{"id":27,"date":"2013-12-24T14:38:01","date_gmt":"2013-12-24T12:38:01","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=27"},"modified":"2015-12-09T17:51:29","modified_gmt":"2015-12-09T16:51:29","slug":"predigt-die-verborgene-weiseheit-der-krippe-erzaehlung-ansprache-24-dezember-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=27","title":{"rendered":"Predigt: Die verborgene Weisheit der Krippe (Erz\u00e4hlung &#038; Ansprache) 24. Dezember 2013"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"28\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=28\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?fit=300%2C240&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"300,240\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"krippe2013\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?fit=300%2C240&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-full wp-image-28\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?resize=300%2C240\" alt=\"krippe2013\" width=\"300\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?w=300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?resize=150%2C120&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/krippe2013.jpg?resize=187%2C150&amp;ssl=1 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/b><span style=\"color: #800080;\">Eine Erz\u00e4hlung zur Christmette \u00fcber einem Mann, dem scheinbar alles Wissen und alle Gewissheit abhanden gekommen war. Dazu eine kurze Anprache zu Kolosser 2,3.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><b><i>Erz\u00e4hlung: Der Mann wusste, dass er nichts wusste<\/i><\/b><\/p>\n<p>\u201eSind Sie sich sicher, dass Sie gerade hier sind?\u201d<br \/>\nIch erschrecke, als mich diese Stimme unvermittelt von hinten anredet. So sp\u00e4t am Abend . Gerade habe ich noch einige Gemeindebriefe in die Kirche gelegt und war dabei, die T\u00fcre abzuschlie\u00dfen &#8211; als mich diese seltsame Frage von hinten f\u00f6rmlich anschoss:<br \/>\n\u201eSind Sie sich sicher, dass Sie gerade hier sind?\u201d <!--more-->Der Mann wiederholte seine Frage, auf die er ja noch keine Antwort bekommen hatte &#8211; und legte gleich noch nach:<br \/>\n\u201eIch w\u00e4re mir da nicht so sicher! Denn woher wollen Sie das wissen, dass Sie jetzt hier in Wilhelmsdorf an der Kirche stehen. Vielleicht tr\u00e4umen Sie das eben blo\u00df, und in Wirklichkeit liegen Sie noch im Bett, es ist halb vier Uhr nachts.\u201d<br \/>\nEinen Moment lang, z\u00f6gerte ich mit einer Antwort, da tippte er mit seinem Finger auf meinen linken Unterarm: \u201eVersuchen sie nicht, sich probeweise in den Arm zu zwicken, um sich aufzuwecken! Vergessen sie\u0301s &#8211; wenn man im Traum tr\u00e4umt, dass man sich zwickt, wird man davon auch nicht wach.\u201d<\/p>\n<p>Seine Augen schauten ganz ruhig mitten in mein Gesicht. Er blickte freundlich und &#8230; siegessicher.<br \/>\n\u201eIch merke\u201d, sagte er, \u201eSie sind ein schlauer Mann und haben\u0301s kapiert! Sie haben in diesem Moment keine Chance, herauszufinden, ob sie gerade wirklich hier sind, oder tr\u00e4umen.\u00a0 Sie m\u00fcssen damit leben, gerade nicht genau zu wissen, so Sie sind, oder gar, wer Sie sind.\u201d<\/p>\n<p>\u201eStimmt\u201d antwortete ich, und konnte mir ein L\u00e4cheln nicht verkneifen \u201egenausowenig, wie Sie wissen, ob Sie wirklich mit mir reden, oder nur davon tr\u00e4umen. Von daher wissen Sie nicht einmal, ob es mich \u00fcberhaupt gibt!\u201d<br \/>\nMein Gegen\u00fcber nickte best\u00e4tigend mit dem Kopf: \u201e\u00ab Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df\u00bb, soll Sokrates gesagt haben. Er drehte sich langsam im Kreis und lie\u00df den Blick \u00fcber das Rathaus, das Bonnethaus und die anliegenden Geb\u00e4ude schweifen. In machen Fenster brannte noch Licht, hie und da flimmerte blau ein Fernseher.