Radioandachten im Juli 2019 auf Charivari 98,6

Sankt Kilian

Guten MorgenWir haben den 8. Juli – das ist der Namenstag vom Heiligen Kilian. In Würzburg ist das ja ein Riesentamtam. Mit Kiliani-Volksfest, Wallfahrten und Konzerten. Denn in Würzburg liegen die Gebeine des sogenannten Frankenapostels.
Er, der Kilian war es ja, der mit zwei Begleitern ums Jahr 685 aus Irland gekommen war, um in Franken den christlichen Glauben bekannt zu machen. Von daher ist der Kilian für ganz Franken durchaus eine wichtige Figur. Einer der ersten iroschottischen Missionare in unserer fränkischen Heimat.
Das ging im Übrigen nicht lange gut: Nach etwa drei Jahren gab es Konflikte mit dem örtlichen Herzog, und Kilian samt seiner beiden Begleiter wurden umgebracht.
Aber ihre Worte und ihre Arbeit war nicht umsonst. Der christliche Glaube breitete sich weiter aus. Die Bewegung, die sie begonnen hatten, zog immer weiter ihre Kreise.
Das macht mir Mut, gerade, wenn ich denke: Alexander, was willst du denn schon groß bewegen in dieser Welt? Aber auch kleine Impulse ziehen in ihrem Umfeld ihre Kreise – auch wenn ich sie selbst vielleicht gar nicht sehe. Ich muss ja nicht gleich ganz Franken umkrempeln, wie einst Sankt Kilian.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Wie die Kinder

Auf dem Kindergartenfest haben unsere Kinder mal wieder eine tolle Aufführung gemacht. Wie immer waren die Eltern hellauf begeistert. Von den Liedern und Tänzen und Gedichten.
Mich hat dabei fasziniert, wie entspannt die Kindner da vor den Leuten auf der Bühne stehen. Die freuen sich drauf, zu zeigen, was sie eingeübt haben, und wenn etwas schief geht, dann machen sie sich auch keinen Kopf, sondern finden das auch irgendwie lustig. Wenn ich überlege, mit welcher Perfektion in der Erwachsenenwelt manchmal alles inszeniert und präsentiert wird. Alles muss funktionieren, man darf sich keine Blöße geben – und in den Nächten zuvor findet man keine Ruhe, vor lauter Angst, dass man den Ansprüchen der Anderen nicht genügt.
Jesus hat gesagt: Wir müssen wie Kinder werden. Die wissen, dass nicht alles perfekt sein muss: Sie spüren: Ich werde geliebt weil ich jemand bin – und nicht, weil ich etwas kann.
Ja, von den Kindern kann man immer wieder das Leben lernen.Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Die verlorene Ameise

Kürzlich hatte ich in der Kirche während meines Gottesdienstes einen ungewöhnlichen Gast, der vor meinen Augen über meine Altarbibel krabbelte: Eine kleine Ameise!
Wie kommt die in unsere Kirche? Wahrscheinlich ist vielleicht kilometerweit vonentfernt auf einer der Blumen, die jetzt hier in der Vase stehen.
Was wird aus ihr werden? Zurück zu ihrem Ameisenhaufen wird sie wohl nie mehr finden können. Sie hat ihre Heimat verloren – wird einsam durch die Kirche und den Kirchgarten irren. Verhungern muss sie ja nicht … aber für den Rest des Lebens abgeschnitten von ihrem Genossen – das ist schon seltsam.
Was bin ich froh, dass wir Menschen keine Ameisen sind. Manchmal verschlägt es uns ja auch quer über den Globus. Weit weg von der Heimat. Aber wir können etwas, was die Ameise wohl nicht kann: Neue Kontakte knüpfen! Beziehungen aufbauen. Freunde finden.
Das ist etwas Wunderbares! Und diese Fähigkeit sollten wir immer wieder üben! Offen aufeinander zu gehen. Fremden Heimat bieten. Das macht uns zu Menschen und unterscheidet und von den Ameisen.
 Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Ameisenstraßen

