{"id":4702,"date":"2021-05-01T17:43:52","date_gmt":"2021-05-01T15:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=4702"},"modified":"2021-05-01T17:43:52","modified_gmt":"2021-05-01T15:43:52","slug":"predigt-die-lieder-werden-nicht-verstummen-lukas-19-37-49-2-mai-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=4702","title":{"rendered":"Predigt: Die Lieder werden nicht verstummen (Lukas 19, 37-49) 2. Mai 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-image-fill has-background\" style=\"background:linear-gradient(334deg,rgb(238,238,238) 0%,rgb(169,184,195) 100%)\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\" style=\"background-image:url(https:\/\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460-1024x787.jpg);background-position:50% 50%\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"880\" height=\"676\" data-attachment-id=\"4703\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=4703\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?fit=1440%2C1107&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1440,1107\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;DMC-TZ101&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1551955967&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;25.5&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;125&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0015625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Klagemauer Jerusalem 2018\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?fit=880%2C676&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460-1024x787.jpg?resize=880%2C676&#038;ssl=1\" alt=\"Klagemauer Jerusalem\" class=\"wp-image-4703 size-full\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=1024%2C787&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=300%2C231&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=768%2C590&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=390%2C300&amp;ssl=1 390w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=150%2C115&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?resize=235%2C180&amp;ssl=1 235w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/P1070769-scaled-e1619883700460.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\">Lk 19, 37-49<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 12 Monaten ist es mit dem Singen in den Kirchengemeinden mehr als m\u00fchsam. Dabei ist der Gesang doch eine unserer gr\u00f6\u00dften Kraftquellen. Mit Lk 19 \u00f6ffnet sich da ein Blick auf die Sprache der Steine und der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Ein Jahr ohne Gesang<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau vor einem Jahr, also auch am Sonntag Kantate, haben wir hier in Wilhelmsdorf und Brunn nach dem Oster-Lockdown zum ersten Mal wieder einen Gottesdienst gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit teilweise selbstgen\u00e4hten Stoffmasken sa\u00dfen wir mit Abstand in den Reihen. Damals galt die Regel, das wir mit Maske singen durften, aber es war schon sehr sehr ungewohnt. Und so richtig Freude am Singen kam da auch nicht auf. Und seit Mitte Dezember war dann das Singen f\u00fcr die Gemeinde gar nicht mehr erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und viele sagen: Das fehlt total! Singen geh\u00f6rt doch zum Gottesdienst dazu. Ohne Gesang f\u00fchlt sich das irgendwie steril an, es ist l\u00e4ngts nicht so viel Herz dabei. Und man sp\u00fcrt die Sehnsucht danach, endlich mal wieder einen der alltbekannten Chor\u00e4le aus voller Brust zu schmettern. Am besten noch zusammen mit dem Posaunenchor.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist noch lange nicht in Sicht, und das schlaucht einen gewaltig. Und ich frage mich: Hat die eigene Schlappheit manchmal auch damit zu tun, dass so ein Gottesdienst mit Gesang als seelischer Tankstelle zur Zeit nicht so richtig gut funktioniert?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Singen ist viel viel mehr als ein L\u00fcckenf\u00fcller zwischen den Texten unserer Gottesdienste. Das Singen l\u00f6st so viel aus. Es dringt oft in ganz andere Schichten unserer Seele vor, als Worte es k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Singen im ist ein eigener Gottesdienst im Gottesdienst. Kirchenvater Augustin hat gesagt: Wer singt, betet doppelt. Mit meinen Lieder f\u00fchre ich ein Gespr\u00e4ch mit Gott. Obwohl die Worte uralt sind und eigentlich gar nicht meinem Redestil entsprechen, f\u00fchle ich mich in besonderer Weise mit Gott verbunden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Singen in der Bibel<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibel wird ja auch viel gesungen. Miriam schmettert ein Lied nach der erfolgreichen Flucht durch das Schilfmeer. In der Nacht von Jesu Geburt erscheinen die Engel bei den Hirten. Sie preisen und loben Gott: \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Und als der Apostel Paulus zusammen mit Silas im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, haben sie Loblieder gesungen, trotz ihrer schwierigen Situation \u2013 in der Lesung haben wir davon geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Predigttext von heute erz\u00e4hlt auch von einer gesanglichen Begebenheit. Der Evangelist Lukas beschreibt, wie Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und als Jesus schon nahe am Abhang des \u00d6lbergs war, fing die ganze Menge der J\u00fcnger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme \u00fcber alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der K\u00f6nig, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der H\u00f6he!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>39 Und einige Pharis\u00e4er in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine J\u00fcnger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit die Worte des Heiligen Schrift.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Gute Nachricht darf nicht verschwiegen werden<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es hat den einflussreichen M\u00e4nnern Jerusalems nicht gepasst, was die J\u00fcnger hier gesungen haben. Und tats\u00e4chlich waren die Worte eine Provokation: <em>Gelobt sei, der da kommt, der K\u00f6nig, in dem Namen des Herrn!