{"id":929,"date":"2011-04-10T22:32:39","date_gmt":"2011-04-10T20:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=929"},"modified":"2014-05-10T22:34:16","modified_gmt":"2014-05-10T20:34:16","slug":"andachten-auf-charivari-986-im-april-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=929","title":{"rendered":"Andachten auf Charivari 98,6 im April 2011"},"content":{"rendered":"<p>Montag: Hier ist die Zeit stehengeblieben<br \/>\nDienstag: Konfispruch mit strahlendem Gesicht<br \/>\nMittwoch: Mit der Kaffeetasse erwischt<br \/>\nDonnerstag: Gl\u00fccksfaktoren<br \/>\nFreitag: Warten auf den Messias?<br \/>\nSamstag: Am Sonntag habe ich Fl\u00fcgel<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Hier ist dein Zeit stehengeblieben<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein Laden in dem kleinen St\u00e4dtchen Emskirchen. \u201eHaus- und Gartenmarkt\u201d stand au\u00dfen dran. Innen gabs irgendwie alles. Rattenfallen und Gartenhandschuhe, aber auch schwarze Sonntagsschuhe f\u00fcr den Herrn, ein paar erlesene Weine aus dem nahen Steigerwald, eine Bio-Ecke und eine Nische mit orientalischem Schnickschnack und Teesorten, deren Duft mich total verzauberte.<br \/>\nIch konnte mich in diesem Laden gar nicht sattsehen &#8211; weil er eben so anders war.<br \/>\nDa entdeckte ich ein mit dickem Filzer beschriebenes wei\u00dfes Schild: \u201eAngebot der Woche: Gurkeneinmachgew\u00fcrz 100 gr.\u00a0 2,5o DM\u201d<br \/>\nZwei Mark f\u00fcnfzig &#8230;. die Zeiten, in denen wir im Mark bezahlten sind ja schon fast 10 Jahre her &#8230;.. tats\u00e4chlich in diesem Laden muss buchst\u00e4blich die Zeit stehen geblieben sein!<br \/>\nUnd ich fand das gar nicht schlimm.<br \/>\nHier war alles irgendwie entspannt,<br \/>\nkeine Scannerkasse piepste<br \/>\nkein Lautsprecher dudelt<br \/>\nkeine Halogenscheinwerfer strahlen optimal platziertes Gem\u00fcse an.<\/p>\n<p>Tausend mal habe ich einen Discounter besucht, und nie hat mich einer wirklich beeindruckt. Aber dieser Laden in Emskirchen, den habe ich mir gemerkt. Und wenn mir mal alles zu viel und zu stressig ist, dann schau ich da mal wieder vorbei: In dem Laden, in dem die Zeit stehengeblieben ist.<br \/>\nEinen sch\u00f6nen Tag w\u00fcnsche ich ihnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Konfispruch mit strahlendem Gesicht<\/strong><\/p>\n<p>Am Wochenende feiern wir bei uns Konfirmation. Die jungen Leute haben sich ihre Spr\u00fcche selbst ausgesucht, irgendwann kommen sie mit einem Zettel vorbei, auf dem sie ihren Lieblingsvers notiert haben.\u00a0 Da kam Markus: Ohne Zettel! \u201eIch wei\u00df ihn auswendig\u201d sagt er nicht ohne Stolz und strahlt mich an: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, glaube nur &#8211; Markus 5, Vers 36&#8243; \u201ewas, nur die f\u00fcnf\u00a0 W\u00f6rter, mehr nicht?\u201d &#8211; Fast w\u00e4re mir das als Antwort rausgerutscht &#8211; \u201e &#8211; aber ich hab mich gerade noch bremsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcrchte dich nicht, glaube nur\u201d &#8211; das sind ja mehr als nur ein paar freundliche Worte, das ist auch mehr als ein netter Ratschlag. Das ist eine riesige Lebensaufgabe.\u00a0 Auf Gott zu vertrauen und darum keine Angst vorder Zukunft zu haben.