<\/p>\n<p>Er seufze, und stemmte die H\u00e4nde in die H\u00fcfte: \u201eWas wei\u00df ich schon von dieser Welt? Es gibt so vieles, was sich meinem Verstehen und Begreifen entzieht. Wohin geht diese Welt? Wissenschaftler streiten sich \u00fcber die Entstehung unseres Planeten. Viel brennender ist f\u00fcr mich die Frage nach der Zukunft. Stehen wir \u00f6kologisch und weltwirtschaftlich am Rande des Abgrunds und Zusammenbruchs? Die Rohstoffvorr\u00e4te gehen zur Neige, das Klima spielt verr\u00fcckt, man hat den Eindruck, eine kleine Zahl von M\u00e4chtigen rei\u00dft sich diese Welt unter den Nagel. Ist das alles vielleicht gelenkt? Ich halte nichts von so Weltverschw\u00f6rungs-Theorien &#8211; aber &#8230; wissen Sie, ich habe einfach das Gef\u00fchl, dass diese Welt so nicht mehr lange funktionieren kann &#8211; irgendwie geht es auf das Ende zu.\u201d Er verzieht sein Gesicht so, als w\u00e4re er mit seinen letzten S\u00e4tzen selber nicht zufrieden.<br \/>\n\u201eOder ist das nur meine pessimistische Weltsicht, \u00fcber die man in 200 Jahren milde l\u00e4cheln wird, weil die Menschheit mal wieder unglaubliche Entwicklungen und Umw\u00e4lzungen vorangebracht hat, und alles noch besser und sch\u00f6ner geworden ist?\u201d<\/p>\n<p>\u201eJa, da haben Sie Recht! Wir k\u00f6nnen nicht in die Zukunft schauen.\u201d endlich konnte ich auch einmal antworten, \u201e Vor 500 Jahren hat Luther auch gedacht, dass die Welt, auf ihr baldiges Ende zugeht. Aber es ist weitergegangen\u201d<\/p>\n<p>Dieser Mann war kaum \u00e4lter als ich, und machte eigentlich einen sehr gepflegten Eindruck. Er blickte nachdenklich zu den erleuchteten Fenstern: \u201eGenauso schwer f\u00e4llt es mir, Menschen zu begreifen. Warum machen sich die Leute mancherorts gegenseitig das Leben zu H\u00f6lle? Nicht bereit, sich zu vers\u00f6hnen. Ich k\u00f6nnte Ihnen Geschichten erz\u00e4hlen! Es ist der Wahnsinn!<br \/>\nNicht in der Lage, auf die Bed\u00fcrfnisse und Interessen der Anderen einzugehen.\u00a0 Oder denken Sie an diese Superreichen: Warum lassen sich manche Menschen von der Gier nach Geld treiben, obwohl sie genau wissen und sogar selber sagen, dass Geld nicht gl\u00fccklich macht. Das ist doch krank, das ist doch gest\u00f6rt! Das kann doch kein Mensch nachvollziehen!\u201d<br \/>\nW\u00fctend schwang er seine rechte Hand einmal durch die Luft, als wollte er eine st\u00f6rende Fliege verscheuchen.<\/p>\n<p>\u201eAber die ganze Gr\u00fcbelei hat keinen Sinn. Sp\u00e4testens vor der Stirn des Anderen ist Schluss. Ich kann nicht in den Anderen reinschauen, der andere Mensch bleibt mir oft ein R\u00e4tsel.\u201d<br \/>\nEr geht einige Schritte \u00fcber die Stra\u00dfe zum Brunnen am Bonnethaus. Er taucht seine beiden H\u00e4nde kurz ins kalte Wasser, und setzt sich dann auf die Brunnenkante. Ich folge ihm, obwohl, ich nicht so recht wei\u00df, was das noch werden soll.<br \/>\n\u201eNaja\u201d sagt er eher still vor sich hin \u201eich muss zugeben, dass ich mir manchmal selbst ein R\u00e4tsel bin. Bin mir mitunter selber nicht so ganz im Klaren dar\u00fcber, was mich antreibt, welche Interessen und Triebe in mir so alles am Werke sind. Ich habe viel \u00fcber Siegmund Freud gelesen. Mannoman, was der da alles an Trieben im Menschen entdeckt hat &#8211; da wundert mich nichts mehr.<br \/>\nIch komme beruflich viel rum, und h\u00f6re abends in den Hotels dann oft, welche Trag\u00f6dien sich in den jeweiligen Orten abgespielt haben.\u00a0 Das ist oft furchtbar, was Menschen anderen antun. Und dann h\u00f6re ich auch heraus, wie viel Verachtung da mitschwingt, wenn man \u00fcber die T\u00e4ter spricht, und was sie getan haben. Und da denke ich &#8230;.