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus vor den Stadttoren als K\u00f6nig auszurufen, das kann nur f\u00fcr \u00c4rger sorgen. Denn der bisherige K\u00f6nig war ein anderer \u2013 das konnte nur Probleme bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>So dachten die Pharis\u00e4er. Sie hatten keine Ahnung davon, dass hier eine ganz andere Form von K\u00f6nig, von Herrschaft gemeint war. Das kommende Reich Gottes hatten sie nicht im Blick. Darum war klar: Die J\u00fcnger m\u00fcssen aufh\u00f6ren, diese Botschaft, diese revolution\u00e4re Botschaft, die so viel Bisheriges in Frage stellt, laut hinauszuposaunen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Jesus antwortet: <em>: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was hat er damit gemeint?<br>Einige Zeilen sp\u00e4ter k\u00f6nnen wir lesen, dass Jesus \u00fcber Jerusalem weint. Er sieht nicht nur seinen eigenen Tod kommen, sondern auch, dass diese Stadt bald zerst\u00f6rt werden wird. Weil ihre M\u00e4chtigen nicht bereit sind zu erkennen was dem Frieden dient. Darum wird eine milit\u00e4rische Katastrophe kommen. Und tats\u00e4chlich wird etwa 40 Jahre sp\u00e4ter die Stadt erobert. \u201cSie werden dich, Jerusalem, dem Erdboden gleichmachen, und keinen Stein auf dem andern lassen in dir.\u201c sagte Jesus, und so ist es dann auch gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was schreien die Steine?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem schreien die \u00fcbrig geblieben Steine von Jerusalem. Die Ruinen und manche alte Mauern sind noch heute dort zu sehen. Sie erinnern an diese Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie bei uns auch Steine schreien, wo wir Chancen verpasst, oder die Zeichen der Zeit nicht gesehen haben. Das Reichsparteitagsgel\u00e4nde in N\u00fcrnberg, das sind zum Beispiel unsere nationalen schreienden Steine. Sie erinnern an das Versagen unserer Vorfahren beim Erkennen, dessen, was damals im Gange war. Sie beklagen die Millionen von Opfer jener furchtbaren Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der stumme Schrei der Steine ist nicht so gut zu h\u00f6ren, wie die Lobges\u00e4nge der J\u00fcnger am Stadttor. Aber es kann sich lohnen, da mal hinzuh\u00f6ren: Die Steine von Jersualem, die ber\u00fchmtesten Steine, die an diese Katastrophe erinern, sind die an der sogenannten Klagemauer. Das sind die wenigen Meter des damaligen Tempel-Plateaus. Sie haben die damalige Katastrophe und die folgende Jahrhunderte \u00fcberstanden . Wir alle kennen sie zumindest aus Fotos und Filmen. Und wenn man erlebt, was da heutzutage geschieht:<br>Da wird nicht nur geklagt. Man betet, man feiert Barmizwa \u2013 man sieht: Nach all dem Furchtbaren der letzten Jahrhunderte sind wir immer noch da! Gottes Treue hat uns nicht aufgegeben. Wir feiern, dass wir eine Zukunft haben. Der Tempelberg ist ja immer noch da.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Steine schreien, sie singen in verschiedenen Tonarten \u2013 auch von der Zukunft. Von Hoffnung und Zuversicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, dass auch die Steine unseres Versagens nicht nur Klagelieder singen. Da ist viel Mahnung drin. Aber auch die Melodie der Erwartung, dass wir unseren Weg gut gehen k\u00f6nnen, wenn wir erkennen und beherzigen, was gut ist. Und im kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Gottes Weisungen der 10 Gebote und Jesu Bergpredigt da ein ziemlich guter Wegweiser sind, um nicht in die n\u00e4chste Katastrophe hineinzuschlittern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Gesang der Sch\u00f6pfung<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Steine singen ihr stummes Lied. Momentan lachen mich die Bl\u00fcten der Kirschb\u00e4ume und vieler Str\u00e4ucher an. Im Nest der Amsel h\u00f6re ich die Jungv\u00f6gel piepsen. Aus dem Boden ploppen die G\u00e4nsebl\u00fcmchen, eine Hummel summt mir um die Ohren. Schon immer singt die gesamte Sch\u00f6pfung unseren Gott ihr Loblied. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kann dieses unspektakul\u00e4re Gotteslob der erwachenden Sch\u00f6pfung auch ein Modell sein, in Corona-Zeiten nicht den Mund zu halten \u2013 nicht damit aufzuh\u00f6ren unsere Loblieder zu singen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir hier in der Kirche nicht alle miteinander singen k\u00f6nnen, dann ist das halt so. Aber vielleicht sollte ich mal andere Wege finden?<br>Unter der Dusche. Beim Autofahren \u2013 vielleicht irgendwo mit dem Handy \u201c<strong> <\/strong>Lobe den Herren, den m\u00e4chtigen K\u00f6nig der Ehren googeln und dann abspielen \u2026 und dann nach Lust und Lanue mitsingen \u2013 egal wie schr\u00e4g das vielleicht klingt! Es h\u00f6rt ja kein Fremder! &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann mal in sich hineinsp\u00fcren, ob mir das gut tut. Ob es mir hilft, meine inneren Akkus aufzutanken, etwas fr\u00f6hlicher durch meinen Tag zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder ein anderer Gedanke: Wir sehen uns ja alle auch nicht mehr so oft. Jemanden anrufen, den man hier in der Kirche schon l\u00e4nger nicht mehr gesehen hat: Hallo, wie gehts dir denn so \u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wei\u00df, was man da alles h\u00f6rt. Vielleicht so manches Klagelied, aber es kann gut sein, dass derjenige auch Erfreuliches zu berichten hat, und das endlich mal mit jemanden teilen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So, wie die Steine, die nicht nur klagen k\u00f6nnen, sondern auch von Hoffnung erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur zwei kleine Beispiele \u2013 Sie haben bestimmt viel bessere Ideen, um sich wieder ein bisschen &#8211; musikalisch oder auf andere Weise &#8211; mit dem vielf\u00e4ltigen Lob Gottes etwas Gutes zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 12 Monaten ist es mit dem Singen in den Kirchengemeinden mehr als m\u00fchsam. Dabei ist der Gesang doch eine unserer gr\u00f6\u00dften Kraftquellen. 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