{"id":964,"date":"2013-06-09T23:53:30","date_gmt":"2013-06-09T21:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=964"},"modified":"2022-05-14T00:29:36","modified_gmt":"2022-05-13T22:29:36","slug":"predigt-mit-dem-richtigen-ton-gelingt-die-resonanz-symbolpredigt-die-stimmgabel-9-juni-2013-170-jahre-singverein-wilhelmsdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=964","title":{"rendered":"Symbolpredigt: Mit dem richtigen Ton gelingt die Resonanz (Die Stimmgabel) 9. Juni 2013, 170 Jahre Singverein Wilhelmsdorf"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\">Predigt<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"965\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=965\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?fit=275%2C373&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"275,373\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"stimmgabel\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Foto: Helihark&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?fit=275%2C373&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-965\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?resize=275%2C373\" alt=\"stimmgabel\" width=\"275\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?w=275&amp;ssl=1 275w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?resize=221%2C300&amp;ssl=1 221w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?resize=111%2C150&amp;ssl=1 111w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/stimmgabel.jpg?resize=110%2C150&amp;ssl=1 110w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a> zum 170j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Singvereins in Wilhelmsdorf. Es geht um das Ph\u00e4nomen der Resonanz, den richtigen Ton inmitten vieler verschiedener Kl\u00e4nge.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nzwei Ch\u00f6re gestalten heute unseren Gottesdienst mit. Der M\u00e4nnerchor und Ad libitum. Beide sind unterschiedlich &#8211; aber was beide verbindet, befindet sich in der Hosentasche der Chorleiter: Die Stimmgabel. Beide haben und benutzen dieses Metallteil, um ihre Mannschaft auf die korrekte Tonh\u00f6he zu bef\u00f6rdern.<br \/>\nSchon erstaunlich: Wie man mit so wenig technischen Aufwand so pr\u00e4zise immer den gleichen Ton herstellen kann: 440 Herz, Kammerton a. Und das ganz ohne Internet und sonstigen technischen Firlefanz. Ein Ton f\u00fcr alle! Das ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass das mit dem gemeinsamen Gesang gelingt. Singen ist eine Frage des richtigen Tons. Schon ein bisschen dr\u00fcber und drunter ist halt daneben und bringt das akustische Gesangbild in Schieflage.<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, wie das aussehen w\u00fcrde, wenn man sich auf Facebook auf einen gemeinsamen Ton einigen m\u00fcsste: Jeder hat eine andere Meinung &#8211; schon aus Prinzip nen andern Ton als die anderen &#8211; und jeder meint: \u201eIch habe Recht.\u201d<!--more--><br \/>\nKlar: So w\u00fcrde das nichts. F\u00fcr das Miteinander im Chor muss man bereit sein, auf den Chorleiter zu h\u00f6ren, sich darauf einlassen, dass der Ton, den man von ihm bekommt, auch der richtige ist.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass es eben den richtigen und den falschen Ton gibt, ist zugegebenerma\u00dfen nicht demokratisch und pluralistisch, aber zutiefst sinnvoll.. Nicht jeder hat automatisch recht.