{"id":1832,"date":"1999-02-14T00:04:51","date_gmt":"1999-02-13T23:04:51","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1832"},"modified":"2017-10-24T20:18:08","modified_gmt":"2017-10-24T19:18:08","slug":"predigt-martha-und-maria-wenn-zwei-schwestern-sich-in-die-haare-geraten-lukas-10-38-42-14-februar-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1832","title":{"rendered":"Predigt: Martha und Maria, wenn zwei Schwestern sich in die Haare geraten&#8230;(Lukas 10, 38-42) 14. Februar 1999"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"> <em> Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hie\u00df Maria; die setzte sich dem Herrn zu F\u00fc\u00dfen und h\u00f6rte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, da\u00df mich meine Schwester l\u00e4\u00dft allein dienen? Sage ihr doch, da\u00df sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt; das soll nicht von ihr genommen werden<\/em><b>. <\/b><\/span><\/span><\/span><\/span>Lukas 10, 38-42<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"> Liebe Gemeinde,<br \/>\nMarta und Maria &#8211; die biblische Erz\u00e4hlung, die uns von dieser Begebenheit erz\u00e4ht, ist nur ganz kurz. In weniger als einer Minute ist sie erz\u00e4hlt. Aber trotz ihrer K\u00fcrze l\u00e4\u00dft sie viele von uns nicht kalt: Wenn ich diese Geschichte h\u00f6re, klappt sich vor meinem geistigen Auge die Wohnung der Marta und der Maria auf. Und ich sehe die flei\u00dfige Marta: Gerade hat sie nach der Hauptmahlzeit das Geschirr abger\u00e4umt. Sie steht in der K\u00fcche und r\u00fchrt in einer Sch\u00fcssel: Sie macht gerade einen leckeren Nachtisch. Auf dem Herd steht der Wasserkessel &#8211; es soll ja noch einen Kaffee zum Nachtisch geben.<br \/>\nW\u00e4hrend sie so mit dem Schneebesen in ihrem Nachtisch r\u00fchrt, blickt sie sich mal um, und wirft einen Blick ins Wohnzimmer, wo die G\u00e4ste sitzen: Jesus, seine J\u00fcnger und Maria, ihre Schwester, die sitzt zu Jesu F\u00fc\u00dfen wie die anderen auch, und h\u00f6rt gebannt zu.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Die macht sich\u00b4s leicht. Murmelt Marta vor sich hin: Ich lade Jesus ein, rei\u00df mir die Beine aus, damit alle gut versorgt sind, und die da l\u00e4\u00dft es sich gut gehen. Ich w\u00fcrde auch gerne mehr davon mitkriegen, was Jesus alles erz\u00e4hlt. Aber ich mu\u00df ja erstmal alles herrichten.<\/p>\n<p>Ich kann gut verstehn, da\u00df der Marta irgendwann der Kragen platzt: wahrscheinlich mit dicken Hals und roten Kopf geht sie zu Jesus: Herr, k\u00f6nntest du bitte mal meiner Schwester sagen, da\u00df sie vielleicht auch was f\u00fcr dich tun k\u00f6nnte? Schlie\u00dflich steh ich hier schon den ganzen Tag in der K\u00fcche&#8230;..<br \/>\nUnd innerlich stehe ich neben ihr im Wohnzimmer und st\u00e4rke ihr den R\u00fccken: Ja, Jesus, ich kann ihr da nur zustimmen: Die Marta hat sich wirklich unheimlich engagiert f\u00fcr dich. Sie hat ja nicht blo\u00df gekocht. Sie hat ja auch die ganze Wohnung zuvor hergerichtet. Denn Marta ist eine unheimlich t\u00fcchtige Frau. Die sieht sofort, wo was zu tun ist. Die fragt nicht lange, die langt halt hin. Fast schon ein Managertyp. Und ich w\u00fcrde Jesus am liebsten einen Rempler in die Seite geben: Jetzt sag ihr doch mal, da\u00df du ihre Arbeit wirklich sch\u00e4tzt, da\u00df sie eine tolle, starke Frau ist.<\/p>\n<p>Und was macht Jesus: Er sagt: Marta, Marta, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt; das soll nicht von ihr genommen werden.