Radioandachten auf Charivari 98,6 im Juli 2014

Montag: Schweine naschen
Dienstag: Ich mach mich zum Deppen
Mittwoch: Ohne Mühe blüht nichts
Donnerstag: Die Gebote Nr. 11-13
Freitag: Wer ist da noch im Zimmer?
Samstag: Das Fenster zur Seele

Montag: Schweine naschen
Guten Morgen,
unsere Tochter isst und nascht konsequent vegetarisch. Gerade das Naschen ist bei Gummibärchen wirklich schwierig – denn meistens ist da ja Gelatine aus Schweinefleisch drin. Jetzt kam sie glücklich vom Einkaufen heim: Juhu- ich habs gefunden: Vegetarische Fruchtgummis – es steht auch extra drauf – für Vegetarier!Ich schau mir das an und traue meinen Augen kaum: Das sind ja Schweine! Süß lächelnde rosa Schweine aus Fruchtgummi. Ich habe gedacht, sie will keine Tiere essen; und jetzt mampft sie glücklich diese süßen Viecher. Da hat sie offenbar keine Skrupel.
Sie lässt sich halt vom äußeren Schein nicht ablenken. Bloß weil es nach Schwein aussieht, ist noch lange kein Schwein drin. Das hat sie kapiert.
Ich würde mir wünschen, dass ihr das erhalten bleibt: Die Fähigkeit, sich nicht vom ersten Anschein beeindrucken zu lassen. Nachzusehen, was wirklich drin ist, was dahinter steckt – bei so einem Gummischwein, bei einem Problem, bei einem Menschen. Nachzusehen, nachzulesen, nachzuhaken. Und dann beherzt das zu tun, was man für richtig erkannt hat:
Nämlich Tiere zu essen, die keine sind.
Menschen anzunehmen, die anders sind als sie zunächst erscheinen.
Und den Schweinereien aus dem Weg zu gehen, die sich hinter schönen Fassaden stecken.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Dienstag: Ich mach mich zum Deppen

Guten Morgen,
manchmal hab ich ja wirklich das Gefühl, ich mach mich zum Deppen. Gerade jetzt mit den tausend Festen: Schulfest, Klassenfeier, Gemeindefest, Vereinsfeier, Minibasar, Open-Air-Kirche und überall soll man mithelfen, einen Kuchen backen, Salat spendieren, Bänke aufstellen, Würstchen grillen.
Dann gibts Knatsch zwischen der Lehrerin und dem Elternbeirat – kannst du mal mit denen reden? Du kannst doch mit beiden ganz gut.
Wenn dumm geht sind am Ende beide auf einen sauer, man hat sich beim Bänkeaufstellen den Finger eingeklemmt und beim Würtchengrillen wird man zum Schuldigen erklärt, weil am Ende 30 Bratwürste gefehlt haben.
Kennen Sie das? – Da fragt man sich: Warum mach ich mich eigentlich für euch zum Deppen. Sucht euch doch einen anderen Blödmann. Da gibts doch 20 andere in der Klasse, die keinen Finger krum machen!
Und dann kann mans doch nicht lassen … weil sonst eben nicht vorwärts geht – und weil man gerne etwas für andere tut.
Ja wir brauchen Menschen, die sich für andere auch mal zum Deppen machen – die sind das Salz in der Suppe unserer Gesellschaft.
Und dann bin ich doch lieber Salz der Welt als irgend etwas, was diesem Planeten nichts zu geben hat.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Mittwoch: Ohne Mühe blüht nichts

In den letzten Wochen wars schon gescheit trocken, es hat viel zu wenig geregnet. Da bewundere ich die Leute, die mit einer Engelsgeduld täglich im Garten unterwegs sind um ihre Blumen zu gießen.
Sie schleppen die Gießkanne von der Wassertonne zum Beet – immer wieder.
Mir wäre das zu blöd; und irgendwie wärs mir auch um die Zeit, die man dafür braucht.
Aber dafür schaut mein Garten auch entsprechend aus. Dort kann man lernen, dass Löwenzahn und Disteln auch ohne Gießen super gedeihen.
Und beim Nachbarn blüht es, dass es eine wahre Pracht ist, das ist schon zum neidisch werden. – Obwohl: Zum Neid gibts keinen Grund: Er hat ja auch im Gegensatz zu mir etwas für sein Gartenparadies getan.
Wo etwas blühen soll, das muss man eben investieren. Zeit und Liebe. Geduld und Aufmerksamkeit. Dann ist das ganze gar keine Zauberei.
Beim Garten ist das irgendwie logisch.
Wenn die Liebe blühen soll … da wird es auch nicht anders sein.
Wenn ich mir wünsche, dass unsere Kinder gedeihen … Zeit und Liebe, Geduld und Aufmerksamkeit brauchen die auch.
Da muss man eben investieren – wobei: Wenn ich meinen Nachbarn im Garten beobachte: Das Gießen, und Düngen, das drum kümmern- macht ihm offensichtlich auch richtig Spaß. Dann kann die ganze Mühe ja nicht so schlimm sein.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Donnerstag: Die Gebote Nr 11-13

