{"id":1801,"date":"2000-11-05T23:20:46","date_gmt":"2000-11-05T21:20:46","guid":{"rendered":"http:\/\/pastors-home.de\/?p=1801"},"modified":"2014-06-05T23:22:46","modified_gmt":"2014-06-05T21:22:46","slug":"predigt-paulus-und-meine-aktien-beim-lieben-gott-galater-5-1-6-5-november-2000-reformationstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1801","title":{"rendered":"Predigt: Paulus und meine Aktien beim lieben Gott (Galater 5, 1-6) 5. November 2000, Reformationstag"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Er sitzt noch immer an seinem Schreibtisch. Es ist inzwischen dunkel geworden. Zwei \u00d6llampen spenden eher schlecht als recht einen schwachen Schimmer. In seiner rechten Hand die Schreibfeder. Die Tinte an ihrer Spitze ist schon wieder eingetrocknet.<br \/>\nPaulus, der Apostel, gr\u00fcbelt schwerm\u00fctig: Warum? Warum lassen sie sich nur so leicht von anderen Leuten im Glauben irre machen? Damals, als er die Christen in Galatien verlie\u00df, hatte er ein gutes Gef\u00fchl gehabt. Diese Frauen und M\u00e4nner in Kleinasien hatten verstanden, worum es beim christlichen Glauben ging. Sie hatten sich taufen lassen. Einige besonders F\u00e4hige unter ihnen hatte er gebeten, als Gemeinde\u00e4lteste f\u00fcr die Einheit der Gemeinde zu sorgen, und das Evangelium weiter zu verk\u00fcndigen. So hatte er es bei fast allen seiner neu gegr\u00fcndeten Gemeinden gemacht. <\/span><\/span><\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Was dann passiert ist, das h\u00e4tte er sich in seinen verr\u00fccktesten Phantasien nicht vorgestellt. Und wenn nicht einer der Gemeindeleiter, Simon, zu ihm nach Ephesus gekommen w\u00e4re, h\u00e4tte er nie etwas davon erfahren. Jedesmal, wenn Paulus daran denkt, ballt er seine H\u00e4nde: Als h\u00e4tten sie darauf gewartet, dass Paulus die Galater verl\u00e4sst, sind Missionare aus Jerusalem in diese neuen Gemeinden gekommen und haben nach-missioniert: \u201eJa ihr lieben Bekehrten, wir freuen uns, das ihr Christen geworden seid. Aber Paulus hat vergessen, euch das wichtigste zu sagen: Um zu Gott zu geh\u00f6ren fehlt euch noch etwas: Ihr m\u00fcsst die Gebote des Mose halten und die M\u00e4nner m\u00fcssen sich beschneiden lassen, wie es alle Juden tun. &#8211; Sonst habt ihr bei Gott keine Gnade.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein nein nein\u201c schreit Paulus durch sein Arbeitszimmer. \u201eDas kann nicht wahr sein. Wie oft habe ich euch unverst\u00e4ndigen Galatern gepredigt, dass allein der Glaube an Christus rettet. &#8211; Aber was soll ich euch noch schreiben, damit euch das endlich klar wird!\u201c<br \/>\nWie im Reflex taucht er seine Feder in die Tinte. Vier Seiten hat er schon geschrieben. Aber er ist noch nicht zufrieden. Man kann es ihnen nicht oft genug vorhalten. So setzt er noch einmal an:<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren aus dem 5. Kapitel des Briefes an die Galater:<br \/>\n<i><b>Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts n\u00fctzen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden l\u00e4sst, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen mu\u00df. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe t\u00e4tig ist.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nin seinem Brief, auch in den Zeilen des Predigttextes k\u00e4mpft Paulus. Er k\u00e4mpft gegen die Galater und eigentlich ja f\u00fcr sie. Und er hat nicht die allerbesten Karten.<\/p>\n<p>Die Missionare aus Jerusalem fordern viel: Eigentlich die Bekehrung zu einem Judenchristentum: Die Beschneidung der M\u00e4nner und das Einhalten aller j\u00fcdischen Gesetze.<br \/>\nDaf\u00fcr bieten sie auch einiges: Vollmundig k\u00f6nnen sie versprechen: Dann geh\u00f6rt ihr zum Volk Gottes, dann ist euch das Heil gewiss. Denn wo klare Leitlinien sind, da kann man sich dran halten. Man kann etwa tun f\u00fcr sein Heil. Wenn man den Sabbat h\u00e4lt, die Speisegebote peinlich genau beachtet, dann hat man schon etwas f\u00fcr sein Heil getan.<br \/>\n&#8211; Ohne Ironie: Das hat etwas f\u00fcr sich! Genaue Regeln helfen mir, mich selber einzusch\u00e4tzen. Je nachdem, wie gut das klappt, steigen oder sinken meine Aktien bei Gott.<\/p>\n<p>Die Gemeinden aus Galatien gibt es heute nicht mehr. Aber sie haben viele Erben.<br \/>\nIch denke da an einen Mann, der sein Jurastudium abgebrochen hat und ins Kloster eingetreten ist. Er glaubte, f\u00fcr Gott nicht gut genug zu sein. Darum ging er in das strengste Kloster, das er kannte und versuchte von da an ohne Fehler zu leben.<br \/>\nWenn er das geschafft h\u00e4tte, dann w\u00e4re er sich sicher gewesen: Ich bin vor Gott gerecht. Dann h\u00e4tte er die Sicherheit gehabt, die auch den Galatern versprochen wurde. Wenn du die Regeln einh\u00e4ltst, dann liebt dich Gott. &#8212; Bei diesem M\u00f6nch hat es nicht geklappt, er war eben nicht perfekt, und es hat ihn fast verr\u00fcckt gemacht. Bis er schlie\u00dflich beim Lesen der Paulusbriefe entdeckt hat: So wie ich es mir gedacht habe, funktioniert es nicht.