{"id":4676,"date":"2021-03-14T13:37:59","date_gmt":"2021-03-14T12:37:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=4676"},"modified":"2021-10-11T12:01:42","modified_gmt":"2021-10-11T10:01:42","slug":"liedpredigt-jesu-meine-freude-eg-396-14-maerz-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=4676","title":{"rendered":"Liedpredigt: Jesu meine Freude (EG 396) 14. M\u00e4rz 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-image-fill has-very-light-gray-to-cyan-bluish-gray-gradient-background has-background\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\" style=\"background-image:url(https:\/\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-593x1024.jpg);background-position:50% 50%\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"593\" height=\"1024\" data-attachment-id=\"4677\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=4677\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?fit=1484%2C2560&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1484,2560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?fit=593%2C1024&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck.jpg?resize=593%2C1024&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-4677 size-full\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=593%2C1024&amp;ssl=1 593w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=174%2C300&amp;ssl=1 174w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=768%2C1325&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=890%2C1536&amp;ssl=1 890w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=1187%2C2048&amp;ssl=1 1187w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?resize=87%2C150&amp;ssl=1 87w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Luebben_Paul-Gerhardt-Kirche_Fenster_Johann_Franck-scaled.jpg?w=1484&amp;ssl=1 1484w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Jesu meine Freude<\/p>\n\n\n\n<p>Den Text hat der Rechtsanwalt und B\u00fcrgermeister Johann Franck am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges geschrieben. Die Predigt blickt Vers f\u00fcr Vers auf die wichtigsten Gedanken dieses Lieds.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><em>Flora, meine Freude, \/ meiner Seelen Weide, \/ meine ganze Ruh, \/ was mich so verz\u00fccket \/ und den Geist bestricket, \/ Flora, das bist du. \/ Deine Pracht gl\u00e4nzt Tag und Nacht \/ mir f\u00fcr Augen und im Herzen \/ zwischen Trost und Schmerzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So ein sch\u00f6nes Liebeslied auf die sch\u00f6ne Flora!<br>Wenn Sie jetzt den Kopf sch\u00fctteln, wie man so ein w\u00fcrdiges Kirchenlied zu einem banalen Liebeslied umdichten kann \u2026 sparen Sie sich den \u00c4rger! Es ist alles ganz anders. Flora war vor Jesus da!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cFlora meine Freude\u201d war ein Liebesgedicht, das einst der Organist am K\u00f6nigsberger Dom, Heinrich Albert (den kennen manche als Komponist von \u201c\u00c4nnchen von Tharau\u201d), vertont hatte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein paar Jahre sp\u00e4ter hat dann Johann Franck auf der Basis dieses Liebes-Liedes begonnen, den Liedtext \u201cJesu meine Freude\u201d zu schreiben. Und Johann Cr\u00fcger hat dem dann eine neue Melodie gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Franck hat viele geistliche Lieder verfasst, f\u00fcnf von ihnen finden sich auch in unserem Gesangbuch. (z.B.EG 218 Schm\u00fccke dich, o liebe Seele) Er war aber weder Pfarrer noch Musiker. Er lebte vor 350 Jahren in Guben in Brandenburg. Dort stammte auch der Komponist Cr\u00fcger her. Franck war Rechtsanwalt, und war recht beliebt in dem Ort, der deutlich von den Zerst\u00f6rungen des 30j\u00e4hrigen Kriegs gezeichnet war.<\/p>\n\n\n\n<p>1648, im letzten Kriegsjahr, wurde Johann Franck Ratsherr und schon drei Jahre sp\u00e4ter B\u00fcrgermeister seiner Heimatstadt Guben. Da gab es viel zu tun. Das Elend der Menschen war un\u00fcbersehbar. \u00dcberall Spuren des Kriegs, traumatisierte Menschen. Er versuchte als B\u00fcrgermeister irgendwie diese Stadt, auch ihre innere Ordnung, wieder aufzubauen. Ein Gef\u00fchl f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich eine Aufgabe, an der man manchmal verzweifeln konnte. Die Hingabe ans Dichten hat ihm da immer wieder aufgebaut, das hat er selber so gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten beiden Versen entdeckt man vielleicht so einige Spuren des damaligen Chaos, mit dem er konfrontiert war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>396 2+3 Jesu meine Freude<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den St\u00fcrmen aller Feinde frei.<br>Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.<br>Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich S\u00fcnd und H\u00f6lle schrecken,<br>Jesus will mich decken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu!<br>Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.<br>Gottes Macht h\u00e4lt mich in Acht, Erd und Abgrund muss verstummen,<br>ob sie noch so brummen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johann Franck befindet sich als B\u00fcrgermeister \u2013 genauso wie seine B\u00fcrger&nbsp; in keiner komfortablen Position. Diese beiden Verse lassen es buchst\u00e4blich sp\u00fcren, dass die Situation kritisch ist. Wir wissen nicht, ob es da um eine konkrete Bedrohungen, um bestimmte Anfeindungen geht. Aber man sp\u00fcrt: Das Leben ist nicht einfach. Es ist schwierig, konfliktreich, gef\u00e4hrlich, Er hat Angst, so manches Mal f\u00e4hrt ihm der Schreck in die Glieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gemeinde, sicher war es damals anders als heute. Aber einst wie jetzt macht auch uns das Leben immer wieder zu schaffen. Sorgen, \u00c4ngste, Konflikte mit anderen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mitten hinein in dieses Szenario singt dieses Lied: <em>Lass die  Welt erzittern, mir steht Jesus bei.