<\/p>\n<p>Das gibt mir fast einen Stich ins Herz. Es ist doch ungerecht! Sie arbeitet sich f\u00fcr Jesus auf &#8211; und dann sagt er: Ja ja, ich seh, du m\u00fchst dich ab, aber das besser ist das, was deine Schwester macht, die mir nur zuh\u00f6rt. Das \u00e4rgert mich. Wirklich ungerecht. Wenn Jesus schon meint, da\u00df Maria die bessere Entscheidung getroffen hat, dann k\u00f6nnte er das der flei\u00dfigen Marta auch etwas freundlicher, etwas seelsorgerlicher beibringen. Sie ein bi\u00dfchen loben&#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht gehts Ihnen \u00e4hnlich. Sie ergreifen innerlich Partei f\u00fcr die Martha, die sich Jesus zuliebe in die Arbeit gest\u00fcrzt hat. Es k\u00f6nnte dran liegen, da\u00df viele von uns so eine Marta &#8211; Mentalit\u00e4t in uns tragen: &#8211; Arbeit ist da, um gemacht zu werden. Und wenn ich jemanden als Gast habe, dann mu\u00df ich ihm auch etwas gutes tun. Denn: Christliche N\u00e4chstenliebe \u00e4u\u00dfert sich doch auch in der Sorge um den Andern. &#8211; Genau: Dem anderen zu dienen ist doch eine gute Tugend. Der Dienst am anderen ist grundlegend christlich. Das gilt nicht blo\u00df f\u00fcr die Hausfrau &#8211; wir M\u00e4nner sind genauso dazu gerufen.<\/p>\n<p>Das ist alles auch sinnvoll und gut. Aber es lauert auch eine Gefahr in unserm Willen, sich aller Arbeit anzunehmen, die wir irgendwo sehen: Es kann dazu kommen, da\u00df wir so um die Arbeit rotieren, da\u00df wir nicht mehr sehen, worum es eigentlich geht. Ging es unserer Marta etwa so? Hat sie nur noch Reissuppe, Rinderbraten und Raspelschokolade gesehen &#8211; aber ihren Gast, Jesus, dabei aus dem Auge verloren? Da wurde die Arbeit so \u00fcberm\u00e4chtig, da\u00df der Blick auf das eigentliche &#8211; auf das Ziel der Arbeit &#8211; nicht mehr m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Vielleicht gehts machem Familienvater so: Er kniet sich in die Arbeit rein, um seiner jungen Familie ein gutes Leben zu erm\u00f6glichen, das Haus abzubezahlen. Und irgendwann bemerkt er: Meine Familie leidet mehr darunter, als sie sich daran freut: Denn die Kinder sagen: \u201ePapa, du bist ja nie da.\u201c Die Arbeit hatte den Papa einfach verschluckt.<br \/>\nEs gibt die doppelb\u00f6dige Formulierung \u201eer geht in seiner Arbeit auf\u201c. Die gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung.<\/p>\n<p>Schauen wir uns einmal die Maria an. Die Schwester unser flei\u00dfigen Marta. Sie sitzt zu Jesu F\u00fc\u00dfen, h\u00f6rt seiner Rede zu, w\u00e4hrend Marta sich in der K\u00fcche abrackert. &#8211; K\u00f6nnen Sie sich im Gedanken mit dazusetzen &#8211; auf den Teppich neben Maria? K\u00f6nnen sie es aushalten, da zu sitzen, und gleichzeitig im Augenwinkel zu sehen, wie sich Marta nebenan schwitzt und schuftet. &#8211; Oder beschleicht Sie ein schlechtes Gewissen? &#8211; W\u00fcrden doch lieber aufstehen, und der Marta ein bi\u00dfchen helfen? Wenns ihnen so geht, dann r\u00fchrt sich eben wieder die Marta in ihrem Herzen.<\/p>\n<p>Die Maria ist n\u00e4mlich aus einem anderen Holz geschnitzt: Sie bleibt sitzen: Sie h\u00f6rt Jesus zu. Sie hat erkannt: Es ist eine einmalige Chance: Jesus ist auf der Durchreise, kommt bestimmt nur einmal zu Besuch. Das mu\u00df Maria n\u00fctzen. Sie hat Fragen an das Leben, Fragen an Jesus. Von ihm erhofft sie sich viel. Da mu\u00df alles andere warten. Maria setzt hier Priorit\u00e4ten, sie will die Gelegenheit der Stunde n\u00fctzen.<br \/>\nDie Arbeit in der K\u00fcche, auch der Hunger der J\u00fcnger Jesu: Das ist ihr egal; das kann warten. Sie wei\u00df: Jetzt ist die Begegnung mit Jesus dran. Und Jesu Wort gibt ihr mit ihrer Entscheidung recht: \u201eMaria hat das gute Teil erw\u00e4hlt.\u201c.<\/p>\n<p>Maria hat in Jesu Augen das richtige getan. Aber zugleich sich unsere kritischen Blicke zugezogen. Wir sind es ja, die fragen: Maria, die h\u00e4ttest doch deiner Schwester helfen k\u00f6nnen &#8230;. Das Nichts-Tun der Maria wird von uns kritisch be\u00e4ugt. Wer flei\u00dfig arbeitet, der mu\u00df sich keine kritschen Fragen gefallen lassen. Der hat seine Daseinsberechtigung.