{"id":3107,"date":"2017-10-08T10:00:22","date_gmt":"2017-10-08T09:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=3107"},"modified":"2017-10-24T07:33:27","modified_gmt":"2017-10-24T06:33:27","slug":"predigt-zur-kirchweih-bassd-scho-7-oktober-2017-roemer-3-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=3107","title":{"rendered":"Predigt zur Kirchweih: &#8222;Bassd scho&#8220; (7. Oktober 2017) R\u00f6mer 3, 23"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><a href=\"http:\/\/pastors-home.de\/?attachment_id=3108\" rel=\"attachment wp-att-3108\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"3108\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=3108\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?fit=1000%2C750&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1000,750\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;1.7&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;SM-G950F&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1507400648&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.2&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;100&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.02&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"kerwab17\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?fit=880%2C660&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-3108\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17-300x225.jpg?resize=300%2C225\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=400%2C300&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=150%2C113&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=200%2C150&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?resize=267%2C200&amp;ssl=1 267w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/kerwab17.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vor Beginn dieses Kirchweih-Gottesdienstes erwarten die Kerwa-Burschen und Kerwa-Madli die Gottesdienstbesucher und nehmen Ma\u00df: Die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe jedes Einzelnen wird gemessen, dann wird festgestellt, ob er zu den Top3 der gr\u00f6\u00dfen oder kleinsten geh\u00f6rt. So entsteht am Kirchenportal eine Liste der Gr\u00f6\u00dfen und Kleinsten, die heute in den Gottesdienst gekommen sind. An dieser Erfahrung des Gemessen-Werdens kn\u00fcpft dann die Predigt an und schl\u00e4gt den Bogen zur Rechtfertigung vor Gott.<\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>so, nun wissen wir, wer die l\u00e4ngsten und k\u00fcrzesten Gottesdienstbesucher sind. Auf den Zentimeter genau haben wir das jetzt einmal gemessen.<br \/>\nEin bisschen hat mich das an meine Kindheit erinnert. Da wurden die Kinder auch immer wieder mal gemessen: Dazu standen wir im T\u00fcrstock und auf dem Kopf wurde waagerecht ein Stift hingehalten, mit dem dann ein Strich an den T\u00fcrstock gemalt wurde. Schlie\u00dflich wurde mit dem Zollstock nachgemessen, und so war klar, wie gro\u00df, bzw. wie klein man war.<br \/>\nDiese Striche hat keiner mehr wegradiert, so blieb an der T\u00fcre sichtbar der Strichcode vom Wachstum der Kinder.<\/p>\n<p>Nun ja: Das kann ja auch etwas sein, was einen mit Stolz erf\u00fcllt, wenn man tats\u00e4chlich sch\u00f6ne Wachstums-Fortschritte macht.<br \/>\nNicht so lustig ist es, wenn da nichts so richtig weitergeht. Wenn in der achten Klasse der Sportlehrer jedes Mal die Sch\u00fcler anweist, sich der Gr\u00f6\u00dfe nach aufzustellen &#8211; und man immer zu der Handvoll geh\u00f6rt, die sich am kleinen Ende hinstellen muss.<!--more--><\/p>\n<p>Sie merken: Wir Menschen messen gerne &#8230; aber selbst gemessen und beurteilt zu werden, finden wir weniger lustig. Denn da sp\u00fcrt man die damit verbundene Diskriminierung, die Unsicherheit und die eigene Verletzlichkeit.<br \/>\nEhrlich gesagt: Noch viel mehr Spa\u00df h\u00e4tte es uns drau\u00dfen vor der Kirche gemacht, eine Waage aufzustellen. Denn beim eigenen Gewicht sind wir, so glaube ich, noch viel empfindsamer. Da k\u00f6nnen wir es noch weniger brauchen, dass fremde Menschen das kritisch nachmessen.