<br \/>\n\u201eSuper, Markus\u201d hab ich gesagt, \u201eda haste nen Hammerspruch rausgesucht, da wirst du noch lange was davon haben\u201d. Am Sonntag wird dieser Spruch aus seinem buten Holzkreuz stehen, dass er bei seiner Konfirmation \u00fcberreicht bekommt. Und ich hoffe, sein Blick f\u00e4llt immer wieder auf diesen Mutmach-Vers: F\u00fcrchte dich nicht, glaube nur.<br \/>\nEinen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen<\/p>\n<p><strong>Mit der Kaffeetasse erwischt<\/strong><\/p>\n<p>Wissen sie eigentlich, wie bl\u00f6d man mit einer Kaffeetasse in der Hand aussehen kann? Ich hab das k\u00fcrzlich ausprobiert: Endlich war ich mal wieder in unserem Dekanatsb\u00fcro, habe ein paar Unterlagen vorbeigebracht, und dabei kam ich auch mit den B\u00fcrodamen ein bisschen ins Plaudern. Dann haben sie mir einen Kaffe in die Hand gedr\u00fcckt. Anscheinend habe ich den Eindruck erweckt, ich h\u00e4tte ihn n\u00f6tig.<br \/>\nUnd dann platzte der Dekan, der Chef rein: Und ich stehe da gem\u00fctlich ans Ordnerregal gelehnt mit einer Kaffeetasse in der Hand. &#8211; Mist, voll peinlich.<br \/>\nViel lieber w\u00e4rs mir gewesen, wenn ich in diesem Moment mal wieder ein Softwareproblem der B\u00fcro-Damen gel\u00f6st h\u00e4tte oder sowas &#8211; aber nein, beim Faulenzen werde ich ertappt!\u00a0 Ich glaub, ich habe ziemlich bl\u00f6d verlegen geguckt.<\/p>\n<p>Ich habe mich erst entspannt, als er sich auch ne Tasse eingeschenkt hat.\u00a0 Klar: Wieso sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir mal 10 Minuten entspannt miteinander reden, mehr voneinander erfahren, auch mal \u00fcber unsere Sorgen oder Hoffnungen reden k\u00f6nnen. Das\u00a0 geh\u00f6rt zum menschlichen Miteinander dazu. Gott hat und als Menschen geschaffen, mit dem Bed\u00fcrfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein und zu reden. Ich bin keine B\u00fcro-Maschine. Wir brauchen solche Momente, mit der Kaffetasse, einem Schulterklopfen oder einer Leberk\u00e4ssemmel.<br \/>\nEinen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen.<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fccksfaktoren<\/strong><\/p>\n<p>Vier Tage lang war ich mit Jugendlichen zu einem Seminar unterwegs: Wir waren auf der Suche nach dem Gl\u00fcck. Aus der Forschung wussten wir einiges \u00fcber unser Gl\u00fccksempfinden. Weil wir wissen, wie gl\u00fccklich Schokolade macht, besuchten wir eine Schokoladenfabrik.<br \/>\nSelbst\u00fcberwindung l\u00f6st Gl\u00fcckgef\u00fchle aus &#8230; wir bezwangen eine 11 Meter hohe Kletterwand.<br \/>\nUnbekanntes zu entdecken begl\u00fcckt &#8230; nachts im Wald suchten wir eine Schatzkiste.<br \/>\nEntspannung gabs mit einer Wellness-Einheit und wir gingen Shoppen.<br \/>\nIch hab gesp\u00fcrt: Die waren wirklich gl\u00fccklich.<br \/>\nAber ich glaube, es lag nicht an unseren kleinen Gl\u00fccks-Aktionen, sondern daran, dass sie eine gute Gemeinschaft erlebten, sich angenommen f\u00fchlten, jemand f\u00fcr sie da war.<br \/>\nUnd irgendwie habe ichs in diesen Tagen an mir selber gemerkt: Gl\u00fcck, das sind nicht die Highligts, die gro\u00dfen spekatul\u00e4ren Momente. Gl\u00fccklich bin ich, wenn das Drumherum passt. Ich mir genug Zeit f\u00fcr meine Familie nehmen kann, wenn ich mich von Gott beh\u00fctet und begleitet f\u00fchle &#8211; mehr brauchts da gar nicht.