<br \/>\nDa f\u00e4llt mir ein: Jesus hat, wo\u00a0 es um den richtigen Ton des Miteinanders geht,\u00a0 auch klar eine Tonlh\u00f6he vorgegeben:\u00a0 Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst. Und wir finden auch Worte, in denen Jesus die Tonlage etwas versch\u00e4rft:\u00a0 Liebt eure Feinde und bittet f\u00fcr die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.<br \/>\nAuch wenn uns diese Stimmlage nicht allzusehr liegt und gelegentlich auch \u00fcberfordert: Jesu Stimmgabel des Tons, in dem wir miteinander umgehen, ist da unbestechlich. Das ist der richtige Ton sagt er, das ist das h\u00f6chste Gebot. Da l\u00e4sst er auch nicht mit sich diskutieren &#8211; da gibt er uns vor, was gespielt wird.<\/p>\n<p>Liebe S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, liebe Gemeinde,<br \/>\nwir waren in den Pfingstferien im Allg\u00e4u, und hatten da irgendwie immer Kuhglockengebimmel im Ohr. So sch\u00f6n das auch klingt: Zum Anstimmen eines Chores ist die Kuhglocke denkbar ungeeignet: Denn die klingt nach allen m\u00f6glichen &#8211; da gibts zwar auch einen Grundton, in der sie bimmelt, aber da liegen noch viele andere Obert\u00f6ne dr\u00fcber, so dass es schwer wird, den \u201eeigentlichen\u201d Ton herauszuh\u00f6ren. Die Stimmgabel hat sehr wenig solcher st\u00f6renden Obert\u00f6ne, sie erzeugt einen klaren, einen eindeutigen Ton. Da muss man nicht herumraten welcher Ton da gerade gemeint ist.<\/p>\n<p>Also manchmal w\u00e4re ich da auch gerne wie eine Stimmgabel. So klar und eindeutig in meinen Gedanken und in dem, was ich sage. Wir Franken lieben es, das was wir eigentlich meinen, in unseren S\u00e4tzen gut zu verstecken. Und wer uns dann h\u00f6rt, fragt sich manchmal: Was hat er da jetzt eigentlich gemeint?<\/p>\n<p>Klar sagen, was einem wichtig ist.<br \/>\nProbleme offen ansprechen. Mit Fingerspitzengef\u00fchl, mit Liebe, aber eben auch klar und unverschleiert.<br \/>\nWenn ich etwas von jemanden will, das dann auch offen auszusprechen.<br \/>\nUnd: Auch einmal ganz viel Mut aufbringen, um jemanden ohne wenn und aber zu loben! (Da haben wir oft in Franken ein ganz gro\u00dfes Defizit).<\/p>\n<p>Auch als Kirche m\u00fcssen wir um solche Klarheit ringen. In der Gr\u00fcndungsurkunde der lutherischen Kirchen findet sich als Beschreibung dessen, was Kirche ausmacht:\u00a0 <i>Denn das gen\u00fcgt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium eintr\u00e4chtig im reinen Verst\u00e4ndnis gepredigt und die Sakramente dem g\u00f6ttlichen Wort gem\u00e4\u00df gereicht werden.<\/i> (Confessio Augustana, Artikel 7)<\/p>\n<p>Das Evangelium soll klar und rein verk\u00fcndigt werden. Das ist nicht so einfach. Denn wir sind eine Volkskirche, die aus Christen in st\u00e4dtischen Brennpunkten und solchen auf dem idyllischen Land besteht. Aus Jungen und Alten. Aus Liberal denkenden und Konservativen. Wir vereinen unterschiedlichste Pr\u00e4gungen.<br \/>\nAllein hier in Wilhelmsdorf: Da gibts die traditionell-fr\u00e4nkische Basis, hie und da sp\u00fcren wir noch das Erbe der reformierten Hugenotten. Und dazu kommen die inneren Haltungen die so manche schon vor langer Zeit aus ihrer Heimat mit nach Wilhelmsdorf gebracht haben: Das, was man in der Kindheit im Sudetenland, in Schlesien mitbekommen hat, oder in Siebenb\u00fcrgen, in Kasachstan, Haiti, Kenia oder an der Wolga.<br \/>\nJeder bringt da seine F\u00e4rbung mit. Da sind wir ein sehr bunter und vielf\u00e4ltiger, vielstimmiger Kirchen-Chor, in allen Altersstufen. Das kann dann schon sehr interessant klingen, wenn jeder mit seinen Vorstellungen, wie Kirche sein soll da mit hineinsingt.