{"id":879,"date":"2013-06-10T20:59:56","date_gmt":"2013-06-10T18:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=879"},"modified":"2014-05-10T21:17:22","modified_gmt":"2014-05-10T19:17:22","slug":"radioandachten-auf-charivari-986-im-juni-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=879","title":{"rendered":"Radioandachten auf Charivari 98,6 im Juni 2013"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Montag: In der Ger\u00fcchtek\u00fcche<br \/>\nDienstag: Meine Wohlf\u00fchlzone ist zu klein<br \/>\nMittwoch: Der Seifenfabrikant<br \/>\nDonnerstag: Muschel-Geld<br \/>\nFreitag: Reine Energieverschwendung<br \/>\nSamstag: Das Sch\u00e4tzglas<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Montag: In der Ger\u00fcchtek\u00fcche<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen,<br \/>\nes gibt Momente, da bin ich kurz vorm Platzen. Da stehe ich zuf\u00e4llig in der Schlange beim Einkaufen und h\u00f6re mit, wie andere Leute \u00fcber jemanden herziehen, den ich gut kenne. Und mit jedem Satz, den ich h\u00f6re, werde ich w\u00fctender: Ich h\u00f6re ihre Spekulationen, und merke: Die kennen ihn nicht wirklich, sonst w\u00fcrden sie nicht so einen Schwachsinn herumtratschen.<\/p>\n<p>Die sch\u00e4men sich nicht dabei &#8211; sondern sind anscheinend stolz auf ihre haneb\u00fcchenen Phatasie und Theorien. Hautsache, es passt alles in ihr kleines selbstgezimmertes Weltbild. Unglaublich, am liebsten w\u00fcrde ich die sowas von zur Schnecke machen. Ihnen das achte Gebot wie einen feuchten Lappen um die Ohren hauen: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.<br \/>\nUnd schon gar nichts hinausposaunen, wenn du von nichts eine Ahnung hast.<\/p>\n<p>Und ich merke: Wenn ich jetzt den Mund aufmachen w\u00fcrde, dann k\u00e4me es zum Eklat in der Kassenschlange &#8211; ein ausrastender Pfarrer &#8211; welche eine Sensation.<br \/>\nAlso halte ich die Klappe &#8211; obwohl doch die anderen die Klappe halten m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Noch Stunden sp\u00e4ter bin ich von dem erleben aufgew\u00fchlt &#8211; was mir mehr \u00e4rgert:<br \/>\nDiese Tratschtanten &#8211; oder meine Feigheit? Ich wei\u00df es ehrlich nicht.<\/p>\n<p>Einen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen.<\/p>\n<p><strong>Dienstag: Meine Wohlf\u00fchlzone ist zu klein<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen,<br \/>\nhaben sie letzte Woche auch so unter der Hitze gelitten? Waren geschafft und irgendwie kaputt?<br \/>\nUnd wie war das dann vor 4 Wochen? Als es nach Pfingsten immer noch ekelhaft kalt und regnerisch war. Also: Ich habe schon ein bisschen gejammert und war gefrustet, dass wir keinen gescheiten Fr\u00fchling herbekommen.<\/p>\n<p>Es ist schon seltsam: Wir Menschen haben anscheinend eine sehr begrenzte Wohlf\u00fchlzone. Ein paar Grad dr\u00fcber und drunter &#8211; schon ist es f\u00fcr uns nicht mehr optimal und w\u00fcnschen uns eine Verbesserung.<br \/>\nAuch im Miteinander von uns Menschen habe ich so eine innere Wohlf\u00fchlzone:<br \/>\nWenn mir einer hanseatisch unterk\u00fchlt entgegenkommt, ist das nicht mein Ding. Aber von jedem gleich als bester Kumpel in den Arm genommen und geknuddelt werden &#8211; da ist bei mir dann auch eine Grenze.<br \/>\nIn ganz vielen Bereichen hat jeder von uns so seine innere Wohlf\u00fchlzone, die manchmal ziemlich eng begrenzt ist.<br \/>\nDummerweise spielt sich die Welt, in der wir leben, in einem Spektrum ab, das viel viel breiter ist als meine Komfortzone. Da wird immer etwas so, sein, wie es mir pers\u00f6nlich nicht behagt. Statistisch gesehen m\u00fcsste es eher die Ausnahme sein, dass Wetter, Mitmenschen und mein k\u00f6rperliches Befinden vollauf befriedigen.<br \/>\nWenn das mal so ist, sollte ich mich freuen.<br \/>\nUnd wenns was mal nicht so ideal ist, dann ist es halt so, und ich werde es bestimmt \u00fcberleben &#8211; auch laufend jammern zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche ihnen einen sch\u00f6nen Tag, und genie\u00dfen sie die Bereich, die heute bei ihnen in der Wohlf\u00fchlzone sind.