<br \/>\n&#8211; \u201eIch tue ja was\u201c &#8211; damit kann man sich viele Fragen vom Leib halten.<br \/>\n&#8211; Eine Autofirma hats zu ihrem Motto gemacht: \u201eFord &#8211; die tun was\u201c.<br \/>\n&#8211; Und eine neugew\u00e4hlte Regierung steht auch unter Druck,\u201cwas zu tun\u201c. Nur \u00fcberlegen gilt nicht. Darum werden am laufenden Band allerlei \u00c4nderungen \u201eauf den Weg gebracht\u201c. Man darf sich ja nicht vorwerfen lassen, nichts zu tun.<\/p>\n<p>So lastet ein enormer Rechtfertigungsdruck auf vielen Menschen. Ein Druck, den wir uns oft selber auferlegen.Wer viel arbeitet, der kann diesen Druck abbauen. Im Extremfall bleibt uns dann der blinde Aktionismus: Egal was, egal ob es sinnvoll ist, Hauptsache ist tue irgendwas. Umgekehrt: Wer arbeitslos ist, der darf dann oft in fragende Gesichter blicken.<\/p>\n<p>Aber hier ruft Jesus: Halt! Ich mu\u00df mein Dasein nicht durch Handeln rechtfertigen. Gottes Zuwendung gilt mir vorbehaltlos, unabh\u00e4ngig, ob ich mich als t\u00fcchtig, flei\u00dfig oder genial pr\u00e4sentieren kann. Mein Wert, Gottes Wertsch\u00e4tzung, ist unabh\u00e4ngig von meiner Leistung. Darum bin ich auch als Kranker, im Alter oder als Behinderter genauso hoch geachtet; egal, ob ich etwas leisten kann.<br \/>\nHier ist Gottes Ma\u00dfstab anders als die Lineale unserer Leistungsgesellschaft.<\/p>\n<p>Maria ist hier beispielhaft: Sie hat sich freigemacht vom Erwartungsdruck, etwas tun zu m\u00fcssen, etwas Vorzeigbares auf dem heimischen Tisch zu servieren. Und sie hat erkannt, was jetzt \u201edran ist\u201c &#8211; n\u00e4mlich zu h\u00f6ren, Jesus zuzuh\u00f6ren.<br \/>\n&#8212;&#8211; Marta und Maria &#8211; die beiden ungleichen Schwestern wohnten zusammen in einem Haus. Und ich glaube solche zwei Schwestern wohnen auch in meinem Herzen:<\/p>\n<p>Die Marta: Sie ist angetrieben von der N\u00e4chstenliebe, und von einem guten St\u00fcck Arbeitseifer. Sie hat Freude, etwas zu schaffen, Anderen etwas Gutes zu tun. Und sie hofft insgeheim auch darauf, gelegentlich daf\u00fcr auch ein \u201eDanke\u201c zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und die Maria in mir: Sie ist bed\u00e4chtiger. Sie \u00fcberlegt, bevor sie handelt. Sie sucht die Auseinandersetzung mit Jesu Wort, bl\u00e4ttert in der Bibel, sucht dort Antworten auf ihre Fragen. Und sie hat ein Gesp\u00fcr f\u00fcr den richtigen Moment zum Handeln.<\/p>\n<p>Wie auch in der biblischen Erz\u00e4hlung bleibt auch in mir die Spannung der zwei Schwestern unaufgel\u00f6st: Wir k\u00f6nnen nicht beiden Schwestern gerecht werden. Da gibts immer Streit.<\/p>\n<p>Wenn ich mal wieder handle, meine alle richtig zu machen, mahnt mich die Maria immer wieder: He, behalte Dein Ziel im Auge. Verliere dich nicht im wursteln und machen.<\/p>\n<p>Und wenn ich einmal dasitze, mir Ruhe g\u00f6nne, im Gebet und in der Bibel Kraft sch\u00f6pfen will, dann gibt mir manchmal die Marta einen Sto\u00df in die Rippen: \u201eHe, du k\u00f6nntest deine Zeit auch anders, effektiver, verbringen&#8230;hopp, hast du etwa kein schlechtes Gewissen?\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> Im Streit dieser Schwestern, ist es wohl hilfreich, sich an Jesu Worte zu erinnern: Er hat auch keinen Kompromi\u00df zwischen ihnen gesucht. Nein, er hat sich deutlich auf die Seite der Maria gestellt:<br \/>\nMarta, Marta, du hast viel Sorge und M\u00fche. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erw\u00e4hlt; das soll nicht von ihr genommen werden.<br \/>\nAMEN\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 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