{"id":959,"date":"2013-08-18T23:44:53","date_gmt":"2013-08-18T21:44:53","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=959"},"modified":"2014-05-10T23:51:21","modified_gmt":"2014-05-10T21:51:21","slug":"predigt-kirche-muss-sich-nicht-verstecken-apg-17-22-34-18-august-2013-kirchweih","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=959","title":{"rendered":"Predigt: Kirche muss sich nicht verstecken (Apg 17, 22-34) 18. August 2013, Kirchweih"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #800080;\">Kirchweihpredigt<img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"960\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=960\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih13.jpg?fit=500%2C333&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,333\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"kirchweih13\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih13.jpg?fit=500%2C333&amp;ssl=1\" class=\"alignright wp-image-960 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/kirchweih13-300x199.jpg?resize=300%2C199\" alt=\"kirchweih13\" width=\"300\" height=\"199\" \/> zur Areopagrede des Paulus: \u201eHock dich middennei und trau dich, dei Meinung zum sogn &#8211; grad wenns umm\u0301n Gaubm geht&#8220; <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr heute steht in der Apostelgeschichte, im 17. Kapitel. Darin wird berichtet, wie Paulus auf dem gro\u00dfen Versammlungsplatz der Stadt Athen, dem Areopag eine Rede hielt:<\/p>\n<p><i>Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren, und rief: &#8222;Athener! Mir ist aufgefallen, dass ihr euren G\u00f6ttern mit gro\u00dfer Hingabe dient; denn ich habe in eurer Stadt viele Heiligt\u00fcmer gesehen. Auf einem Altar stand: &#8218;Dem unbekannten Gott.&#8216; Von diesem Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, spreche ich. Es ist der Gott , der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben.\u00a0<\/i><!--more--><\/p>\n<p><i> Er braucht auch nicht die Hilfe und Unterst\u00fctzung irgendeines Menschen. Er, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist, er hat den einen Menschen geschaffen, von dem alle V\u00f6lker auf der ganzen Erde abstammen. Er hat auch bestimmt, wie lange und wo jeder Einzelne von ihnen leben soll.\u00a0 Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen ihn sp\u00fcren und finden k\u00f6nnen. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind. (&#8230;) Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, begannen einige zu spotten, andere aber meinten: &#8222;Dar\u00fcber wollen wir sp\u00e4ter noch mehr h\u00f6ren.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i>Tritt frisch auf! Tu&#8217;s Maul auf! H\u00f6r bald auf! (Luther)<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nder Paulus, der ist schon ein Fuchs! Da stellt er sich mitten vor alle Gelehrten und Philosophen in Athen, sie meisten waren vermutlich mindestens so gescheit wie er, und f\u00e4ngt mit seiner Mini-Predigt an. Als Leckerli, das sie neugierig machen soll, erz\u00e4hlt er von diesem Sockel f\u00fcr den \u201eunbekannten Gott\u201d- denn genau vom diesem Gott will er ihnen ja berichten.<br \/>\nEin strategisch kluger Schachzug: Erst mal schauen, wie die Zuh\u00f6rer so ticken, um dann mit der passenden Story einzuleiten. Aber es bleibt nicht beim netten Small-Talk-Geblubber, sondern Paulus kommt z\u00fcgig auf den Punkt: Er erkl\u00e4rt den christlichem Glauben, und zwar ohne wenn und aber. Er l\u00e4sst sich auch nicht davon irritieren, das einige dar\u00fcber den Kopf sch\u00fctteln und lachen. Er sagt, was er f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Redet den Leuten nicht nach dem Mund. Er bekennt seinen Glauben und hofft, dass er andere daf\u00fcr gewinnen kann.<\/p>\n<p>Der Bericht endet mit einer gemischten Bilanz: Ich lese da: <i>Einige Leute, die durch seine Rede zu glauben begonnen hatten, gingen mit ihm. Darunter waren Dionysius, ein Mitglied des Gerichtshofes, eine Frau, die Damaris hie\u00df, und manche andere.<br \/>\n<\/i>Der Mut hat sich gelohnt. Sich da einfach hinzustellen, und dem Publikum zu sagen, was man glaubt. Offenbar hat Paulus damit einige Menschen nachhaltig beeindruckt.<\/p>\n<p><b><i>Kirche auf dem absteigenden Ast<\/i><\/b><\/p>\n<p>Manchmal bin ich da schon ein bisschen neidisch. Denn solche Aktionen sind nach 2000 Jahren Kirchengeschichte rar geworden. Dass Kirche sich hinstellt, den Mund aufmacht, die Leute die Ohren spitzen, was denn da jetzt an Relevanten und \u00dcberzeugenden kommt &#8211; das ist wirklich die Ausnahme. Als christliche Kirchen haben wir da h\u00e4ufiger eine sehr angepasste Nischenposition. Es ist gut, dass sie da ist, man k\u00f6nnte sie ja mal brauchen, aber sonst &#8230;?<br \/>\nKirche in die Ecke gestellt, wegger\u00e4umt, am besten einen Vorhang davor gezogen, damit sie optisch nicht so st\u00f6rt. Fertig! Wenn man sie irgendwann brauchen sollte, kann man sie ja wieder hervorholen &#8211; wenn man denn noch wei\u00df, wo man sie versteckt hat.