Guten Morgen,
kennen Sie die Gebote 11 bis 13?
Natürlich wissen wir alle, dass es nur 10 Gebote gibt. Aber meine Konfirmanden haben jetzt Nummer 11 bis 13 aufgestellt! Letzte Woche kamen wir darauf, dass wir ja viele Themen und Probleme haben, die von den 10 Geboten der Bibel nicht direkt berührt werden.
Darum haben die Jugendlichen darüber nachgedacht, welche Gebote sie gerne aufstellen würden. Was ihnen so wichtig wäre, dass man diese Regeln in Stein meißeln müsste, damit sie jedem bewusst sind und auch beachtet werden.
Und die drei wichtigsten – die Gebote 11 bis 13 möchte ich ihnen heute morgen vorlesen:
Nummer 11: Du sollst deine Freunde nicht ausnutzen.
Nummer 12: Du sollst allen Menschen, Männern und Frauen, die gleichen Rechte geben.
Nummer 13: Dein Job soll dir nicht wichtiger sein als deine Familie.
Drei Konfi-gebote – keine heilige Liste für alle Zeiten; aber eine, die mich schon ein bisschen nachdenklich werden lässt.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Freitag: Wer ist da noch im Zimmer?

Guten Morgen,
Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht. Irgendwas stimmte nicht. Ich spitzte die Ohren.
Links neben mir das leise regelmäßige Atmen meiner Frau. Und rechts? Da atmet auch etwas! Aber da kann doch niemand sein! Ist etwa jemand durchs offene Fenster …?
Meine Nerven sind aufs äußerste gespannt, mein Herz pocht wie wild. Ich knipse das Licht an und schqu mich um – und niemand ist da, in unserem Schlafzimmer.
Später habe ich herausgefunden: Es war wahrscheinlich ein Igel, der draußen Geräusche gemacht hat, die sich genau wie menschliches Atmen angehört haben.

Da kann man schon erschrecken, wenn man denkt: Da ist plötzlich noch jemand mit im Raum.
Hm…
Aber eigentlich glaube ich das ja, das da einer ist, den ich nicht sehe! Wenn ich davon rede, dass Gott immer bei uns ist. Dann ist er doch auch irgendwie anwesend.
Anders als bei diesem Schrecken in der Nacht hat das für mich nichts beunruhigendes oder unheimliches.
Ganz im Gegenteil: Das tut mir gut und ich fühle mich behütet.
Was bin ich froh, dass Gott uns Tag und Nacht nahe sein kann, ohne, dass man ihn atmen hört.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Samstag: Das Auge ist das Fenster zur Seele

Guten Morgen,
ich rede ja gerne mit Menschen, aber ganz ungern unterhalte ich mich mit Sonnenbrillen.
Ich finde das jetzt im Sommer immer furchtbar: Da begegnet mir jemand , der eine Sonnebrille auf der Nase hat – so eine ganz dunkle.
Mit jemanden sprechen und dabei die Augen nicht zu sehen. Da fühle ich mich gar nicht wohl.
Da kann ich gleich mit einer Stubenfliege plaudern: Da sehe ich auch nur zwei schwarze Kreise – Aber keine Augen, die fröhlich funkeln können, die nervös den Raum absuchen, die traurig oder entspannt aussehen.
Wenn der andere die Augen hinter seiner Brille versteckt, wenn ich nicht das Spiel seiner Augen sehe, verstehe ich ihn vielleicht nicht richtig.
Und letztlich bleibt mir der Andere fremd. – Und selten entsteht dabei Sympathie. Wenn ich mit einem Menschen rede, möchte ich seine Augen sehen, und er soll meine sehen können.
Jesus hat es einmal so formuliert: Die Augen sind eben die Fenster der Seele.  Und durch diese Fenster hindurch wird ganz viel ausgetauscht, an an Zwischentönen, an Gefühlen – auch an Humor.
Bitte seien Sie doch so nett, und setzen Sie Ihre Sonnebrille ab, wenn sie mit Leuten reden – sie werden damit zwar nicht besser sehen – aber bestimmt besser verstanden.
Ihr gegenüber wird es Ihnen danken.

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