\u201d er stockt, h\u00e4lt die Luft an &#8230; \u201eund dann denke ich: Ich wei\u00df nicht, wozu ich alles in der Lage bin, wenn ich nur in eine entsprechende Situation komme? Wer wei\u00df, welches Monster in mir schlummert, das Gottseindank noch nie geweckt worden ist. Da kannst du echt von Gl\u00fcck reden, wenn du da bisher noch nie zum Verbrecher geworden bist.<br \/>\nEr schweigt &#8211; ich auch. \u201eZustimmend brumme ich \u201ehmmm\u201d. Mehr f\u00e4llt mir in diesem Moment auch nicht ein.<\/p>\n<p>Dann schaut er mich direkt an, nickt mir zu, und nickt dann zur Hugenottenkirche hin\u00fcber: \u201eSie sind hier der Pfarrer?\u201d<br \/>\n\u201eJa ja, das bin ich\u201d<br \/>\n\u201eWo wir schon bei den Dingen sind, die ich nicht verstehe. Ihr Chef ist auch so einer, den ich da oft nicht verstehe. Was ihr Gott so alles im Laufe der letzten\u00a0 Monate und Jahre auf dieser Welt zugelassen hat. Ich h\u00e4tte meinen Job da verloren. Gott kann froh sein, dass er der Chef ist, da kann ihm ja keiner k\u00fcndigen.\u201d<br \/>\nEr grinst mich f\u00fcr einige Sekunden an. Offenbar fand er seinen Spruch ziemlich witzig, aber dann bekommt er wieder ernstere Gesichtsz\u00fcge.<\/p>\n<p>\u201eWissen Sie: Wenn schon alles auf der Welt so geheimnisvoll ist. Wenn schon so vieles unklar und unverstehbar ist. Dann h\u00e4tte ich mir diesen Gott weniger geheimnisvoll gew\u00fcnscht. Was ist denn aus dem \u201elieben Gott\u201d unserer Kindheit geworden? Da war er noch lieb, war mit dem Christkind verwandt, das die Geschenke gebracht hat. Hat f\u00fcr das Essen auf dem Tisch gesorgt, hat die B\u00f6sen bestraft und die Guten belohnt. Das war ein guter Gott, ein lieber Gott. Aber wenn ich sehe, was so alles auf der Welt passiert. Wenn dieser Gott der Herr \u00fcber alles ist &#8211; da m\u00fcsste er doch auch daf\u00fcr sorgen, dass alles glatt l\u00e4uft!<\/p>\n<p>Dann w\u00e4ren alle zufrieden. Sie h\u00e4tten eine volle Kirche. Weil die Leute dann gerne diesen Gott loben und ihm Lieder singen, wenn sie merken, dass er f\u00fcr alles Gute verantwortlich ist. Dann w\u00e4re diese Welt ein einziger Beweis der G\u00fcte und Existenz Gottes. Dann g\u00e4b\u0301s auch diese verdammten Zweifel nicht.\u201d Er fasst dich mit der rechten Hand an seinen Brillenrand und rutscht die schmale Brille weit nach vorne auf seine Nasenspitze. Dann blickt er \u00fcber den Brillenrand hinweg zu mir her\u00fcber:<br \/>\nJa, als Kind habe ich nichts gewusst, und doch war die Welt f\u00fcr mich ganz einfach und klar. Dann habe ich viel gelernt und studiert, mit der Erwartung dass sich damit die letzten L\u00fccken des eigenen Erkenntnis schlie\u00dfen lassen. Aber je \u00e4lter ich werde, umso mehr gewinnt das Bewusstsein Raum, dass ich viel weniger wei\u00df.<\/p>\n<p>\u201cAls ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt wie\u00a0 durch einen Spiegel ein dunkles Bild; Denn unser Wissen ist St\u00fcckwerk und unser Reden ist St\u00fcckwerk.\u201d<br \/>\nBed\u00e4chtig spricht er diese S\u00e4tze, fast rezitierend wie ein Schauspieler auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>\u201eDiesen Satz habe ich aus einem Film, den habe ich daheim auf DVD, da spielt Peter Ustinov den Kurf\u00fcrst Friedrich den Weisen\u201d Da muss ich l\u00e4cheln. \u201eIch kenne den Film auch &#8211; und den Satz sowieso &#8211; denn der steht eigentlich in der Bibel. Den hat Paulus gesagt.\u201d<br \/>\n\u201eHa, der alte Paulus, hat der auch gemerkt, dass wir eigentlich nichts wissen. Nichts \u00fcber den Lauf dieser Welt, nichts von den Menschen, nichts von Gott, und auch uns selber kennen wir nicht wirklich.