Radioandachten im März 2020 auf Charivari 98,6

Mit-Fühlen

Langsam drückt Fiona mit der Spitze des Brieföffners immer stärker auf ihren Handrücken. Die Haut bildet eine tiefe Delle – dann erhöht sie den Druck, die Spitze bohrt tiefer in die Haut der Schmerz wird immer stärker … unbewusst beißt sie sich auf die Lippe
Na! Hat es bei ihnen auch schon wehgetan, allein beim Zuhören. Keine Sorge, sie können wieder entspannen – ich wollte bloß mal ausprobieren, ob es ihnen auch so geht. Denn wir Menschen haben die Fähigkeit, selber Schmerz zu mit-zu-empfinden, den wir bei anderen sehen.

Komisch, dass wir das können – was hat sich da unser Schöpfer bloß dabei gedacht? Wahrscheinlich wollte er, dass wir mit-fühlende Wesen sind, die das Leid der Anderen nachempfinden können. Ich denke, wir sollten dieses Talent auch nutzen. Mitfühlen, uns in den anderen einfühlen und dann einander beistehen, wenn es jemanden schlecht geht.Nur mit der Schulter zucken und weitergehen – dafür sind wir Menschen eigentlich nicht gemacht.


Der Händler in der Altstadt von Jerusalem

Jusuf besitzt einen kleinen Laden in der Altstadt von Jerusalem. Da verkauft er allerlei Andenken an die christlichen Touristen: Kreuze, Weihrauch in endlos vielen Duftnuancen, Jesus-T-Shirts mit allen möglichen Sprüchen.
Auch wer eine jüdische Kippa, eine Mesusa mit dem jüdischen Glaubensbekenntnis oder einen siebenarmigen Leuchter sucht, wird bei ihm fündig.
Jusuf liebt es, mit seinen Kunden zu plaudern, lässt sich erzählen, aus welchem Land sie kommen und feilscht natürlich gerne um den Preis. Diese christlichen und jüdschen Pilger gehören zu seinem Leben, wie seine große Verwandschaft in Ostjerusalem.

Am Freitagabend schließt er sein Geschäft – dann hat er es nur 200 Meter bis zu seinem Gotteshaus – eine von den vielen Moscheen in diesem Viertel. Da betet er zu seinem Gott – zu Allah.
Kreuze verkaufen und in die Moschee gehen – das ist für ihn kein Widerspruch. Aber eines wird er nie vestehen: Weshalb einige seiner Freunde diese Juden und Christen als Ungläubige bezeichnen. Wo doch er tagtäglich erlebt, wie wichtig denen auch ihr Glaube ist.

Das Weizenkorn

Viele Gartenfreunde sind schon jetzt wieder dabei, im Keller ihre Pflanzen auszusäen. Denn bis zum Frühling, sollen Salat, Kohlrabi- und Paprikapflänzchen schon mal ein paar Zentimter gewachsen sein. Dazu wird im Keller großzügig gesät. Denn längst nicht jedes Saatkorn wird aufgehen. Auch wenn die Sämereien wirklich nicht billig sind. Aber wenn ich den schönen teuren Samen in der Tüte lasse wird niemals eine Paprikapflanze draus werden.

Damit was Neues entstehen kann, muss man das, was man hat, auch mal aufgeben können. Jesus hat einmal gesagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Es ist immer wieder eine mutige Entscheidung: Das, was man hat, aufzugeben, um Neues zu beginnen. Alte Vorurteile und Denkweisen zu begraben, um neue Einsichten zu gewinnen. Die alten Geschichten hinter sich zu lassen um ein neues Kapitel im Leben aufschlagen.
Wie beim Säen wird es nicht immer klappen. Aber wenn man gar nicht sät, kann man auch garantiert nichts ernten

Hinschauen

Stellen Sie sich vor:  Gestern ist mir ein Riesenstück von meinem Zahn abgebrochen. Sie glauben es nicht! Schauen sie mal hin. Da rechts unten – ich geh auch ganz nah ans Mikrofon … hier unten, wenn ich ein bisschen an der Wange ziehe … Ach, ich sehe schon … Sie wollen das ja gar nichts sehen!

Stellen Sie sich doch nicht so an! Jeden unappetitlichen Mist gucken die Leute im Fernsehen oder auf Facebook – aber wenn ich mal mit meinem kaputten Zahn komme – dann passt es nicht.
Ich gebe zu, wenn es nicht mein Zahn wäre – dann wäre ich auch nicht so scharf drauf, mir das Elend anzusehen. Denn was soll man als Laie da helfen?
Aber trotzdem ist hingucken gut. In der Bibel beginnen viele Heilungsgeschichten an mit “Und Jesus sah einen Mann/eine Frau der hatte das uns das …” – und dann geschah oft ein Wunder.  – Heilung beginnt oft damit, dass einer hinschaut. Nicht wegkuckt – sondern sich vom dem berühren lässt, was einen anderen plagt. – Dann kann sich etwas zum Guten verändern.

Geisterspiel

Guten Morgen
“Geisterspiel” – dieses Wort hat durch Corona ungemein an Bekanntheit gewonnen. Jeder weiß inzwischen, dass es um Sportveranstaltungen vor leeren Rängen geht.
Kürzlich hätten Kinder sich unter einem Geisterspiel noch vorgstellt, dass sich da irgendwo verschiedene Geister treffen – um irgendwie den Besten unter sich zu ermitteln. Naja, nicht erst in Zeiten von Corona haben wir in unserer Gesellschaft verschiedene Geister, verschiedene Geisteshaltungen am Start:

Panik und Hysterie zum Beispiel – bei einigen hoch im Kurs. Aber auch Lethargie und Wurstigkeit sind mit auf dem Platz. Der Geist der Besserwisserei und des Zynismus grätschen auch immer wieder rein. Ein echtes Geisterspiel, das bei uns momentan ausgetragen wird.
Und womit soll ich da auf den Platz? Paulus, der Apostel – der hat seinen Freund Timotheus einmal daran erinnert und geschrieben: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Das wäre doch was: Nicht mit der Angst spielen – sondern mutig mit Liebe und Besonnenheit aufs Spielfeld des Lebens gehen.

Frühling

Guten Morgen. Wir haben Frühling! – Ja, heute mit dem 21. März beginnt der Frühling. Auch wenn es draußen noch gar nicht so aussieht. Und obwohl bei der aktuellen Gesamtsituation sich bei mir nicht wirklich Frühlings-Gefühle einstellen wollen.

Der Frühling kommt – das ist einfach so – weil sich unsere Erde eben immer gleichmäßig um die Sonne bewegt – unabhängig von dem, was wir da gerade auf dem Planeten veranstalten.
Schön, wenn es so Faktoren gibt, auf die man sich verlassen kann. In der Bibel wird in der Geschichte von der Arche Noah der Lauf der Jahreszeiten einmal als Zeichen dafür gedeutet, dass Gott uns Menschen treu bleibt – auch wenn wir noch so viel falsch machen. Dort sagt der Schöpfer zu Noah ein wunderbares Versprechen. Eines, das ich immer wieder gerne höre:
Obwohl das Trachten des menschlichen Herzens böse ist von seiner Jugend an; will ich künftig nicht mehr alles Lebendige schlagen, wie ich es in der Flut getan habe.  Von nun an soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, solange die Erde besteht!

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