<\/p>\n<p>Da wird es wichtig, den einen klaren Ton des Evangeliums zu finden. Das \u201eeigentliche\u201d von Kirche. Unseren Glauben an Jesus Christus, der unser Herr und unsere Hoffnung ist. Im Leben und dar\u00fcber hinaus. Wir sind im Kern eine Glaubens-Gemeinschaft.\u00a0 Kirche als soziale Institution, als Gewissen einer Gesellschaft, als Ort in dem ich zu mir selbst finden kann, als Faktor des Zusammenhalts im Dorf: Das alles sind wichtige und sch\u00f6ne Obert\u00f6ne unseres Kirche-Seins. Aber alles w\u00fcrde zerfallen, wenn wir vergessen, was der eigentliche urspr\u00fcngliche, klare Klang der Kirche ist.<\/p>\n<p>Zu meinem letzten Punkt w\u00fcrde ich gerne ein Experiment versuchen: Wenn ich diese eine Stimmgabel anschlage, hier auf meiner Kanzelbr\u00fcstung aufstelle, und daneben mit ein bisschen Entfernung eine stille Stimmgabel aufs Holz setze, kann ich beobachten: Diese zweite Stimmgabel f\u00e4ngt jetzt auch an zu klingen, in dem Ton, mit dem die erste schwingt.<br \/>\n\u201eResonanz\u201d hei\u00dft dieses Ph\u00e4nomen, das es nicht nur bei Stimmgabeln gibt. Einer gibt die Schwingung vor, der andere l\u00e4sst sich davon anregen, nimmt diese Schwingung auf und macht mit.<\/p>\n<p>Das gelingt uns Menschen mit Freude, die wir weitergeben. Mit Wertsch\u00e4tzung, aber auch mit Aggression oder Zorn. Wir regen in unserem Gegen\u00fcber dessen innere Stimmgabel an, und es kommt zum mitschwingen. Wenn unser Singverein nun sein 170j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiern kann, dann ist in Sachen Resonanz etwas gut gelungen. Die S\u00e4nger konnten \u00fcber Generationen hinweg ihre eigene Freude und Begeisterung am Singen weitergeben. Wo jemand mit frohem Herzen beim Singen dabei ist, da kann er ohne viel Worte auch im Anderen die Leidenschaft wecken. Da k\u00f6nnen wir den Mitgliedern der letzten 170 Jahre bescheinigen, dass sie da etwas gut hinbekommen haben.<br \/>\nAngesichts des sich schnell ver\u00e4ndernden Freizeitverhaltens der Menschen und dem Bed\u00fcrfnis vieler Leute, sich zeitlich nicht so sehr zu binden, sind die Rahmenbedingungen deutlich schwieriger geworden.<\/p>\n<p>Andere ansto\u00dfen und anregen. Das was einen im Inneren bewegt, an seine Mitmenschen und an die kommende Generation weitergeben &#8211; diese Aufgabe bleibt uns. Als Christen, und als S\u00e4nger. Und an vielen Stellen deckt sich da manches: Wo durch Lieder, das was unseren Glauben ausmacht, in einer Weise und Intensit\u00e4t weitergegeben wird, wie es einfache Worte nicht verm\u00f6gen. Wo Gesang tiefere Schichten in uns Menschen ansto\u00dfen &#8211; wo Melodien uns die M\u00f6glichkeit geben: Hoffnung und Trauer, Wehmut und Gl\u00fcck Ausdruck zu verleihen und andere Menschen damit anzur\u00fchren.<br \/>\nJa, wir k\u00f6nnen froh sein, \u00fcber die Musik, so wie Luther es einst auf den Punkt gebracht hat:<br \/>\n<i>\u201eDie Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und gro\u00dfe Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost f\u00fcr einen verst\u00f6rten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftm\u00fctiger und vern\u00fcnftiger macht.\u201d<\/i><\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Foto oben: Helihark<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum 170j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Singvereins in Wilhelmsdorf. Es geht um das Ph\u00e4nomen der Resonanz, den richtigen Ton inmitten vieler verschiedener Kl\u00e4nge. 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