<\/em> <em>Ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sich geborgen f\u00fchlen, trotz aller Bedrohungen und Schwierigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcrzlich habe ich ein Foto gesehen, das mich fasziniert hat. Auf der R\u00fcckseite des Psalm-Blattes ist es abgedruckt: In einem Dinosaurier-Park haben V\u00f6gel in dem Maul eines Sauriers ein Nest gebaut. Und wenn man genau hinsieht, erkennt man hinter den scharfen Z\u00e4hnen des Sauriers ein paar Schn\u00e4bel hochspitzen: Die kleinen Piepm\u00e4tze sind schon geschl\u00fcpft und schreien nach der Mama, damit sie was zum Fressen bringt.<br>Mitten im Rachen des Monsters sind die V\u00f6gel ganz entspannt und geborgen. Sie wissen: Der Saurier tut uns nichts. Egal, wie bedrohlich das alles aussieht. Egal, mit wieviel Zittern und Respekt die Besucher da am gro\u00dfen Saurier hochschauen. Wir wissen: Alles ist gut!<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht mir in meinen Krisenzeiten ein bisschen Mut:<br>Mitten in all dem, was mich bedroht, mitten in dieser Welt voller Risiken und allen Formen von Wahnsinn kann ich mich doch geborgen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein komisches Ineinander \u2013 aber ich habe ihnen ja angek\u00fcndigt: Es ist der Sonntag der inneren Widerspr\u00fcche!<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen, dass mir immer irgendwas zusto\u00dfen kann \u2013 und mich doch geborgen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erleben, dass ich als Mensch hinten und vorne nicht so bin, wie Gott es von mir erwarten d\u00fcrfte \u2013 und sich doch geliebt und angenommen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst vor einer konkreten Situation haben \u2013 und sich doch nicht verr\u00fcckt machen und Vertrauen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht den besonderen Realit\u00e4tssinn der Lieder dieser Art aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>396 4+5 Jesu meine Freude<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>4. Weg mit allen Sch\u00e4tzen; du bist mein Erg\u00f6tzen, Jesu, meine Lust.<br>Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht h\u00f6ren, bleibt mir unbewusst!<br>Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muss leiden, nicht von Jesus scheiden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>5. Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gef\u00e4llst du nicht.<br>Gute Nacht, ihr S\u00fcnden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht!<br>Gute Nacht, du Stolz und Pracht; dir sei ganz, du Lasterleben, gute Nacht gegeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der angesehene Rechtsanwalt, Ratsherr und B\u00fcrgermeister Johann Franck beginnt diese Strophe mit einer deutlichen Absage an Geld, Ruhm und Ehre. \u201cWeg mit allen Sch\u00e4tzen!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen beiden Versen sortiert Johann Franck aus:<br>Was hilft mir im Leben wirklich weiter?<br>Wovon habe ich wirklich etwas was?<br>Und was kann weg?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gef\u00e4llst du nicht. <\/em>Da trennt Franck zwischen dem Wesen der Welt und dem Wesen des Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p>Was er damit meint? So eine gewisse Weltabgewandtheit hat eine Tradition im Christentum. Die b\u00f6se weltliche Welt&nbsp; und die gute Sph\u00e4re des Glaubens.<br>Aber kann ich das wirklich so trennen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mir vorstelle: Hier drin sind die \u201cGuten\u201d, die Frommen. Wir streben nach N\u00e4chstenliebe, man k\u00fcmmert sich selbstlos um die anderen und lebt die Werte unseres Glaubens und h\u00f6rt auf Gottes Wort.<\/p>\n\n\n\n<p>Und drau\u00dfen vor der Kirchent\u00fcre ist die b\u00f6se Welt. Beherrscht von Egoismus und Lieblosigkeit. Keiner fragt nach Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Wette, wenn wir nur lange genug hier zusammenhocken w\u00fcrden, dann w\u00fcrden wir auch entdecken: Da ist nicht alles Gold, was gl\u00e4nzt. Auch mitten unter uns gibt es Egoismus.&nbsp; In jedem schlummert auch das, was wir eigentlich nicht wollen und nicht gut finden.<br>Und drau\u00dfen wird es auch jede Menge von dem geben, wo wir denken, dass es eigentlich unser christliches Kerngesch\u00e4ft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen das nicht so einfach schwarzwei\u00df malen und trennen.<br>Vielmehr muss ich selber in mir schauen: Wie bekomme ich meine verschiedenen Logiken sortiert? Wo ticke ich christlich, und wo schl\u00e4gt bei mir eine ganz andere Logik durch? Wie bekomme ich meinen inneren egoistischen Schweinehund unter Kontrolle?<\/p>\n\n\n\n<p>Da muss ich immer wieder selbstkritisch auf mich selber schauen. Mich selber auf das zentrieren, was mir als Christ wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn ich mit dieser Perspektive auf diese beiden Verse 4 und 5 schaue, habe ich den Eindruck: Sie sind eine Art Selbst-Reflexion, ob ich denn momentan noch meinen eigenen Werten, meiner eigenen Lebensrichtung treu bin. &#8211; Und das kann ja niemals schaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch bleibt bei ihm die Erkenntnis: Es ist immer ein Prozess. Ich werde nie perfekt sein. Aber ich will nicht aufh\u00f6ren an mir selbst zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so kann das Lied auch sehr zuversichtlich und ohne erhobenen Zeigefinger enden:<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p><em>6. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.<br>Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betr\u00fcben lauter Freude sein.<br>Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude.<br><br><br><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Text hat der Rechtsanwalt und B\u00fcrgermeister Johann Franck am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges geschrieben. 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