<\/p>\n<p><em><strong>&#8222;Bassd scho&#8220; in Franken<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwir wissen ja, dass wir Franken eine besonders sensible Rasse sind. Vielleicht sind wir deshalb die Erfinder der allerbesten Waffe gegen all diees Ma\u00dfnehmen und Beurteilen: N\u00e4mlich das Zauberwort \u201cBassd scho\u201d<\/p>\n<p>\u201cBassd scho\u201d verzichtet n\u00e4mlich darauf, einen Menschen anhand irgendwelcher Messwerte zu beurteilen, sondern nimmt das Ganze in den Blick! Und dazu geh\u00f6rten eben mehr als ein paar vereinzelte Zahlen. Wir stellen fest, dass etwas in der Summe in Ordnung ist &#8211; auch wenn es da so einige Abweichungen vom Ideal gibt.<\/p>\n<p>\u201eBassd scho\u201c ist von daher eine sehr ehrliche und auch sehr gn\u00e4dige Formulierung, die mehr wahrnimmt, als das, was aktuell vor Augen ist.<\/p>\n<p>\u201eBassd scho\u201c &#8211; sagt der Vater zu seinem Sohn, wenn er zum ersten Mal mit einer 5 in Latein heimkommt, weil er vergessen hat, die Vokabeln zu lernen. \u201eDas n\u00e4chste Mal klappt es bestimmt wieder besser\u201c<\/p>\n<p>\u201eBassd scho\u201c &#8211; sagt die Schwiegertochter zur gebrechlichen Oma am Fr\u00fchst\u00fcckstisch, nachdem sie aus Versehen die viertelvolle Kaffetasse umgekippt hat. \u201eIch wei\u00df doch, dass du es nicht absichtlich gemacht hast!\u201c.<\/p>\n<p>\u201cBassd scho\u201d sagt der Ehemann zum neuen Kleid seiner Frau. Er sieht zwar, dass sie keine Modelma\u00dfe hat, und das Ding an der H\u00fcfte ein bisschen eng sitzt, aber er sieht das stolze Strahlen in ihren Augen &#8211; und darum ist das Kleid der Hit!<\/p>\n<p>\u201eBassd scho\u201c &#8211; das bedeutet: Du bist nicht perfekt, du machst Fehler; aber du bist mir trotzdem recht. Ich nehme dich so, wie du bist, das geht f\u00fcr mich in Ordnung! Weil ich dich mag und wir zusammengeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nf\u00fcr diesen allt\u00e4glichen Vorgang gibt es einen Fachbegriff: Rechtfertigung. Da wird etwas f\u00fcr gerecht, f\u00fcr \u201ein Ordnung\u201c erkl\u00e4rt, obwohl es Schw\u00e4chen hat, und eigentlich nicht in Ordnung ist.<\/p>\n<p>Vorhin in der Lesung haben sie bereits geh\u00f6rt, wie der Apostel Paulus es im Brief an die R\u00f6mer beschrieben hat &#8211; wo es um unserer Verh\u00e4ltnis zu Gott geht:<br \/>\n\u201cDenn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die in Christus Jesus ist.\u201d (R\u00f6m 3, 23f)<\/p>\n<p>Er sagt: Da hat Gott genau darauf geschaut &#8211; nachgemessen, wie es um uns Menschen steht &#8211; und gemerkt: \u201cDas ist eigentlich weit davon entfernt, in Ordnung zu sein\u201d. Aber dann sagt er doch \u201cbasst scho\u201d. Gott rechtfertigt uns; er spricht uns Menschen gerecht &#8211; obwohl wir S\u00fcnder sind.<\/p>\n<p><em><strong>Autorit\u00e4t des Gerechtsprechens<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aber da h\u00f6re ich sie schon. Die Freunde des gepflegten Nachmessens. Wie sie reklamieren:<br \/>\n\u201cEigentlich ist das ja absurd: Das geht doch gar nicht! Ich kann doch nicht etwas f\u00fcr in Ordnung erkl\u00e4ren, obwohl es nicht in Ordnung ist. &#8211; Das ist doch irgendwie gemogelt, das ist doch nicht reell.\u201d &#8211; Das kann Gott doch nicht machen.<\/p>\n<p>Da stellt sich die Frage, liebe Gemeinde, von wem ich mir da was sagen lasse!<br \/>\nWenn der Alfred seiner Luise sagt: Dieses Kleid ist tats\u00e4chlich ein Traum, dann ist das so. Dann kann die Verk\u00e4uferin die Augenbrauen hochziehen, wie sie will. Die ist da raus &#8211; weil es um Luise und Alfred geht.<\/p>\n<p>Wenn die Schwiegertochter sagt: Das bassd scho, dass die Schwiegermutter am Tisch \u00f6fter ein bisschen kleckert und manchmal das Gebiss verrutscht, dann ist das so. Und da kann die Tante in der R\u00fcschchenbluse, die grade auf ein St\u00fcck Torte reingeschneit ist, noch so pikiert dreinschauen. Die hat da nichts zu melden, wenn die Familie \u201cbassd scho\u201d sagt.<\/p>\n<p>Und wie ist das mit meinem Leben?<br \/>\nWer hat da was zu melden?<br \/>\nWer hat da das Recht \u201cbassd scho\u201d zu sagen?<br \/>\nZu meinen Fehlern, meinen Schw\u00e4chen? Den gro\u00dfen und kleinen Verfehlungen? Wer sagt da zu mir \u201ebassd scho\u201c?<\/p>\n<p>Ich merke: Das kann ich mir nicht selber sagen!!<br \/>\nIch brauche jemanden, der mich anschaut, der \u00fcber meine Fehler nicht einfach hinwegguckt. Einer, der genau merkt, was da in meinem Leben nicht so passt, der durchaus Ma\u00df nimmt, und dann dennoch urteilt: \u201eBassd scho\u201c.