\u201d<\/p>\n<p>\u201eNaja, das ist aber nur die eine H\u00e4lfte von dem, was Paulus sagen will\u201d, antworte ich, und \u00fcberlege, wie ich es am besten formulieren soll, \u201eer ist n\u00e4mlich auch davon \u00fcberzeugt, dass es auf alle diese R\u00e4tsel eine Antwort gibt. Er hat einmal geschrieben: In diesem Kind in der Krippe, liegen verborgen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis.\u201d\u00a0 Mein Gegen\u00fcber zieht die Stirne kraus und schiebt seine Brille wieder nach oben. \u201eDa macht er es sich aber ganz sch\u00f6n einfach. Jesus als Universalantwort als alle R\u00e4tsel der Welt. Ein Schl\u00fcssel f\u00fcr alle Probleme!<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4rs! Ok &#8211; es klingt nat\u00fcrlich sch\u00f6n fromm. Das ist ja dann was f\u00fcr euch Pfarrer.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wohin, diese Welt steuert.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wie wir Menschen eigentlich ticken.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wer du eigentlich bist.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wie Gott wirklich ist.\u201d<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich schweigt er &#8211; bewegt sich kaum. Sein Blick pendelt zwischen Stra\u00dfe und Himmel. Es scheint ihm nicht peinlich zu sein, dass er seine Rede so abrupt unterbrochen hat. Ich f\u00fchle mich in diesem Moment \u00fcberfl\u00fcssig. Was da in seinem Kopf gerade passiert, ben\u00f6tigt meine Anwesenheit nicht. Jedes Wort von mir w\u00e4re jetzt unpassend.<br \/>\nIch warte ab. Aber worauf soll ich warten? Ein Mensch ist ja kein Computer, den man mit einer neuen Information f\u00fcttert, und der dann nach einer gewissen Verarbeitungszeit ein vorzeigbares Ergebnis ausdruckt.<br \/>\nIn diesem Kind in der Krippe, liegen verborgen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis. &#8211; Ja, mit dem Blick in die Krippe sieht alles noch einmal ganz anders aus.<br \/>\nUnd w\u00e4hrend ich noch \u00fcberlege, wie ich mich angemessen aus dieser Situation verabschiede, nimmt mir dieser Mann die Entscheidung ab:<br \/>\nEr blickt kurz hoch, wirkt fast \u00fcberrascht, dass ich noch da stehe. \u201eJa, \u00e4hm, danke\u201d sagt er und geht die Bergstra\u00dfe hoch. Und als ich gerade an der Kircht\u00fcre stehe, um nachzusehen, ob ich sie auch wirklich abgesperrt habe, ruft er noch einmal herunter: \u201eUnd sch\u00f6ne Weihnachten\u201d, und belehrend hebt er einen Zeigefinger: \u201enat\u00fcrlich mit dem Kind in der Krippe\u201d.<\/p>\n<p><b><i>Ansprache<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde.<\/p>\n<p>In Christus liegen verborgen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis.\u00a0 (Kol 2,3)<br \/>\nEs klingt so einfach.<br \/>\nDas Kind in der Krippe als Schl\u00fcssel zu den Fragen und Geheimnissen unserer Welt. Soll das wirklich so einfach sein? Einer als Antwort f\u00fcr alles? Eigentlich kann das gar nicht sein. \u201eJesus\u201d als Antwort wird ja auch nicht meinen Fragen gerecht.<br \/>\nIch f\u00fchle mich erinnert an einen Roman, in dem davon erz\u00e4hlt wird, dass Lebewesen einen gigantischen Computer konstruierten, mit dessen Hilfe sie die gro\u00dfen Fragen des Universums beantwortet haben wollten. Und nach einer Rechenzeit von \u00fcber 7 Millionen Jahren pr\u00e4sentiert diese gigantische Maschine mit gro\u00dfem Brimborium die Antwort: \u201e42&#8243;. Einfache Antworten helfen eben oft nicht wirklich weiter.<\/p>\n<p>In Christus liegen verborgen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis. \u201everborgen\u201d schreibt Paulus. Die Antworten, die Erkenntnis, die sind mit dem Kind in der Krippe in unsere Welt gekommen &#8211; aber doch m\u00fcssen wir uns auf die Suche machen, um dieser verborgenen Sch\u00e4tze im Laufe unseres Leben zu heben.