<\/p>\n<p>Paulus schreibt: Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt. Den Galatern und diesem M\u00f6nch sagt er:<br \/>\nWenn ihr durch eure guten Taten vor Gott gut dastehen wollt, dann k\u00f6nnt ihr das gerne versuchen. Aber das hat nichts mehr mit Jesus zu tun. Den k\u00f6nnt ihr dann beiseite legen.<\/p>\n<p>Bei Christus sieht das anders aus: Da schreibt Paulus: wir warten durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen mu\u00df. Das ist etwas ganz anderes. Da steckt eine ganz andere Logik drin:<br \/>\nWenn ich durch Jesus Christus vor Gott gerechtfertigt werde, dann kriege ich das geschenkt. Ich muss es nur annehmen, das ist dann der Glaube.<br \/>\nDas Knifflige dran: Es ist eine Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Die besitzt man nicht. Anders als bei tollen Taten, die ich sammeln kann, aufschreiben, wo ich meinen Kurswert vor Gott ausrechnen kann. Es ist auf Hoffnung hin, ich habe es noch nicht in der Hand!<\/p>\n<p>Und genau das hat den Galatern wohl die Probleme bereitet und sie anf\u00e4llig f\u00fcr diese zweifelhaften Missionare aus Jerusalem gemacht. Weil man nichts in der Hand hat, nur darauf hoffen kann. &#8211; Da ist es nat\u00fcrlich verf\u00fchrerisch wenn einer sagt: \u201eDas und das musst du tun, und dann ist es OK. Beschneidung, Gebote halten, und dann bist du als Christ vor Gott aus dem Schneider.\u201c<\/p>\n<p>Der M\u00f6nch, von dem ich eben erz\u00e4hlt habe &#8211; sie werden es sich schon gedacht haben: Es ist Martin Luther. Er hat irgendwann entdeckt, dass der Glaube &#8211; das Vertrauen &#8211; in diese geschenkte Rechtfertigung ausschlaggebend ist. Und er hat gemerkt, wie riskant es ist, wenn wir unsere guten Taten noch zus\u00e4tzlich da mit ins Spiel bringen. Er, auch Paulus, hat nichts gegen gute Taten. Aber beide werden ziemlich w\u00fctend, wenn wir unseren Stand vor Gott mit guten Werken aufbessern wollen.<\/p>\n<p>Und das passiert uns Menschen mitunter ganz sch\u00f6n schnell. Es ist ja nicht nur die r\u00f6m-kath Kirche, die zwar ganz deutlich die Rechtfertigung aus dem Glauben bekennt. Zugleich aber ist ihre Lehre von den \u201eguten Werken\u201c so formuliert, dass man mit ihnen seinen Gnadenstand vor Gott dann doch mehren kann. ? Doch ein Blick auf die steigenden Aktien bei Gott?<br \/>\nIch denke an mich selber: Als Jugendlicher war die t\u00e4gliche Bibellese ein muss. Selbst wenn ich keine Lust hatte. Wenn ich da schlamperte, f\u00fchlte ich mich als schlechter Christ. &#8211; Auch hier: Ein verstohlener Blick auf meine Aktien bei Gott. &#8212; Ich merke, wie sich bei Paulus da wieder die F\u00e4uste ballen.<\/p>\n<p>Mein Ansehen vor Gott beruht auf dem Sterben und der Auferstehung Jesu Christi. Darum sind wir befreit, sagt Paulus. Wir sind frei davon, permanent unser eigenes Handeln darauf zu pr\u00fcfen, ob es vor Gott in Ordnung ist. Zur Freiheit hat uns Christus befreit!<br \/>\nIch h\u00f6re im Gedanken nicht nur unsere Konfirmanden:<br \/>\n\u201eJa, dann ist ja wurst, was wir machen. Dann ist ja eigentlich alles erlaubt! &#8211; Klasse!\u201c. Und die Leute von der CSU fragen vielleicht nach: \u201eHat sich die Kirche als moralische Instanz damit erledigt?\u201c<\/p>\n<p>Nein, eben nicht. Nach wie vor sollen wir Menschen nach dem Willen Gottes fragen und dementsprechend handeln. Diese Aufgabe ist uns als Gesch\u00f6pfen Gottes weiterhin gegeben.<br \/>\nAber Gott sieht unser Handeln anders an: Er sieht unsere Fehler, unsere S\u00fcnde, und vergibt uns wegen Jesus Christus.<\/p>\n<p>Unser Handeln hat einen andern Stellenwert. Der letzte Vers des Predigttextes sagt es: Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe t\u00e4tig ist.<br \/>\nDie Reformation hat es wieder ans Licht gebracht:<br \/>\nDer Glaube hat eine wichtige Nebenwirkung, wenn er uns zur Liebe, zum richtigen Handeln f\u00e4hig macht.<br \/>\nDie Hauptwirkung unseres Glaubens ist es aber, dass Gott unser Handeln beiseite l\u00e4sst, und uns vorbehaltlos annimmt.<\/p>\n<p>Amen <\/span><\/span><\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Er sitzt noch immer an seinem Schreibtisch. Es ist inzwischen dunkel geworden. Zwei \u00d6llampen spenden eher schlecht als recht einen schwachen Schimmer. In seiner rechten Hand die Schreibfeder. Die Tinte an ihrer Spitze ist schon wieder eingetrocknet. Paulus, der Apostel, gr\u00fcbelt schwerm\u00fctig: Warum? Warum lassen sie sich nur\u2026 <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.pastors-home.de\/?p=1801\">ich will weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Predigt: Paulus und meine Aktien beim lieben Gott (Galater 5, 1-6) 5. 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