<br \/>\nUnd das kann nur Gott, der Sch\u00f6pfer, der mir mein Leben gegeben hat.<\/p>\n<p><em><strong>Der Grund der Rechtfertigung<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aber warum sollte Gott sich auf so etwas einlassen? Weshalb sollte er jemanden gerecht sprechen, obwohl er ganz und gar nicht gerecht ist?<\/p>\n<p>Schauen wir noch mal in den Predigttext:<br \/>\n&#8222;Denn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die in Christus Jesus ist.&#8220; (R\u00f6m 3, 23f)<\/p>\n<p>Dieser Satz sagt es ganz n\u00fcchtern: Wir Menschen haben eigentlich gar keine Chance als Gerechte vor Gott zu stehen. Wir k\u00f6nnen Gott nicht sagen: Guten Morgen, hier stehen die Gerechten vor dir und beantragen, in dein Himmelreich zu kommen.<\/p>\n<p>Und weil das so aussichtslos ist, gibt Gott uns Menschen eine andere Chance: \u201eUmsonst gerechtfertigt werden; aus Gnade\u201c:<br \/>\nGott sagt: Komm herein zu mir, in mein ewiges Reich &#8211; \u201edes bassd scho\u201d.<br \/>\nDas ist ein unglaubliches Geschenk. Und ich muss nichts daf\u00fcr tun.<\/p>\n<p><em><strong>Aber &#8230;<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aber Moment &#8230; haben wir nicht vorhin &#8211; als es ums Messen und das \u201cbassd scho\u201d ging, festgestellt, dass das \u201cbassd scho\u201d das Ganze in den Blick nimmt, und auf etwas Anderes achtet, als diejenigen, die da wild herummessen?<br \/>\nGenau &#8230; es geht um etwas, was eben gerne \u00fcbersehen wird: Der Beziehungsaspekt!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch einmal zu dem Beispiel mit dem gekauften Kleid zur\u00fcck.<br \/>\nWarum sagt Alfred zur Luise: \u201cpasst scho\u201d? Weil nicht die Klamotten seine Luise sch\u00f6n machen, sondern die Liebe macht sie sch\u00f6n!<br \/>\nUnd das ist der Schl\u00fcssel zur Rechtfertigung von dem, was eigentlich nicht so super ist: Weil die Beziehung zueinander das Tragende ist.<\/p>\n<p>Und bei Gott geht es um den gleichen Schl\u00fcssel: Die Beziehung zu Gott; also der Glaube an Jesus Christus, das Vertrauen zu ihm. Nach dieser Logik geht Gott vor &#8211; sagt Paulus.<br \/>\nMein Glaube ist die Basis, die Gott dazu bringt, \u201ebassd scho\u201c zu sagen.<\/p>\n<p><em><strong>Luthers Entdeckung<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Da bin ich Gedanken nat\u00fcrlich auch schnell bei Martin Luther, der als strenger M\u00f6nch vor Gott gut dastehen wollte.<br \/>\nMit gro\u00dfem Ernst hat er versucht, Gottes Willen ganz genau zu erf\u00fcllen. Hat immer wieder bei sich selber nachgemessen und festgestellt: Das passt nicht &#8211; und f\u00fcr Gott kann es auch nicht passen.<br \/>\nDas hat ihn \u00fcber Jahre hinweg immer wieder besch\u00e4ftigt und in Verzweiflung gest\u00fcrzt. Erst als er lange genug mit diesen und anderen Versen aus dem R\u00f6merbrief buchst\u00e4blich gerungen hatte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Wir werden ohne eigene Leistung von Gott gerecht gesprochen &#8211; allein durch unseren Glauben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter schrieb er \u00fcber diese Entdeckung: \u201eDa hatte ich das Empfinden, ich sei geradezu von neuem geboren und durch ge\u00f6ffnete Tore in das Paradies selbst eingetreten.\u201c<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis hat ihn ver\u00e4ndert &#8211; hat ihm den Mut verliehen, das weiterzusagen, was er erkannt hat &#8230; und hat dazu gef\u00fchrt, dass die Kirche sich ver\u00e4ndert hat.<br \/>\nUnd darum haben wir \u00fcberhaupt hier in Brunn eine evangelische Kirche: Weil Luther vor 500 Jahren genau das festgestellt hat:<br \/>\nAllein der Glaube an Jesus Christus, ist es, der Gott dazu bewegt, \u201cbassd scho\u201d zu uns zu sagen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor Beginn dieses Kirchweih-Gottesdienstes erwarten die Kerwa-Burschen und Kerwa-Madli die Gottesdienstbesucher und nehmen Ma\u00df: Die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe jedes Einzelnen wird gemessen, dann wird festgestellt, ob er zu den Top3 der gr\u00f6\u00dfen oder kleinsten geh\u00f6rt. 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