{"id":2299,"date":"2015-04-02T15:19:28","date_gmt":"2015-04-02T14:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=2299"},"modified":"2021-02-03T13:03:27","modified_gmt":"2021-02-03T12:03:27","slug":"predigt-manchmal-braucht-man-einfach-abstand-lukas-22-39-46-gruendonnerstag-2-april-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=2299","title":{"rendered":"Predigt: Manchmal braucht man einfach Abstand (Lukas 22, 39-46) Gr\u00fcndonnerstag, 2. April 2015"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-image-fill has-luminous-vivid-amber-background-color has-background\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\" style=\"background-image:url(https:\/\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM-1024x742.jpg);background-position:50% 50%\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"880\" height=\"638\" data-attachment-id=\"2300\" data-permalink=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?attachment_id=2300\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?fit=1200%2C870&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1200,870\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"kapelleMM\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Klinikkapelle des Klinikums Martha maria in N\u00fcrnberg&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?fit=880%2C638&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=880%2C638&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-2300 size-full\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=1024%2C742&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=300%2C218&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=768%2C557&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=400%2C290&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=150%2C109&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?resize=207%2C150&amp;ssl=1 207w, https:\/\/i0.wp.com\/www.pastors-home.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/kapelleMM.jpg?w=1200&amp;ssl=1 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-luminous-vivid-amber-background-color has-background has-normal-font-size\">Jesus in Gethsemane: So viel geschieht an diesem Tag vor Karfreitag. So viel ist gefordert. Da rei\u00dft sich Jesus los und&nbsp; sucht im Garten die Einsamkeit. Was ist zu erwarten in den stillem Minuten unter den Olivenb\u00e4umen &#8211; wenn gleichzeitig im Kopfkino bereits die eigene Kreuzigung l\u00e4uft?<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n<p><em>(Lesung des gesamten Predigttextes bereits als Evangelienlesung)<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich ist es eine ganz besondere F\u00e4higkeit, mit der wir Menschen beschenkt sind: Wir k\u00f6nnen Geschehnisse erleben und f\u00fchlen, obwohl sie noch gar nicht passiert sind. Wer hat das noch nicht erlebt, dass er an den Tagen vor einem gro\u00dfen Fest bereits von Vorfreude durchstr\u00f6mt ist. Im Kopf entstehen Bilder und Szenen: Wie es sein wird, wenn die G\u00e4ste kommen und man sie in den Arm nimmt. Der Kaffeeduft der festlichen Tafel steigt mir schon jetzt in die Nase. Das Stimmengewirr, der dominante Klang von Tante Emma, die unentwegt von ihrem Enkel schw\u00e4rmt &#8211; diese ganze kleine Welt mit all den Bildern, Ger\u00fcchen und Gef\u00fchlen entsteht in meinem Kopf, ist unglaublich pr\u00e4sent da, f\u00f6rmlich sp\u00fcrbar &#8211; schon lange bevor der erste Besucher an meiner T\u00fcre klingelt.<!--more--><br>Aber wie ist das, wenn ich wei\u00df: Morgen wird man mich mit brutalsten Mitteln zu Tode foltern? Peitschen werden meine Haut aufrei\u00dfen, N\u00e4gel meine H\u00e4nde durchbohren &#8211; an einem Kreuz werde ich h\u00e4ngen, um Atem ringen, und sehnlichst meinen Tod herbew\u00fcnschen? Da ist das wohl nicht anders: Die Qualen fangen schon viel eher an, schon der Gedanke an das, was da auf mich zukommt, schn\u00fcrt mir die Kehle zu.<br><strong><em>\u201eUnd er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schwei\u00df wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen\u201c<\/em><\/strong> Im Garten Gethsemane war das alles schon pr\u00e4sent in Jesu Kopf, ein Horrorfilm im Kopfkino &#8211; der Jesus schon Stunden vor der Kreuzigung das alles bereits innerlich durchleben l\u00e4sst. Der Karfreitag ist schon am Donnerstag abend ganz gegenw\u00e4rtig und wirft seine d\u00fcsteren Schatten der Angst und Panik weit voraus.<\/p>\n<p>Nur \u00fcbersehen wir das bei der Erz\u00e4hlung vom Gr\u00fcndonnerstag sehr leicht, denn sie ist so vollgestellt mit vielen Personen und Szenen: Die schlafenden J\u00fcnger, die Verhaftung, das sch\u00e4bige Verhalten des Judas und das verletze Ohr des Malchus, dass wir fast Jesus aus dem Blick verlieren &#8211; der dort seinen Tod bereits in dieser Stunde schon einmal durchlebt.<\/p>\n<p>Wenn es zuviel ist, muss man Platz machen, muss man raus. Und genau das geschieht ja auch in der Erz\u00e4hlung. Im Laufe dieses bends schafft sich Jesus den Freiraum, den Abstand, den er braucht:<br><strong><em>Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den \u00d6lberg. Es folgten ihm aber auch die J\u00fcnger. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt! Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf weit, und kniete nieder.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jesus braucht Abstand. Er rei\u00dft sich von den J\u00fcngern los . Er braucht Platz und Ruhe f\u00fcr sich selbst.<br>Es gibt Zeiten und Momente, da ist die N\u00e4he der Anderen einfach zu viel. Es ist keine Frage von Symphathie, Liebe oder \u00dcberdruss, wenn jemand erkennt: Ich brauche jetzt einfach mal Abstand.<br>Abstand,<br>keine Zuschauer,<br>keinen, dem ich mich mitteilen muss,<br>keinen, f\u00fcr den ich in diesem Moment Verantwortung \u00fcbernehmen muss.<br>Frei von allem, was tagt\u00e4glich auf uns einstr\u00f6mt und um unsere Aufmerksamkeit wirbt. Einfach nur bei mir selbst sein &#8211; zu mir selbst kommen &#8211; und darin auch Gott zu begegnen.<\/p>\n<p>Obwohl wir Menschen auf Gemeinschaft angelegt sind &#8211; und wir als Christen immer wieder betonen, wie wichtig Gemeinschaft, wie bedeutend das miteinander ist: F\u00fcr so manches braucht man einfach Abstand, die Einsamkeit, die Erfahrung allein mit sich selbst konfrontiert zu sein. Einsamkeit als Freiraum, manches Wichtige genau in der Geschwindigkeit zu bedenken, die ich daf\u00fcr brauche. In ein Gespr\u00e4ch mit sich selbst einzutreten, ein Gespr\u00e4ch das oft lange braucht, bis es in Gang kommt, weil mache Ebenen meiner Pers\u00f6nlichkeit so selten zu Wort kommen, dass sie ein bisschen l\u00e4nger brauchen, bis sie sich aus der Deckung wagen. Bis sie einstimmen in den Dialog, der da in mir passiert. Mit den verschiedenen Stimmen und Stimmungslagen in mir selbst, mit der Stimme meiner Lebenssituation, mit der ich wom\u00f6glich zu k\u00e4mpfen habe. Und mit mancher leisen Stimme, von der ich oft nicht genau wei\u00df, woher sie,&nbsp; woher mancher gedanklicher Impuls gekommen ist, ob es Gottes Stimme ist? &#8211; Wer wei\u00df.<\/p>\n<p>Jesus hat das von Beginn an ge\u00fcbt. 40 Tage war er in der Einsamkeit der W\u00fcste bevor er sich von Johannes taufen lie\u00df und seine J\u00fcnger um sich scharte.<br>Und auch sp\u00e4ter finden wir Erz\u00e4hlungen, die davon schreiben, wie sich Jesus in die Einsamkeit zur\u00fcckzog.<br>Und schon fr\u00fch haben sich in der Christenheit Str\u00f6mungen gebildet, die den R\u00fcckzug in die Einsamkeit in besonderer Weise als wichtig f\u00fcr ihr Leben und ihren Glauben angesehen haben.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Jesus in den Garten Gethsemane.<br><strong><em>\u201eVater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!\u201c<\/em> <\/strong>&#8211; Selten ist mir Jesus in seinen Worten so menschlich, so nahe: Man sp\u00fcrt buchst\u00e4blich seine Angst, die Panik vor dem, was da an Furchtbarem auf ihn zukommt. Da ist der Sohn Gottes eben wahrer Mensch, da wird ganz deutlich, was es hei\u00dft: Gott wird Mensch &#8211; eben auch mit unseren menschlichen \u00c4ngsten und Sorgen, mit der Angst vor dem Sterben, dem Leiden und&nbsp; dem Tod&nbsp; &#8211; obwohl er doch auch Gott ist, der wei\u00df, dass dies sein selbstgew\u00e4hlter Weg ist. Sein Weg, mit dem er endg\u00fcltig dem Tod die Macht entrei\u00dfen wird.<br>Aber um den inneren Kampf kommt Jesus nicht herum.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eEs erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und st\u00e4rkte ihn.\u201c<\/em> <\/strong>In der Einsamkeit passiert etwas. Ein Engel, ein Bote Gottes, eine Kraft vom Himmel.<br>St\u00e4rkung! &#8211; Kein Engelskommando, das ihn aus dieser Situation herausrettet.<br>St\u00e4rkung f\u00fcr den schweren Weg. Das ist wohl auch das, was wir uns von unseren R\u00fcckz\u00fcgen und stillen Zeiten erhoffen k\u00f6nnen. Keine L\u00f6sung aller Probleme, nicht das spektakul\u00e4re Wunder &#8211; sondern St\u00e4rkung f\u00fcr den schweren Weg.<br>Auch wenn aus der Stille, dem Gebet und dem inneren Abstand durchaus wunderbare Erkenntnisse, Probleml\u00f6sungen und neue Perspektiven erwachsen k\u00f6nnen &#8211; und dar\u00fcber sind wir froh und dankbar! &#8211; Jesus in Gethsemane lehrt uns, dass es auch Wege gibt, die gegangen werden m\u00fcssen &#8211; und dass wir da froh sein k\u00f6nnen, wenn wir f\u00fcr diesem Weg St\u00e4rkung erhalten.<\/p>\n<p>Auf dem Altar stehen Brot und Saft.<br>Das Abendmahl versteht sich auch als Mahl der St\u00e4rkung auf dem Weg.<br>&#8211; Eine Erinnerung an Jesu Weg, den er f\u00fcr uns gegangen ist.<br>&#8211; Eine Vergewisserung in der Gegenwart. Dass ich nicht alleine bin: Ich stehe im Kreis derer, die mit mir auf dem Weg des Glaubens unterwegs sind.<br>&#8211; Und auch ein Blick nach vorne: Ein Mahl, von dem Jesus sagt: Das will ich sp\u00e4ter mit euch in meinem himmlischen Reich feiern.<\/p>\n<p>So wollen wir heute in Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl mit seinen J\u00fcnger dieses besondere Mahl feiern.<br>Amen<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesus in Gethsemane: So viel geschieht an diesem Tag vor Karfreitag. So viel ist gefordert. Da rei\u00dft sich Jesus los und  sucht im Garten die Einsamkeit. 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