
Mk 8, 1-9: Die Speisung der 4000
4000 Menschen, nichts zu essen – und die Jünger schauen ziemlich ratlos aus der Wäsche. Jesus stellt keine Großküche auf, sondern fragt: „Was habt ihr denn?“ Eine Predigt über Panik, Perspektivwechsel und die überraschende Kraft kleiner Anfänge.
Liebe Gemeinde,
„an Erntedank geht es irgendwie vor allem ums Essen!“ – Könnte man sagen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen sehr schlicht und banal. Gerade hier in der Kirche in einem wunderbaren Festgottesdienst. Aber irgendwie ist es halt schon so. Es geht’s ums Essen – und wem das jetzt zu materialistisch ist, der kann ja den Test machen: Wenn heute Mittag nichts auf dem Tisch steht und man auch am Abend nur Wasser ohne Brot bekommt, dann hofft man dann schon, dass es zumindest ewas zum Frühstück gibt.
Echter Hunger ist uns hier weitgehend fremd. Aber wir wissen, dass es andere Regionen auf der Erde gibt, da sieht es ganz anders aus. Aber bleiben wir heute bei uns – und bei unserer biblischen Geschichte zum Erntedankfest 2026. Wir finden die recht bekannte Erzählung beim Evangelisten Markus, im 8. Kapitel:
Die Erzählung von der Speisung der 4000
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: 2 Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. 3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4 Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? 5 Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. 8 Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9 Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.
Das ist die Geschichte von der Speisung der 4000 durch 7 Brote und einige Fische. Noch besser kennen viele Leute die Story mit 5000 Menschen und 5 Broten und 2 Fischen! Ja: Markus hat 2 sehr ähnliche Erzählungen aufgeschrieben, die interessanterweise an verschiedenen Orten lokalisiert sind.
Eine tolle Geschichte – eine wundervolle Geschichte. Aber eben ein Wunder! Da wird etwas erzählt, wo wir uns fragen: „Wie soll denn das passiert sein“. Wie soll das denn klappen, dass 4000 Leute von ein paar Broten und einer Handvoll Fischle satt werden sollen? Wo ist da der Trick?
Wir haben keine Erklärung. Das ist ja das besondere an Wundern, dass wir uns schwer tun mit dem Erklären und Verstehen. Wir können versuchen, es zu psychologisieren, und dahin flüchten, was vielleicht „eigentlich“ damit ausgedrückt werden soll. Aber die Faktenlage bleibt geheimnisvoll und wir haben keine Erklärung für „Wunder“. Und so bleibt uns, so wie den Menschen damals, nur das faszinierte Bestaunen eines Wunders.
Wunder am laufenden Band
Apropos Wunder: Ein recht ähnliches Wunder haben wir hier vorne liegen. Die Gaben am Altar! Ist es nicht auch unglaublich, dass das alles „einfach so“ aus dem bisschen brauner Erde entsteht? Ein Samenkorn, ein bisschen Erde, Wasser … und dann wächst da was! Gefühlt aus dem Nichts!
Hier diese Karotte entstand aus einem winzigen Korn, und jetzt ist eine Möhre draus geworden, die 100.000 mal größer und schwerer ist, als der Same. Wen das nicht beeindruckt: Beim Tomatensamen ist da der Faktor 2 Millionen unterwegs.
Wir haben uns dran gewöhnt.
Wir haben die dahinter stehenden Wachstumsprozesse naturwissenschaftlich erforscht und verstanden. Und doch ist es eigentlich unglaublich, dass aus einem millimetergroßen Körnchen eine Pflanze wächst, die uns ernährt, die Grundlage für unser Überleben ist.
Und nach einem trockenen Sommer wie diesem ist es irgendwie auch wieder ein Wunder, dass wir doch genügend zu essen haben. Dafür kann man dankbar sein. Und da dürfen wir unsere Landwirte nicht vergessen, die da keinen leichten Stand haben. Die nicht nur von Trockenheit geplagt waren, sondern sich zwischen steigenden Produktionskosten und unnachgiebigen Marktpreisen durchhangeln müssen. Da ist jeder, der seinen Beruf als Bauer nicht an den Nagel hängt auch schon ein kleines Wunder. Da darf man auch dafür dankbar sein.
Perspektivwechsel: Was haben wir?
