{"id":1826,"date":"1999-05-30T23:56:46","date_gmt":"1999-05-30T22:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1826"},"modified":"2017-10-24T20:16:53","modified_gmt":"2017-10-24T19:16:53","slug":"predigt-brandblasen-und-wackelnde-knie-jesaja-6-1-10-30-mai-1999-trinitatis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1826","title":{"rendered":"Predigt: Brandblasen und wackelnde Knie (Jesaja 6, 1-10) 30. Mai 1999 &#8211; Trinitatis"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde, <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Jesaja Ben Amoz war ein Israelit, wie viele andere auch. Er lebte in Jerusalem, geh\u00f6rte zur etwas besseren Gesellschaft. War verheiratet, hatte einige Kinder. Am Sabbat ging er in den Tempel. F\u00fcr ihn eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Man geht halt hin, um den Gott der Israeliten zu loben, ihm Opfer darzubringen. Auch dieses eine Mal, an das er sich immer wieder erinnern wird. Er war in den Tempel gegangen. Wie immer. Aber als er den Innenhof des Tempels betrat, war alles ganz anders: Er sah nur noch leuchtendes Wei\u00df. Er sah nicht mehr die anderen Menschen, die dort herumstanden, wie an jedem Sabbat. Jesaja sah etwas Anderes, etwas, das man mit den normalen menschlichen Augen nicht erkennen kann: Er hatte eine Visison. Er war verz\u00fcckt, entr\u00fcckt, perplex. <\/span><\/span><\/span><\/span><!--more--><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Was er da sah, was sich vor seinem inneren Auge abspielte, hat Jesaja aufgeschrieben. Denn das Erlebte machte aus dem Normalb\u00fcrger Jesaja Ben Amoz einen bedeutenden Propheten. Es ist uns erhalten im 6. Kapitel seines Prophetenbuches:<br \/>\n<em>In dem Jahr, als der K\u00f6nig Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum f\u00fcllte den Tempel. Serafim standen \u00fcber ihm; ein jeder hatte sechs Fl\u00fcgel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre F\u00fc\u00dfe, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den K\u00f6nig, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine gl\u00fchende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und r\u00fchrte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen ber\u00fchrt, da\u00df deine Schuld von dir genommen werde und deine S\u00fcnde ges\u00fchnt sei. Und ich h\u00f6rte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: H\u00f6ret und verstehet&#8217;s nicht; sehet und merket&#8217;s nicht! Verstocke das Herz dieses Volks und la\u00df ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, da\u00df sie nicht sehen mit ihren Augen noch h\u00f6ren mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. <\/em><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\nDas hat Jesaja erlebt, als er den Jerusalem den Tempel besuchte. Eine packende Begegnung mit seinem Gott. Da ist etwas passiert, womit er nicht rechnen konnte. Wenn ein Israelit in den Tempel geht, wenn wir in der Kirche sitzen, dann rechnen wir mit der Gegenwart Gottes. Aber doch nicht so, da\u00df er wirklich dasitzt, da\u00df Jesaja Gottes Gewandsaum sehen kann, der allein schon den gesamten Tempelhof f\u00fcllt. Aber doch nicht so, da\u00df die Engel derart Loblieder schmettern, da\u00df der Boden davon bebt.<br \/>\nEs ist so, als h\u00e4tte Jesaja die falsche T\u00fcr erwischt. Als w\u00e4re er nicht eben durch die Tempelt\u00fcr geschritten, sondern w\u00e4re durch das Tor geschl\u00fcpft, hinter dem Gott selbst wartet. Dort, wo sich der \u201ehimmlische Gottesdienst\u201c abspielt, dessen Abbild unser Feiern sein will. Was Jesaja erlebt ist f\u00fcr uns schwer vorstellbar; und f\u00fcr ihn unfa\u00dfbar. Er steht vor dem gro\u00dfen, heiligen Gott. Vor dem, den kein Auge wirklich fassen kann. Seine Gegenwart scheint den Menschen Jesaja f\u00f6rmlich zu erdr\u00fccken. &#8222;Weh mir, ich vergehe&#8220; ruft er. Er sp\u00fcrt es: Ich bin diesem Gott nicht gewachsen. Vor diesem Gott kann man nicht \u201eeinfach so\u201c dastehen, wie vor einem Menschen; er \u00fcbersteigt alles, was ich sehen, h\u00f6ren, denken kann.