{"id":1822,"date":"1999-09-26T23:50:32","date_gmt":"1999-09-26T22:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1822"},"modified":"2017-10-24T20:16:14","modified_gmt":"2017-10-24T19:16:14","slug":"predigt-wie-gross-muss-der-glaube-sein-damit-wunder-geschehen-markus-9-17-27-26-september-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1822","title":{"rendered":"Predigt: Wie gro\u00df mu\u00df der Glaube sein, damit Wunder geschehen? (Markus  9, 17-27 ) 26. September 1999"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in der letzten Woche starb Raissa Gorbatschowa, die Ehefrau des ehemaligen Pr\u00e4sidenten der UDSSR, Michail Gorbatschow. Sie war schon l\u00e4nger an Leuk\u00e4mie erkrankt, nun in Deutschland in Behandlung. Ihr Mann, war an ihrer Seite. Der einst m\u00e4chtigste Mann der Sowjetunion, der mit Perestroika und Glasnost Weltgeschichte geschrieben hat, war hier machtlos, wie jeder Andere. In dieser Zeit des Bangens und Hoffens sagte er in einem Interview: \u201evielleicht wird uns auch der Herrgott nicht vergessen. In solchen F\u00e4llen f\u00e4ngt man an, auch \u00fcber Gott nachzudenken.&#8220; &#8211; Soweit das Zitat<!--more-->Der einstige F\u00fchrer eines Staates, f\u00fcr den Religion als \u201eOpium f\u00fcrs Volk&#8220; angesehen und bek\u00e4mpft wurde, fragt in dieser Situation nach Gott. &#8211; ganz leise nur.<\/p>\n<p>Kein gro\u00dfes Bekenntnis, kein bergeversetzender Glaube kommt hier zum Vorschein. Eher nur ein Hauch von Glaube, ein bisschen Hoffnung auf Gott.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht wird uns auch der Herrgott nicht vergessen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Reicht das?<\/p>\n<p>&#8211; Wie gro\u00df muss er denn sein, der Glaube, damit ein Wunder geschieht?<\/p>\n<p>&#8211; Wie klein darf er den sein, damit es noch \u201eGlaube&#8220; ist?<\/p>\n<p>Diese Frage m\u00f6chte ich dem heutigen Predigttext stellen. Einer Wundergeschichte aus dem Markusevangelium, im 9. Kapitel.<\/p>\n<p><em>Einer aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, rei\u00dft er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Z\u00e4hnen und wird starr. Und ich habe mit deinen J\u00fcngern geredet, da\u00df sie ihn austreiben sollen, und sie konnten&#8217;s nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungl\u00e4ubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, ri\u00df er ihn. Und er fiel auf die Erde, w\u00e4lzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist&#8217;s, da\u00df ihm das widerf\u00e4hrt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, da\u00df er ihn umbr\u00e4chte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst &#8211; alle Dinge sind m\u00f6glich dem, der da glaubt.<\/em><br \/>\n<em>Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, da\u00df das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und ri\u00df ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so da\u00df die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine wuchtige Geschichte, in der viel passiert.<\/p>\n<p>Ich sehe ein Kind, das ist krank, mit einer Krankheit, die die Eltern in die Verzweiflung treibt. Der Sohn ist besessen von einem sprachlosen Geist, der ihn immer wieder anfallartig niederwirft. So beschreibt es der Vater. Der war bei den J\u00fcngern Jesu, sie sollten das Kind heilen, und haben es auch versucht. Aber vergeblich. Und Jesus scheint den Grund zu kennen: \u201eUngl\u00e4ubiges Geschlecht&#8220; beschimpft er seine Anh\u00e4nger. Ihnen fehlt der Glaube, um das Kind zu heilen. Ohne Glaube geht nichts.<\/p>\n<p>Ich sehe einen Vater, der verzweifelt Jesus anfleht: \u201eWenn du was kannst, dann hilf uns&#8220;. \u201eWenn du was kannst&#8220;. Spr\u00fccheklopfer, dubiose Heiler hat der Vater schon zu oft erlebt. Sein Vertrauen ist ersch\u00fcttert. Die Begegnung mit den unf\u00e4higen J\u00fcngern hat ihr \u00fcbriges getan. Und als Jesus ihm zum Glauben aufruft, schreit er unter Tr\u00e4nen: \u201eIch glaube, hilf meinem Unglauben!&#8220; Ein scheinbar widerspr\u00fcchlicher Satz. &#8211; Wie viel Glaube steckt wohl in einem solchem Schrei?<\/p>\n<p>Im Konfirmandenkurs habe ich danach gefragt. Eine Konfirmandin zog leicht die Nase hoch, z\u00f6gerte und sagte \u201enicht viel, oder?