<br \/>\nVielleicht ist Kirche da auch ein bisschen selber schuld. Offenbar ist es eher selten, dass wir klar, eindeutig und un\u00fcberh\u00f6rbar Position beziehen. Das geht ja bis in die Kirchenpolitik hinein, dass kirchliche Verlautbarungen sehr weichgesp\u00fclt sind. Man m\u00f6chte keine unbequeme Position vertreten, keinem weh tun, niemandes Interessen \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>\u201eAllen Menschen recht getan ist eine Kunst, die keiner kann.\u201d Und es ist auch die Frage, ob das ein sinnvoller Weg ist. Denn wir sind als Kirche ja keine gesellschaftliche Gruppe, die darauf aus sein soll, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Konsens herzustellen, sondern wir sind Gott gegen\u00fcber verantwortlich in dem, was wir sagen und tun.<br \/>\nEs geht darum, dem EINEN recht zu tun, und dann zu hoffen, all die Anderen auf diesem Weg mitzunehmen,<\/p>\n<p><b><i>Das Erbe der Hugenottenkirche<\/i><\/b><\/p>\n<p>Wir sitzen heute nicht in irgendeiner evangelischen Kirche, sondern in unserer Hugenottenkirche. Unser Dorf, diese Kirche wurde aufgebaut von Menschen, die um ihres Glaubens willen fast alles zur\u00fcckgelassen hatten. Sie waren nicht bereit, ihren reformierten Glauben zu verleugnen und sind deshalb aus Frankreich geflohen. Sie haben ihre dortige Existenz aufgegeben, haben sich auf eine lange und gefahrvolle Reise begeben. Sie haben alles riskiert &#8211; f\u00fcr ihren Glauzben!<\/p>\n<p>Diese Konsequenz dieser Menschen n\u00f6tigt mir gr\u00f6\u00dften Respekt ab. So steht unsere Hugenottenkirche eben auch f\u00fcr eine Kirche und f\u00fcr Christen, die offen und selbstbewusst zu ihrem Glauben stehen &#8211; n\u00f6tigenfalls auch gegen den gesellschaftlichen Mainstream, gegen den Zeitgeist oder gegen politische Interessen.<\/p>\n<p>Liebe Wilhelmsdorfer,<br \/>\ninzwischen sind wir alle evangelisch-lutherisch hier, aber dennoch sollten wir uns nicht verstecken. Weder unsere Kirche, noch uns selber als Christen. Mir geh\u00f6ren mittenhinein in unsere Welt. \u201eHock dich middennei und trau dich, dei Meinung zum sogn &#8211; grad wenns umm\u0301n Gaubm geht\u201d.<br \/>\nDarum gehts! Das ist bei Paulus nicht anders als heute. Und da brauche ich auch keinen Areopag, sondern da reicht auch eine Biertischgarnitur. Mittenrein! Wie das dann geht? Das muss man einfach ausprobieren!<\/p>\n<p>Wobei mir da schon etwas Wichtiges am Herzen liegt. Ich habe schon selbst erlebt, wie fromme Leute ihre Gespr\u00e4chspartner durch ihre innere Haltung verprellt haben: Wo derjenige, der von seinem Glaubens-\u00dcberzeugungen\u00a0 redet, so von oben herab seine Weisheit auf die Anderen herabl\u00e4sst.\u00a0 Auf so etwas will kein Mensch h\u00f6ren, selbst wenn es noch so wahr ist!<\/p>\n<p>Paulus hat gewusst: Diejenigen, die mir zuh\u00f6ren, sind zum Teil viel intelligenter als ich. Er hat deren Gedanken nicht arrogant verworfen (obwohl er anderer Meinung war), sondern positiv daran angekn\u00fcpft und signalisiert: \u201eIch kenne eure \u00dcberzeugungen. Aber ich m\u00f6chte euch verraten, woran ich glaube. Und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Wenn ihr mir zuh\u00f6rt, kann es sein, dass ihr entdeckt, welcher Schatz in meinem Glauben liegt.\u201d<\/p>\n<p>Ich muss die Anderen nicht belehren. Aber ich sollte mich auch nicht verstecken. Ein Bekannter von mir, ein Metallbau-Ingenieur, war vor vielen Jahren einmal gesch\u00e4ftlich zu Verhandlungen in Brasilien. Am Abend ist man dann noch gemeinsam in eine Bar gegangen. Und es dauerte nicht lange, bis klar war, diese Einladung des Gesch\u00e4ftspartners l\u00e4uft auf einen gemeinsamen Bordellbesuch hinaus.<br \/>\nDa zu sagen: Danke, aber ich gehe jetzt in mein eigenes Bett ins Hotel, ich will als Christ meine Frau nicht betr\u00fcgen &#8211; das fand ich stark.<br \/>\nEr h\u00e4tte auch einfach so ablehnen k\u00f6nnen. Aber da dazu zu stehen, dass unser Handeln etwas mit unseren Glaubens\u00fcberzeugungen zu tun hat. Das machen wahrscheinlich wir alle viel zu selten. Oft ist es uns halt doch irgendwie peinlich. &#8211; Schade eigentlich!<\/p>\n<p>Wir brauchen uns nicht verstecken, und wir brauchen unser F\u00e4hnlein nicht in den Wind drehen. Daran sollen uns auch diese Winddreher erinnern, die unsere Konfirmanden im Juni auf der Fishlife-Freizeit gebastelt haben. Aus dort ging es um die Frage: Schwimmst du immer mit dem Strom? Oder traust du dich auch, mal dagegen zu schwimmen?<\/p>\n<p>Mit dieser Frage im R\u00fccken w\u00fcnsche ich uns allen eine sch\u00f6ne Kirchweih.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Kirchweihpredigt zur Areopagrede des Paulus: \u201eHock dich middennei und trau dich, dei Meinung zum sogn &#8211; grad wenns umm\u0301n Gaubm geht&#8220; Der Predigttext f\u00fcr heute steht in der Apostelgeschichte, im 17. Kapitel. 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