Radioandachten im Juni 2018 auf Charivari 98,6

Montag: Die andere Wange hinhalten

Guten Morgen
Louisa schaut mich mit einer seltsamen Mischung von Wut und Unverständnis an: Was? “Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin” – Das macht doch kein Mensch! Was soll das denn für ein blöder Tipp sein, den Jesus da den Leuten sagt?
So fassungslos habe ich die 12-jährige Schülerin meiner Reliklasse noch nicht erlebt. Ich frage nach: Und was wäre, wenn du es wirklich machen würdest? Wenn dir jemand weh tut und du würdest ihn sagen: Wenn es dir grade so viel Spaß macht, mich zu verletzen, wie wärs, wenn du gleich nochmal ….”
Es dauert ein paar Sekunden, dann hellen sich Louisas Gesichtszüge auf. Ich habe das Gefühl, dass ihn ihrem Kopf gerade eine Szene entsteht. Eine Szene, die sie schon mal erlebt hat, und die sie jetzt in ihren Gedanken einmal anders weitergehen lässt. “Naja,” sagt sie “vielleicht würde derjenige dann erst merken, was er mir angetan hat – und dann könnte sich was verändern. Vielleicht ist der Tipp von Jesus doch nicht ganz so doof”.
Da hat Louisa doch für heute richtig was gelernt …
Ich wünsche ihnen einen guten Tag

Dienstag Paradiesische Erdbeeren

Guten Morgen
Ich liebe Erdbeeren. Mit der Erdbeere auf der Zunge entfalten sich in meinem Kopf die allerschönsten Bilder meiner Kindheit: Wie ich im Schrebergarten meiner Familie die Kaninchen füttere und dann zwischen den Reihen der Erdbeerstauden entlangkrabble. Immer auf der Suche nach diesen wunderbar leuchtend roten Erdbeeren – saftig, aromatisch – ein Traum – ein Paradies.
Ja, Erdbeeren sind paradiesische Früchte …
Ob es damals bei Adam und Eva auch Erdbeeren gegeben hat? Ich denke schon – ein Paradies braucht Erdbeeren. Sonst wärs kein Paradies.
Allein schon, wenn man sie anschaut: Rot … und diese Herzform. Die Erdbeere ist die Frucht gewordene Liebe Gottes zu den Menschen.
Ob ich deshalb die Erdbeeren so mag, weil sie an die Liebe Gottes erinnern?
Nunja, meistens esse ich sie schon wegen ihres Geschmacks. Aber irgendwie, bin ich beim Naschen doch immer auch ein bisschen in Gottes Paradiesgarten….
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Mittwoch: Den Staub von den Füßen schütteln

Guten Morgen
Manchmal ist auch irgendwann der Punkt erreicht, wo es mir zu blöd wird.
Ich bin ja eigentlich ein geduldiger Mensch, aber manchmal gibt’s es Leute oder Situationen, da macht das ganze Diskutieren, die ganze Offenheit und Kompromissbereitschaft keinen Sinn.
Da geht nichts mehr vorwärts. Da hat man mit Leuten zu tun, die offenbar gar kein Interesse haben, den anderen zu verstehen oder sich zu einigen.
Jesus hat seinen Jüngern gesagt: Es gibt den Punkt, wo ihr gehen solltet! Geht, schüttelt den Staub dieses Hauses und dieser Situation von euren Füßen, und zieht weiter euren Weg. Lasst das hinter euch.
Und mit „hinter euch lassen“ hat er auch gemeint: Lasst es ruhen!
Erklärt euch nicht selber zum Opfer, und den Anderen zum Bösen. Sondern lasst es einfach sein – Nur Gott steht ein Urteil zu, wer hier was falsch gemacht hat.
Schüttel den Staub von deinen Füßen und gehe in Frieden – denn der ist wertvoller als das Rechthaben oder das Gewinnen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute ihren Weg durch den Tag in Frieden gehen können.