&#8220; &#8211;<\/p>\n<p>Reicht so viel Glaube f\u00fcr ein Wunder?<\/p>\n<p>Jesus zeichnet verantwortlich f\u00fcr den bekanntesten Satz der ganzen Erz\u00e4hlung: \u201ealle Dinge sind m\u00f6glich dem, der glaubt&#8220;. Eine vollmundige Versprechung. Alles soll m\u00f6glich sein, wenn man nur glaubt! &#8211; Aber Jesus verspricht es nicht nur, er gibt nicht nur die Parole aus, nein &#8211; er steht auch selber daf\u00fcr ein: Er heilt das Kind. Jesus befiehlt dem Geist &#8211; der Macht, die das Kind qu\u00e4lt &#8211; er befiehlt der Krankheit, den Jungen zu verlassen. &#8212; Und es geschieht.<\/p>\n<p>So einen Glauben m\u00f6chte ich haben. Das w\u00e4re es! Ein Glaubensheld zu sein, der alles kann. Ein vollm\u00e4chtiger Gottesknecht. Zu kleinen und gro\u00dfen Wundern f\u00e4hig; mit einem Glauben der alles zu ver\u00e4ndern mag.<\/p>\n<p>Ich habe gefragt: Wie gro\u00df mu\u00df der Glaube sein, damit Wunder geschehen.Und was habe ich dieser Wundererz\u00e4hlung gesehen?<\/p>\n<p>&#8211; Einen Jesus der sagt \u201ealle Dinge sind m\u00f6glich dem, der glaubt&#8220;, und sich dar\u00fcber ausschweigt, oder Glaube gro\u00df oder klein sein darf.<\/p>\n<p>&#8211; J\u00fcnger habe ich gesehen, denen der Glaube fehlte. \u201eUn-gl\u00e4ubig&#8220; hat Jesus sie genannt.<\/p>\n<p>&#8211; Und diesen Vater, der sein letztes bisschen Glaube zusammenkratzt, das grade ausreicht zu einem \u201eich glaube, hilf meinem Unglauben&#8220;.<\/p>\n<p>&#8212; und das Wunder ist geschehen&#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht habe ich falsch gefragt. Geht es etwa gar nicht um \u201eviel&#8220; oder \u201ewenig&#8220; Glauben?<\/p>\n<p>Was ist denn \u201eGlaube&#8220; eigentlich?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ihn einmal so beschreiben: Er hat wenig mit dem KOPF zu tun, viel mit dem HERZEN, und sehr viel mit den F\u00dc\u00dfEN:<\/p>\n<p>&#8211; Worauf stehe ich?<\/p>\n<p>&#8211; Was ist das Fundament meines Lebens?<\/p>\n<p>&#8211; Ist Gott der Grund meines Lebens?<\/p>\n<p>Glaube hei\u00dft f\u00fcr mich: Ich baue mein Leben auf Gott, wei\u00df mich in seiner Hand und erwarte, dass letztlich von ihm kommt, was ich zum Leben brauche.<\/p>\n<p>Wer glaubt, der gr\u00fcndet sein Leben auf Gottes guten Willen f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Wer glaubt hat darum eine offene T\u00fcr in seinem Leben, durch die Gott in sein Leben tritt und es ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Wo ein Mensch diese offene T\u00fcr f\u00fcr Gott hat, durch die der Allm\u00e4chtige eintreten darf, da sind dann auch alle Dinge m\u00f6glich. &#8211; So verstehe ich diesen Satz Jesu: \u201ealle Dinge sind m\u00f6glich dem, der da glaubt&#8220; &#8211; Wo Gott im Spiel ist, da ist eben nichts unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vielleicht sind die J\u00fcnger Jesu mit ihren Heilungsversuchen gescheitert, weil sie diese offene T\u00fcr zu Gott verschlossen hatten. Wollten sie im Vertrauen auf eigene Vollmacht den Jungen heilen? Immerhin sind sie ja Jesu ausgew\u00e4hlte J\u00fcngerschar. Haben sie vergessen: Nicht die Glaubenshelden vollbringen die Heilung, sondern Gott selber.<\/p>\n<p>Wie ist das mit dem Vater, hat er den Glauben, der den J\u00fcngern fehlt? Er ist verzweifelt, am Ende, hat fast keine Hoffnung mehr. Er wirft sich Jesus fast f\u00f6rmlich an die Brust und schreit: \u201eWenn du was kannst, dann erbarme dich und hilf uns&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist ein anderer Text als \u201eso nimm denn meine H\u00e4nde&#8220;. Da spricht kein Glaubensheld, sondern einer der sich an Jesus als letzten Strohhalm klammert. Und gerade darin steht seine T\u00fcr f\u00fcr Gottes Handeln sperrangelweit offen.<\/p>\n<p>Es ist paradox: Der Glaube, der nach Jesu Worten alles m\u00f6glich macht ist keine Leistung. Es ist ein \u201esich klammern an Gott&#8220;. -\u201e Ich glaube, hilf meinem Unglauben&#8220; bringt das auf den Punkt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich: Das Unvorstellbare wird wahr: Das Kind des Mannes wird von dem D\u00e4mon befreit.