<br \/>\nJa, der lebendige Gott ist eben nicht der nette Arbeitskollege. Er ist eben nicht nur ein gedachtes h\u00f6heres Wesen. Auch nicht eine alles nett mal durchflie\u00dfende Lebenskraft. Nein, dieser Gott ist eben Gott. Das hat Jesaja erlebt, gesp\u00fcrt: \u201eZwischen mir Menschen und diesem Gott sind Welten dazwischen. Hier trifft das verg\u00e4ngliche Gesch\u00f6pf auf seinen ewigen Sch\u00f6pfer\u201c. Ein brenzlige Situation.<br \/>\nAber: Jesaja ist ja nicht eigenm\u00e4chtig und heimlich durch diese T\u00fcr in den Himmel geschlichen. Er hat sich das ja nicht ausgesucht. Diese Vision, was Jesaja da sieht, das hat ja Gott gewirkt. Gott hat Jesaja quasi zur Audienz gebeten, hat ihn zu sich eingeladen. Das ist eben auch \u201eGott\u201c: Der heilige, unnahbare Gott geht auf uns Menschen zu. Er hat sich dem Mose im Dornbusch gen\u00e4hert. Er hat dem Volk Israel den Auftrag gegeben, die Stiftsh\u00fctte und sp\u00e4ter den Tempel zu bauen, als Ort der Begegnung von Gott und Mensch. Und: Er ist uns in der Person Jesu Christi so nahe gekommen wie noch nie. Jesus Christus &#8211; das war Gott unter uns Menschen.<br \/>\nGott selbst schafft Begegnungen mit ihm. Hat er Sehnsucht nach uns Menschen, seinen Gesch\u00f6pfen. Treibt ihn seine Liebe zu uns dazu? Liegt es daran, da\u00df wir Menschen ohne Gott letztlich verloren w\u00e4ren? Auf jeden Fall k\u00f6nnen wir sehen: Dieser Gott ist kein Sch\u00f6pfer, der uns in Dasein gebracht hat, und uns seitdem alleine durch den Kosmos schlittern l\u00e4\u00dft. Er ist viel eher wie eine Mutter, die ihr kleines Kind besch\u00fctzt, beh\u00fctet.<\/p>\n<p>Ja, was denn nun, Herr Vikar? Ist jetzt Gott der Unfa\u00dfbare, Unnahbare, oder will er uns nahe sein? Beides zusammen geht doch nicht! Vielleicht aber doch? Schauen wir an, wie es Jesaja erging. Er schreibt: Da sprach ich:<i> Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den K\u00f6nig, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine gl\u00fchende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und r\u00fchrte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen ber\u00fchrt, da\u00df deine Schuld von dir genommen werde und deine S\u00fcnde ges\u00fchnt sei. <\/i><br \/>\nEine fast gruselige Vorstellung. Ich m\u00f6chte Sie erinnern: Das ist eine Vision, die Jesaja, da vor Augen hat. Gott hat ihn das im Geiste erleben lassen, als er da im Tempel war. Er hat nachher wohl ohne Brandblasen den Tempel verlassen, aber das Erlebte hat ihn dennoch ver\u00e4ndert.<br \/>\nWas ist da passiert? Jesaja selbst stellt fest: Ich bin ein Mensch, der die N\u00e4he Gottes nicht ertragen kann. Ich bin S\u00fcnder &#8211; ich habe unreine Lippen sagt er &#8211; . Ich bin anders, als Gott mich gedacht hat. Ich bin voller Fehler, die mich von Gott trennen. So, wie ich bin, kann ich mich vor Gott nicht blicken lassen. Er wei\u00df genau, wie ich bin. Ihm kann ich nichts vormachen. Und er wei\u00df: Ich kann auch nicht besser werden. Ich habe nicht mal eine Chance, irgendwann mal Gott zu entsprechen. Ich geh\u00f6re zu einem Volk mit unreinen Lippen. Wir stecken alle in dem Dilemma und k\u00f6nnen da nicht raus. &#8211; So Jesajas Worte.<br \/>\nUnd wie reagiert Gott darauf: Ein Serafin, eine Engelsgestalt, holt vom Altar eine Kohle, und reinigt damit die Lippen des Jesaja. Das besondere daran: Nicht Jesaja tut hier was, um vor Gott annehmbar zu erscheinen. Es ist Gottes Initiative. Gott macht den Jesaja zu einem Menschen, der vor Gott stehen kann, der sich vor Gott sehen lassen kann. Jesaja h\u00e4tte sich nicht am eigenen Schopf aus seiner S\u00fcndhaftigkeit herausziehen k\u00f6nnen. Gott macht das. Gott spricht mit dieser Symbolhandlung Jesaja gerecht.