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck ist nicht der Goldschatz im Wald, Gl\u00fcck ist es, in diesem Wald zu stehen, den V\u00f6geln zu lauschen und sagen zu k\u00f6nnen: Gott, danke, dass es mich gibt, und dass du f\u00fcr mich da bist.<br \/>\nEinen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen.<\/p>\n<p><strong>Warten auf dem Messias<\/strong><\/p>\n<p>Immer trifft?s mich: Wenn ich bei dieser amerikanischen Imbisskette etwas bestelle, ist irgend etwas gerade nicht fertig. Mal sind die Pommes aus, oder ein Hamburger.\u00a0 Die freundliche Bedienung kassiert dann ab und verspricht mir: ich bringe es ihnen nachher auf den Platz. Und dann sitze ich da, schl\u00fcrfe an der Cola und warte auf den Hamburger. Und warte. Irgend wann kommt dann das Gef\u00fchl: der hat dich vergessen, ganz bestimmt. Solange kann das doch nicht dauern. Das wird nichts mehr. Und ich schwanke zwischen Hoffnung und Resignation.<\/p>\n<p>Genau das gleiche Gef\u00fchl beschleicht mich manchmal, wenn ich im Vaterunser h\u00f6re: &#8220; dein Reich komme&#8220;. Auf dieses Reich Gottes warten Christen n\u00e4mlich auch schon ziemlich lange. Wann kommt sie denn, die Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit? Diese Warterei seit 2000 Jahren kann schon m\u00fcrbe machen: hat Gott uns vielleicht auch vergessen?<\/p>\n<p>Also beim Hamburger-Brutzler hat mich die Bedienung bisher nie vergessen, und auch wenns lange gedauert hat: Es ist wunderbar, wenn dann doch das Versprochene kam.\u00a0 Wenn die das bei Schnellimbiss hinbekommen, m\u00fcsste Gott auch die Sache mit seinem Reich nicht vergessen haben. Ein bisschen macht mir das Mut zum Hoffen und zum Warten in unserer nicht ganz so perfekten Welt.<\/p>\n<p><strong>Am Sonntag habe ich Fl\u00fcgel<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAm Sonntag habe ich Fl\u00fcgel\u201d &#8211; Das hat mir die dreij\u00e4hrige Johanna beim Puzzlespielen erz\u00e4hlt.\u00a0 Eigentlich ist sie alt genug, um zu wissen, dass sie als Mensch keine Fl\u00fcgel hat\u00a0 &#8230; aber am Sonntag ist es halt offenbar anders. \u00dcberhaupt: Alles was toll und au\u00dfergew\u00f6hnlich ist, worauf sie sich freut, was sie sich w\u00fcnscht, das legt Johanna zur Zeit auf den geheimnisvollen Termin \u201eSonntag\u201c. &#8211;\u00a0 Ich habe herausbekommen: Ihr\u00a0 ist gar nicht bewusst, das der Sonntag halt einer von sieben Wochentagen ist.<\/p>\n<p>Sonntag, das bedeutet f\u00fcr sie: Da ist was besonderes los, da ist alles wundersch\u00f6n, da habe ich Fl\u00fcgel und brauche auch keinen Schnuller mehr. Vielleicht schafft es Johanna ja noch, dass ich es lerne: Der Sonntag ist ein besonderer Tag. &#8211; Ein Geschenk Gottes an seine Menschenkinder &#8211;<br \/>\nDarum ist er eigentlich viel zu schade, um an den Dingen weiterzuarbeiten, die an den Werktagen liegen geblieben sind.\u00a0 Wenn ich den Sonntag frei halte, ihn hoch halte, dann klappt es ja vielleicht auch bei mir: Dass ich am Sonntag Fl\u00fcgel habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag: Hier ist die Zeit stehengeblieben Dienstag: Konfispruch mit strahlendem Gesicht Mittwoch: Mit der Kaffeetasse erwischt Donnerstag: Gl\u00fccksfaktoren Freitag: Warten auf den Messias? 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