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr uns heute schwierig, von D\u00e4monen zu sprechen. In medizinischen Begriffen fassen wir die Krankheit des Kindes heute wohl unter Epilepsie. F\u00fcr uns eine Krankheit mit medizinischen Ursachen.<\/p>\n<p>Aber ich m\u00f6chte diesen antiken Begriff nicht einfach beiseite legen. D\u00e4monisch &#8211; das hei\u00dft: hier ist etwas bedrohlich, unheimlich, au\u00dferhalb meiner Macht.<\/p>\n<p>&#8211; Die Krebskrankheit von Raissa Gorbatschowa war f\u00fcr sie und ihren Mann sicherlich eine bedrohliche Macht, die nach ihrem Leben griff.<\/p>\n<p>&#8211; Eltern erleben die Epilepsiekrankheit ihres Kindes manchmal auch als \u201ed\u00e4monisch&#8220;: Die Angst vor einem neuen Anfall &#8211; man wei\u00df nie, wann er kommt, man ist hilflos.<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr mich haben mache gesellschaftlichen Entwicklungen auch etwas d\u00e4monisches: \u201eSoziale K\u00e4lte&#8220;- immer mehr Menschen und Unternehmen sind nicht mehr bereit, auf andere R\u00fccksicht zu nehmen. Das l\u00e4\u00dft mich erschaudern. Und ich wei\u00df: ich kann da nur machtlos zuschauen.<\/p>\n<p>Hilft Gott hier? Werden Krebskranke und Epileptiker gesund, wenn sie auf Gott ihre ganze Hoffnung setzen? Wird die soziale K\u00e4lte gebannt, wenn ich auf Gott vertraue?<\/p>\n<p>Ich kann es ihnen nicht in die Hand versprechen.<\/p>\n<p>Aber noch weniger ist es mir m\u00f6glich \u201enein&#8220; zu sagen.<\/p>\n<p>Vielleicht kennen sie selbst Erz\u00e4hlungen von Wundern, von Heilungen, mit denen niemand gerechnet hat. Es gibt sie.<\/p>\n<p>Manchmal steht davon in der Zeitung.<\/p>\n<p>In denke aber, viele Wunder geschehen im Verborgenen: Da ist die Frau, die schwerkrank in ihrem Klinikbett Gott um Hilfe anfleht &#8211; und sie wird gesund. F\u00fcr sie ist es ein Wunder Gottes. Aber sie wagt es nicht, ihren Freunden zu sagen. Denn sie ahnt deren Antwort: \u201edas haben die \u00c4rzte doch toll hingekriegt, das h\u00e4tte keiner gedacht&#8220;.<\/p>\n<p>Wunder haben nicht immer ein Etikett mit dem Schriftzug Sensation darauf.<\/p>\n<p>Wo Gott durch die offene T\u00fcr den Glaubens in ein Leben tritt, da ist alles m\u00f6glich &#8211; auch, dass man krank bleibt. Wir k\u00f6nnen kein Wunder durch unseren Glauben bewirken. Es ist Gottes Geschenk.<\/p>\n<p>Eltern sitzen betend vor den Betten ihrer leuk\u00e4miekranken Kinder und &#8211; kein Wunder geschieht. Das ist eine Erfahrung, die auch glaubende Christen erleben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vielleicht &#8230; gibt es noch eine andere Form von Heilung durch den Glauben. Denn Glaube hei\u00dft: Ich wei\u00df mich in Gottes Hand. Vielleicht kann ich mich in dieser Hand Gottes geborgen f\u00fchlen, selbst wenn ich nicht gesund werde.<\/p>\n<p>~ Vielleicht gewinne ich eine neue Sicht meiner Situation, wenn ich mich an Gott klammere.<\/p>\n<p>~ Vielleicht tr\u00f6stet mich dieser Gedanke der N\u00e4he Gottes.<\/p>\n<p>\u201eUnser Glaube ist der Sieg, der die Welt \u00fcberwunden hat&#8220; so lautet unser Wochenspruch.<\/p>\n<p>Dieser Glaube ist nicht der der unersch\u00fctterlichen Glaubenshelden,<\/p>\n<p>es ist der Glaube, der seine Hoffnung auf Gott richtet. Und sei diese Hoffnung mit noch so zittriger und schwacher Stimme ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Dieser Glaube h\u00e4lt die T\u00fcr offen f\u00fcr Gottes Handeln, das unser Leben heil machen will.<\/p>\n<p>Er kann uns heil machen, indem er uns Lasten abnimmt,<\/p>\n<p>oder indem er uns Kraft gibt sie zu ertragen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, in der letzten Woche starb Raissa Gorbatschowa, die Ehefrau des ehemaligen Pr\u00e4sidenten der UDSSR, Michail Gorbatschow. Sie war schon l\u00e4nger an Leuk\u00e4mie erkrankt, nun in Deutschland in Behandlung. Ihr Mann, war an ihrer Seite. Der einst m\u00e4chtigste Mann der Sowjetunion, der mit Perestroika und Glasnost Weltgeschichte geschrieben hat,\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1822\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Wie gro\u00df mu\u00df der Glaube sein, damit Wunder geschehen? (Markus  9, 17-27 ) 26. 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