<br \/>\nAuch als Christ bin ich nicht gerecht vor Gott, sondern Gott sagt mir: Ich vergebe dir, ich nehme dich an. In vielen Gottesdiensten erinnert man sich gleich zu Beginn daran: Im S\u00fcndenbekenntnis sprechen wir es aus: \u201eDer allm\u00e4chtige Gott erbarme sich unser, er vergebe uns unsere S\u00fcnde\u201c. Und wir h\u00f6ren danach die Antwort: Gott hat sich erbarmt &#8211; Der Tod und die Auferstehung Jesu ist seine Initiative, um uns gerecht sprechen zu k\u00f6nnen. Und zugleich erinnert uns dieser Beginn eines Gottesdienstes daran: Wir haben es mit einem heiligen Gott zu tun. Einem Gott, der eben nicht der Kumpel nebenan ist.<\/p>\n<p>Ein altes Wort bringt das auf den Punkt: Gottesfurcht. Eine Haltung, die wei\u00df: Gott, mein Sch\u00f6pfer und Herr ist nicht irgendwer. Wenn ich von ihm rede, wenn ich mit ihm im Gebet spreche, ist das etwas Besonderes. Ich habe Audienz bei Allerh\u00f6chsten! Dann kann auch der Gottesdienstraum etwas besonderes sein &#8211; denn da ist Gott mir in besonderer Weise nahe. Nat\u00fcrlich kann diese Gottesfurcht auch erstarren. Ein steifes Verhaltenskorsett werden; dann k\u00f6nnen fromme Floskeln inhaltsleer werden.<br \/>\nNicht weniger problematisch finde ich, wenn man die Ehrfurcht vor Gott wegwirft. Das passiert immer h\u00e4ufiger. Wo man \u00fcber Gott bl\u00f6de Witze macht, wo man Jesus am Kreuz als Klorollenhalter darstellt, da ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich eine Schwelle \u00fcberschritten. Nicht blo\u00df deshalb, weil das meinen Glaubens\u00fcberzeugungen nicht pa\u00dft, meine Gef\u00fchle verletzt. Nein, weil sich da Menschen nicht mehr bewu\u00dft sind, mit wem sie hier ihr Spielchen treiben.<br \/>\nGott ist Gott &#8211; Jesaja hat es erlebt &#8211; ihm ist klar, wer von ihnen beiden im Falle eines Falles die Witzfigur w\u00e4re.<\/p>\n<p>Jesajas Begegnung mit Gott ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Etwas vergleichbares &#8211; Visionen &#8211; erleben nur wenige Menschen. Aber es gibt sie, die Begegnungen mit Gott, bei denen einem nachher die Knie zittern.<br \/>\nDer Gott, der sich nach uns Menschen sehnt, ist uns aber nicht nur als der M\u00e4chtige nahe. Daran erinnert uns der Sonntag Trintatis. Unser Gott gegegnet uns in Vater, Sohn und Heiligem Geist.<br \/>\nDem Vater begegnen wir auch in der Sch\u00f6pfung, den grandiosen und den zarten, filigranen Sch\u00f6pfungswerken.<br \/>\nDen Sohn sehen wir bezeugt im Neuen Testament. Wo Gott in Jesus Christus wirklich Mensch wurde, wo er uns durch ihn zeigte: Ich spreche euch Menschen gerecht &#8211; ihr seid mir recht!<br \/>\nUnd wir k\u00f6nnen Gott auch in uns selbst begegnen: Sein Heiliger Geist bewegt uns dazu, in seinem Namen zu handeln. Wo unser Herz f\u00fcr diesen Gott brennt. Wo wir Freude daran haben, mit anderen Christen zusammenzusein.<br \/>\nSo vielf\u00e4ltig, n\u00e4mlich drei-faltig, Gott ist, so vielf\u00e4ltig sind seine Wege, uns nahezusein. Als allm\u00e4chtiger Herr kann er mir begegnen und auch im Freund, der mich liebevoll tr\u00f6stet. Jedes Mal ist der gleiche Gott am Werke, der Eine, in Vater, Sohn und Heiligem Geist.<br \/>\nAmen\u00a0<\/span> <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Jesaja Ben Amoz war ein Israelit, wie viele andere auch. Er lebte in Jerusalem, geh\u00f6rte zur etwas besseren Gesellschaft. War verheiratet, hatte einige Kinder. Am Sabbat ging er in den Tempel. F\u00fcr ihn eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. 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