Zurück zur Geschichte mit den 4000 hungrigen Menschen. Ich stelle mir das mal ganz praktisch vor: Eine Veranstaltung mit 4000 Besuchern … und irgendwann fällt jemanden auf: Mist, die haben nichts mehr zu essen! Manche haben sich vielleicht eine Brotzeit mitgebracht, aber da sich das Event mit Jesus in die Länge gezogen hat und die Menschen fasziniert von seinen Reden nicht heimgegangen sind, wir die Lage langsam kritisch.
Da ist ja nicht gleich ein McDonalds um die Ecke. Die Jünger kriegen Panik. Wie sollen wir das lösen? Die 12 Jünger schauen wie das Kaninchen auf die Schlange. Das Problem erscheint übergroß und unlösbar. Sie sind am Verzweifeln – und ich kann sie da gut verstehen.
Und was macht Jesus? Er sieht nicht auf das, was nicht da ist, sondern fragt: „Schaut doch mal nach, was da ist! Wie viele Brote habt ihr?“ Da stellt sich heraus: Es stimmt nicht, dass gar nichts da ist. Sieben Brote finden sich, und einige Fische sind auch noch da. Das ist ganz sicher schon mal mehr als nichts. Jesus blickt nicht auf das, was fehlt, sondern auf das, was man hat, auf das Potential, das da ist.
Damit allein ist das Essensproblem nicht gelöst. Aber es ist ein erster Schritt. Ganz oft ruft Jesus seine Mitmenschen zu diesem Perspektivwechsel auf. Weg vom angstvollen Blick auf die Krise und Bedrohung. Hin zu dem, was Hoffnung macht.
Habt Vertrauen!
Seid zuversichtlich!
Vergesst nicht, dass ihr einen liebevollen Vater im Himmel habt, dem sogar der Spatz auf dem Dach nicht egal ist!
Liebe Gemeinde, man kann sich an dieser Wundergeschichte zu Zähne ausbeißen, weil man sich nicht erklären kann, was damals da geschehen ist. Das wird uns bloß nicht viel bringen, weil Wunder eben Wunder sind. Die kann man weder erklären, noch bestellen. Vielleicht war es dem Evangelisten Markus deshalb so wichtig, diese Diskussion zwischen Jesus und seinen Jüngern sehr ausführlich zu beschreiben. Diesen Perspektivwechsel von der Panik zur Zuversicht. Denn den brauchen wir immer wieder.
Zuversicht gegen alle Panik
Denn öfter, als es mir lieb ist, finde ich mich als Christ in der Rolle der Jünger, denen die Panik in die Knochen kriecht:
Weltpolitik.
Entwicklungen im eigenen Land.
Geliebte Menschen, um die man sich Sorgen macht.
Eine Kirche die sich gesundschrumpfen will, statt etwas auszustrahlen.
Oder eigene Probleme, die sich scheinbar nicht lösen lassen.
Das sind die 4000 Hungrigen, die uns umzingeln. Und gefühlt krümeln uns die paar Brote, die wir haben, zwischen den Fingern durch.
Und manchmal würde ich gerne mal Jesus hysterisch anschreien und sagen: „und? Was machen wir jetzt mit dem ganzen Mist!“ – Du bist doch hier der, der alles regeln kann – oder?!“
Aber ich ahne schon seine Antwort: Na, schau doch mal, was du hast:
Wo dein Leben stabil ist.
Welche Freunde du hast, auf die du bauen kannst.
Wo sind die guten Momente in deinem Tag?
Was gibt dir Kraft?
Was wird passieren, wenn du alle deine Sorgen erstmal Gott anvertraust? Der hat ein paar tausend Jahre Erfahrung mit unserer verrückten Menschheit.
Und vielleicht findest du ein bisschen etwas, wo du selber entdeckst, dass du etwas positives tun kannst.
So, sagt Jesus, das sind deine Brote und Fische. Damit fang mal an. Und schau nicht immer auf das, was dir Angst macht.
Habe Vertrauen.
Und schau, welche Wunder dann passieren.
Vielleicht keines, wie damals bei den 4000 Menschen.
Aber vielleicht so eines, wie den Karottensamen: Das aus deinem winzigen Anfang dann doch etwas viel Größeres wird.
Amen