zu oft darüber nach, weil ich nicht sicher bin

Liebe auf Distanz – Glauben … vertrauen auf einen himmlischen Herrn, der manchmal ganz nah erscheint … vertraut und alles ist gut.
Und dann kommen auch wieder die Tage, wo so vieles fraglich ist – die Fragen größer sind, als das Vertrauen.

Das auf und ab – das ist kein Glaubens-Fehler. Das gehört zu unserer Fernbeziehung des Glaubens dazu!

Schon Luther sagte: Dieses Leben ist keine Frömmigkeit, sondern ein Fromm-Werden. Keine Gesundheit, sondern ein Gesund-Werden. Wir sind es noch nicht; werden es aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.

Amen

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