<br \/>\nDas ist nicht einfach &#8211; und mancher Schatz und manche Erkenntnis mag anders aussehen, als das, was wir uns erhofft haben. Und wir werden erleben, dass sich mit dem Blick auf diesen Jesus, der in der Krippe lag, immer wieder neue Perspektiven, neue Antworten und Einsichten zeigen werden. So vielf\u00e4ltig wie die Strohhalme in der Krippe, sind die Facetten, die sich an diesem Jesus entdecken lassen.<\/p>\n<p>Was wird dem Mann auf dem Brunnenrand an der Hugenottenkirche durch den Kopf gegangen sein, als er sich seine Auftr\u00e4ge zum Suchen der Erkenntnis selbst gegeben hat?<\/p>\n<p>Schau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wohin, diese Welt steuert.<br \/>\nDa denke ich an Jesus, der sagt: \u201emir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf ersten. Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende\u201d. Der davon spricht, dass er dieser Welt ein Ende setzt und sie erneuern will. Wohin diese Welt steuert, das verr\u00e4t er. Bei der Frage, ob er einen Masterplan hat, der den Lauf der Geschichte steuert &#8230; da bin ich selber am suchen, um Stroh der Krippe.<\/p>\n<p>Schau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wie wir Menschen eigentlich ticken.<br \/>\n\u201eDer Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an\u201d. Ich kann nicht reinschauen, in den anderen. Aber wenn ich lese, wie Jesus die Menschen angesehen hat. Seine Offenheit, seine Bereitschaft zu vergeben &#8211; auch 7&#215;70 mal. Seine Weigerung, die Ehebrecherin zu steinigen, und sein Aufruf an die Ankl\u00e4ger, in ihr eigenes Herz zu schauen. Der, der in der Krippe liegt, lehrt mich, den anderen zu lieben, auch wenn ich nicht aus ihm schlau werde.<\/p>\n<p>Schau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wer du eigentlich bist.<br \/>\nAls Baby ist er einem K\u00f6nig entronnen, der zum Machterhalt bereit war, unschuldige Kleinkinder zu t\u00f6ten. Menschen k\u00f6nnen Monster werden und k\u00f6nnen dem Anderen Engel sein. Zugleich spricht Jesus davon, dass wir als getaufte Gottes Macht, seinen Heiligen Geist in uns sp\u00fcren k\u00f6nnen. Seine Kraft, die in uns wohnt. Und wiederum erinnert er uns, zu beten: Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung. Dunkel und hell. Monster und Engel. Auch wenn ich mir selbst ein R\u00e4tsel bin, kann ich mich doch meinem Herrn anvertrauen; ihn bitten, dass er die Kraft zum Guten in mir st\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Schau in die Krippe &#8230; da liegt die Antwort auf die Frage, wie Gott wirklich ist.\u201d<br \/>\nEin Gott, der bereit ist, sich so klein zu machen, dass er als schutzloses Baby auf die Welt kommt. &#8211; Und doch Sch\u00f6pfer genau dieser Welt ist. Ein Gott, der weint, weil er an der Sturheit einer Stadt verzweifelt, und zugleich bereit ist, seinen eigenen Tempel zerst\u00f6ren zu lassen. Ein Gott, der sich unschuldig den Brutalit\u00e4t der Menschen aussetzt, und damit auf der Seite aller derer steht, die Unrecht erleiden. Ein Gott der bereit ist zu sterben, und damit den Tod und S\u00fcnde besiegt.<\/p>\n<p>Schau in die Krippe &#8230; denn dort gibt es endlos viele Sch\u00e4tze zu entdecken.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; immer wieder, weil du als Kind denkst, suchst und findest, wie ein Kind &#8211; und als Erwachsner wirst du dort anders fragen, anders suchen und anderes finden.<br \/>\nSchau in die Krippe &#8230; und vertraue dich diesem Jesus an. Er ist mehr, als ein Informant \u00fcber die Dinge de Welt. Das alte Wort Heiland bringt es auf den Punkt: Der ist der, bei dem du gut aufgehoben bist, wenn du willst, das dein Leben in guten, in heilen Bahnen verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Erz\u00e4hlung zur Christmette \u00fcber einem Mann, dem scheinbar alles Wissen und alle Gewissheit abhanden gekommen war. 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