Guten Morgen
Gestern habe ich ihnen von einer Ameise erzählt, die über meine Atarbibel in der Kirche gekrabbelt ist. Meine Kirchen-Ameise. Einen Tag später sehe ich im Wald so eine Ameisenstraße am Wegesrand. Ein Gewusel von tausenden von Ameisen. Da nimmst du die einzelne gar nicht mehr war. Und wenn du aus Versehen auf eine drauftrittst, scheint es nict wirklich zu zählen.
Ich überlege, ob aus der Luft betrachtet unsere globalen Flüchtlingsströme auch etwas von einer Ameisenstraße haben. Zu Tausenden sind sie unterwegs über Mittelmeer, an den Grenzen der USA. Und weil sie so viele sind, gerät der einzelne aus dem Blick. Wenn da einer umkommt, wenn da ein Boot kentert, das fällt doch gar nicht auf, in all dem Gewimmel.
Aber derjenige, der da um sein Leben rudert, ist eben nicht nur einer von 80 Millionen, Er ist ein Mensch.. So wie am Abend dieser eine geliebte Mensch sich neben mir ins Bett legt, und wenn er früh nicht mehr aufwachen würde – dann wäre das der schwärzeste Tag meines Lebens.
Wir dürfen andere Menschen nicht zu Ameisen machen, wo das Leben des einzelnen in der Masse nicht mehr zählt. Denn dan würde auch das über Bord gegen was uns zu Menschen, und zu Christen macht.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Notenschluss

Guten Morgen
In diesen Tagen ist in unseren Schulen Notenschluss. Bis zu jenem oft geheimgehaltenen Datum können die Lehrer noch Noten fürs Zeugnis eingetragen– aber dann ist es rum. Und viele Schüler schalten dann in so eine Art Faulenzer-Modus. Denn jetzt kann mir ja nichts mehr passieren. Dann brauche ich mich auch nicht mehr anstrengen.
Das mit dem Notenschluss ist eigentlich keine gute Vorbereitung aufs echte Leben. Denn da gibt’s keinen Notenschluss, von dem an ich die Beine hochlegen kann. Da bin ich eigentlich immer als Mensch gefordert.
Aber auf der anderen Seite: Im echten Leben gibt’s eigentlich auch keine Noten.
Es gibt nicht die Note 6 für´s Gaffen an der Unfallstelle. Und keine 1 dafür, dass ich meinem alten Nachbarn den Rasen mähe.
Da ist es doch wie in der Schule: Wo es keine Noten mehr gibt, da zeigt sich der wahre Charakter der Menschen.
Da lernst du die kennen, deren Welt sich nur um ihr eigenes Ego dreht.
Die Forscher, die bis zu ihrem letzten Tag etwas lernen und die Welt verstehen wollen.
Die Teamplayer, die mit anderen und für andere da sein möchten.
Die Verpeilten, die gar keinen Plan haben und einfach den größen Krakeelern folgen.
Ja, als Erwachsener kriege ich keine Noten. Viel schlimmer: Ich kriege es immer mit mir selbst zu tun!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Zusammenspielen

Guten Morgen
An diesem Wochenende feiert der Posaunenchor im unserem Dorf sein100-jähriges Jubiläum. Das wird ne Riesennummer. Zum Gottesdienst am Sonntag haben knapp 100 Bläser aus den umliegenden Orten ihr Kommen zugesagt. Wenn die alle mit ihren Posaunen, Trompeten, Tuben und Hörnern blasen, das wird bestimmt ein Erlebnis!
Was mich dabei so fasziniert: Wie die Bläser da so zusammenhalten. Der Jüngste ist 12, der älteste geht auf die 80 zu. Ganz unterschiedliche Typen und Charaktere.
Wo sich Clubberer und Fürther Fans tendenziell eher an die Gurgel gehen. Die Bläser halten da über alle Unterschiede hinweg zusammen.
Vielleicht liegt es ja daran, dass man Musik immer nur zusammen machen kann. Man spielt zusammen – nicht gegeneinander.
Fußball spielen die Mannschaften gegeneinander – aber Musik geht nur zusammen.
Was bin ich froh, dass wir in unseren Kirchengemeinden so viele Chöre haben. Bläser, Sänger, Flötengruppen, Veh-Harfen: Sie sind es, von denen wir lernen:
Richtig gut wird es immer nur, wenn wir zusammenspielen.
 Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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