Donnerstag – Je ne parle pas français Guten Morgen
“Je ne parle pas français – Aber bitte, red‘ weiter. ” Namika erzählt in ihrem Top-Ten-Lied davon, wie sie sich in Paris verläuft. In einem kleinen Café begegnet sie einem Franzosen, der sie in seinen Bann zieht: Obwohl sie kein Wort französisch versteht, hört sie ihm stundenlang zu. Denn das, was sie zwischen den Zeilen hört, kommt auch so bei ihr an.
Für manches braucht man keine Sprachkenntnisse oder Übersetzer. Weil das, worum es geht, von ganz alleine seinen Weg in Kopf und Herz findet.
Und das funktioniert nicht nur in romantischen Pariser Cafes. Im Süden Frankreichs gibt es die Gemeinschaft von Taizee. Menschen aus allen Ländern kommen dorthin. Feiern deren Gottesdienste mit. Ein Sprachengwir ohnegleichen.
Und doch liegt über allem eine Atmosphäre des Verstehens, des gegenseitigen Akzeptierens und der Nächstenliebe.
Die Sprache des christlichen Glaubens ist universal. Und in Zeiten der zunehmenden nationalen Eigenbrötlerei bin ich froh, dass wenigsten diese Sprache alle Grenzen überwinden kann.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

 

Freitag: Datenvolumen aufgebraucht

Guten Morgen
“Sehr geehrter Kunde. Ihr Datenvolumen ist aufgebraucht. Sie surfen ab sofort mit reduzierter Geschwindigkeit” – Wie ich diese Botschaft auf dem Smartphone hasse!
Effektiv geht dann fast nichts mehr! Surfen, Lieder streamen, Fotos verschicken: Das kann ich getrost vergessen.
Grade mal “ich fahr jetzt los” kriege ich über Whatsapp verschickt. Ich merke schon, dass dadurch meine Kommunikation ziemlich abgewürgt wird. Da ist der Begriff Datendrosselung wirklich passend.
Aus meiner Erfahrung als Christ kenne ich das gleiche Phänomen ganz ohne digitales Drumherum. Manchmal habe ich einen richtig guten Draht zu meinem Gott. Da passt alles, keine offenen Fragen, und abends erzähle ich ihm groß und breit, was mir durch den Kopf geht.
Und dann gibt es Zeiten, da ist alles wie abgewürgt. Da hab ich keine Lust zum Beten, weil gefühlt auch nichts zurückkommt. Weil ich diesen Gott dann grade auch nicht verstehe. Da reichts grade mal für ein “lieber Gott, hilf, dass der Tag gut wird”.
Aberr: Beim Smartphone wie beim Draht zu Gott ist die Hängepartie irgendwann auch mal rum – und man kann neu anfangen. Dann flutschen sie wieder – die Sprachnachristen – die an Freunde und die an meinen Gott.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Samstag: Asteroiden-Tag

Guten Morgen,

Heute, am 30. Juni ist der internationale Asteroiden-Tag. Es geht also im diese Himmelskörper in unserem Sonnensystem, die da herumschwirren, und manchmal der Erde ganz schön nahe kommen. Wenn ein ganz kleiner von denen mit der Erde zusammenstößt, dann sehen wir eine wunderschöne Sternschnuppe. Wenn uns ein großer trifft, dann gibt es einen Krater. Vielleicht auch ein Inferno, das im Umkreis von tausend Kilometern alles Leben zerstört. Filme wie Armageddon oder Deep Impact greifen die Idee auf: Was könnnen wir tun, wenn so sein Asteroid jetzt auf uns zukäme?
Der Asteroiden-Tag will das Bewusstsein für diese Gefahr wecken und die Forschung an Abwehrmaßnahmen vorantreiben.
Ob wir wirklich so einen Tag brauchen? Wir wissen doch, dass man sich nicht gegen alles absichern kann. Es kann in mein gut geplantes Leben immer etwas einschlagen, was ich nicht dem Radar hatte –wo ich hilflos daneben stehe.
Es kann immer etwas passieren. Aber als Christ sage ich mir: “Mein Dasein ist in Gottes Hand”. Ich bin nicht alleine.
Vor dem Einschlag, der mein Leben verändert, will ich auf Gott vertrauen.
Und wenns micht trifft, dann hoffe ich, dass ich dass dieser Gott mich dann auch nicht alleine lässt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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