<br \/>\n<strong>Mittwoch: Der Seifenfabrikant<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen<br \/>\nman erz\u00e4hlt sich, dass einmal ein Seifenfabrikant einen Pfarrer getroffen hat. Dem hat er dann lang und breit erkl\u00e4rt, dass der christliche Glaube und die Arbeit des Pfarrers v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig sei. Schlie\u00dflich gibt es das alles nun schon seit 2000 Jahren, aber die Menschen sind in dieser Zeit nicht besser geworden. Immer noch gibt Hass, Neid, S\u00fcnde und Lieblosigkeit.<\/p>\n<p>Der Pfarrer h\u00f6rte sich das geduldig an uns antwortete: Sie m\u00f6gen mit ihren Beobachtungen recht haben. Aber ich frage mich nur, weshalb, Sie immer noch Seife herstellen. Die gibt es noch viel l\u00e4nger, aber die Menschen sind nicht sauberer geworden. Jeden Tag machen sie sich dreckig.<\/p>\n<p>Moment wirft der Seifenhersteller ein: Genau darum geht es doch: Jeden Tag muss ich schauen, dass ich wieder sauber werde &#8211; und dazu brauchen wir Seife, immer wieder, unser Leben lang.<\/p>\n<p>Sehen Sie, sagte der Pfarrer: Mit unserem Glauben ist es nicht anders. Jeder Mensch kann ihn immer wieder brauchen &#8211; an jedem Tag seines Lebens.<br \/>\nDamit er Mut bekommt, damit er in Krisen nicht aufgibt, damit er an seinen Fehlern nicht verzweifeln muss.<\/p>\n<p>Darum gibt es uns beide bis heute: Die Seifenmacher und die Kirchenleute.<\/p>\n<p>Einen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag: Muschel-Geld<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen,<br \/>\nwussten sie, dass man im Staat Papua-Neuguina noch mit Muscheln zahlt? Zumindest den Begriff nach: Denn einst hatte man dort wirklich die Kinamuschel als W\u00e4hrung. Mittlerweile wurde die eigentliche Muschel durch M\u00fcnzen und Scheine ersetzt. Aber das Geld hei\u00dft immer noch \u201eKina\u201d, so wie die Muscheln.<br \/>\nEine fr\u00e4nkische Bratwurstsemmel k\u00e4me dann auf etwa 5 Muscheln; also Kina.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege mir, wie das w\u00e4re, wenn wir mit Muscheln zahlen w\u00fcrden; wenn ich mein Gehalt in Muscheln bek\u00e4me. Ich w\u00fcrde dann am Monatsende einen Koffer voller Muscheln mit heimnehmen, und zum einkaufen w\u00fcrde ich so ein T\u00fctchen als Geldbeutel dabeihaben.<br \/>\nUnd ich stelle mir vor, wie das mit den Fu\u00dfballstars und den Bankmanagern w\u00e4re, die kubikmeterweise die Muscheln in ihren Vorgarten gekippt bekommen. Ihre astronomischen Geh\u00e4lter br\u00e4uchten riesige Lagerhallen, die ihre Villen in den Schatten stellen. Und irgendwann w\u00fcrden sie sich fragen: Was soll ich mit dieser schier endlosen Menge an Muscheln? F\u00fcr was soll ich die je verwenden? Das hat doch keinen Sinn. Bitte h\u00f6rt auf, mich unentwegt mit Geld zuzusch\u00fctten, das ich mein Leben lang nicht verbrauchen kann &#8211; es nimmt mir den Platz weg f\u00fcr mein Leben. Gebt es denen, die es wirklich zum Leben brauchen.<\/p>\n<p>Eigentlich schade, dass man heute seine sinnlosen Reicht\u00fcmer so unkompliziert auf einem Bankkonto anh\u00e4ufen kann.<\/p>\n<p>Einen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen<\/p>\n<p><strong>Freitag: Reine Energieverschwendung<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen,<br \/>\nk\u00fcrzlich hat mich mal wieder so ein ganz besonderer Autofahrer \u00fcberholt. Ewig dr\u00e4ngelt er von hinten, als w\u00e4r die Mafia hinter ihm her. Setzt ein paar mal vergeblich zum \u00dcberholen an, aber es kommt ja immer was entgegen. Dann endlich kurz vor der n\u00e4chsten Ortschaft, ist Platz, er gibt Gas, dass es nur so r\u00f6hrt, und setzt sich vor mich. Naja, aber da ist je jetzt dieses Dorf, da muss er ja auch langsam machen. Und tats\u00e4chlich er bremst, wird immer lamgsamer, &#8211; ich wundere mich schon, das h\u00e4tte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber er wird noch langsamer, blinkt links und f\u00e4hrt beim f\u00fcnften Haus in die offene Garage hinein.<br \/>\nNa, da hat sich das \u00dcberholen aber so richtig gelohnt.