Predigt zur Jahreslosung 2019: Suche den Frieden und Jage ihm nach! (Psalm 34,15) Silvester, 31. Dezember 2018

Friedensjäger

Es ist nicht leicht, mit so einem wirren Jahr wie 2018 seinen inneren Frieden zu machen. Diese Predigt erzählt vom Frieden, der stets ein Prozess ist: Beim Ringen mit den eigenen Erinnerungen und beim Ringen mit seinen Mitmenschen.


Der Blick in die Rumpelkammer von 2018

2018 – ein Jahr wie eine Rumpelkammer! So kommt es mir vor, wenn ich versuche, mir die vergangenen 12 Monate ein bisschen zu vergegenwärtigen.
Da ist so viel … so vollgestopft … da weiß ich gar nicht, wo ich zuerst hinlangen soll … da liegt Schönes und Hässliches kreuz und quer.

Zuerst schaue ich mir in dieser Rumpelkammer die schönen Dinge an. Fröhliche Hochzeiten, Taufen, Festgottesdienste. Ein sehr berührendes Konzert mit Andi Weiß in Wilhelmsdorf, das anspruchsvolle mit Sonat Vox in Brunn. Kirche im Grünen mit allen Bläsern, den Kindergärten und sagenhaftem Wetter. Die Jubiläen von Singverein und Landeskirchlicher Gemeinschaft.

Aber gleich daneben liegen schwere Abschiede. In diesem Jahr auch von etlichen Menschen, die jung verstorben sind. Mancher davon ganz unerwartet. Solche Erinnerungen liegen obenauf, in der Kammer der Erinnerungen, den Betroffenen stechen sie zuallererst ins Auge, wenn sie auf das Jahr 2018 schauen.

Aber da ist noch so viel mehr:
Wilhelmsdorf wählt einen neuen Bürgermeister.
Bayern bekommt einen neuen Landtag.
Ach ja … die Politik! Diese Hängepartie bis eine Bundesregierung gebildet war. Überhaupt war da so viel, was einen manchmal glauben hat lassen, man sei im falschen Film oder im falschen Land:
In Sachsen feiert sich ein brauner Mob: Hitlergruß, Übergriffe auf jüdische Einrichtungen.
Im Hambacher Forst verlieren beide Seiten das Augenmaß.
In Berlin fetzen sich die Fraktionen wie auf dem Schulhof.

So manches hatte ich glatt vergessen. Es liegt so weit unten in dem Geraffel meiner gedanklichen Rumpelkammer, dass ich es kaum wieder hervorzerren will – weil ich merke, wie sehr mich manche Erinnerungen aufregen! Und das will ich eigentlich gar nicht. Denn in den letzten Wochen kam ja so vieles wieder in Bahnen, die ein bisschen hoffen lassen:
Das Gegockel um die Wählergunst bei den Wahlen zu Landtagen und zum CSU-Vorsitz ist erledigt. Jetzt könnte man ja wieder vernünftig mit Politik anfangen.
Die Staatsführer von Nord- und Südkorea reichen sich die Hände.
Endlich wieder ergiebige Regenfälle – nach so einem dürren Sommer.
Auf facebook sehe ich wieder mehr Katzenbilder – und Urlaubseindrücke – das ist mir viel lieber als ätzende Hetzparolen und Lügen-Propaganda.
Ich treffe Menschen, die ihren Partner verloren haben, aber nun wieder halbwegs festen Boden unter Füßen haben und nach vorne schauen.

Mit einem Jahr seinen Frieden schließen

Geht es wieder aufwärts? Oder bin ich seit einigen Wochen dabei, mir das Jahr 2018 schönzureden? Einfach, weil ich Sehnsucht danach habe, dass es nicht als Jahr in Erinnerung bliebt, über das man nur noch den Kopf schütteln kann.
Ich würde gerne auch mit diesem Jahr meinen Frieden schließen.
Mit allem, was da war.
Mit allem Licht und Schatten.
Mit Tränen und Lachen.
Wut und Versöhnung.

Ich möchte die Türe der Erinnerung zu diesem vergangenen Jahr öffnen können, ohne dass mir gleich alles wieder schmerzhaft auf die Füße fällt. Ich wünsche mir, dass ich mit diesem wirren Miteinander von so vielen widersprüchlichen Erfahrungen leben kann. Dass sie ein Teil meines Lebens sein können, mit dem ich Frieden geschlossen habe.

Den Frieden suchen

„Suche den Frieden und jage ihm nach” – das ist die Jahreslosung für das kommende Jahr. Im Psalm 34 ist dieser Satz zu finden.

„Frieden suchen” – Manchmal ist es ein wichtiger erster Schritt, wenn man mit seiner eigenen Vergangenheit Frieden schließt:
Mit dem, was man getan hat.
Mit dem, was man unterlassen hat.
Mit dem, was einem widerfahren ist.

Das ist nicht immer einfach. Weil das belastende Alte manchmal partout nicht in der Rumpelkammer der Vergangenheit bleiben will, sondern immer wieder herauskrabbelt und mich umtreibt.
„Suche den Frieden und jage ihm nach” – das ist da manchmal eine mühsame Aufgabe – warum kommen die alten Geschichten immer wieder? Vielleicht gibt es da noch etwas, was ich mit Menschen oder Gott klären muss?

Aber manchmal ist es einfach eine ungeheuer störrische Erinnerung, die halt immer wieder von mir in die Hand genommen und in die Vergangenheit zurückgetragen werden will, damit man zumindest für eine Zeit lang Frieden damit hat.

Friedensjäger

Liebe Gemeinde,
Frieden – das ist eben kein Zustand, sondern ein Prozess, eine dauernde Aufgabe.
Das gilt auch für den Blick in die Zukunft (es ist ja schließlich auch die Jahreslosung für das nächste Jahr). Im Miteinander von uns Menschen ist wird es immer darum gehen, dass wir den Frieden suchen, um Frieden ringen, friedfertig miteinander umgehen.
Wir werden den Frieden nie besitzen.

So wie wir das Licht einer Kerze nicht festhalten können. Wir können versuchen, die Kerze festzuhalten, aber, wenn sie jemand ausbläst, stehen wir im Dunkel. Wir müssen immer wieder neu die Flamme des Friedens am brennen halten.

Jesus war es, der uns dazu gute Werkzeuge in die Hand gibt.
„Selig sind, die Frieden stiften” das war einer seiner Überschriften in der Bergpredigt. Und dann spricht er davon, dass wir darauf verzichten sollen, Böses mit Bösen zu vergelten. „Und wenn dich einer vor Gericht ziehen will, um dein Gewand zu nehmen, dann lass ihm auch den Mantel.” – Um des Friedens willen. Eben weil der Friede wertvoller ist, als der Sieg.
Darum ermutigt Jesus uns, auch unsere Feinde zu lieben.

Was Jesus da sagt, fordert, ja überfordert uns. Hält uns in Bewegung, es immer wieder zu versuchen. Auch wenn wir nie soweit kommen werden, dass wir es perfekt und dauerhaft schaffen.
So bleiben wir unterwegs. Auf der Suche nach dem Frieden. Friedensjäger.

Aber da, wo wir zum Frieden unterwegs sind – da wo wir die Flamme des Friedens am Brennen halten da leuchtet sie hell.
Da strahlt sie Wärme aus und Geborgenheit.
Da zieht dieser Frieden vielleicht auch andere Menschen in seinen Bann, denn sie erkennen: Da, wo ihr Frieden sucht, da ist etwas Besonderes, da ist gut leben, da bin ich gern.

AMEN

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