<\/p>\n<p>Da geht er anderen auf die Nerven, bringt sie in gef\u00e4hrliche Situationen &#8211; f\u00fcr nix! Aber sowas von nix. Reine Energieverschwendung<\/p>\n<p>Nach dem ersten inneren \u00c4rger habe ich dann gedacht:<br \/>\nManchmal bin ich ja genauso unterwegs. Nicht mit dem Auto, sondern mit meinen Gedanken und meinem Verhalten.<\/p>\n<p>Da finde ich, dass ich da eine furchtbar wichtige Idee oder Frage habe und mache die anderen damit ganz fuchtig . Jeder soll mir zuh\u00f6ren, weil mir das ja so auf den N\u00e4geln brennt.<br \/>\nDann bin ich am dr\u00e4ngeln und \u00fcberholen, am schieben und rumfuhrwerken &#8211; weil das ja alles so wichtig ist.<\/p>\n<p>Da gehe ich anderen auf die Nerven \u2026 und untern Strich glaube ich, h\u00e4tte ich mein Ziel ohne das ganze Tamtam auch erreicht.<br \/>\nGeduld und Zur\u00fcckhaltung &#8211; das sind\u00a0 nicht umsonst uralte bew\u00e4hrte christliche Tugenden.<br \/>\nDenn sie klingen nicht nur gut und fromm &#8211; sie bewahren mich und andere davor, unsere menschliche, unsere seelische Energie zu verschwenden.<br \/>\nEinen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen.<br \/>\n<strong>Samstag Das Sch\u00e4tzglas<\/strong><\/p>\n<p>Guten Morgen<br \/>\nWieviele Bohnen passen wohl in ein gro\u00dfes Bonbonglas? Die Frage habe ich mir auf einem Kindergartenfest gestellt, denn dort war das eine von mehreren R\u00e4tselfragen, die die G\u00e4ste l\u00f6sen sollten.<br \/>\nDa stand dieses durchsichtige Glas randvoll mit Bohnen. Man durfte es hochheben, sch\u00fctteln von allen Seiten angucken &#8230; aber nicht aufmachen.<\/p>\n<p>Einige Eltern haben angefangen zu z\u00e4hlen; aber man sieht ja nur die, die au\u00dfen an der Glaswand liegen. Als sch\u00e4tzt man wild herum. Sind es hundert, 200 oder nochmehr?<br \/>\nIch stehe davor und habe echt keine Ahnung. 376 oder sowas habe ich dann auf den L\u00f6sungszettel geschrieben. So viele k\u00f6nnen es ja nicht sein.<\/p>\n<p>Waren es dann aber doch: \u00fcber zweitausend Bohnen waren da drin. H\u00e4tte ich echt nicht gedacht.\u00a0 Irgendwie war mirs richtig peinlich, so weit daneben zu liegen.<\/p>\n<p>Manchmal erlebe ich bei Sch\u00fclern im Reliunterricht das gleiche: Wenns um die Bibel geht.<br \/>\nOh Mann &#8211; Bibel &#8211; total langweilig.<br \/>\nUnd dann fangen wir das bl\u00e4ttern und suchen an, und dann kriegen die gro\u00dfe Augen: Was, das steht in der Bibel? Das gibts doch gar nicht!<\/p>\n<p>Ja, auch da steckt viel mehr drin, als eine Handvoll Jesusgeschichten.<br \/>\nErz\u00e4hlungen \u00fcber Liebe und Tod, von Verzweiflung und Hoffnung, von Gl\u00fcck und Rettung.<\/p>\n<p>Klar, viele meiner Sch\u00fcler haben die Bibel noch nie vorher aufgemacht. H\u00f6chstens mal geh\u00f6rt, das da was von Gott drinsteht &#8211; und dann waren sie schon bedient. Dann muss man auch nicht reingucken.<\/p>\n<p>Wie das Bonbonglas wird die Bibel immer wieder total untersch\u00e4tzt &#8211; weil man sie oft nur anguckt, aber nicht aufmacht.<\/p>\n<p>Einen guten Tag w\u00fcnsche ich Ihnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag: In der Ger\u00fcchtek\u00fcche Dienstag: Meine Wohlf\u00fchlzone ist zu klein Mittwoch: Der Seifenfabrikant Donnerstag: Muschel-Geld Freitag: Reine Energieverschwendung Samstag: Das Sch\u00e4tzglas <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=879\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Radioandachten auf Charivari 98,6 im Juni 2013","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[237],"tags":[290,289,291,292],"class_list":["post-879","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-radioandachten-2013","tag-energieverschwendung","tag-gelassenheit","tag-geld","tag-geruechte"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4BNB2-eb","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=879"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":894,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions\/894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pastors-home.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}